SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für Dezember, 2011

Mitte September berichtete unsere Redaktion über einen fragwürdigen Prozess gegen einen psychisch kranken Mann. Dilan H., der unter paranoider Schizophrenie leidet und deshalb unter gesetzlicher Betreuung steht, wurde vom Regensburger Amtsgericht wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen verurteilt. Die Verhandlung wurde durchgezogen, obwohl offensichtlich war, dass Dilan H. nicht wusste, worum es überhaupt ging und obwohl er offensichtlich nicht in der Lage war, sich zu verteidigen (unser Bericht vom 21. September). Sein gesetzlich bestellter Betreuer war vom Gericht nicht informiert wurden. Auch ein Pflichtverteidiger wurde dem 47jährigen nicht zur Seite gestellt. Sein Betreuer, der Rechtsanwalt Heinrich Frohnauer, hatte das Verfahren gegenüber unserer Redaktion scharf kritisiert: „Mit den Grundsätzen eines ‘Fair Trial’ (Recht auf ein faires Verfahren, Anm. d. Red.) hatte das alles nichts zu tun.“ Frohnauer legte gegen das Urteil des Amtsgerichts Berufung ein und nun gab es eine überraschende Wendung: Das Landgericht Regensburg stellte das Verfahren gegen Dilan H. Ende November ein und dabei ist insbesondere die Staatsanwaltschaft gewaltig zurück gerudert.

Staatsanwaltschaft fordert erst halbes Jahr Haft, jetzt Einstellung

Diese hatte die Anklage vor dem Amtsgericht Regensburg überhaupt erst erhoben und – wegen Beleidigung und Körperverletzung – ein halbes Jahr Haft gefordert. Der Vorwurf der Körperverletzung wurde seinerzeit fallen gelassen und es folgte die oben erwähnte niedrige Geldstrafe wegen Beleidigung (zehn Tagessätze á fünf Euro). In II. Instanz nun beantragte die Staatsanwaltschaft plötzlich, das Verfahren einzustellen. Begründung: Dilan H. war bereits im Juli per Strafbefehl wegen Schwarzfahrens zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die zu erwartende Strafe in diesem Verfahren fiele demgegenüber „nicht beträchtlich ins Gewicht“. Diese Einstellung ist nicht gleichbedeutend mit einem Freispruch, hat aber gegenüber dem Urteil in I. Instanz einen entscheidenden Unterschied: Die Kosten des Verfahrens trägt nun nicht Dilan H., sondern die Staatskasse.

Brandstifter im Hafen unterwegs (Video)?

Am Wochenende brannte eine Imbissbude im Regensburger Osthafen. Nur zwei Tage später, in der Nacht von Montag auf Dienstag, gegen 3.45 Uhr, ging eine nicht weit entfernte 2.000 Quadratmeter große Lagerhalle in Flammen auf. Die Löscharbeiten dauerten den ganzen Tag, über 70 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um bis zum Dienstagabend die letzten Glutherde zu löschen. […]

Schaidinger sagt nein – Brückendiskussion beendet?

Brücken sind üblicherweise ein Symbol der Verbindung. Technisch gesehen tun sie das auch. Nur wenn man Brücken nicht baut, sondern darüber diskutiert, werden sie zum Spaltpilz. Die Diskussion um Nahverkehrsbrücken zwischen Stadt und Landkreis ist nun womöglich ganz abgerissen: Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) hat den gedanklichen Ewigkeitsbaustellen Sinzinger Nahverkehrsbrücke und Kneitinger Brücke eine endgültige Absage erteilt.

Let us entertain you! Eine Unternehmerin im Dschungel der Telekom

„Entertain“ das bedeutet unterhalten, belustigen oder erheitern. „Entertain“ heißt auch ein neuer Tarif der deutschen Telekom. „Entertain“ verspricht Surfen, telefonieren und digitales Fernsehen zum günstigen Pauschalpreis. Kann man dazu allen Ernstes Nein sagen? Nein! Zumindest kann ein solches „Nein“ ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen. Die Odyssee einer Regensburgerin durch die unterhaltsamen Gefilde der Telekom AG zieht sich mittlerweile zwei Monate hin. Ihre Geschichte muss sie uns – in Ermangelung eines funktionierenden Festnetz-Anschlusses – vom Handy aus erzählen.

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