Heute vor 100 Jahren

Adenauers frühe Experimente

Der Atatürk der Bundesrepublik mit seinem Basiliskenblick: so kennt man ihn. Plakat: Konrad-Adenauer-Stiftung

Vor hundert Jahren fand in München ein denkwürdiges Duell zwischen zwei Männern der alten Schule statt. Streitpunkt: die deutsche Republik.

KONRAD ADENAUER: KEINE EXPERIMENTE! So kennt man den Kanzler der konservativen Restauration, der „goldenen Fünfziger”, die am goldigsten für die alten Nazis waren, die wieder aus ihren Löchern herauskrochen und bis in Regierungsämter aufstiegen. Adenauer, der Pate der alten Bundesrepublik, der eherne Garant von Solidität, um nicht zu sagen: von festzementierten Verhältnissen – in Wahrheit war „der Alte” ein unsicherer Kantonist, der die oppositionelle SPD dermaßen fürchtete, dass er sie über zehn Jahre hinweg systematisch ausspionieren ließ. Wenn der Parteivorstand der SPD tagte, wusste Adenauer noch am gleichen Tag, was dort gesprochen worden war. Erst jetzt, im Jahre 2022, kam diese selbstverständlich durch und durch illegale Bespitzelung ans Licht.

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Systematischer Verfassungsbruch sicherte den Triumph

Dass Adenauer von 1949 bis 1963 Bundeskanzler war, dass er 1957 mit der Parole „Keine Experimente!” sogar die absolute Mehrheit errang, war nicht allein der Begeisterung des Wahlvolks für den unerschütterlich erscheinenden konservativen Katholiken geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass es kein einziges Manöver der SPD gab, von dem Adenauer überrascht gewesen wäre.

Die Unangefochtenheit, der Triumph des Konservativismus, der die Fünfziger Jahre für alle Nichtkonservativen zur bleiernen Zeit machte, basierte auf systematischem vorsätzlichem Verfassungsbruch durch den Regierungschef, den dieser, wäre er damals schon damit aufgeflogen, vermutlich damit gerechtfertigt hätte, das alles diene doch nur der Staatssicherheit. Denn die Sozialdemokraten, das waren bekanntlich die Vaterlandsverräter, die man gar nicht fest genug im Auge behalten konnte.

1922: ein Katholikentag von politischer Bedeutung

Umso erstaunlicher ist das Verhalten Adenauers in einer wenig bekannten historischen Episode 35 Jahre vor seinem Wahlsieg 1957 (der übrigens von solcher Wucht war, dass darüber die einzige bislang von der SPD geführte Landesregierung in Bayern auseinanderbrach). Es geht um ein Ereignis, das sich dieser Tage zum hundertsten Mal jährt: um den 62. Deutschen Katholikentag in München.

Wer in den vergangenen vierzig Jahren auf einem Katholikentag war, wundert sich jetzt sicher, was da passieren soll, was das Umfallen eines Sacks Reis in China überbieten könnte. Doch 1922 war das anders, da wurde tatsächlich heftig politisch diskutiert und gestritten. Nicht in irgendwelchen Arbeitskreisen, sondern auf oberster Ebene.

Kardinal Faulhabers „Tag der Bosheit”

Faulhaber mit bischöflichen Brustkreuz während des I. Weltkriegs im Schützengraben an der Westfront.

Es ging los am 27. August 1922. Zur Eröffnung des Katholikentags zelebriert der Münchner Erzbischof, Kardinal Michael Faulhaber, auf dem Königsplatz eine Pontifikalmesse, zu der 100.000 Katholiken aus allen deutschen Gauen angetreten sind. Seiner Predigt stellt Faulhaber ein Paulus-Zitat voran: „Brüder, werdet stark im Herrn! Legt die Rüstung Gottes an am Tage der Bosheit!” Sollte sich jemand fragen, was mit dem „Tag der Bosheit” gemeint ist, der Kardinal kommt bald zur Sache: Die gegenwärtige politische Verfasstheit Deutschlands, die demokratische Republik, das ist der „Tag der Bosheit”, das ist die Situation, mit der ein gläubiger Katholik nicht einverstanden sein kann, gegen die er aufbegehren muss.

