„Gans Schön Ecklhaft“

Ermittlungen gegen Satire-Seite

Eine Facebook-Seite, die sich mit den Fehlleistungen des Regensburger Wochenblatts beschäftigt, steht im Fokus der Staatsanwaltschaft. Redaktionsleiter Dr. Christian Eckl hat Strafanzeige gegen die anonymen Betreiber erstattet.

"Oh Weia". Besonders ernst scheinen die Seitenbetreiber die Ermittlungen nicht zu nehmen. Foto: "Gans Schön Ecklhaft"

„Oh Weia“. Besonders ernst scheinen die Seitenbetreiber die Ermittlungen nicht zu nehmen. Foto: „Gans Schön Ecklhaft“

Die Staatsanwaltschaft tappt offenbar bislang noch im Dunkeln. Bereits seit Mitte 2015 ermittelt die Abteilung für Wirtschaftskriminalität in Zusammenarbeit mit der Regensburger Kriminalpolizei. Doch nach wie vor gibt es keine Antwort auf die Frage: Wer ist „Gans Schön Ecklhaft“?

„Gans Schön Ecklhaft“? Was soll das überhaupt sein?, werden sich die meisten fragen. Denn die Facebook-Seite dieses Namens, nach deren Urheber(n) die Ermittler fahnden, hat noch nicht einmal 500 Fans. Erst Dr. Christian Eckl, Redaktionsleiter des Regensburger Wochenblatts, brachte die Strafverfolgungsbehörden auf die heiße Spur. Wegen der Verletzung von Urheberrechten und Beleidigung hat Dr. Eckl, der – wie unschwer zu erkennen ist – Pate bei der Namensgebung von „Gans Schön Ecklhaft“ gestanden sein dürfte, Strafanzeige erstattet.

Seit 2012 unterwegs als Wochenblatt-Watchblog

Tatsächlich kann die Seite dem passionierten Redaktionsleiter, der gerade mit der kürzlich vollzogenen Schließung der Außenredaktionen Kelheim und Schwandorf, sinkenden Anzeigenerlösen und Kündigung zahlreicher Austräger zu kämpfen hat, nicht gefallen. Mal witzig, mal verächtlich, mal bissig und oft genug treffend beschäftigt sich „Gans Schön Ecklhaft“ bereits seit November 2012 mit ausgewählten Beiträgen des Anzeigenblatts. Mal geht es schlicht um Rechtschreibfehler, mal anderweitige journalistische Fehlleistungen.

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Ab und an muss eine Grafik des Redaktionsleiters als Mem herhalten, um auf bemerkenswerte Sätze aus dessen Feder aufmerksam zu machen, um ihn anderweitig zu kritisieren oder sich über ihn lustig zu machen.

Und bisweilen wird „Gans Schön Ecklhaft“ auch bierernst. Die anonymen Betreiber beschäftigen sich mit der möglichen politischen Agenda des Wochenblatts, etwa in Bezug auf die Flüchtlingssituation.

Behauptete Klickrekorde werden genauer begutachtet. Oder es werden fragwürdige Facebook-Postings des Wochenblatt-Herausgebers und „Niederbayern-Botschafters“ Herbert Zelzer unter die Lupe genommen.

Eines scheint definitiv festzustehen: „Gans Schön Ecklhaft“ mag das Wochenblatt nicht und hat es sich dementsprechend zur Aufgabe gemacht, das Anzeigenblatt zu beobachten und im Tonfall zwischen Titanic und Bildblog zu kritisieren. Über die Art und Weise, vor allem über das Verharren der Betreiber in der Anonymität mag man geteilter Meinung sein.

Keine Antwort von Dr. Eckl

Empfindlicher Redaktionsleiter: Dr. Christian Eckl. Foto: Archiv

Empfindlicher Redaktionsleiter: Dr. Christian Eckl. Foto: Archiv

Doch worin besteht die Urheberrechtsverletzung? Worin die Beleidigung? Muss man das als Redaktionsleiter eines regionalen Anzeigenblatts, der in vielerlei Hinsicht auch eine Person des öffentlichen Lebens ist, nicht bis zu einem gewissen Grad aushalten? Wann wird die Grenze zur Beleidigung und Verletzung von Persönlichkeitsrechten überschritten?

