Vom Menschenrecht, nicht von der Seite angequatscht zu werden

Angriff der Klonwerber

Das Gute hat seine Drückerkolonnen auf die Straße geschickt. Und alle, alle, alle haben sie ein Anliegen, das es verdient, gehört zu werden. Oder auch nicht…

Spierutenlauf durch die Regensburger Altstadt: die erste Station...

Spierutenlauf durch die Regensburger Altstadt: die erste Station…

Eine Glosse von Martin Stein

Es muss Kurse geben. Anders ist das nicht zu erklären. Früher war das nicht so. Früher war das ganz anders. Also, noch vor zwei, drei Jahren, da konnte man problemlos durch Regensburg gehen, zwei Bettler und einen Straßenmusiker ignorieren, den Wurstverkäufern wohlwollend zunicken und ansonsten ungestört seine Besorgungen besorgen. Jetzt ist das nicht mehr möglich. Von Ungestörtheit keine Rede mehr. Und das kann kein Zufall sein. Dahinter steckt Plan. Und Kurse. Kurse, Schulungen, Seminare, in denen junge, idealistische Menschen darauf trainiert werden, ebenso freundlich wie unnachgiebig auf der Straße harmlose Passanten (also vor allem mich) anzusprechen, einzufangen und für einen sinnvollen, wohltätigen und weltverbessernden Zweck zu begeistern. Inklusive Unterschrift auf einer Einzugsermächtigung.

„Hallo, dich brauch ich grad …“ Ja gerne! Wofür denn?

Etwas hat sich verändert. Diejenigen, die überzeugt sind von der grundlegenden Bedeutung ihres Anliegens, sind nicht mehr still und bescheiden, wie früher, sondern eher im Gegenteil. Sie benehmen sich jetzt so, als wollten sie eine Autopolitur verscherbeln. Das Gute hat seine Drückerkolonnen auf die Straße geschickt.

Ein exemplarischer Vorgang in Regensburg, zwischen Neupfarrplatz, Schwarze-Bären- und Pfauengasse: Eine adrette andersgeschlechtliche Person Anfang zwanzig nähert sich mit ausgestreckter Hand und einem gesichtsfüllenden, weißweißen Lächeln. „Hallo, dich brauch ich grad …“ Ja gerne! Wofür denn? Steckt in ihrem Eiskaffee ein zweiter, unbenutzter Strohhalm? Hilfsbereitschaft ist mein zweiter Vorname!

Es ist ja auch absolut nichts verwunderlich daran, wenn ein derart ausnehmend adretter Mittvierziger wie ich von einem halb so alten Mägdelein angesprochen wird. Wenn man sich so ansieht, um was für evolutionäre Sackgassen es sich bei ihren Altersgenossen überwiegend handelt; was die anziehen, wie die reden und was die für Musik hören, dann würde ich mich an ihrer Stelle selbstverständlich auch für meine Variante dezent angereifter Attraktivität entscheiden. Ganz klar. Kein Grund, misstrauisch zu werden, wie damals bei dem Herrn, der mir die Einfahrt zum halben Preis teeren wollte, weil er zufällig grade einen Laster mit Asphalt übrig hatte.

Aber dann! Welch herbe, unerwartete Enttäuschung! Direkt aus heiterem Himmel! Sie will gar nicht mich, sondern nur mein Geld! Und da mein Geld Gutes tun soll, soll das Bewusstsein der guten Tat auch das einzig Gute sein, das mir dabei getan wird. Moralisch schwer anfechtbare Argumentation, und doch … also … jaaaaaaaaa …

Eigenartig, wenn die Salafisten weniger aufdringlich sind als die Jugend vom Malteser Hilfsdienst

Dieser Stil der aggressiv-aktiven Ansprache des Passanten (dem man dadurch gleichermaßen ad absurdum setzt, da man ihn ja nicht mehr passieren lässt) hat sich offensichtlich allgemein durchgesetzt. Zumindest in der Regensburger Fußgängerzone. Und es handelt sich ja, wie schon angedeutet, praktisch ausnahmslos um gesellschaftlich relevante Anliegen, die da so vehement beworben werden. Und trotzdem finde ich es eigenartig, wenn die Salafisten vom Koranstand weniger aufdringlich sind als die Jugend vom Malteser Hilfsdienst. Gut, „Lies!“ hat schon einen gewissen Befehlscharakter, aber da setzt das werbeflächengeschulte Westlerhirn instinktiv einfach noch das Präfix „Über-“ dazu.

