Nachruf

Ein vorbildlicher Mensch und Kommunalpolitiker

Mit Lothar Strehl starb vergangene Woche ein engagierter Mensch mit Rückgrat, dessen Handeln allein seinem Gewissen verpflichtet war. Als Kommunalpolitiker war er ein Vorbild.

In der Politik reden manche gerne über Rückgrat, meist in der Absicht, sich selbst ein solches zu bescheinigen. Lothar Strehl, der vergangene Woche nach langer Krankheit im Alter von 69 Jahren verstorben ist, konnte hingegen einfach nicht aus seiner Haut: Ohne groß über Rückgrat zu reden, hatte er einfach eines.

Geradlinig, ehrlich und ohne Rücksicht auf die politischen Interessen anderer oder gar seiner eigenen Karriere bestimmten seine Überzeugungen und sein Gewissen das Handeln des engagierten Bewährungshelfers. Dass er damit den Zorn anderer, auch mächtiger Personen auf sich zog, nahm er dabei ohne groß zu Klagen in Kauf.

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Als Strehl, seit 1985 SPD-Mitglied und seit 1990 im Stadtrat, bei der Listenaufstellung für die Kommunalwahl 2008 auf seinen (damals noch) sicheren Listenplatz elf verzichtete, um es auf eine Kampfkandidatur mit Kurt Schindler (Listenplatz 17) ankommen zu lassen, halfen auch alle Bitten und Interventionen des damaligen OB-Kandidaten Joachim Wolbergs nichts. Strehl hielt Schindler wegen seiner Erfahrungen mit ihm im Stadtbau-Aufsichtsrat damals „nicht mehr für tragbar“, ließ er die Delegiertenversammlung wissen. Und wenn er deshalb von der Liste und aus dem Stadtrat fliegen sollte, ja, dann sei er „eben mal weg“.

Tatsächlich kam es anders: Strehl kegelte Schindler von der Liste – und musste dafür viel Kritik einstecken, teils parteiintern, teils medial. Von den Regensburgerinnen und Regensburgern hingegen wurde er bei der späteren Kommunalwahl um sieben Plätze nach vorne und erneut in den Stadtrat gewählt.

Nicht, weil man Strehl von allzu vielen Gruppenfotos und Pressemitteilungen gekannt hätte, auf die drängelte er sich eher selten, sondern weil er als sozial engagierter und geradliniger Mensch galt. Und weil er sich im Zuge mehrerer Affären bei der Tochtergesellschaft Stadtbau – es ging um Korruption und Mobbingvorwürfe – deutlich exponiert und gegen den damals allmächtigen Oberbürgermeister Hans Schaidinger gestellt hatte.

Nur wenig später wurde diese Geradlinigkeit auf eine harte Probe gestellt. Kurz nach der Wahl, eine große Koalition zwischen CSU und SPD war gerade frisch geschmiedet, versuchte Hans Schaidinger mit allerlei Tricks, Druck und abseits jedweder Sachgründe seine Parteifreundin Petra Betz als Stadtbau-Geschäftsführerin zu installieren. Die ehemalige Sozialbürgermeisterin hatte im Zuge der Koalitionsverhandlungen und parteiinterner Auseinandersetzungen ihren Bürgermeisterposten verloren – und sollte von Schaidinger damit entschädigt werden.

Wieder war es Strehl, der dem OB Paroli bot. Im Personalausschuss, der für die Besetzung des Postens zuständig war, hielt er erbittert dagegen – über Monate. Zunächst ohne Unterstützung von Partei und SPD-Fraktion und unter großem Druck, der von Schaidinger und dem damaligen CSU-Fraktionschef Christian Schlegl aufgebaut wurde, die versuchten, Strehl öffentlich zu diskreditieren. Heute gilt es als offenes Geheimnis, dass die SPD ohne diesen Widerstand Schaidingers Nepotismus und Mauschelei hätte durchgehen lassen, um den Koalitionsfrieden zu wahren.

Doch am Ende zog Petra Betz schließlich ihre Bewerbung zurück – geordneter Rückzug aus einer Farce, die zu diesem Zeitpunkt bereits überregionale Medien erreicht hatte und der beispielsweise die Süddeutsche Zeitung ein „Aroma von Filz“ bescheinigte.

