Nicht nur in eigener Sache

Aus dem Redaktionstagebuch 5/17

Morgen Regensburg 2Die Regensburger Linke ist heillos zerstritten, kann dies aber mangels Presseeinladung zu ihren Vorstandswahlen ganz gut unter der Decke halten. Gut unter der Decke hielten auch die „Freiheit für Palästina“-Demonstranten am Samstag ihre eigentlichen Absichten – die Reden wurden einfach nicht in deutscher Sprache gehalten. Außerdem haben wir im Redaktionstagebuch ein neues Exponat für das Museum für bayerische Geschichte entdeckt und ein schönes Weihnachtsgeschenk für Kurzentschlossene.

Ein Schiffsschnäppchen fürs Museum?

Am vergangenen Freitag hat der Dampfer „Johann Strauss“ seine vorerst letzte Fahrt angetreten – das ausrangierte Partyschiff wurde am Vormittag von seinem Ankerplatz am Wiener Donaukanal entfernt und in den Hafen Freudenau geschleppt. 2018 soll es versteigert werden. Was hat dieser Dampfer, auf dem unter anderem Szenen des Films „Sissi“ gedreht wurden, mit Regensburg zu tun? Von 1980 bis 1985 lag die „Johann Strauss“ hier am Unteren Wöhrd vor Anker.

Leonhard Salleck von der Brauerei Kuchlbauer hatte das traditionsreiche Schiff – die 1950 gebaute Johann Strauss galt lange Jahre als luxuriösester Passagierdampfer der „Ersten Donau Dampfschiffahrts Gesellschaft“ – zum Restaurant umfunktioniert. Der Hafenbetrieb hatte sich zu dieser Zeit bereits weitgehend nach Osten verlagert und so war genug Platz, um hier ein Restaurant mit Musik und Tanz auf der Donau einzurichten. Schon in den 50er Jahren hatte es ein Tanzschiff am Regensburger Donauufer gegeben. Doch relativ rasch stießen sich die Anwohner offenbar schon in den 80er Jahren an großen Schiffen – nicht wie heute wegen des Motorenlärms oder des versperrten Blicks zur Donau, sondern wegen des Trubels rund um den Restaurantbetrieb.

9. November 1985: Die "Johann Strauss" wird von der "Freudenau" Richtung Wien geschleppt. Fotos: Heribert Heilmeier

9. November 1985: Die „Johann Strauss“ wird von der „Freudenau“ Richtung Wien geschleppt. Fotos: Heribert Heilmeier

Und so wurde das Lokal 1985 „aufgrund von Arainerbeschwerden“ geschlossen, die „Johann Strauss“ verkauft und am 9. November desselben Jahres nach Wien geschleppt – übrigens vom heutigen Regensburger Museumsschiff Freudenau, das damals noch im Einsatz war. Dort diente die „Johann Strauss“ noch einige Jahre als Partyschiff im Wiener Donaukanal, ehe es zunehmend marode wurde, zuletzt als Schandfleck galt und nun abgeschleppt wurde. 2018 steht die Versteigerung an – vielleicht eine passende Erweiterung fürs Museum für bayerische Geschichte. Der angenehme Nebeneffekt: Am künftigen Liegeplatz könnten dann keine nervigen Kreuzfahrtschiffe ankern. Hier gibt es ein Wertgutachten zum dem in die Jahre gekommenem Dampfer.

Die Linke räumt ihren Kreisvorstand ab

Geschlagene sechs Stunden debattierte der Kreisverband der Regensburger Linken am vergangene Samstag, ehe die Abwahl des amtierenden Restvorstands über die Bühne gegangen und ein neuer Vorstand inthronisiert war. Ob die Wahl am Ende gültig ist, wird irgendwann in ferner Zukunft wohl die Bundesschiedskommission der Partei entscheiden müssen – angesichts von Unstimmigkeiten bei der Ladung gibt es bereits eine entsprechende Beschwerde einzelner Mitglieder.

Worüber debattiert wurde und wie die Wahl ablief, lässt sich lediglich aus zweiter Hand erfahren – Presse wurde nicht eingeladen und auch im Nachgang wurde keine Mitteilung verschickt. Ein zumindest ungewöhnlicher Vorgang für eine Partei, die in Fraktionsstärke im Stadtrat vertreten ist. Was aber durch Facebook-Postings und Mailwechsel, die uns vorliegen, offenkundig wird, ist, dass ein tiefer Riss durch den Kreisverband geht, der sich weitgehend auf die Formel „Alt gegen Jung“ bzw. Anhänger von Stadtrat Richard Spieß gegen Kritiker von Richard Spieß zusammenfassen lässt.