Es ist ein Spießrutenlauf. Da stehen Care, Greenpeace, Sea Shepherd, Jesus rettet, Hare Krishna, Mormonen, die SOS Kinderdörfer, die Malaria-Aids-ALS-Dengue-ALS-Tuberkulose-Krebs-Heuschnupfen-Prophylaxe, die Reizdarminitiative Königswiesen Nord, die Malteser, die Johanniter, die Jakobiner, das grüne Kreuz, der rote Halbmond, der ASB, die DLRG, der Tierschutz allgemein, der Tierschutz regional, der Tierschutz artenspezifisch, der Tierschutz niedlichkeitsorientiert, der Tierschutz streng nach roter Liste (alle letztgenannten üblicherweise neben einer Metzgerei) undsoweiterundsofort. Der WWF steht vor dem WMF. Das nennt sich dann wohl Charity-Lifestyle-Synergie. Es nimmt kein Ende. Und alle, alle, alle haben sie ein Anliegen, das es verdient, gehört zu werden.

Aber bitte doch nicht permanent von mir. Ich wohne in den Einflugschneisen und muss da jeden Tag vorbei. Jeder kleine Einkauf wird zur Plage. Eine halbe Stunde für einmal Bäcker und retour ist da schnell kaputt. „Halloooo, hast du mal kurz …“ Man will nur noch schnell Spültabs holen und kommt mit einer Religion, einer Katze und einem Neffen in Afrika nach Hause. Aber ohne Spültabs.

Die Zeugen Jehovas haben aus ihrem Fehler gelernt…

Wie soll man reagieren? Soll ich mir einen Button anknipsen, auf dem draufsteht, dass ich nicht angelabert werden will? Ein Fuck-You-All-Shirt? Oder eines mit der altruistischen Botschaft eines Wohlfahrtsverbandes, das signalisiert, dass meine Ressourcen schon anderweitig belegt sind? Quasi Alles-Fotzen-Außer-Hämorrhoidennotruf-Bayern-e.V.?

Ich mag diese Tour halt von Haus aus nicht. Ich halte es grundsätzlich für ein Menschenrecht, nicht von der Seite angequatscht zu werden. Möglicherweise sieht man das woanders anders. Ganz bestimmt gibt es auch bei den Wohlfahrtsverbänden mittlerweile eine Controlling-Abteilung, die den Cash Backflow im Verhältnis zum Einsatz der Proactive Human Ressources analysiert. Return on Anlaber-Investment. Und zweifellos haben auch schon viele Menschen einen wertvollen Beitrag zu bemerkenswerten und ihnen vorher noch völlig unbekannten Anliegen geleistet, nur weil sie zum ersten Mal seit Urzeiten mal wieder mit einer Frau reden durften.

Aber ich mag nicht. Ich bin schon beinahe versucht, zu den Zeugen Jehovas zu gehen, und zwar aus reinem Trotz heraus, weil die immer so schön still und bescheiden mit ihrem Wachtturm irgendwo am Rand herumstehen, und weil die auch nie wieder bei mir geklingelt haben, seit ich ihnen vor zwanzig Jahren mal verkatert, ungehalten und unbekleidet die Türe geöffnet habe. Die haben aus ihrem Fehler gelernt, und das ist mehr, als man von den meisten Menschen behaupten kann.

Das professionelle, neurosenfördernde Betonlächeln…

Ich will nicht, dass ich erst vorsichtig nachsehen muss, ob hinter einem Straßeneck ein sprungbereiter Wohlfährtiger auf mich lauert. Ich finde das professionelle, neurosenfördernde Betonlächeln amerikanischer Walmart-Verkäuferinnen brechreizerrregend; ich will es nicht in den Gesichtern derer sehen, die den Regenwald retten. Das ist eine reflexhafte Abneigung, das lässt sich nicht ändern. Und ich wette darauf, dass es die gleichen, von diesen jungen, wunderbaren Menschen mit Erfolg und Diplom absolvierten Koberer-Kurse sind, in denen auch ebenso junge, aber andersartig motivierte Menschen lernen, wie man als Animateur fette, faule und unmotivierte Menschen (also vor allem mich) zur Poolgymnastik schleppt. Und bestimmt schadet mir die Poolgymnastik ebensowenig wie der Einsatz für zwangskastrierte Angorakaninchen, aber ich mag halt nicht. Ich mag meine Ruhe haben.

