Debatte

Ein falsches Verständnis der Kulturverdrängung

„Thomas Spitzer spielt eher denjenigen in die Hände, die Kultur in erster Linie als Konsumgut betrachten, das nur zu rechtfertigen sei, wenn es sich rechne.“ Eine Replik auf Thomas Spitzers Beitrag „Ist Kultur überhaupt erwünscht?“

Von Martin Oswald

Konzert H5Es ist begrüßenswert, dass derzeit eine wahrnehmbare Diskussion über die Kulturpolitik in Regensburg stattfindet. Nicht zuletzt die im Dezember 2013 bekannt gewordene mögliche Schließung des Ostentorkinos hat das Thema an die mediale Oberfläche gespült. Regionale und überregionale Medien berichten seitdem, manche stellen auch Zusammenhänge zu vorangegangenen kulturellen und kulturpolitischen Entwicklungen in Regensburg her. In diesem Kontext ist auch der kürzlich publizierte Beitrag von Thomas Spitzer auf Säms Klangbezirk und regensburg-digital „Ist Kultur überhaupt erwünscht?“ zu sehen und insofern auch wichtig. Es tut dringend Not über die Kulturentwicklung in Regensburg in aller Breite und Ausführlichkeit zu reden.

Spitzers Argumentation ist ärgerlich

Allerdings ist Spitzers Argumentation ärgerlich, weil sie teils undifferenziert und teils falsch ist und dadurch insgesamt den Blick auf die eigentlichen Problemlagen verstellt und verschleiert. Dankenswerterweise hat er seinen Beitrag in fünf Punkte gegliedert, so dass auch eine Replik dieser übersichtlichen Struktur folgen kann. Ich möchte auf alle fünf Punkte einzeln eingehen und anschließend mit einem Fazit schließen.

Zu 1.: Ist Kultur wirklich nichts wert?

Spitzer beklagt, dass Kultur (vor allem Studierenden) nichts wert sei. Das zeige sich daran, dass angeblich viele nicht bereit seien, selbst 8 Euro für einen Theaterbesuch auszugeben und überhaupt stets daran interessiert seien, Eintrittspreise nach unten zu drücken bzw. gleich viel lieber kostenlose Kulturevents besuchen.

Diese Einschätzung hängt vermutlich am meisten davon ab in welchen Kreisen man sich bewegt. Spitzer verallgemeinert hier zu unrecht, wie ich finde. Selbstverständlich gibt es reichlich Leute, die am liebsten gar nichts bezahlen würden und ohnehin lieber auf große Events gehen. Oder wenn es schon etwas kostet, dann bitte möglichst wenig. Aber so ist das eben und für die Kultur selbst auch gar nicht einmal so tragisch. Leute, die Theateraufführungen, Konzerte, Lesungen etc. als Konsumgüter unter vielen verstehen, denken eben wie Verbraucher_innen: „Och ne, Theater ist mir zu teuer, ich geh’ lieber Pizzaessen.“ Manche interessieren sich schlichtweg auch gar nicht für Kultur (also Theater, Kunst und Musik im engeren Sinne) und das ist auch in Ordnung. Es wäre ja noch schöner Leute zu zwingen, gefälligst kulturbegeistert zu sein.

Mir selbst begegnet übrigens eher das Gegenteil von Spitzers Schilderungen. Da zeigen Leute durchaus Verständnis, dass eine Punkband aus den USA mal eben nicht für 5 Euro zu haben ist oder zeigt sich selbstverständlich gewillt befreundeten (aber auch anderen) Künstler_innen Geld für Auftritte zu bezahlen und sich, wenn es der Geldbeutel zulässt, mit Merch und Platten einzudecken, um die Bands zu unterstützen. Es ist mitnichten so, dass dies nicht auch in Regensburg „eine Frage der Ehre“ wäre. Da muss man keinen scheuen und neidischen Blick gen Köln oder Berlin schicken. Eine Knausrigkeit mag es stellenweise geben, freilich, wie überall sonst auch. Dies aber zu einem Regensburg spezifischen Problem zu erklären, ist dann doch unangebracht.