Auf eine Anfrage, die wir ihm Ende der letzten Woche zugeschickt haben, reagiert Dr. Eckl nicht. In der Vergangenheit hatte er „Gans Schön Ecklhaft“ allerdings schon als „widerliche anonyme Diss-Facebook-Seite“ bezeichnet, etwas später als „strafrechtlich relevante Seite“. Letzteres offenbar kurz nach seiner Strafanzeige, die er damit selbst öffentlich machte. Bei den Betreibern von „Gans Schön Ecklhaft“ konnte er damit kaum Eindruck schinden. Sie haben mit seinem Ausspruch weiter um Fans geworben.

Betreiber wollen notfalls „bis zum jüngsten Gericht“

Ausführlich reagieren sie auch auf unsere Fragen, die wir ihnen über Facebook zugeschickt haben. Die Ermittlungen bezeichnen die „Gans Schön Ecklhaft“-Macher als „lächerlich“. Sollte es zu einer Anklage kommen, werde man „durch alle Instanzen bis zum Jüngsten Gericht standhalten“, schreiben sie.

„Nicht nur aus egoistischen Gründen, weil wir im Recht sind, sondern im Sinne der und für die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit. Satire und Kritik sind kein Verbrechen. Sollte das ein Gericht bestätigen müssen, dann soll es eben so sein. Rechtsstaat heißt eben auch, dass es möglich sein muss einen ganzen Haufen Geld zu verbraten, um Selbstverständlichkeiten zu klären. Allerdings rechnen wir eher mit der Einstellung des Verfahrens, weil es schwer vorstellbar ist, dass es irgendeine Staatsanwaltschaft gibt, die diesen hanebüchenen Fall tatsächlich zur Anklage bringt.“

„Ermittlungen in drei bis vier Wochen abgeschlossen“

Die Anonymität von „Gans Schön Ecklhaft“ sei im Übrigen nur ein Witz. „Denn unter uns: Abgesehen von den Briefkästen in Panama, dem kilometerlangen Tunnelsystem unter den Straßen Regensburgs, den gefälschten Pässen, den wöchentlich neu umlackierten Fahrzeugen, den über den ganzen Landkreis Regensburg und Haiti verteilten konspirativen Wohnungen und der modernsten Krypto-Technologie auf allen unseren Geräten (auch Toaster und Kaffeemaschine) ist unsere Identität wirklich kein allzu großes Geheimnis. Für 425.000 Euro von Wochenblatt-Chef Herbert Zelzer legen wir die Identität sofort offen. Die Übergabe machen wir dann auch ganz legal, mit Scheck, Blumenstrauß und Foto im Wochenblatt und – das dürfte eine ganz neue Erfahrung für Zelzer sein – ohne Bewährungsstrafe.“

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Oberstaatsanwalt Theo Ziegler, Pressesprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, rechnet „in drei bis vier Wochen“ mit einem Abschluss der Ermittlungen. Dann wird sich herausstellen, ob es eine Anklage im Fall „Gans Schön Ecklhaft“ geben wird.

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Kommentare (21)

  • Mr. T

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    Muss jetzt der Streisand-Effekt in Eckl-Effekt umbenannt werden? Zumindest lokal? Danke Herr Eckl, die Seite hab ich noch gar nicht gekannt!

  • blauäugig

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    Das Anzeigenblatt bekommt nicht mehr genug Anzeigen, weshalb ja auch schon z.B. die Kelheimer Ausgabe gestrichen wurde. Will er nun durch selbst gestellte Anzeigen diese Lücke füllen?

  • hutzelwutzel

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    Vergeßt mal bei einem Namen eines Akteurs einen Punkt, dann gibt sicher noch eine Anzeige!
    Mensch, werden die Leute plötzlich empfindlich. Austeilen schon, aber einstecken nicht. Lieber Herr Dr. Eckl ich hätte von Ihnen mehr Humor erwartet, auch wenn ich die Person leider nicht kenne, die hier wieder mal – wie so Viele – Facebook(R) mißbraucht.

  • hutzelwutzel

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    Ein Nachtrag, da wichtig fürs Verständnis, für mein Verständnis der ganzen Sache:
    Waren dann die höchst amüsanten Berichte über den vormaligen Bischof usf. vielleicht hochamtlich genehmigt? Da wurde nämlich – mir manchmal auch schon zuviel – im WB leicht anzüglich geschrieben.