Ich spende an Wikipedia, weil die sowohl nützlich als auch leise sind. Und wenn das so weitergeht in der hiesigen Fußgängerzone, dann habe ich auch die Geduld, um abzuwarten, bis ich meine Frühstücksbrezen von der Amazon-Drohne geliefert bekomme. Wofür wohnt man schließlich im vierten Stock. Und daheim ist es eh am Schönsten. Das Böse bleibt draußen. Na ja, und das Gute jetzt halt auch.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes waren auch das BRK und die Bergwacht erwähnt. Das BRK hat uns darauf hingewiesen, dass es nicht mit solchen Methoden arbeitet.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (41)

  • Tom

    |

    Daumen hoch!!!

    Selten hat mir ein Artikel so aus der Seele gesprochen!

    An „guten“ Tagen kommst du dir wie der letzte soziale Abschaum vor, wenn du den Charity-Spießrutenlauf durch die Altstadt ohne eine teure Lastschrifteinzugermächtigungsunterschrift absolviert hast.

  • Wolfgang

    |

    Ich sag’s nur ungern, aber Du sprichst mir aus dem Herzen.

  • Stefan Spiess

    |

    Meine letzte Wohnung wäre um ein Haar an eine Frau weg gegangen, die Religions-Marketing in der Schweiz studiert hatte. Und spezialisiert auf Fundraising und Kampagnenplanung war. Die Professionalisierung der Helfermafia. ;-)

  • Dolittle

    |

    Die „Drücker“ sind tatsächlich welche. Das gab es immer diese Zettel, die an der Uni rumhingen: „Eloquente Studentinnen und Studenten für anspruchsvolle PR- oder Marketing-Tätigkeit gesucht!“. Wer wollte, der landete bei einer jener Firmen, die für Amnesty, das Rote Kreuz, die Johanniter, den BUND, UNICEF oder sonst eine grundsätzlich seriöse Organisation, Spenden und Mitglieder sammeln. Und dafür einen gewissen Prozentsatz der eingenommenen Summen kassieren.
    Zur Vorbereitung gab es diese Seminare, wo ungeeignete Bewerber aussortiert wurden und man die Psychotricks lernt, mit denen man gutes Gewissen verkauft und schlechtes Gewissen macht. Mann muss sich so geben und so fühlen, als ob man bei der Organisation sei, für die man gerade wirbt. Voller Elan und Begeisterung, für das Gute in der Welt. Wer dann bei den Kampagnen besonders erfolgreich war, der konnte aufsteigen und Teamleiter werden. Hatte alles ein bisschen was von Scientology und ein bisschen was von Vorwerk.
    Mich ärgert diese Form der Spendenwerbung weniger, als der Eindruck, hier handelten „echte“ Mitglieder der Organisationen. Wenigsten Echtheit will man sich kaufen können, für die Unterschrift. Unecht hilft nicht viel gegen das schlechte Gewissen…

  • Peter Lang

    |

    Und wer verdient an diesem dämlichen Von-der-Seite-Angequatsche? Nicht zuletzt auch die Stadtverwaltung Regensburg (Ordnungsamt), die von den Charity-Drückern ordentlich Gebühren kassiert!

  • Ines von Raben

    |

    Straßenstrich 2.0 und ähnliche Ärgernisse.
    Mich kotzt diese Art des überfallen werdens wirklich an.
    Heute bekomme ich aber auch bereits die Krise wenn beim Einkaufen sich die Lippen der ScannerInnen lustlos spitzen „haben-sie-eine-payback-karte?“
    Zum tausendstenmal: „ich habe keine! Wenn ich eine hätte, würde ich diese ohne verlangen vorzeigen, merken Sie sich das beim nächstenmal“

  • Jonas

    |

    Das war schon vor 3 Jahren so, als ich noch in Regensburg gewohnt habe. Jedesmal auf dem Heimweg von der Arbeit… Boah… Irgendwann hab ich nur noch eisern „Nein Danke“ wiederholt, bis ich an ihnen vorbei war, egal ob das gerade auf ihre Ansprache gepasst hat oder nicht…

  • Burkhard

    |

    Vielen Dank für diesen Artikel !
    Diese Typen gehen mir auch unglaublich auf die Nerven.. dieses pseudo kumpelhafte Getue: …Du …bla bla bla. Ich finde das super unseriös.. Organisationen die es nötig haben auf diese lästige, frech dreiste Art zu werben bekommen von mir kein Geld..