Überdies sollte nicht vergessen werden, dass sich für einige überhaupt nicht die Frage stellt, ob sie bei einem Konzert ein paar Euro mehr bezahlen wollen, weil sie es aufgrund ihrer Einkommenssituation schlichtweg nicht können. Dazu gehören manche Studierende, aber auch viele andere, die Interesse an kultureller Teilhabe hätten, ihr Geldbeutel das jedoch nicht hergibt. Ob sie wollen oder nicht. (Übrigens: An dieser Stelle sind wir am Punkt der allgemeinen gesellschaftlichen Reichtums- und Armutsverteilung, die in jeder kulturpolitischen Debatte unbedingt zu berücksichtigen ist. Ohne verteilungspolitische Fragen kann Kultur niemals angemessen diskutiert werden.)

Zu 2.: Fehlt es wirklich an Nachwuchs?

Die These Spitzers wonach es den Regensburger Bühnen an Nachwuchs fehle, sehe ich in der Realität nicht bestätigt. Es mag sein Eindruck sein, insbesondere auf die Poetry-Slam-Szene bezogen (dort kenne ich mich nicht aus), doch insgesamt scheint mir hier auch eher das Gegenteil wahr zu sein. Für eine kleine Großstadt hat Regensburg eine recht lebhafte (Sub-)Kulturszene. Trotz aller (zunehmenden) Widerstände wohlgemerkt. Denn es wird in Zukunft eher schwieriger als leichter.

Aber aktuell: Freilich könnte es immer ein bisschen mehr sein und unterliegen solche Entwicklungen auch einer gewissen Fluktuation. Es gibt bessere Jahre und schlechtere Jahre. Aber man muss sich eben auch ansehen was sich gerade z. B. in der Punk-/Hardcore-DIY-Szene tut (sehr viel), die „Heimspiel-“ oder „Notes From The Underground-” Konzertreihen in der Alten Mälze (der gut gebucht ist zur Zeit) wahrnehmen, die wirklich zahlreichen Laienschauspielgruppen registrieren oder auch das proppenvolle Regionalfenster-Programm bei der Internationalen Kurzfilmwoche zur Kenntnis nehmen.

Um Nachwuchs würde ich mir in Regensburg keine Sorgen machen. Besorgniserregend ist vielmehr der Mangel an kultureller Infrastruktur. Es fehlt nicht an nachwuchs, sondern an Bühnen für den Nachwuchs. Hier ist Regensburg keine kleine Großstadt, sondern allenfalls eine größere Kleinstadt.

Zu 3.: Das kulturelle Publikum

Spitzer wälzt die Behauptung des angeblich mangelnden Nachwuchses auch auf das kulturelle Publikum um. Vermutlich hat er hierzu keine Zahlen, ich übrigens auch nicht und es ist auch die am schwersten verifizierbare These. Subjektive Eindrücke müssen hier aushelfen. Dass sich Zeiten ändern, ist natürlich wahr, aber auch keine großartige Erkenntnis. Der Zugang zu Kultur ändert sich, die Kommunikationswege sind andere als noch vor einigen Jahren etc. Na und? Wo ist das Problem? Ich weiß ja nicht, ob ich im medialen Mittelalter lebe, aber mir hat noch nie jemand eine gestreamte HBO-Serie statt einem Kinofilm empfohlen. Ich weiß aber, dass ich noch nie so gut informiert war, wann, wo, was stattfindet. Facebook, Blogs und allerlei Apps sei dank. Aber unabhängig davon: fehlt es tatsächlich an Nachwuchs im Publikum?