Die Katholiken seien zwar durchaus zu Kompromissen bereit, doch die Schmerzgrenze sei längst überschritten. Die Schmerzgrenze, das war für Faulhaber der 8. November 1918, als in Bayern die Dynastie der Wittelsbacher und am Tag darauf in Berlin die Dynastie der Hohenzollern gestürzt worden war. Die Novemberrevolution, für den Münchner Erzbischof ist sie ein Verbrechen: „Die Revolution war Meineid und Hochverrat und bleibt in der Geschichte erblich belastet und mit dem Kainsmal gezeichnet.”

In einem Punkt ist sich Faulhaber mit Hitler einig

Faulhaber ist kein Freund der zwei Jahre zuvor im Münchner Hofbräuhaus gegründeten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei des Herrn Hitler, doch in dem Punkt ist man sich einig: Diejenigen, die in München und Berlin die Republik ausgerufen haben, das sind (bzw. waren, viele sind 1922 längst ermordet) die „Novemberverbrecher”.

Denn an erster Stelle, so Faulhaber, stehe doch der „Gehorsam gegen die Gesetze der Obrigkeit”, und mit Obrigkeit meint er nicht die demokratische. Im Gegenteil, lässt der Kardinal durchblicken, der Katholik habe gegenüber der demokratischen Obrigkeit das Recht zur Gehorsamsverweigerung: „Wo die Gesetze eines Staates mit den Geboten Gottes in Widerspruch stehen, da gilt der Satz: Gottesrecht bricht Staatsrecht.”

Dass die Gesetze der erst vor drei Jahren aus der Taufe gehobenen Weimarer Republik mit den Geboten Gottes in Widerspruch stehen, dafür nennt Seine Eminenz Beispiele. Der neue, seiner Meinung nach auf Meineid und Hochverrat gegründete Staat ist für ihn ein Staat, „der die Theaterseuche und die Kinoseuche nicht fernhält von seinem Volke, der durch neue Gesetze die Ehescheidung immer noch mehr erleichtert und die uneheliche Mutterschaft in Schutz nimmt”.

Kardinal Faulhaber 1923 (Mitte), links daneben: der deutsche Botschafter Dr. Otto Weidfeldt.

Das alles ist für den 1913 vom letzten bayerischen König in den Adelsstand erhobenen Faulhaber ein Gräuel – genauso wie die Existenz der evangelischen Kirche. Diesbezüglich, dekretiert der oberste Diener Gottes, gelte es, „die Wunden der Glaubensspaltung in unserem Volke zu heilen” und „die getrennten Brüder heimzuführen” – freundlicherweise „nicht mit Gewalt”. Im Klartext heißt das: Der Münchner Erzbischof verzichtet im Jahre des Herrn 1922 großmütig darauf, die Münchner Protestanten in der Isar katholisch zwangszutaufen.

Drei Tage hört sich Adenauer das Gehetze an

Dass mit diesem Herrn kein demokratischer Staat zu machen ist, ist allen 100.000 Zuhörern auf dem Königsplatz an diesem 27. August 1922 klar. Sollte es einzelne geben, die anderer Meinung sind? Sie sind Teilnehmer eines festlichen Pontifikalamts und somit per definitionem dazu verpflichtet, den Mund zu halten. Denn der von Faulhaber so verachtete und geschmähte demokratische Staat schützt die ungestörte Ausübung der Religion, jede Missfallenskundgebung während oder nach der erzbischöflichen Predigt würde strafrechtlich verfolgt.