  • Sascha

    |

    1. Ist doch klar, dass es für diese Art von Arbeit Schulungen gibt. Find ich überhaupt nicht überraschend oder skandalös.
    2. Die kommen halt (vermehrt) nach Regensburg, weil da viele Touristen rumlaufen, denen das Geld bisschen lockerer sitzt
    3. Ein klares und deutliches „Nein!“ hat mir – zumindest am Alexanderplatz, der lange mein Arbeitsweg war – noch jeden Spendenwerber vom Hals gehalten.

  • Mathilde Vietze

    |

    Also mich hat – Gott sei Dank – noch nie jemand
    angequatscht; vielleicht liegt das daran, daß ich
    so unauffällig und so ärmlich gekleidet aussehe.

  • Elisabeth Jakob

    |

    Bin überzeugt, dass diese jetzt noch erfolgreiche Methode sich von selbst tot läuft, weil es zu massiv und nervig ist, wenn es von allen angewandt wird.
    Dass diese Methoden imageschädigend sind, sollte man direkt an die Organisationen melden.

  • altstadtkid

    |

    Ich wusste nicht dass die Stadtverwaltung dafür auch noch abkassiert.
    Wie kann man seinen Bürgern so etwas antun, schämt euch.
    Dieses Treiben gehört unterbunden, dass ist der reinste Spießrutenlauf, da die
    Protagonisten natürlich nach Abschlüssen bezahlt werden sind Sie höchst Aufdringlich.

  • Jool

    |

    Deshalb bin ich immer mit Rad unterwegs und „grad auf dem Weg zur Arbeit und spät dran“.

  • Auf Kosten

    |

    Dieser Artikel minus den Sexismus, vor dem er an vielen Stellen nur so strotzt, wäre fast gut gewesen!
    „Unterhaltsam“ auf niemands Kosten zu schreiben, kannst du wohl nicht, ey?

  • Bert

    |

    Endlich kommt der Mimimmi-Kommentar. Hat eh schon gedauert…
    Wer in den Passagen Sexismus wittert, hat echt ein ganz anderes Problem…hier wird niemand aufgrund seiner Sexualität herabgewürdigt, der Autor nimmt sich eher selbst aufs Korn…aber mei: mimimi. Geiler Text!

  • H. Müller

    |

    „Wenn man sich so ansieht, um was für evolutionäre Sackgassen es sich bei ihren Altersgenossen überwiegend handelt; was die anziehen, wie die reden und was die für Musik hören, dann würde ich mich an ihrer Stelle selbstverständlich auch für meine Variante dezent angereifter Attraktivität entscheiden“

    Gefällt mir!

  • Lothgaßler

    |

    @Auf Kosten
    Warum wohl lächeln die gutaussehenden und jungen Frauen einen alten Dackel wie Hr. Stein (oder mich) an? Von wegen Sexismus der Männer! Wer tröstet uns, wenn sich rausstellt, dass nur unser Geldbeutel das Ziel von Kulleraugen, Schmollmund, süßen Lächelns und des Sirenenstimmchens war? So schauts aus!

    Das schlechte Gewissen bleibt zwar, aber ignorieren, ein abweisender Blick oder ein „hab schon“ bzw. „bin schon“ hilft immer. Man könnte auch den Flyer von einem Werber an den nächsten Werber weiterreichen. Klar gehts um Geld: der erste Jahresbeitrag kann schon mal beim Werber hängen bleiben.

  • wahon

    |

    Hat ja voll eingeschlagen, der Artikel. Wußte gar nicht, dass es so viele Leute gibt, die beim Einkaufsbummel durch die Stadt extrem genervt sind, wenn sie mit personaler Werbung für eine gute Sache konfrontiert werden. Sind das die gleichen Leute, die Straßenbettlern „grundsätzlich“ nichts geben? Oder glauben, dass Werbung nur den kommerziellen Unternehmen zusteht und dann auch nicht störend wirkt? Von nicht-kommerziellen, unprofessionellen Werbeversuchen dermaßen genervt zu sein, dass man darüber einen süffisanten Artikel schreiben muss, ist ein bedenklicher Hinweis auf eine psychische Überspanntheit, die sich in verbaler Selbstbefriedigung Entspannung verschaffen muss.