Zumindest ich kann das nicht bestätigen. Klar, manch eine Theaterinszenierung läuft besser, eine andere schlechter, ein Konzert findet mal vor zehn Leuten statt, ein anderes dafür vor hundert. Dass darunter auch ein paar Weißhäupter sind, finde ich eher toll als beklagenswert. Eine grundsätzliche Alterung des Publikums kann ich auf Basis der Veranstaltungen, die ich besuche, jedenfalls nicht erkennen. Kulturelle Veranstaltungen scheinen mir im Schnitt eigentlich ganz gut besucht zu sein. Auch von jungen Leuten.

Zu 4.: Regensburg soll schlecht liegen?

Dass Regensburg geografisch ungünstig läge und sich deshalb nicht als Zwischenstopp auf der Durchreise von Kleinkünstler_innen und Musiker_innen eigne, ist – mit Verlaub – völliger Quatsch. Das Gegenteil ist richtig, Regensburg liegt eigentlich blendend.

Denkt man in einem kleineren Maßstab von regionalen, also bayerischen Künstler_innen auf Tournee, die, sagen wir mal zehn Orte abklappern, so kommen sie an Regensburg eigentlich vorbei (sofern es eine Auftrittsmöglichkeit gibt). Kein_e Kabarettist_in lässt bei einer Tour Regensburg aus. Regional-geografisch gedacht: Regensburg könnte das kulturelle Zentrum der Oberpfalz, von Nord-Niederbayern, Nord-Oberbayern und Südfranken sein. Hier bündelt sich der gesamte ostbayerische Raum.

Für Künstler_innen, die Regensburg nicht gezielt ansteuern, ist es sehr wohl ein geeigneter Zwischenstopp. Überregional und europäisch gedacht: eine Band, die natürlich München aufsucht, ist in 1 1/2 Autostunden in Regensburg. Auf Nord-Süd-Durchreise (Berlin-Leipzig-Nürnberg-München-Innsbruck) fährt sie sogar (fast) direkt durch Regensburg. Auch auf der Linie Wien-Frankfurt-NRW liegt Regensburg drauf. Bindet man in diese geografischen Überlegungen Tschechien und Polen ein, so liegt die Stadt auf der Achse “München-Pilsen-Prag-Breslau-Warschau”. Eine Stadt von dieser Größe könnte sich kaum einen besseren Ort wünschen. Für Künstler_innen nah genug an den großen bayerischen Städten, für das Publikum aus Ostbayern weit genug davon entfernt, um lieber nach Regensburg als nach München oder Nürnberg zu fahren.

Dass allerdings (nicht nur) aus kultureller Sicht – zumal die meisten Veranstaltungen abends oder nachts stattfinden – der öffentliche Nahverkehr in Regensburg geradezu katastrophal ist, ist jedoch vollkommen richtig. Ohne Auto ist man vom Stadtrand oder aus dem näheren und weiteren Umland kommend aufgeschmissen.

Zu 5.: Von Kapitalismus und Kultur

Die Feststellung Spitzers, dass auch junge Kultur kapitalistischen Gesetzen unterliege, ist zweifellos richtig. Wenn sich etwas nicht rechnet, zumal vielleicht sogar gesellschaftskritische, unbequeme oder unliebsame Kulturprojekte, wird eben dicht gemacht. Punkt. Spitzer wörtlich:

„Bei jedem Startup-Unternehmen oder Großraumbüro in der Innenstadt würde man sagen: Pech. Und bei Kulturstätten soll es gleich Hochverrat sein?!“

Nein, natürlich kein Hochverrat, that’s capitalism. Und doch muss man gerade an dieser Stelle genauer intervenieren, führt hier Spitzer argumentativ in die Irre. Denn sich mit diesem Zustand abzufinden oder ihn zu bagatellisieren, halte ich für einen schweren Fehler. Aber der Reihe nach.