Und doch, einen gibt es, der mit den Ausführungen des Kardinals so gar nicht einverstanden ist. Der aber die Contenance wahrt und gute Miene zum bösen Spiel macht. Drei Tage lang hört er sich das alles an, wie unter seiner Präsidentschaft gegen die junge Republik gehetzt wird, vor allem von Gastgeberseite, von den bayerischen Katholiken unter ihrem Anführer Faulhaber. Es ist der Katholikentagspräsident, der Repräsentant der zweiten katholischen Hochburg neben Bayern, des Rheinlands, es ist der Kölner Oberbürgermeister, er heißt Konrad Adenauer.

Eine spezifisch bayerische Beschränktheit

Ihm steht es zu, am 30. August die Schlussansprache zu halten. Und da schlägt er zurück. Nach vielen freundlichen Dankesworten, auch an die Adresse des „Hochwürdigsten Herrn Kardinals”, kommt er auf den Punkt. Es habe „bei der Beurteilung der gegenwärtigen staatlichen Verhältnisse” eine gewisse „Verschiedenheit” gegeben, ja: „Es sind hie und da Äußerungen gefallen, die man sich aus Verhältnissen örtlicher Natur erklären kann, hinter denen aber die Gesamtheit der deutschen Katholiken nicht steht.”

Verhältnisse örtlicher Natur? Der Katholikentagspräsident nennt niemanden beim Namen: „Manche katholischen Kreise müssen ihr Gefühl etwas zurücktreten lassen.” Denn: „Im staatlichen Leben dürfen Gefühlsmomente, und mögen sie an sich noch so großer Achtung wert sein, keine ausschlaggebende Rolle spielen.”

Spätestens hier hat der ganze Saal verstanden. Adenauer spricht von der gefühlsmäßigen Abwehr vieler bayerischer Katholiken gegen den neuen demokratischen Staat. Er spricht von einer spezifisch bayerischen Beschränktheit, die sich stur weigert, die Realität anzuerkennen. „Nötig ist”, sagt Adenauer, „die kühle und klare Erkenntnis der Dinge und der Möglichkeiten.” Kein kindisches Verharren in Wunschdenken.

Adenauer: Faulhaber liegt völlig falsch

Insbesondere der namentlich nicht genannte Kardinal Faulhaber liegt nach Adenauers Überzeugung völlig falsch: „Es verrät Mangel an historischem Blick, die heutige Verfassung verantwortlich zu machen für die heutigen Zustände.” Will heißen: Die gegenwärtige unsichere Lage, die unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln, die Inflation, das sind die Folgen des zusammengebrochenen alten Staates und des von ihm verantworteten Krieges. Es ist falsch, die fragilen Verhältnisse der jungen Republik anzulasten.

Und schließlich bemüht Adenauer eine eindeutige Metapher für den Sturz der Monarchie, für die Novemberrevolution: „Wenn der Sturm Äste und Bäume bricht, so war der Sturm nur der Anstoß, denn die Bäume und Äste waren alt und morsch”.

Es hagelt Schimpfwörter – auch von Geistlichen

Jetzt sind Adenauers Zuhörer auf den Barrikaden. In einem siebenseitigen Manuskript in Adenauers Nachlass, ein paar Wochen nach dem Katholikentag geschrieben, beschreibt Adenauer die Wirkung seiner Rede so (er spricht von sich in der dritten Person): „Er ist deswegen von einem großen Teile der auf den Ehrentribünen versammelten prominenten bayerischen Katholiken, namentlich auch von Geistlichen, mit den gröbsten Schimpfworten insultiert worden.”

Konrad Adenauer 1928 als Oberbürgermeister von Köln. Foto: Bundesarchiv

Der gleiche Konrad Adenauer, der 1957 mithilfe seiner illegalen Ausspähung der SPD die absolute Mehrheit in Bonn davonträgt, nebenbei auch noch den bayerischen SPD-Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner stürzt, sich dabei aber auch zu Tode siegt, der gleiche Konrad Adenauer legt sich 35 Jahre zuvor unerschrocken mit den bayerisch-bornierten Feinden der Republik an, die sich in die achso gute alte Zeit von König und Kaiser zurückträumen.