  • Joe Kermen

    |

    Danke hierfür.
    Das schlechte Gewissen ist ja so eine Sache, man muss froh sein dass man es hat und doch stört es, nicht wahr? Das wohltätige Organisationen entsprechende UnterstützerIinnen brauchen ist klar. Das dafür geschulte und attraktive Studentinnen- und Studenten besser geeignet sind als das nervös stammelnde Mitglied der Oragnisation ist auch gut zu verstehen. Das die Stadt dafür Geld nimmt – weder überraschend noch verwerflich. Aber wie bei so vielem auf dieser Welt macht die Menge das Gift. Ein Donaustrudel-Verkäufer hier, eine wohltätige Organisation da und irgendwo dazwischen ein Straßenmusiker kein Problem. Aber an guten schlechten Tagen kommt man in den Hauptpassagen der Altstadt keine 15 Meter weit ohne das man genötigt wird vermeintlich gutes zu tun. Und wenn doch, bremst einen die nächste Touri-Gruppe/Stadtmaus-Führung aus.
    Dabei übertreiben es einige Vertreter eindeutig mit ihrer Penetranz. Erst vor zwei Wochen musste ich einem Donaustrudel ausweichen, der mir unter die Nase gehalten wurde während ich mit dem Fahrrad fuhr (kein Scherz). Ebensogut erinnere ich mich an einen Johanniter der auch ein klares deutliches NEIN, nicht akzeptieren wollte und den ich nur mit geballter verbaler Political Incorrectness los werden konnte für die ich mich eigentlich selbst schämte (das ganze ist übrigens auch schon über 2 Jahre her).
    Was auf das ganze folgt ist die einfache verrohung des schlechten Gewissens und verhindert letztlich eine nüchterne Befassung mit entsprechenden Themen betreffend Menschen- und Tierschutz in allen Varianten, weil man nur noch hofft nicht angesprochen zu werden.

  • Grips

    |

    Wer braucht solche Artikel auf dem Niveau von Stammtisch-Gemotze nebst der dazugehörigen Leserbriefe ? Wer zu faul ? dumm ? ist zwischen der Werbung von „Guten“ = für mich sind das mitfühlende Menschen, im Unterschied zu der Werbung anderer , die mir eine Ideologie auf Auge drücken wollen, zu unterscheiden , dem sollte nicht auch noch ein öffentliches Forum dafür gegeben werden. Sind wir schon soweit , dass die öffentlichen Strassen und Plätze leergeräumt werden sollen , damit niemand von den Gedanken anderer Menschen „belästigt “ wird ? Im Staatsapparat gibts sicherlich Gesinnungsgenossen für sowas.

  • Peter

    |

    Was ist denn an dem Prinzip „Meine Freiheit endet dort, wo ich andern auf die Klöten gehe.“ so schwer verständlich, Herr Grips?
    Wir machens mal so: Für – sagen wir drei Wochen – organisier ich jemanden, der alle 10 Minuten bei Ihnen an der Tür klingelt, um Ihnen irgend einen Scheiß zu erzählen. In der Zwischenzeit ruft bei Ihnen alle 3 Minuten ein anderer an, um Ihnen was ganz tolles anzudrehen. Rund-um-die-Uhr versteht sich. Ihr EMail-Postfach füllen wir im Sekundentakt mit Werbemails für Penisverlängerungen (falls Sie daran kein Interesse haben, gerne auch für Gewinnspiele bei nigerianischen Prinzen). Jede Webseite, die Sie anklicken wird erst sichtbar, wenn Sie die 25 vorher eingeblendeten Werbeseiten jeweils mind. 20 Sek. angesehen haben und dann einen Fragebogen ausfüllen, in dem Fragen zu den Werbeseiten richtig beantwortet werden müssen.
    Geben Sie mir nur 3 Wochen. Dann können wir uns über die Frage „leerräumen von öffentlichem Raum“ nochmals unterhalten. Ein öffentlicher Raum ist nicht dann leer, wenn er keine Werbung mehr enthält. Erst dann ist er voll. Mit dem, was ihn ausmacht. Nämlich der Möglichkeit für Menschen, sich darin unbehelligt zu bewegen.

    In Kurzform: Werbung ist Terror.