Haben ihren Kreisverband (wieder) im Griff: Irmgard Freihoffer und Richard Spieß. Foto: Archiv/ Staudinger

Haben ihren Kreisverband (wieder) im Griff: Irmgard Freihoffer und Richard Spieß. Foto: Archiv/ Staudinger

Man kennt solche Auseinandersetzungen von anderen Parteien – zuletzt bei den Regensburger Grünen. Bei denen mussten die Altvorderen irgendwann einsehen, dass sie nicht die Mehrheit hatte und so hat man sich – zumindest vordergründig – wieder zusammengerauft. Das scheint beim heillos zerstrittenen Kreisverband der Linken derzeit nicht der Fall zu sein. Dort hat das „Spieß-Lager“ zwar die Mehrheit, konnte sich bei den Neuwahlen klar gegen den früheren Vorstand um Anna-Lena Schnaudt, Christiane Fuchs und Vertreter der Linksjugend klar durchsetzen und mit einigen Altvorderen sowie der als Fraktionsassistentin beschäftigten Marina Mühlbauer einen Vorstand installieren, der der Stadtratsfraktion mit Sicherheit nicht in die Quere kommen wird (Der komplette neue Vorstand: Christine Fabritius, Marina Mühlbauer, Patrick Rostek, Irene Salberg, Bernard Ostermeier, Uschi Maxim und Kevin Marr).

Allerdings steht damit auch nicht zu erwarten, dass der mit unter 80 Mitgliedern ohnehin kleine Kreisverband wachsen oder gar eine politische Bedeutung unterhalb der Wahrnehmungsschwelle in Regensburg entfalten könnte. Ein Problem, unter dem – seit der Abwahl von CSU und Hans Schaidinger – mittlerweile auch die Stadtratsfraktion der Linken leidet. Fielen die Stadträte Richard Spieß und Irmgard Freihoffer unter Schaidinger noch als kritische und aktive Opposition auf, hört man aktuell – trotz Fraktionsstatus und entsprechend mehr Möglichkeiten und obwohl die Themen auf der Straße liegen so gut wie nichts von den Linken im Stadtrat. Man überlässt (zumindest die öffentlichkeitswirksame) Oppositionsarbeit weitgehend ÖDP und CSU. Bezeichnend: Die erste Wortmeldung der Linken zum Korruptionsskandal war eine Reaktion auf eine Pressemitteilung der CSU, der man dann Scheinheiligkeit vorwarf.

Richard Spieß sieht die Streitereien in seinem Kreisverband auf Nachfrage nicht tragisch. In einer Partei seien sich eben nie alle einig. Die Differenzen seien weniger inhaltlich als persönlich gewesen und am Ende sei der neue Vorstand dann mit fast zwei Drittel der Stimmen gewählt worden. Und die Presse – die hat man zu Kreisversammlungen noch nie eingeladen („Wir machen die ja alle vier Wochen.“), aber ja, bei Wahlen könnte man das in Zukunft schon machen. Na dann…

Kalender zur Regensburger Weltausstellung

kalender Weltausstellung titel onlineNach der „1. Regensburger Weltausstellung“, mit der Hubert Lankes und Klaus „Schwafi“ Schwarzfischer im Juni unter dem Label „Touristifikation“ die Stadt Regensburg mit diversen satirischen Beiträgen aufs Korn genommen haben, folgt nun standesgemäß der großformatige „Official Touristifikation Regensburg Calendar“. Während die Stadt die Weltausstellung und damit ihre eigene Demontage noch unterstützt hatte, scheint dieses fortschrittliche Kulturverständnis den Stadtoberen nun wieder abhanden gekommen zu sein – das Label des Kulturreferats fehlt dieses mal.