Im katholischen München hatte die Demokratie keine Mehrheit

Die Rede Konrad Adenauers zum Abschluss des 62. Deutschen Katholikentags in München wäre für die bayerischen Katholiken die Chance ihres Lebens gewesen. Die wenigsten haben sie genutzt. Wenn sich die bayerischen Katholiken Ende August 1922 mehrheitlich dazu herbeigelassen hätten, ihre falschen Träume von der Wiederkehr von Kronprinz, König und Kaiser fahren zu lassen, wenn sie sich stattdessen dazu durchringen hätten können, die demokratische Republik nicht weiter hängenzulassen und zu sabotieren, sondern sie zu unterstützen, dann wäre der Herr Hitler ein Jahr später, im November 1923, gar nicht auf die Idee gekommen, zur Feldherrnhalle zu marschieren und einen ersten Versuch zu unternehmen, die Republik zu beseitigen.

Er tat dies nur, weil er davon ausgehen konnte, dass speziell im katholischen München die demokratische Republik gefühlsmäßig keine Mehrheit hatte. Die Weimarer Republik wurde nicht am 30. Januar 1933 vergeigt, sondern vor hundert Jahren, Ende August 1922, auf dem 62. Katholikentag in München.

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Kommentare (18)

  • xy

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    Am 20. Mai 1949 noch lehnte der Bayerische Landtag auf Empfehlung der Bayerischen Staatsregierung das Grundgesetz mit 101:64 Stimmen ab, nicht zuletzt auch deshalb, weil es von vielen Abgeordneten als zu wenig christlich empfunden wurde. Nur weil zwei Drittel der westdeutschen Länder dem Grundgesetz bereits zugestimmt hatten, trat das Grundgesetz trotzdem in Kraft.

  • joey

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    ja, das waren noch Zeiten, wo die SPD keinen Schröder, Scholz und Kühnert hatte. Da war das eine Arbeiterpartei.
    Heute kümmert sich die Partei emsig darum, das Leben so teuer zu machen, daß nur noch Reiche in München leben können und für diese Leute die Autobahnen frei von Proleten sind für die Fahrt “in die Berge”.
    Die AfD konnte (nur) einen Teil der SPD Klientel abschöpfen, die Linke ist auch zu verkopft für “kleine Leute”.
    Die Kardinäle indes suchen sich Verbündete im Grünen, wo dogmatische Strenge noch Konjunktur hat und Glaubensinhalte mehr zählen als Mathematik.

    Das ist der menschengemachte politische Klimawandel, damit am Ende alles so bleibt wie es immer war, frei nach Leopard.

  • joey

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    Die “Arbeiter” von heute sind Osteuropäer. Ob am Bau, in den Bäckereien, auf den Feldern: die Geringverdiener haben keine politische Vertretung. In diesem Bereich hilft auch kein Ausländerwahlrecht: die Arbeiterklasse hat nicht die praktischen Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten. Im Geiselhöring Skandal wurde das ja ausgenutzt.

    Ja, es ist eine Arbeiterklasse, denn diese Menschen sind durch hohe Lebenshaltungskosten unfähig, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Das Geld wird in die Heimat geschickt in der Hoffnung auf ein Häuschen dort in x Jahren… der klassische Traum des Gastarbeiters.

  • Mr. T.

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    Interessanter Artikel! War mir nie so bewusst. Ändert aber jetzt auch nichts an meiner Meinung über die katholische Kirche 😉

  • Jep!

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    @xy: „ Nur weil zwei Drittel der westdeutschen Länder dem Grundgesetz bereits zugestimmt hatten, trat das Grundgesetz trotzdem in Kraft.“
    Ich denke, man muss das „nur weil“ durch „da“ ersetzen. Bayern hätte durchaus zugestimmt, wenn an seinen Stimmen das GG gescheitert wäre. „Nur weil“ klar war, dass das GG bereits in Kraft getreten war, hat man dagegen gestimmt. Bayern hätte das GG nicht scheitern lassen.