  • Lothgaßler

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    Schade, dass ich kein Facebook-Nutzer bin und es auch nicht werden will. Es scheint dort auch inhaltlich Würdiges zu existieren.
    Wochenblatt, wo ist denn dort „Inhalt“ zu finden? Entweder offene oder versteckte redaktionelle Werbung, oder Schleim zu Gunsten wem-auch-immer, oder etwas Frotzelei, oder Pressemitteilungen die wie redaktionelle Beiträge daher kommen. Seehofer würde sagen: Quatschi, Quatschi!
    Wo hat der Eckl eigentlich sein „Handwerk“ gelernt?
    Wenn „Gans Schön Ecklhaft“ die qualitativen Mängel des Medienprofis Eckl bloßstellt, dann ist das zwar unangenehm für Eckl, aber legitim. Entweder er macht seinen Job ordentlich, oder sein Bockmist fällt ihm wieder vor die Füße. Staatsanwaltschaft, so what?

  • Domstädter

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    Danke für den Hinweis, ich mag das Wochenblatt auch nicht sonderlich und werde die Seite gleich mal linken!

  • Lenzerl

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    Also ich find es super, dass man sich mal wieder (halb)öffentlich über de Qualität der Regensburger Medien „austauscht“! Ich oute mich jetzt als Wochenblatt-Leser, aber auch hier hinter die Fassade zu blicken, wer und welche Fraktion mal wieder wen warum lobt oder in die Tonne tritt und v.a. wer dahinter die Strippen zieht, ist doch immer spannend! Und wichtig für eine Stadtgesellschaft !!!!! Wir brauchen alle ein dickeres Fell! Und mehr Humor !!!

  • Alexander Gruber

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    Seitdem Dr. Eckl beim Wochenblatt arbeitet, geht es mit dieser Gratiszeitung bergab. Abgesehen davon ist jeder Sexualstraftäter ist für Eckl ein Sexgängster, dessen Abendessen für Eckl eine Schlagzeile wert ist. Dass es ein Skandal ist, dass jemand nur wegen zweier Vergewaltigungen bereits 20 Jahre in der Forensik eingesperrt ist, kommt Eckl nicht in den Sinn.

  • Gustav Gans

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    Einiges weist darauf hin, dass die Übeltäter in Entenhausen zu suchen sind.

  • olli

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    Wer hat eigentlich dem Eckl wann mit welcher Begründung einen Dr. verliehen?

  • Ronald McDonald

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    Wie schreibt der promovierte Friseur – sicherlich ein ehrenwerterer Beruf, gesamtwirtschaftlich gesehen, als der eines Politik- und Sozialwissenschaftlers, der seinen wochenblättlichen Pegasus zum lohnschreiberlichen Broterwerb ausreiten muß – Doktor Christian Eckl im Vorwort (wieso verwendete er dort nicht das hochgestochenere akademisch-kryptischere „Prolegomenon“ [Altgriechisch gab’s wohl nicht in der BOS] ?) seiner Dissertation:
    „Für Journalisten ist das Arbeiten mit Quellen – menschlichen und niedergeschriebenen – täglich Brot. Selten reflektiert man im Alltag, welche Bedeutung diese Quellen nicht nur für die eigene Arbeit, sondern auch für das gesellschaftliche System Journalismus haben …“.
    Nun, jetzt darf er aus diesen Quellen trinken und reflektierend feststellen, nicht in allen ist Nektar enthalten (BOS-nachhilflich für Herrn Doktor phil. Eckl: νεκταρ) und das „täglich Brot“, das ihm als gesellschaftlichem System-Journalisten ab und an aus „niedergeschriebenen Quellen“ herausgereicht wird, ist nicht immer Ambrosia (BOS-nachhilflich für Herrn Doktor phil. Eckl: αμβροσια), welches ihn als gesellschaftlichen System-Journalisten unsterblich machen sollte (BOS-nachhilflich für Herrn Doktor phil. Eckl: αμβροτος).

    @ hutzelwutzel 26.04.2016, 18.56h

    Die von Ihnen angesprochene „Sache mit dem vergeßlich ausgelassenen Punkt“ verwendete übrigens schon der (Archihäresiarch) Martin Luther OESA gegenüber einem Johannes Maier, der als Dr. Eck bekannter ist.
    Würde unser (noch und hoffentlich auch zukünftig) anonymer Facebookist noch andere auf Dr. Eck gerichtete Luthersche Freundlichkeiten wie „Doktor Sau“ oder „das Ingolstädter Schwein“ auf den hier gegenständlichen Dr. Eckl adaptiert haben: au, Backe.