Stattdessen outet sich der „Arbeitskreis Kultur“ nun als Förderer des provokativ-unterhaltsamen Projekts, das sich unter anderem den Museumsgigantismus der Bayerischen Geschichte, die „volksverblödende Bürgerbeteiligungskampagne“ zum RKK oder die enge Symbiose zwischen dem „Regensburger Global Bierplayer“ Bischofshof, der katholischen Kirche und des Regensburger Kulturreferats vorknöpft. Bestechend die Deutung des Portals an der Schottenkirche: „Die Figuren stehen für von der Gesellschaft verachtete und stigmatisierte Personen wie Kuppler, Mörder, Investoren, Huren, dekadente Bürgermeister und verwirrte Stadträte.“ Als Weihnachtsgeschenk für Kurzentschlossene gibt es den Kalender noch unter www.touristifikation.de.

Reden nur für ausgewähltes Publikum

Den Protest gegen oder die Zustimmung für politische Entscheidungen artikulieren oder schlicht politische und gesellschaftliche Ansichten der Öffentlichkeit mitteilen – so könnte man den Sinn und Zweck von Demonstrationen kurz zusammenfassen. Am Wochenende trafen sich auf dem Domplatz zwei Gruppen zu diesem Behufe: Anlässlich jüngster Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als die Hauptstadt Israels anzuerkennen, demonstrierten auf der einen Seite etwa 25 Menschen gegen jeden Antisemitismus – von der Linken bis zur FDP, auf der anderen Seite forderten gut 100 Demonstranten „Freiheit für Palästina“.

"Zionisten sind Phaschist...". Antisemitische Demostration am Samstag auf dem Domplaatz. Foto: Bothner

„Zionisten sind Phaschist…“. Antisemitische Demostration am Samstag auf dem Domplatz. Foto: Bothner

Mit der Presse mochten die Kämpfer für Palästina nur sporadisch reden – es war kein offizielles Statement zu bekommen. Und auch aus den Reden ließ sich kaum etwas entnehmen – sie wurden fast durchweg in arabischer und türkischer Sprache gehalten – offenbar will man sich nur an ein ausgewähltes Publikum richten, um so richtig ungestört vom Leder ziehen zu können. Wer solche Reden für exklusives Publikum noch mit Transparenten wie „Zionisten sind Phaschist“ flankiert, muss sich aller Phrasendrescherei von angeblich friedlichen Absichten zutreffend als antisemitischer Hetzer bezeichnen lassen. 

Brand in Flüchtlingsheim – Warten aufs Gutachten

Noch immer keine neuen Erkenntnisse gibt zu dem Feuer an einer Flüchtlingsunterkunft, über das wir Ende November berichtet haben. Sicherheitskräfte hatten in der Nacht vom 24. November Flammen an der Rückseite des Gebäudes entdeckt und konnten diese löschen, ehe Schlimmeres passierte. Bei der Frage nach der Brandursache tappt die Polizei nach wie vor im Dunkeln. Derzeit warte man auf ein Gutachten des Landeskriminalamts, so ein Sprecher.

Neuigkeiten im Pressespiegel

Unseren Bericht zu der rassistischen Wohnungsanzeige eines Neutraublinger Maklerbüros („nur mit deutscher Abstammung“) von letzter Woche greifen Münchner Merkur, tz und taz auf (Hier geht es zu unserem Pressespiegel.). Die Tageszeitung kann am selben Tag mit einem Exklusivbericht über den Romantischen Weihnachtsmarkt von Peter Kittel aufwarten und hat für das Thema leider keinen Platz. Schadööö.

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Kommentare (9)

  • Rosalia Genoveva

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    @Stefan Aigner

    Mit Verlaub, jeder pensionierte Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän wird glaubhaft versichern, bei der Donauampfschiffahrtsgesellschaft eingstellt gwesen zu sein, niemals nicht bei einer Gebindestrichelten oder Auseinanderdividierten.

    Es ist kein Wunder nicht, wenn es mit der Schiffahrt seit der neuen Getrenntschreibung bergab geht.

    https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Donaudampfschiffahrtsgesellschaft

    https://www.w24.at/Meldungen/2017/12/Baba-Partyschiff

  • eingeborener

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    Zur LINKE Partei, mit der ich nichts zu tun habe:
    Ja,das fällt auf, dass die LINKE im Stadtrat meistens schläft..Rd liefert ja ständig Steilvorlagen für kritische Beiträge und Anträge im Stadtrat, und von Spiess und Freihoffer kommt – nichts. Erschöpft vom innerparteilichen Kampf ?

