Aus dem Stadtrat II: Klos sind Chefsache

„Zusammenfügen und optimieren“: Hans Schaidinger und Dieter Daminger wollen die zweijährigen Klorecherchen nun auswerten. Foto: Archiv
Die Regensburger Altstadt hat ein Toiletten-Problem. Erste Lösungsansätze wurden in Angriff genommen: Hundeplakate und ein Video sollen Nachtschwärmer vom Wildpinkeln und An-die Hausmauer-Kotzen abhalten. Unter Anwesenheit von Spitzenvertretern der Stadtverwaltung wurde bereits vor geraumer Zeit das öffentliche Klo am Neupfarrplatz einer Neueeinweihung zugeführt und ist seitdem rund um die Uhr – 24 Stunden – geöffnet. Und beim städtischen Ordnungsdienst gehört die Jagd auf Wildbiesler, so man dem für dieses Jahr veröffentlichtem Tätigkeitsbericht glauben darf, zu den Schwerpunkten der Arbeit. Am Dienstag hat sich nun auch die ödp dieses hochwichtigen Themas angenommen. „Nette Toilette“ nennt sich die Würzburger Idee, von der sich Stadtrat Eberhard Dünninger inspirieren ließ und die sein Kollege Joachim Graf zur Sitzung des Planungsausschusses mitbrachte.

„Nette Toilette“

Die Verwaltung solle also beauftragt werden, „in Zusammenarbeit mit einschlägigen Institutionen“ eine Broschüre über frei zugängliche Toiletten in Regensburg anfertigen zu lassen. In Würzburg gibt es so eine Liste und der vom Harndrang geplagte Leser kann daraus erfahren, dass es etwa im nahegelegen Media Markt, der Pizzeria ums Eck oder der Drogerie, an der man grade vorbei läuft, frei zugängliche Toiletten gibt. Da hatte aber der gute Herr Dünninger nicht mit der Regensburger Stadtverwaltung gerechnet: Die ist nämlich bereits seit zwei Jahren an dem Thema dran – in Person von Altstadtkümmerer Alfred Helbrich, wie Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Dienstag erklärte.

Weiße Flecken auf der Klo-Landkarte

Derzeit wurden die Bemühungen zwar etwas zurückgefahren – Helbrich muss sich neuerdings auch um die Schiffsanlegestellen in Regensburg kümmert und kann für das Klo-Engagement nicht mehr so viel Zeit aufbringen wie früher. Aber, wie Schaidinger zu berichten weiß: Man hat im Zuge der Recherchen bereits herausgefunden, dass es in der Regensburger Altstadt Räume mit einem Toiletten-Problem gibt. Weiße Flecken ohne Urinale und Klo-Schüsseln, so dass – wenn’s pressiert – oft nur noch das Hauseck und die in der Altstadt nicht gerade üppig, um nicht zu sagen nicht vorhandenen Gebüsche zur Bedürfniserleichterung bleiben. Tatsächlich scheint auch der städtische „Superminister“, Wirtschafts- und Finanzreferent Dieter Daminger mit dem Thema befasst zu sein. Er setzte sich am Dienstag intesiv mit dem Klo-Desiderat auseinander. Man müsse die Ergebnisse der bisherigen Toilettenuntersuchungen im Altstadt-Gebiet nun „zusammenfügen und optimieren“, so Daminger, alle Akteure an einen Tisch bringen und abklären, ob nun die Toilette in einem städtischen Parkhaus oder der Kneipe nebendran zur „netten“, sprich: frei zugänglichen, erklärt wird. Die Gespräche laufen…

Wir kriegen ein Klo, aber ich sag nicht wo…

Tatsächlich scheint man, wie Schaidinger durchblicken ließ, auch einen Standort für ein ganz neues, öffentliches Klo in der Altstadt im Auge zu haben. „Aber ich sag nicht wo, sonst kriegen wir das nie durch.“ Vor dem Hintergrund von so viel Vorbereitungsarbeit wurde der ödp-Antrag denn auch – gegen die Stimmen von Freien Wählern, Grünen, ödp und Linken – abgelehnt. Eine „Nette Toilette“-Broschur wäre aber wohl sowieso nur fürs „große Geschäft“ im Freien hilfreich – und auch nur, wenn sie nicht auf Hochglanzpapier gedruckt wird.