  • R.G.

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    Dass Adenauer immer alles vom Feind wusste, gewusst haben musste, wurde mir im Kindesalter beigebracht. Man verehrte ihn in unserem Haus sehr. Das ging aber ausdrücklich nicht einer positiven Bewertung seiner Person aus.

    Bei allen großen katholischen Zusammenkünften verkündete man Texte aus Marienerscheinungsorten, sie waren selbstverständlich der Muttergottes in den Mund gelegt, technisch, sie habe Kindern(!) verkündet, dass der Kommunismus drohe, die rote Flagge wolle am Vatikan gehisst werden. Heimische Priester deuteten es aus, das Übel werde kommen, wenn man diese oder jene konkrete (Wahl-) Entscheidung falsch treffe. Wer Rot wählte, arbeite mit Russland zusammen.

    Da nun Adenauer als Mann der Kirche bezeichnet worden war, setzte das automatisch eine Christentugend auch ihm gegenüber ein; die in den katholischen Schulen und Internaten gelehrte allabendliche Gewissenserforschung in Verbindung mit der Pflicht zur Denunziation. Priester achteten so über die absolute Disziplin im Hause. Als Erwachsene wussten die bravsten verräter die Bespitzelung ihrer Nächsten nun selbst einzusetzen.
    Nach langem Suchen fand ich endlich den Namen unseres besonders gegen die Kommunisten wetternden alten Pfarrers, er war in der SS Totenkopfbrigade des Banat gewesen, bei den Freiwilligen. Seine Einheit ist für hässlichste Verbrechen bekannt. Hätte er einem Nazi die Weißwaschung verweigert, wäre er selbst aufgeflogen, ganz sicher.

    Adenauer reiste auf dem katholischen Nachkriegsticket. Ein eng gezogener Strick.
    Wenn unter ihm die Nazis leicht umgefärbt in hohe politische Ämter zurückkrochen, so war auch das ein christlicher Akt, zumal laut Lehre die Beichte beim richtigen Geistlichen samt tätiger Reue, oft durch Geldspenden, einen Menschen vor Gott komplett rein und neu wusch. Echte Sinnesänderungen, bewiesen durch Taten, waren nicht nötig.

    Der Schlüssel zur Möglichmachung einer Machtumkehr nach dem eigentlichen Willen des Volkes, läge im Verbot der katholischen (eigentlich jesuitischen) Denunziationspflicht schon in den Internaten, so die Ansicht der politisch offeneren Personen aus den Reihen meiner Erzieher. Ich füge hinzu, wir müssen die Beichte vor der Mündigkeit mit abschaffen.

  • Hthik

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    @Jep! 27. August 2022 um 11:50

    “Bayern hätte durchaus zugestimmt, wenn an seinen Stimmen das GG gescheitert wäre.”

    So hat die CSU das erklärt. Für Situationen, die nicht eintreten werden, kann ich auch allerhand versprechen.

  • Gerd Hecht

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    ahhhh, genau wegen solcher artikel ist rd für mich das regensburger leitmedium

  • Günther Herzig

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    Das alles ist sicher interessant. Aber es ist auch etwas zu leicht an das Handeln von damals Maßstäbe anzulegen, als ob wir uns heute in der gleichen Situation befänden. Das Grundgesetz entstand im Jahr 1949. Mich würde mal interessieren, mit welchen Zahlen an Personen, die einen Asylantrag stellen würden, gerechnet wurde. Es kann keine hohe Zahl gewesen sein. Und Gerhard Hecht hat Recht.

  • Gscheidhaferl

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    Interessantes historisches Schlaglicht mit überraschenden lokalen Bezug! Vielen Dank dafür. Aber bitte nicht zu flache Schlüsse ziehen. Die katholische Kirche (und das in vielerlei Hinsicht rückständige Bayern) war nur einer von mehreren Sargnägeln der Demokratie. Nicht zuletzt das Übereinkommen zwischen Nazis und Kommunisten, gemeinsam die Weimarer Republik abzuschaffen, war zum Beispiel ein weiterer. Bayern und die katholische Kirche waren nicht bedeutungslos, aber auch nicht alleine ausschlaggebend.

