„Clowneske“ Antwort aus dem Ministerium: Kein durchdachtes Konzept für Stellenabbau am Universitätsklinikum Regensburg
Das Wissenschaftsministerium legt offen: Der Stellenabbau am Universitätsklinikum Regensburg erfolgt ohne durchdachten Plan. Offenbar arbeitet man mit der strikten Durchsetzung der Wiederbesetzungssperre. Diese Woche wird im Landtag debattiert.

Einsparen mit der Gießkanne? So wirkt das “Konzept” am UKR. Foto: UKR/Klaus Völcker
Am Universitätsklinikum Regensburg werden Stellen „ohne Plan und Konzept“ gestrichen. Das kritisierten Ärzte, die sich im November 2025 an unsere Redaktion wandten. Sie schilderten ein Klima der Angst und Verunsicherung unter dem ärztlichen Personal. Unsere Redaktion berichtete damals exklusiv über die geplanten Kürzungen, stieß jedoch bei Wissenschaftsministerium und Klinikvorstand auf Schweigen.
Nach einer Anfrage der SPD-Abgeordneten Ruth Waldmann steht inzwischen fest: Bis zu 64 Vollzeitstellen für Ärzte sollen am UKR wegfallen – fast zehn Prozent der 680 Ärztinnen und Ärzte dort. Eine aktuelle Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums bestätigt die Befürchtungen der Ärzte: Der Stellenabbau erfolgt offenbar tatsächlich ohne durchdachtes Konzept.
Ein Konzept ohne Angaben
Auf eine erneute Anfrage von SPD-Gesundheitsexpertin Waldmann erklärte das Ministerium am Donnerstag, 18. Juni, der UKR-Vorstand habe ein „nach Dienstarten differenziertes Konzept“ erstellt. Doch zugleich räumte es ein: „Das Konzept enthält keine Angaben, wie sich der Abbau auf Kliniken, Abteilungen oder Institute verteilt.“
Ruth Waldmann nennt diese Antwort „clownesk“. „Ein Konzept zum Personalabbau ohne Details zum Abbau? Was steht da sonst drin?“
Sie fragt, wer hier wen täuscht: „Der Minister die Abgeordnete, die Klinikleitung den Minister oder beide die Belegschaft? Fehlt nur noch, dass der Minister behauptet, seine Sparpolitik habe Hand und Fuß.“
Sparen durch „strikte Einhaltung der Wiederbesetzungssperre“
Ein internes Protokoll einer Vorstands- und Direktorenklausur vom 10. November 2023, über das wir bereits berichteten, untermauert den Vorwurf, der Vorstand handle ohne Rücksicht auf die Abteilungen.
Um Stellen zu sparen, fordert die Kaufmännische Direktorin Sabine Lange darin eine „strikte Einhaltung der Wiederbesetzungssperre von drei Monaten“. Das bedeutet: Befristete Stellen, die auslaufen, oder Stellen, die durch Pensionierungen frei werden, bleiben mindestens drei Monate unbesetzt – unabhängig von den Bedürfnissen der Abteilungen.
Lange beziffert das Einsparpotenzial dieses Vorgehens auf 64 Vollzeitstellenäquivalente – 6,246 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Defizit? „Geschäftsgeheimnis.“
Wissenschaftsminister Markus Blume verteidigte den Stellenabbau als „dringend erforderlich“, um das erwartete Defizit des Klinikums zu reduzieren. Wie hoch dieses Defizit ist, bleibt unklar. Das Ministerium verweist auf das „Geschäftsgeheimnis“.
Diesen Mittwoch berät der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag über das Thema UKR. Die SPD fordert die Staatsregierung auf, die strategische Zukunft des Klinikums offenzulegen.
Antrag im Wissenschaftausschuss des Landtags
Konkret will die SPD wissen, „auf welche medizinischen Schwerpunkte das Klinikum künftig setzen soll, mit welcher personellen und finanziellen Ausstattung dies geschehen soll, welche Bereiche gegebenenfalls reduziert oder aufgegeben werden und wie entstehende Lücken in Patientenversorgung, Forschung und Lehre geschlossen werden sollen“.
Zudem verlangt die SPD Klarheit darüber, ob auch an anderen Standorten Stellenstreichungen geplant oder bereits umgesetzt werden.
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