BN Regensburg warnt vor Bebauung am Hollerweg: „Biotop wird dauerhaft zerstört“
Nach dem millionenschweren Fehlkauf am Hollerweg und der Überarbeitung des Bebauungsplans stellt sich der Bund Naturschutz Regensburg gegen die Pläne. „Die Realisierung der geplanten Bebauung wird das wertvolle und einzigartige Biotop dauerhaft zerstören“, heißt es in einer Stellungnahme.

Die BN-Vorstände Raimund Schoberer und der Biologe Dr. Albrecht Muscholl-Silberhorn bei einem Vor-Ort-Termin auf der Biotopfläche, die von der Stadt Regensburg ursprünglich als Baugebiet angekauft wurde. Foto: as
Es war ein Grundstücksgeschäft, das Unglauben, Kopfschütteln und Verärgerung auslöste – in sozialen Medien teils als „Fail des Jahres“ verspottet. Wie regensburg-digital im Juli 2025 publik machte, hatte die Stadt am Hollerweg in Keilberg 2,3 Hektar vermeintliches Bauland gekauft, das sich am Ende als wertvolles, nicht bebaubares Biotop entpuppte – streng geschützter Sandmagerrasen, für dessen Entstehung es Jahrzehnte braucht, wenn nicht mehr als ein Jahrhundert.
Kolportierter Kaufpreis: rund sechs Millionen Euro. Fachleute prüften die Fläche vor dem Ankauf nicht. Es dauerte, bis die Stadt den Fehlkauf eingestand und verhalten Abbitte leistete. Den finanziellen Schaden redet sie bis heute klein – oder beziffert ihn gar nicht.
Neuer Bebauungsplan kam im November
Im November legte das Planungsamt einen überarbeiteten Bebauungsplan für den Hollerweg (Bebauungsplan 287) vor, zu dem auch das Biotop gehört. Im Stadtrat stieß er weitgehend auf Zustimmung. Lediglich die ÖDP stimmte gegen die geplante Bebauung, an deren Ende Wohnungen für 325 statt wie zuvor geplant 400 Menschen entstehen sollen.
Auf wenig Gegenliebe stößt der Bebauungsplan 287 beim Bund Naturschutz. In seiner Stellungnahme zur frühzeitigen Beteiligung hebt der BN die Bedeutung des Biotops hervor und warnt vor dessen schleichender Zerstörung, sollte die Bebauung wie geplant kommen (die Stellungnahme als PDF).
Unsere Recherchen zum Hollerweg
„Skandal“ am Keilberg, 3. Juli
Millionendeal vom Schreibtisch aus?, 9. Juli
Fläche besichtigt, aber Biotop nicht erkannt, 11. Juli
Wie nachlässig prüfte die Stadt?, 18. Juli
Stadt hält Kritik für unfair, 19. Juli
Misstrauen gegen die Stadtverwaltung? Unbedingt!, 23. Juli
Hollerweg: Abbitte mit Augenmaß, 30. Juli
Neuer Bebauungsplan für den Hollerweg, 13. November
„Biotop ist kein Hindernis, sondern Grund für Stolz.“
Es sei in Deutschland wohl einzigartig, dass sich auf dem Gemeindegebiet einer Großstadt sowohl der am Keilberg bekannte Kalk- wie auch Sandmagerrasen in unmittelbarer Nachbarschaft finden. „Die beiden genannten Biotoptypen schließen sich naturräumlich eigentlich gegenseitig aus“, heißt es in der Stellungnahme.
„Die Besonderheiten dieser Fläche müssten eigentlich ein Gefühl von Besitzerstolz innerhalb von Politik und Zivilgesellschaft der Stadt Regensburg hervorrufen – stattdessen wird sie reflexartig als unerwünschtes Hindernis bei der Verwirklichung einer angeblich unverzichtbaren Bebauung empfunden oder kolportiert.“
Bebauung und Freizeitdruck als Gefahr für die Fläche
Diese geplante Bebauung sehen die BN-Vorstände Raimund Schoberer und Albrecht Muscholl-Silberhorn als große Gefahr für das Biotop. Laut dem vorliegenden Entwurf für den Bebauungsplan wird die Fläche von allen Seiten durch Wohnbebauung, Straßen und Wege eingekreist. „Es wäre naiv zu glauben, dass der verbleibende Magerrasen von den Maßnahmen unbeeinflusst bliebe, dessen größter Feind ein erhöhter Stickstoffeintrag ist“, so die Stellungnahme.