  • Hthik

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    @Gscheidhaferl 28. August 2022 um 19:46

    “Nicht zuletzt das Übereinkommen zwischen Nazis und Kommunisten, gemeinsam die Weimarer Republik abzuschaffen, war zum Beispiel ein weiterer.”

    Welches Übereinkommen denn? Zugegeben, manches Vorgehen war nicht besonders schlau:

    “Verluste unter konservativen Zentrumswählern waren für den Volksblock nicht einfach durch Zugewinne am linken Rand auszugleichen, denn die KPD hielt an Thälmann fest. Er sollte, obwohl ohne Siegchance und trotz gegenteiliger Empfehlung des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale[31], im zweiten Wahlgang erneut antreten – so lautete der Beschluss der KPD-Zentrale vom 11. April 1925.”

    aber Übereinkommen?

    Die offensichtlichen Naziunterstützer waren, neben den 3/4-Nazis von der DNVP, das Zentrum und die BVP, s. Papen und Schleicher.

  • Hthik

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    @Günther Herzig 28. August 2022 um 16:43

    “Das Grundgesetz entstand im Jahr 1949.”

    Es geht hier um die Werte der ebenfalls demokratischen Weimarer Verfassung und den damals ganz offenen Widerstand der rk-Kirche dagegen. Das eigentlich Prinzip kirchlicher Entscheidungsfindung ist konsensual, aber das kann man für die Praxis natürlich in der Pfeife rauchen, das taugt nur als Propaganda, denn wenn es keinen Konsens gibt, dann braucht man eben doch ein anderes, wirkliches Entscheidungsprinzip. Dass das demokratisch sein soll, ist eine neue Idee. Gerhard Ludwig, Kardinal, Kardinal Meisner und all die anderen Verstandesbeinträchtigten haben in einem völlig recht: ihr Weg ist der traditionelle der Kirche.

    “Mich würde mal interessieren, mit welchen Zahlen an Personen, die einen Asylantrag stellen würden, gerechnet wurde.”

    Wie bitte? Worum geht es jetzt hier?

    Würden wir die Arbeitskräfte, die zu uns kommen wollen nicht auf dem Meer und in der Wüste verrecken* lassen, bräuchten wir vielleicht nicht so panisch nach Gastarbeitern suchen.

    “Seit Juli seien im deutschen Generalkonsulat in Istanbul 140 Visa-Anträge von Mitarbeitern in der Bodenabfertigung gestellt worden, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Unionsfraktion, aus der die “Rheinische Post” zitierte. In nur 32 Fällen sei nach Abschluss der Zuverlässigkeitsüberprüfung ein Visum erteilt worden. Insgesamt werde auch von Seiten der Luftverkehrswirtschaft nur mit dem Einsatz “einer niedrigen dreistelligen Anzahl an Hilfskräften auf Grundlage des Sonderverfahrens gerechnet”, hieß es der Zeitung zufolge von der Bundesregierung weiter.

    Der Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) hatte die Bundesagentur für Arbeit ursprünglich um die erleichterte Einreise von 2000 türkischen Arbeitskräften gebeten.”

    *Verzeihung, wenn das an der Netiquette kratzt, aber die Worte geben die Realität wieder. Was solch ich schreiben? Das Sie friedlich entschlafen?