  • Tom

    |

    @grips

    „mitfühlende Menschen“

    ?????

    Ich habe heute den alltäglichen Anfixverduch mal mit den Worten abgwehrt:

    Wisst ihr eigentlich wie sehr ihr nervt???

    Antwort: Ja natürlich, aber das ist mein Job(!) und morgen frage ich dich wieder……..

    Selten habe ich soviel Mitgefühl verspürt!!!!

  • Franz Reiber

    |

    Wie Drückerkolonnen zu ihren Verträgen kommen ist ja landläufig bekannt, dass die Stadtverwaltung damit auch abzockt ist vielleicht legal aber trotzdem in jeder Beziehung unanständig.

  • wahon

    |

    @Peter

    Was hat jetzt Ihr Horrorszenario mit der Überempfindlichkeit des Artikelschreibers zu tun? Ihre penetrante Neigung zur Übertreibung geht mir gewaltig auf die Nerven – Was schließen Sie daraus?

  • Peter

    |

    Gut, wahon, dann werde ich es für Sie in *einem* einfachen Satz formulieren: „Werbung ist Terror.“ Moment – schrieb ich das nicht schon?
    Werbung ist laut, nervig, kostet wertvolle Ressourcen, Zeit und Geld. Da Grips offensichtlich eine höhere Toleranzschwelle hat, was die Nervigkeit von Werbung betrifft, hatte ich ein Szenario entwickelt, das ihm vor Augen führen sollte, dass die Schwelle bei verschiedenen Menschen unterschiedlich hoch ausgeprägt ist. Im öffentlichen Raum sollte Werbung auf ein absolutes Mindestmaß beschränkt werden, da inzwischen viele Menschen diesen öffentlichen Raum wegen der Vielzahl der Klonwerber nicht mehr angemessen nutzen können (eine kleine Auswahl derer, bei denen das so ist, hat sich hier zu Wort gemeldet). Eine begrenzte Zahl von „passiven“ Infoständen ist ok, das aggressive „Hallo Du …“ ist aber inakzeptabel.
    Der öffentliche Raum wird von uns Bürgern bezahlt. Er sollte von uns uneingeschränkt nutzbar sein.

    Dass ich Ihnen gewaltig auf die Nerven gehe, nehme ich gern als Kompliment. Das freut mich. Ich schließe daraus ehrlich gesagt – nichts. Schlimm?

  • Tobias

    |

    Ich habe bisher drei Drücker in Regensburg gesehen. Zwei an der Albertstraße und einer an meiner Haustür. In 2 dieser Fällen waren es die Malteser. Ja, genau die, die für eine Krankenwagenfahrt von 15 Minuten über 600 EUR in Rechnung stellen..

    Und auch da ging es gleich los, mit unübersehbaren Kopfhörern im Ohr vom Bahnhof raus Richtung Albertstraße. Quatscht mich direkt eine junge Frau an, in total kumpelhaftem Ton, als ob ich gerade ihr mit dem Zug angereister Verwandte wäre: „Hey Du, du bist doch bestimmt 18 Jahre, ich brauche Dich mal“. Sie zerrt mich direkt zu einem Infostand über die besagte Lebensrettergemeinschaft. Als gelernter Kaufmann und gewissem Training darin natürlich in Sekundenbruchteilen analysiert und die billige rhetorische Taktik erkannt. Sofort gekontert: „Ihr wollt bloß wissen, ob ich 18 Jahre bin, damit ich einen rechtskräftigen Vertrag unterschreibe, oder?“ Ihr Gesicht verzog sich innerhalb eines Sekundenbruchteils zu einer bösen Fratze, so in etwa „Häh?? Ohje, aufgeflogen!“. Ich hinterher: „Grundsätzlich schließe ich keine Verträge auf der Straße ab“. Antwort von der nun nicht mehr so freundlichen Dame: „Ja judd, haun’se rein“. Vermutlich dachte sie, ich bin mit meinen 24 Jährchen naiv genug..

    Der Malteser-Drücker an meiner Haustür war genauso dreist; ich musste ihm knapp 20 Minuten lang seine billigen Argumente entkräften, warum ich denn monatlich für die Malteser spenden sollte, obwohl ich ihren Dienst nicht brauche. Mit der Antwort, dass sein Gehalt ein guter Anfang sei, den die Malteser sparen könnten, war der Spuk Ruck-Zuck zu Ende.