  • olli

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    @blauäugig:
    Danke…genau danach hab ich gesucht

  • menschenskind

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    „…übrigens schon der (Archihäresiarch) Martin Luther OESA gegenüber einem Johannes Maier, der als Dr. Eck bekannter ist…“

    Ein interessanter, wenngleich umstrittener, Mann, dieser Lutherzeitgenosse Dr. Eck, alias Hansi Maier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Eck#Antijudaismus

    Angeblich hat Reformator Martin Luther seine Thesen von den „Juden und ihren Lügen“ von Dr. Eck vermittelt bekommen und übernommen.

    Sein Buch mit dem langen Titel:
    Ains Juden büechlin Verlegung darin ain Christ ganzer Christenheit zu schmach wil es geschehe den Juden unrecht in bezichtigung der Christen kinder mordt. Hierin findst auch vil histori, was übels und büeberey die Juden in allem teütschen Land und anderen künigreichen gestift haben
    ist 1541, also zwei Jahre vor den antijudaistischen Lutherschriften erschienen.

  • Bömermahn

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    Kommentar gelöscht. Keine Beleidigungen.

  • Matthias B.

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    Wer den Kopf zum Fenster hinaus streckt, darf sich nicht wundern, wenn er eine auf den Deckel kriegt.
    Die Presse hat ja nicht das Alleinrecht auf Meinungsäußerung, die hat jede/r. Und wenn die Meinung via Facebook geäußert wird. Durch eine Strafanzeige hat der Redaktionsleiter leider dazu beigetragen, dass GSE nun einem weitaus größerem Kreis bekannt wurde und so richtig breit getreten wurde. Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung!
    Aber mal ehrlich: Das WB braucht kein Mensch. Soupsternchen zieht sich für Playboy aus, vollkommen überflüssige DSDS- und Bachelor-Kommentare aus der bayerischen Provinz, Belangloses von und zu den T&T – diese Art von Boulevard-Journalismus können GALA, Bunte und Frau im Spiegel 1000-mal besser!
    Ich bücke mich schon lange nicht mehr danach, wenn das WB auf der Haustürschwelle liegt. Unser Hausmeister wirft den Stapel des Blättchens samt den Werbebeilagen umgehend in die Papiertonne. Hoffen wir, dass das Papier auch anständig recyclet wird.

  • Mr. T

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    Richtig, Herr B. Wie ist das eigentlich mit den Schnierblättern, die vor der Haustüre liegen? Ist das so legal? Wenn es in einem Briefkasten, der nicht darauf hinweist, dass es nicht gewollt ist, ist es ja OK. Aber einfach so vor der Haustüre abladen? Vor meine Türe liegen auch jede Woche so rund 20 Exemplare. Am nächsten Tag liegen dann noch 19 durchnässte und zerfledderte dort bis sich dann jemand erbarmt und den ganzen Müll entsorgt. Schade ums Papier. Über den Inhalt will ich hier gar nicht reden, wenn das jemand lesen will, soll er es lesen. Aber nur Müll produzieren und auch noch die Entsorgung von Dritten erledigen zu lassen, finde ich nicht OK. Ein Großteil der Auflage, mit der sie bei den Werbekunden protzen, landet eh ungelesen im Müll. Man sollte es vielleicht so regeln, dass solche Blätter nur noch dort eingeworfen werden dürfen, wo dies ausdrücklich – z.B. durch einen Aufkleber – gekennzeichnet ist.

  • hutzelwutzel

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    @Ronald McDonald:

    Daumen hoch für Ihre Erläuterungen! Wußte ichs doch, dass da mit dem fehlenden Punkt schon mal was war! ;-)

  • hutzelwutzel

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    @Mr. T:

    „Vor meine Türe liegen auch jede Woche so rund 20 Exemplare. Am nächsten Tag liegen dann noch 19 durchnässte und zerfledderte dort bis sich dann jemand erbarmt und den ganzen Müll entsorgt. Schade ums Papier. “
    ———————
    Die wollen eben einfach nicht von den „Druckwerken“ weg. Schließlich heißt es ja auch „Lügen wie gedruckt“ und nicht „Lügen wie gepostet“. ;-)

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