  • Gscheidhaferl

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    @Hthik
    Das verblüfft mich jetzt ein wenig, dass Sie das offenbar nicht auf dem Schirm haben. Zum einen gab es unter dem Begriff ‘Querfront’ sogar quasi-ideologische Versuche, nationalistisch-konservative und kommunistische Positionen zusammenzubringen; als Bindeglied wurde dabei bewusst deren jeweiliger totalitärer, antidemokratischer Kern in den Blick genommen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Querfront). Es kam letztlich jedoch nie zu einer dauerhaft-verbindlichen, systematischen Zusammenarbeit zwischen beiden totalitären Lagern. Aber das gemeinsame Ziel, die Weimarer Republik/den Parlametarismus zu überwinden führte punktuell immer wieder zu gemeinsam getragenen/initiierten Kampagnen und Aktionen. So unterstützten die Kommunisten z.B. 1931 ein vom Stalhelm eingebrachtes Volksbegehren zur sofortigen Auflösung des Preußischen Landtages, um die Machtbasis der SPD zu untergraben. Z.T. wurden auch gemeinsam gewaltsame Streiks organsiert etc. Alles mit dem Ziel, die geltende Ordnung zu erschüttern und zum Einsturz zu bringen (vgl. https://www.bpb.de/themen/erster-weltkrieg-weimar/weimarer-republik/275841/zerstoerung-der-demokratie-1930-1933/).

    Fazit: So feindselig sich die Lager auch sonst gegenüberstanden, um die (aus unterschiedlichen Gründen abgelehnte) Demokratie/den Parlamentarismus abzuschaffen, haben sie sogar wiederholt zusammengearbeitet und die Widerstandskraft der Weimarer Republik auf diese Weise wahrscheinlich sehr wirkungsvoll geschwächt.

    Und wer jetzt unwillkürlich an die jüngsten gemeinsamen Protestaufrufe von AfD und Linke denken muss, wird den komletten Wikipedia-Artikel zum Stichwort ‘Querfront’ sicher mit großem Interesse lesen und erhellend finden.

  • Hthik

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    Gscheidhaferl 29. August 2022 um 13:46

    “Querfront”

    Die Bildung einer Querfront könnte ein “Übereinkommen zwischen Nazis und Kommunisten, gemeinsam die Weimarer Republik abzuschaffen” sein, ich wüsste aber nicht, dass die KPD das gemacht hat.

    “Aber das gemeinsame Ziel, die Weimarer Republik/den Parlametarismus zu überwinden führte punktuell immer wieder zu gemeinsam getragenen/initiierten Kampagnen und Aktionen.”

    Oder auch der Straßenbahnstreik. Ein gemeinsames Ziel zu haben und deshalb dasselbe zu tun, ist aber kein vereinbartes Zusammenarbeiten. Insbesondere haben KPD und NSDAP nie eine Regierung gebildet, obwohl sie die Mehrheit dafür hatten.

  • Paul Casimir Marcinkus

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    @ Gscheidhaferl:
    Sie sprechen von den “jüngsten gemeinsamen Protestaufrufen von AfD und Linken”. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir einen solchen nennen könnten. Also einen gemeinsamen Protestaufruf von AfD und Linkspartei, egal von wann und wo und gegen was, aber bitte mit Ort und Datum.

  • Gscheidhaferl

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    @Paul Casimir Marcinkus
    Ups! Ja, da hab ich mich missverständlich / falsch ausgefrückt: ‘Gemeinsam’ stimmt nicht in dem Sinne, dass die beiden Lager da etwas kooperativ formuliert hätten. ‘Zeitgleich’ bzw. ‘paralel’ ist gemeint gewesen. Danke für den Hinweis!

  • Madame

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    Bei konrad adenauer wissen nur noch die älteren bescheid. Er war vielleicht einer der.aufrichtigsten politiker seiner zeit. Heute ist ein chaos von d und d leuten , die das germoney in den abgrund stürzen.

  • Gscheidhaferl

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    @Madame
    Wenn Adenauer so aufrecht gewesen wäre, wie Sie behaupten, hätte ihm wohl kaum die illegale Bespitzelung des politischen Gegeners passieren dürfen. Und mit Verlaub: Eine Nation, die dermaßen am Boden war wie Nachkriegs(west)deutschland, kann ja fast nur ‘bergauf’ geführt werden.

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