Der neue Bebauungsplan für den Hollerweg. Dunkelgrün: geschützte Biotopflächen. Grafik: Stadt Regensburg
Abgesehen vom direkten Stickstoffeintrag durch Verkehr und Heizen werde auch die Belastung durch die wachsende Bevölkerung zunehmen. Der nährstoffarme und damit gut zugängliche Sandmagerrasen lädt zum Grillen und Picknicken ein und taugt auf den ebenen Flächen auch als Bolzplatz. „Dabei wird die Vegetation großflächig zertreten, ein Netz von Trampelpfaden entsteht, zurückgelassene Essensreste und Hundeexkremente sorgen sukzessive für einen Nährstoffeintrag.“
Der Naturschutz als „Buhmann“
Verbotsschilder oder Zäune könnten das zwar verhindern, aber, so der BN: „Der Naturschutz wäre dann der ‚Buhmann‘, wobei Ursache und Wirkung vertauscht würden.“ Zudem seien solche Maßnahmen kaum durchsetzbar. Die düstere Prognose: „Die Realisierung der geplanten Bebauung wird das wertvolle und einzigartige Biotop dauerhaft zerstören.“
Für fragwürdig hält der Bund Naturschutz auch, dass die Auswirkungen der Bebauung auf Frischluftzufuhr und Stadtklima bislang nicht untersucht wurden – trotz mehrfacher Ankündigung. Kein Einzelfall, so der BN.
Städtische Klimauntersuchungen ohne Konsequenzen?
Ein Beispiel: Bei einem Bauvorhaben des Immobilien Zentrum Regensburg im Stadtwesten („Quartier West“) soll ein kleines Wäldchen fallen. In einem Klimagutachten der Stadt Regensburg gilt es als „lokal wichtiger thermischer Ausgleichspunkt mit bedeutender klimarelevanter Aktivität“. Ausdrücklich heißt es in dem Gutachten, an der Ecke Lilienthalstraße/Hermann-Köhl-Straße solle man „keine weitere Bebauung zulassen“.
Im Aufstellungsbeschluss für den entsprechenden Bebauungsplan, der im Juli 2021 auf den Weg gebracht wurde, fehlen das Klimagutachten und seine eindeutige Forderung – kein Wort dazu. Es sei nur ein verwaltungsinternes Dokument, hieß es später. Ein verwaltunfsinternes Dokument, das die Verwaltung nicht interessierte.
Wohl auch vor diesem Hintergrund fragt der Bund Naturschutz mit Blick auf den Hollerweg: „Führen in Regensburg Ankündigungen von Klimauntersuchungen auch irgendwann zu einem Ergebnis mit konkreten praktischen Konsequenzen abgesehen von Unbedenklichkeitsbescheinigungen?“
„Das wirkt wie ein Beitrag zur Gentrifizierung.“
Der Bebauungsplan für den Hollerweg sieht einen 40-prozentigen Anteil an gefördertem Wohnraum vor. Das sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, so der Bund Naturschutz. Am Hollerweg wirke es „ein wenig deplatziert“. Es sei wahrscheinlich, dass dadurch finanziell schwächere Regensburger aus der Stadt „abgezogen“ würden, wo das Angebot an bezahlbarem und gefördertem Wohnraum seit Jahrzehnten sinkt. „Das wirkt dann wie ein Beitrag zur Gentrifizierung.“
Der Gewinn an Wohnraum am Hollerweg stehe in keinem Verhältnis zum erwartbaren Verlust anderer Schutzgüter, lautet das Fazit der Naturschützer. Weitaus effizienter – und im Sinne einer sozialen Durchmischung – sei es, das längst nicht ausgeschöpfte Potenzial zur Umwidmung versiegelter Flächen in Innenstadtnähe zu nutzen, etwa durch die Überbauung von Großparkplätzen und die Aktivierung von Leerständen.
Stadt muss Stellung nehmen
Folgerichtig fordert der Bund Naturschutz mit Blick auf den Bebauungsplan 287 „eine Überprüfung nicht des Wie, sondern des Ob“.
Die Stellungnahme des BN ist Teil der frühzeitigen Beteiligung von Behörden und Trägern öffentlicher Belange. Die städtischen Planer werden dazu im weiteren Bebauungsplanverfahren Stellung nehmen. Dass das Vorhaben deshalb kippt, ist allerdings nicht zu erwarten.
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Mr. T.
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Einen Magerrasen direkt neben einem größeren Wohngebiet zu schützen, ist in der Tat utopisch. Ich kenne solche Magerrasen mitten in der Pampa, die mit Schildern oder Absperrungen vor Betreten geschützt sind. Am Hollweg wäre die Fläche sicher erste Wahl als Hundeweise und Bolzplatz. Die Anwohner würden sich freuen und für die Stadt könnte sich eine klassische Win-Win-Situation ergeben, wenn die Wiese in absehbarer Zeit nicht mehr schützenswert ist und wieder bebaubar wird.
Geleutert
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jetzt ist die Wiese schuld, dass die Stadt sich mit einem kompletten Fehlkauf mehr als blamiert hat.
Die Stadt wird das aussetzen dann verschwindet die Maga Wiese von allein.
Die Stadt kann dann sagen, wir haben nichts gemacht.
Am Stube Platz gab es auch ein unglaublichen Reichtum an verschiedenen Bäumen, zum Teil wirkliche Exoten, die von Gärten angeweht wurden.
Die sind auch verschwunden.
Vor vielen Jahren ist ein alter Baumbestand bei der ehemaligen Villa des Brauereidirektors früh morgens verschwunden.
Genauso wird es auch in der Hermann Köhlstraße sein.
Gut, dass darüber berichtet wird.