    Mal sehen, was noch so kommt :-)

  • Matthias B.

    |

    Wegelagerer! Nichts anderes sind diese für Ärzte ohne Grenzen, WorldVison, Malteser und Amnesty International (!) sowie REMAX akquierenden gedungenen Söldnerinnen und Söldner. Nervt ohne Ende, wenn man vom Neupfarrplatz zur Maxstraße geht. Dann noch Straßenmusiker, die grottenschlecht spielen und singen (die unvermeidliche Akkordeonistin!) und ein komplett antiquiertes Repertoire darbieten (oder grauenerregend grölen wie diese Familienclans vom Balkan) – es ist ein Spießrutenlauf! Das Schlimmste: Land- und Vorstadtbewohner, die mit großen Augen und bewundernd im Weg stehen, weil sie diese „lebenden Standbilder“ unglaublich faszinierende finden. Wenn es nur lebende Standbilder wären! Diese winkenden Clowns und schäbig kostümierten, pfeifenden und dämlich grinsenden Faschingsfiguren sind wahrlich des Weltkulturerbes würdig. Meint die Stadtverwaltung, die ihnen die Berechtigung erteilt, Passanten auf den Zeiger zu gehen! Regensburg, wie es sing und lacht!

  • wahon

    |

    @Peter

    Sie sagen es:
    „Der öffentliche Raum wird von uns Bürgern bezahlt. Er sollte von uns uneingeschränkt nutzbar sein.“ – Engagierte Menschen, die sich werbend für eine gute Sache einsetzen, sind sogar bessere Bürger als diejenigen, die das Angesprochenwerden im öffentlichen Raum als Zumutung empfinden.

  • Tobias

    |

    @Wahon:
    Nein, das stimmt definitiv nicht. Wenn ich also von nun an rund um die Uhr bei Ihnen klingle und anrufe, auch nachts oder wenn Sie dankend ablehnen, nur weil ich ein bisschen (oder doch auch etwas mehr) Geld von Ihnen für, sagen wir mal, die UNICEF-Kinderhilfe möchte fänden Sie das gut? Wirklich? Das können Sie ihrem Friseur erzählen – falls er das möchte.

    Wenn ich Interesse hätte, für irgendwen zu Spenden, gehe ich freiwillig auf den Stand oder die Person zu. Wenn mich jemand anspricht ist das schon nah am (verbotenen) agressiven Betteln.

  • Knurrhan

    |

    Also ich habe mal extra wegen dieses Artikels versucht mich in der Altsadt ansprechen zu lassen. Hat nicht geklappt. War weit und breit niemand da, der das hätte tun können. War an einem Donnerstag nachmittag. Bin dabei kreuz und quer durch die Stadt gebummelt. War schön. Und es war auch ganz sicher in Regensburg. Sind die besagten agressiven „Anquatscher“ zu anderen Zeiten da? Wo san’s denn alle? :-)

  • wahon

    |

    @Tobias

    Warum übertreiben Sie denn so maßlos? Sind Sie denn rund um die Uhr in der Stadt unterwegs und werden dabei 24/7 von Werbern angesprochen? Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Wenn Sie nicht und niemals von Fremden angesprochen werden wollen, gehen Sie nicht in die Stadt, meiden Sie generell den öffentlichen Raum und hängen Sie sich ein Schild um mit der Aufschrift „Betteln und Hausieren verboten“ …

  • Peter

    |

    Es wird keinen Sinn haben, wahon nochmals zu erklären, dass Menschen eine unterschiedliche Schwelle haben, ab wann sie Dinge und Verhaltensweisen als störend, aufdringlich, verletzend, unmoralisch oder unangebracht bewerten.
    Und jemandem vorzuwerfen, er übertreibe maßlos, um dann im folgenden Satz diesem zu raten, er solle „generell“ den öffenlichen Raum meiden und „nicht“ in die Stadt gehen, hat durchaus Qualitäten echter Realsatire. Bisher ging wahon ja auch noch mit keinem einzigen Satz konstruktiv auf die Fragen und Vorschläge in seine Richtung ein.
    Für mich ein Troll. Einer von vielen hier.

  • semmeldieb

    |

    „schlechtere“ und „bessere“ bürger… also nee.

