Ein Stadtbau-Posten für den Schlegl Franz

Nach schweren Monaten darf sich Schlegl über einen Aufsichtsratsposten freuen und in Neunburg dafür sorgen, dass alles sauber läuft.Eilige Abstimmung per Brief: Der loyale CSU-Stadtrat erhält zum Abschied ein eigenes Austraghäusl Der Lohn ist vermutlich verdient. Die letzten Monate waren nämlich keine leichten für den Schlegl Franz. Aus Loyalität mit Oberbürgermeister Hans Schaidinger gab er im Zuge der CSU-Schlammschlacht sein Amt als Ehrenvorsitzender im Ortsverein Konradsiedlung ab. Seinen Listenplatz bei der CSU für die Kommunalwahl hat er geräumt. „Um Jüngeren Platz zu machen”, sagt er offiziell. Nach 36 Jahren scheidet er aus dem Stadtrat aus. Und auch die Stadtbau-Affäre bleibt dem Schlegl Franz sicher in schlechter Erinnerung. 30 Jahre ist Schlegl Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtbau. Dass der 68jährige selbst dann nichts von der Bestechungsaffäre (Wohnungen gegen Bares) mitbekommen hat, als er im Prüfungsausschuss einem ersten Anfangsverdacht nachgehen sollte, warf – wohl zu Unrecht – ein schlechtes Licht auf ihn. „Wir haben sorgfältig gearbeitet, aber wir erhielten nicht alle Informationen”, meinte Schlegl vor nicht all zu langer Zeit etwas frustriert, um sich gegen den Eindruck der Schlafmützigkeit zu wehren. Doch wo Schatten ist, da wächst auch Rettendes heran, auch für den Schlegl Franz. Der wird zum Abschied und als Lohn für all die Mühen mit einem kleinen, aber feinen Posten bedacht. Demnächst darf er sich im Aufsichtsrat der Stadtbau Neunburg vorm Wald engagieren – gegen Aufwandsentschädigung versteht sich. An der Neunburger Wohnbaugesellschaft ist die Regensburger Stadtbau beteiligt. Traditionell sitzt der Geschäftsführer der Regensburger Stadtbau auch im Neunburger Aufsichtsrat. Doch weil Martin Daut gefeuert wurde, ist dieses Pöstchen frei und man hat es dem Schlegl Franz gegeben. Ganz unkompliziert. Eine größere Diskussion darüber hielt man nicht für nötig. Und die notwendige Abstimmung wurde per Brief erledigt. Der landete Mitte der Woche im Briefkasten der einzelnen Stadtbau-Aufsichtsräte, die freilich, ebenso wie Schlegl, mehrheitlich der CSU angehören. Unterschrift drunter. Fertig. Wer dahinter Postenküngelei vermutet, ist vermutlich böswillig. Freilich, eigentlich hätte der Posten – wenigstens übergangsweise – eher mit Klaus Nickelkoppe besetzt werden müssen. Der war Dauts Stellvertreter und übernimmt derzeit übergangsweise das Amt als Stadtbau-Geschäftsführer. Aber vermutlich ist Nickelkoppe zu oft krank. Zuletzt geschah dies – recht spontan – als er sich im Stadtrat zur Bestechungsaffäre äußern sollte. Gut ist es auch, dass Oberbürgermeister Hans Schaidinger sich auf Schlegls Loyalität verlassen kann. Denn Franzens Sohn ist gleichfalls Stadtrat: Christian Schlegl war einst der Hoffungsträger der Regensburg-CSU. Heute, im Zuge der Schlammschlacht, ist der Junior wegen seiner offenen Gegnerschaft zum CSU-Kreisvorsitzenden Franz Rieger, die im „Dossier Rieger“ gipfelte, arg in Bedrängnis geraten. Besäße er nicht das Wohlwollen des Oberbürgermeisters, wäre er vielleicht schon längst aller Posten ledig. Auch das war sicher nicht leicht für den Schlegl Franz. Doch nun wartet auf ihn der verdiente Lohn.

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Kommentare (3)

  • Reiner Gottl

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    Da war doch überhaupt keine Eile in der Sachthematik gegeben. Lediglich die politische Konstellation der CSU war zum jetzigen Zeitpunkt der absoluten Mehrheit nie besser. Vorsorglich macht man noch alles vor der Wahl am 2.3.08 fest, damit Fakten geschaffen worden sind. Man weiß ja nicht, wie danach die Zusammensetzung im Aufsichtsrat sein wird. Für mich ist das ein reines Postengeschachere wie es im Buche steht. Das ist ein Politikstil von dem ich nichts mehr wissen will. Ich hoffe, es geht vielen anderen genauso.

  • Rudolf Schmitzer

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    Aufgrund dieses „Theaterstückes“ Stadtbau GmbH mit den Handlungsschwerpunkten Bestechungen, staatsanwaltlichen Ermittlungen, Anhörung im Stadtrat, fristlose Kündigung des Geschäftsführers, Weiterbeschäftigung der Person, die der Vorteilsannahme überführt wurde, Gerüchte und Mutmassungen in den Medien, Postenschiebereien kurz vor der Kommunalwahl und weiter keine Klärung bzw. Aufklärung in Sicht, könnte man vermuten Regensburg liegt irgendwo zwischen Indonesien, Vietnam und den Philippinen, den in diesen Ländern sind derartige Vorkomnisse nichts ungewöhnliches!
    Mit diesem „Schauspiel“ spielt Regensburg sicherlich nicht in der „Champions Liga“ wie ein stadtbekannter CSU-Fraktionsvorsitzender immer wieder in seinen Reden ausführt.

  • Barbara Junghans

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    Meine Mutti würde mich sicher rügen für das, was ich jetzt schreibe, aber ich tu’s trotzdem:

    Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte!

    Herr Schaidinger verteilt schnell noch ein (oder ein paar) Pöstchen an Herrn Franz Schlegl, bevor er (hoffentlich!) abgewählt wird.

    Außerdem verspricht er Herrn Wolbergs, dem Wendehals in Sachen RKK und OB-Kandidatur, einen Bürgermeisterposten, wenn er es (hoffentlich nicht!) nochmal packen sollte.
    Ich hoffe, dass möglichst viele Bürger sich dieser skandalösen Vorgänge bewußt geworden sind und die entsprechende Wahl treffen werden.

    So darf es nicht weitergehen.

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