Selbstverständlich ist Kultur nicht frei von Profitinteressen. Sie ist im Prinzip und grundsätzlich den gleichen Produktions- und Konsumptionsregeln unterworfen, wie alles andere, das auf dem Markt als Ware dargeboten wird. Aus diesen Verhältnissen kann sich eine Stadt nicht ausklinken. Sie kann den Gesamtprozess nicht wesentlich beeinflussen oder gar aufhalten. Aber sie kann etwas anderes tun. Sie kann Nischen schaffen, die sie der Profitlogik entzieht. Sie kann Räume schützen, in denen Scheitern nicht gleichbedeutend mit finanziellem Ruin ist. Kunst muss auch Scheitern können. Eine kulturelle Veranstaltung mit fünf zahlenden Gästen ist eben auch eine kulturelle Veranstaltung. Die Stadt kann freie Strukturen fördern, anstatt sie per se als ein Sicherheitsrisiko zu betrachten – wie es das Ordnungsamt übrigens systematisch tut. Für das Amt ist nämlich jede kulturelle Aktivität erst einmal grundsätzlich eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Kulturelles Mittelalter.

Und wer jetzt behauptet, das ginge ja alles gar nicht, so viel Geld könne man gar nicht bereitstellen und müsse sich eben auch Kultur rechnen, ist aufgerufen, die mit Abstand unrenatbelste städtische Einrichtung unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten: das Stadttheater. Um einmal in der Marktlogik zu bleiben (die nicht meine ist und die ich keinesfalls verteidigen möchte): bei Einnahmen von etwa 200.000 Euro jährlich, kostet das Stadttheater die Stadt Regensburg im Jahr knapp 12 Mio. Euro. Soviel zu Betriebswirtschaft, Kultur und Minusgeschäft.

Der Ausgangspunkt in Spitzers Beitrag ist, dass man die Gründe für das kulturelle Ausbluten nicht bei “bösen Reichen, korrupten Regionalpolitikern und fiesen Spießbürgern“ suchen sollte. Das ist richtig und falsch zugleich. Es ist richtig, wenn die Aufzählung damit wortwörtlich und personifiziert die angesprochenen „Bevölkerungsgruppen“ meint. Es ist allerdings falsch, falls das als Chiffre für die Verdrängungstendenzen im Allgemeinen dient. Böse Reiche, korrupte Regionalpolitiker und fiese Spießbürger – das ist natürlich Unsinn.

Einigen wir uns lieber auf eine spießbürgerliche Kulturpolitik, die bereit ist zugunsten kurzfristig glänzenden Bilanzbüchern die (sub-)kulturelle Vielfalt und über Jahre gewachsene Kulturräume zu opfern. Im Einzelnen mag man eben einen Pacht- oder Mieterwechsel vorfinden, im Allgemeinen aber das Ausbluten der Regensburger Kultur. Das lässt sich nicht dadurch verhindern, dass wir alle ein paar Euro mehr Eintritt bezahlen, sondern durch ein grundsätzlich anderes Verständnis von Kultur, das nicht mehr im Saldo seine Rechtfertigung sucht, sondern in der kulturellen Tätigkeit selbst. Hier muss die Stadt einen wesentlichen Beitrag leisten.

Fazit

Ich teile die Ansicht Spitzers nicht, dass es Regensburg mit einem Mix aus mangelnden Auftrittsmöglichkeiten, mangelndem Interesse, mangelnder Zahlungsbereitschaft, mangelndem Nachwuchs und der Abgeschiedenheit der Stadt zu tun hat. Ich glaube vielmehr, dass Regensburg eine zutiefst konservative Kulturpolitik betreibt, die auf ein völliges Missverhältnis von institutionaliserter „Hochkultur“ und freier Kulturszene setzt. Die Kultur blutet nach und nach aus, weil man bisher nicht bereit war Verdrängungsprozesse wahrzunehmen und letztere durch reichlich städtische Unterstützung zumindest einzudämmen. Ja, es mangelt an Auftrittsmöglichkeiten, Geld, einer aktiven Unterstützung der Kulturszene(n) und insbesondere an der Haltung der Verantwortlichen.