  • wahon

    |

    @Peter (Tobias)

    Ich fasse zusammen: Sie sagen „Werbung ist Terror“, den „Klonwerbern“ müsse das Handwerk gelegt werden und die Werbung im öffentlichen Raum müsse auf das „absolute Mindestmaß“ beschränkt werden. Gleichzeitig äußern Sie Verständnis für Menschen, die eine höhere Toleranzschwelle haben als Sie und Ihre extreme Ablehnung des Angesprochenwerdens für eine totale Übertreibung halten. Was jetzt? Akzeptieren Sie, dass der öffentliche Raum nicht Ihnen allein gehört und nicht Ihre Hypersensibilität darüber entscheidet, ob im öffentlichen Raum für ehrenamtliches Engagement geworben wird? Ich mache Ihnen einen konstruktiven Vorschlag: Prüfen Sie nochmal Ihre Aussagen auf inhaltliche Konsistenz. Wenn Ihnen die eigenen Denkwidersprüche nicht auffallen, dann unterlassen Sie wenigstens, jeden, der nicht Ihrer mehr gefühlten als durchdachten Meinung ist, als „Troll“ zu bezeichnen.

  • Tobias

    |

    @Wahon:

    Nein, ich bin keinesfalls hypersensibel. Ihrem Aufgejaule nach meiner Überspitzung (die ich gar nicht so übertrieben finde; ich habe sie lediglich nach Ihrer Aussage ausformuliert, wonach es „absolut kein Thema ist, zu betteln, egal wie, egal wann, Hauptsache ‚Guter Zweck'“) nach zu urteilen sind Sie es, dem das ganze Thema hier nicht so ganz passt.
    Es hat einen Grund, warum der Gesetzgeber aggressives Betteln (also mit Ansprache, Festhalten, etc.) verboten hat. Und darum geht es.

    Realbeispiel, ca. 1 Jahr alt: Wenn mich jemand an der Alberstraße anspricht, ich meine Tätigkeit unterbreche, etwa Musik höre oder lese und dann mir einen Zettel hinhält, ich sollte doch ein bisschen Geld spenden, weil irgendein Rumäne zu viele Kinder in die Welt gesetzt hat und seine Frau jetzt zum Leute nerven losschickt ist das nicht in Ordnung. Wenn die Frau einfach nur dasitzt ist das in Ordnung, wenngleich die Steinerne Brücke nicht dafür geeignet ist und vom Ordnungsamt geräumt werden soll. Wenn jemand an meiner Tür klingelt, quasi meine Zeit einfordert oder sogar in meinen Privatraum möchte (dazu gehört auch das Telefon!) ist das nicht mehr normal. Liegt ein Zettel im Briefkasten ist das in meinem Falle auch bereits zu viel („Keine Werbung“). Steht ein Wäschekorb vor dem Haus, in dem man Spenden legen sollte – Privatgrund. Nein, nicht gewünscht. Gehe ich zum „Strohhalm“ und gebe dort Klamotten ab – Ja, so wird ein Schuh draus.

    Die Malteser hatten neben ihren Drückern auch noch Megafone und Lautsprecheranlagen. Das hat mit „hypersensibel“ nichts zu tun; oder soll ich mich von nun an mit Pfefferspray, Ohrenschützer und Funkwellenstörgerät für Bluetooth-Mikrofone ausrüsten, damit ich einfach nur in der Stadt zu meinem Arbeitsplatz gelange?

  • Tobias

    |

    @Knurrhan: Das ist wirklich toll, dass sie Ruhe hatten. Der Artikel und die Usermeinungen hier bringen aber ganz andere Erfahrungswerte zu Tage ;-)

    Beim McDonald’s in den Arcaden kam auch einfach ein Zerlumpter zu unserem Tisch und fragte, ob „wir mal nen Euro hätten“, woraufhin meine Kollegin nur sagte: „Wer gibt mir’n Euro?“. Es scheint, als sei die Mehrheit gegen das Betteln; vor allem, da sich keiner entschuldigt für die Störung.

  • Peter

    |

    Kommentar gelöscht. Bleiben Sie sachlich.

  • Mathilde Vietze

    |

    Bei fast jedem Besinnungswochenende wird einem
    beigebracht „Lernen Sie, auch mal n e i n zu
    sagen!“ Wo liegt das Problem? Laufen die „sozialen
    Drücker“ einem hinterher, wenn man nein sagt?

Kommentare sind deaktiviert