Für seine Haltung, die allen Respekt verdient hat, musste Strehl im Anschluss allerdings, dieser Forderung Schaidingers gab die SPD dann doch nach, seinen Stuhl im Aufsichtsrat der Stadtbau räumen. Bei der Kommunalwahl 2014 trat Strehl dann nicht mehr an. Er habe auf so etwas keinen Bock mehr, sagte er einmal in einem persönlichen Gespräch.

Lothar Strehl war Träger der kommunalen Verdienstmedaille und des Bayerischen Verdienstordens. Er starb am 25. August.

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Kommentare (12)

  • Mr. B.

    |

    Danke RD für den aufrichtigen Bericht!
    Es müsste in dieser Stadt mehrere solche Menschen geben, ausser sehr vielen “Geldabnickern”!

    Den Hinterbliebenen mein Beileid!

  • Mr. T.

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    Solche kegelts raus und andere springen weiter rum 😥

    Wie soll man da noch an das Karma glauben?

  • Tröster

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    Ich kannte Lothar Strehl persönlich und kann allen im Text gemachten Ausführungen uneingeschränkt zustimmen.
    Er war ein aufrechter, ehrlicher und grundanständiger Mensch.
    Der Regensburger Kommunalpolitik hat (und hätte er auch weiterhin) gut getan.

  • Hthik

    |

    Ein trauriger Anlass, daran zu erinnern, was ein einzelner, unnachgiebig Aufrechter erreichen kann.

  • Mathilde Vietze

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    Lieber Stefan, ich danke Dir, daß Du diesem Ehrenmann eine so lange Würdigung
    zuteil hast werden lassen. Er hat es verdient. Strehl zählt für mich zu den glaub-
    würdigsten Genossen, die ich in 53 Jahren SPD-Mitgliedschaft erlebt habe.
    Hätten wir mehr von diesen Charakterzügen, sähe es in unserer Politik besser aus.
    Ich werde Lothar Strehl, der mir viel Gutes getan hat, nicht vergessen.

  • Gscheidhaferl

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    @Hthik
    Und wo war der Dank? Letztlich ist er in die Wüste geschickt / fallen gelassen worden. Für uns ein Glück, dass es ihm augenscheinlich genügt hat, mit sich im Reinen zu sein und er innerlich (und äußerlich) unabhängig genug war. Natürlich gebührt solchen Menschen höchste Anerkennung und Respekt. Wirklich auf’s Schild gehoben werden sie aber eher selten. Für die unangenehmen Arbeit sind sie gut genug. Aber wenn’s wirklich was zu verteilen gibt, laufen die Leute im Zweifelsfall mehrheitlich eben doch den Rattenfängern und Schwätzern hinterher. Während die Aufrechten froh sein können, wenn sie nicht vor die Hunde gehen. Das ist doch ein schlechter Witz, der durch den ehrenvollen und wohlverdienten Nachruf nicht besser wird: Derjenige, der sich als Aufsichtsperson am meisten bewährt hatte, musste als Strafe dafür das Aufsichtsgremium verlassen. Und er hat die (versuchte) Demontage ja noch einigermaßen gut überstanden…

  • Gscheidhaferl

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    @Paula
    Das Video wurde 2008 hochgeladen ;-)

  • Daniela

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    Dank an rd für den Nachruf und die Würdigung eines außergewöhnlichen und aufrechten Menschen. Den Angehörigen unser aufrichtiges Beileid.

  • Hthik

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    @Gscheidhaferl 1. September 2022 um 18:29

    Berechtigte Frage.

  • Christian Feldmann

    |

    Wieder einer weniger von den Aufrechten. Wenn man sich an den Lothar erinnert und wie nicht nur der “politische Gegner”, sondern auch die eigene Partei mit ihm umgesprungen ist, wird einem klar, wie viele mittelmäßige, dümmliche, desinteressierte, faule, jeden Schmarrn brav abnickende Gestalten im Kommunalparlament sitzen. Ändern würde sich höchstens etwas, wenn man ihnen die Sitzungsgelder streicht und jegliche Abbildung in der Lokalpresse verbietet.

  • Mathilde Vietze

    |

    Ich habe an Lothar Strehl vor allem bewundert und geschätzt, daß er zu seinen
    Meinungen auch dann gestanden ist, wenn er “Gegenwind” bekam. Solche Gerad-
    linigkeit würde manchem Politiker gut stehen. Und mit seiner mutigen Haltung
    bei der Aufstellung der Stadtratskandidaten hat er sich auch positiv hervorgetan.

Kommentare sind deaktiviert

drin