  • Joachim Datko

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    Zitat: „Wer solche Reden für exklusives Publikum noch mit Transparenten wie „Zionisten sind Phaschist“ flankiert, muss sich aller Phrasendrescherei von angeblich friedlichen Absichten zutreffend als antisemitischer Hetzer bezeichnen lassen.“

    Vollständig lautet der Text auf dem Plakat:
    „Zionisten sind Phaschist
    töten Kinder und Zivilisten“

    Hierzu makabere Aussagen israelischer Soldaten:
    Siehe: 19. März 2009 : http://www.n-tv.de/politik/Israel-schockiert-article62152.html

    “Israelische Soldaten haben die Öffentlichkeit mit Aussagen über wahlloses Töten von Zivilisten und mutwillige Zerstörung während des jüngsten Gaza-Kriegs schockiert.

    Ein anderer Kommandeur erzählte, wie ein Scharfschütze eine Mutter und ihre zwei Kinder erschoss, weil sie versehentlich eine falsche Straßenabbiegung nahmen.“

    Joachim Datko

  • eingeborener

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    „Zionisten sind Phaschist“:
    Wikipedia dazu : „Zionismus bezeichnet eine Nationalbewegung und nationalistische Ideologie von Juden, die auf einen jüdischen Nationalstaat zielt, diesen bewahren und rechtfertigen will.“ „Resolution 3379 der UN-Generalversammlung 1975…besagte, dass Zionismus eine Form des Rassismus und der Rassendiskiminerung sei.“ (Später wieder aufgehoben)
    Von einem Rd-Kolumnisten erwarte ich eine differenzierte Betrachtung statt des Nachplapperns der deutschen Staatsdoktrin, dass israelischer Nationalismus und Gewalt gut , palästinensicher Nationalismus und Gewalt schlecht sind .
    Mir ist beides gleichermassen zuwider.

  • erich

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    „Gut unter der Decke hielten auch die „Freiheit für Palästina“-Demonstranten am Samstag ihre eigentlichen Absichten – die Reden wurden einfach nicht in deutscher Sprache gehalten“

    Wer sich massenhaft andere Kulturen aus anderen Ländern, wie Palästineser, Türken, Juden, Libanesen und andere ins Land holt und diese Einwanderer ihre Kultur und Wurzeln beibehalten möchten, der holt sich auch die Angelegenheiten anderer Länder ins eigene Land.

    Aus Sicht der Politik von SPD, CDU, CSU ist das wohl nachvollziehbar, kann sie doch von den katastrophalen Auswirkungen ihrer Politik für weite Teile der einheimischen Bevölkerung ablenken, auf Dauer wird Deutschland wohl Schaden nehmen oder liquidiert werden, siehe Balkan, aber der Politikergeneration der BRD die das Sagen hatten und haben interessierte sowieso immer nur ihre eigene Geldschatulle, die bei jeder Gelegenheit die ihnen bot gestopft wurde und wird.

  • Student

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    @eingeborener

    Die „deutsche Staatsdoktrin“ ist Ihrem Kommentar zufolge also, dass „israelischer Nationalismus und Gewalt gut“ seien – und das ist dann das, was Sie unter „differenzierter Betrachtung“ des Sachverhalts verstehen.
    Na, denn Prost – eine weitere Kommentierung Ihrer Ansichten erübrigt sich da ja wohl.

  • Mr. T

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    Differenzierte Betrachtung ist, wenn man gewalttätige Politik des Staats Israel vom Volk der Juden trennt, genauso wie palästinensiche Gewalt von Einwohnern Palästinas oder Muslims. Aber leider gibt es genug Idioten, die jede bescheuerte Aktion Israels nutzen, um ihre antisemitischen Ressentiments auszuleben. Genauso wie jeder Terroranschlag eines Moslems dazu genutzt wird, um antiislamische Ressentiments auszuleben. Gerade in Deutschland deckt sich das bei vielen, das sind dann ganz dumb fremdenfeindliche Motive.
    Und viele meinen eben, dass wenn sie Widerspruch bekommen, wenn sie antisemitische Hetze zusammen mit Kritik an israelischer Politik verbreiten, man Israel nicht kritisieren darf. Dass das Problem an ihrem Antisemitismus und nicht an möglicherweise gerchtfertigter Kritik liegt, wird ignoriert.

  • eingeborener

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    @ Mr T :Sie sagen es.
    @Student :
    Haben Sie inhaltlich auch was beizutragen, oder ist bei Ihnen Kritik nur eben mal Naserümpfen ?

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