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Kommentare (10)

  • Schrittmacher

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    Altstadtkümmerer Alfrfed Hellbrich vom Amt für Wirtschaftsförderung ist zusätzlich auch noch für die Entwicklungsmaßnahme Burgweinting zuständig. Da fehlt auch noch ein öffentliches Klo.

  • grace

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    Hoch sollen sie leben unsere Luftgitarrenspieler…
    So ein Luftklo hat den vorteil, dass nix kostet, man dem politischen Gegner ans Bein p kann.
    Es gilt eben: In unserer Heimatstadt kann man auch mit Schei e punkten.
    Wieder mal Weltstadtniveau der Stadt!!!

  • thoams

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    ICH WEIß WO DAS KLO STEHEN WIRD!
    nachdem unser künstler vom europabrunnen nicht mehr von herrn schaidinger unterstützt wird, was liegt da näher als den europabrunnen zu öffnen, ein absperrgitter rum, nun könnte man nach herzenslust reihern und pis… und schnell würde das auch noch gehen….UND ES WÄRE BILLIG!
    nicht falsch verstehen, ich finde die aktionen super am europabrunnen und wirklich respekt dafür. ist nur eine idee, wenn der pachtvertrag nicht mehr verlängert wird….

  • Pragmatiker

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    Unsinn! Das Klo wird vielmehr im Petertorgraben installiert. Geplant ist ferner der kostenlose Reinigungsdienst Amaro-Services (dass dieser nicht mitmachen wird, wollen die Stadträte bisher nicht wahrhaben).

  • Radlertölpel

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    @thoams: Zwischen Juni 2009 und 29.Oktober 2009 (hauptsächlich Renovierungsarbeiten) gab es einen Zwischennutzungsvertrag, der dann 7 Tage Vor ablauf der Frist um ein Jahr bis zum 29.102010 verlängert wurde. Seit über einem Jahr liegt der Deckel wieder unbenutzt brach.

    Mit einem Durchbruch vom Brunnenbecken in die tiefer liegende Brunnenstube könnte man auch leicht eine Nette Toilette für vor Ort arbeitende Künstler und interessierte Besucher einbauen… das hatte ich bereits u.A. auf der Informationstafel am Brunnendeckel zur A5 (5.Architekturwoche) beschrieben.
    http://europabrunnendeckel.de/download/Architektur/A5JakobFriedlkl.pdf

    Bei Mc Donalds jedenfalls kann man nicht aufs Klo, die haben keine nette Toilette.

  • thoams

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    COOOOOOOOOOOOOOL! soweit dachte ich nicht! allerdings spräche für den europabrunnen, dass gleich der mac kotz in der nähe ist… ich glaube bis zum peterstorgraben schaffen diese clienten es nicht mehr, am schluss kotzen sie in den stadtpark…. nicht so gut

  • Jochen Schweizer

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    Stimmt, im ganzen Stadteil Burgweinting gibt es keine öffentliche Toilette. Wäre das nicht eine Aufgabe für den umtriebigen und OB angepassten SPD Stadtrat Hartl?

  • Nordman

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    Hallo,

    zwei Jahre Arbeit und kein vorzeigbares Ergebnis, grandios.
    Das nenne ich 2 Jahre Untätigkeit, da noch davon zu sprechen „die Bemühungen etwas zurückfahren müssen“ ist eine Frechheit.
    Wie soll das aussehen.
    Von „nichts tun“ auf „gar nichts tun“ zurückfahren.
    Es sind eben nur Bemühungen, wie das in einem Arbeitszeugnis ausgelegt ist ja bekannt.
    Wenigstens stellt man sich selbst ein ehrliches Zeugnis aus, ein schlechtes.

  • Veronika

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    Dazu schreibe ich jetzt nur noch: P R O V I N Z

  • Maximilian

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    Aus dem Stadtrat II: Klos sind Chefsache

    Es gibt halt immer wieder Leit die sich um jeden S… kümmern und das ist gut so.

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