Insofern spielt Spitzer mit seinem Beitrag, dessen Gründe ich versucht habe zu widerlegen, eher denjenigen in die Hände, die Kultur in erster Linie als Konsumgut betrachten, das nur zu rechtfertigen sei, wenn es sich rechne.

In diesem Zusammenhang sollte man übrigens die Lauscher spitzen, wenn z. B. ein Jürgen Huber (OB-Kandidat der Grünen und selbst bildender Künstler (!)) fordert, dass die Internationale Kurzfilmwoche Regensburg „ein kommerzielles Standbein aufbauen“ müsse und den Bezuschussungszyklus durchbrechen solle. Ich halte den Alimentierungsgedanken für ausgesprochen falsch und lehne die dahinter stehende Verwertungs- und Marktlogik – nichts anderes ist das – entschieden ab. Noch mehr Kommerzialisierung ist gewiss nicht der richtige Weg, um der Kulturverdrängung in Regensburg Einhalt zu gebieten. Und wer der Logik der Herren Huber und Co. folgt, sollte sich schnellstmöglich dafür einsetzen das Stadttheater abzureißen. Ich bin aus geschilderten Gründen nicht dafür, auf die entsprechende Debatte wäre ich aber gespannt.

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Kommentare (39)

  • Heike van Dyke

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    Zum Punkt 4 will ich noch folgenden Senf hinzugeben:

    bis vor ein paar Jahren hatten auch größere Bands der Indie-Szene Regensburg mit auf dem Tourplan. Als Beispiel fällt mir Tocotronic ein, die das letzte Mal 2005 hier gespielt haben.

    Bands dieser Größe fallen weg seit der Kulturspeicher für Kultur dicht machen musste und das liegt nicht an der Abgelegenheit der Stadt sondern eben an der fehlenden Bühne. Eine Alternative ist noch nicht in Sicht.

  • Katharina Pellkowsky

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    Ja, genau so ist es. Kann Herrn Oswald nur in jedem Punkt zustimmen. Eine treffende und fundierte Replik mit Sachkenntnis auf einen typischen und oberflächlichen Spitzer-Schnellschuss.
    @Heike van Dyke
    Tocotronic? Im Ernst? Die braucht doch kein Mensch! Germanistengesülze auf halbgare Melodien und hilfloses Instrumentengeschrammel. Da bin ich ja direkt froh, dass Regensburg keine Location für diese Hamburger Pseudo-Intellektuellen-Kapelle hat.

  • Martin Oswald

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    Ja, das stimmt.
    Alles was zu „groß“ für den Mälze Club, aber (zum Glück) zu „klein“ für die Donauarena ist, hat in Regensburg keinen Platz mehr. Das ist wirklich schade, fügt sich aber leider ins Bild.

  • genau

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    wenn man ein bisschen über den Tellerrand guckt, in Obertraubling gäbe es noch das „Airport“ als Ersatz (zumindest von der Größe her) für den Kulturspeicher.

    Programm ist halt sehr Geschmackssache – da haben auch schon „Freiwild“ gespielt, evtl. wären die ja eher was für die Frau Pellkowsky?

    Glückwunsch zum Artikel, schön geschrieben, wesentlich angenehmer zu lesen als der bemüht witzig/ironische Ton in der Wochenblatt-Kolumne. Ebenso schön zu sehen, dass Du* doch auch über andere Themen schreiben kannst.

    Und ebenso interessant, dass es nun schon „redaktions-intern“ Diskussionen gibt – meine ich ernst, ist immer gut, mehrere Meinungen zu einem Thema zu haben.

    *Ich habe vor langer Zeit gelernt, dass man sich in Foren etc. duzt, und Siezen eher als Beleidigung aufgefasst wird – sollte das hier anders sein (da bin ich mir manchmal nicht so sicher :-D), bitte Bescheid sagen.

  • Martin Oswald

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    @Fabs:
    Das hat schon seine Richtigkeit, allerdings ist das etwas blöd (bzw. missverständlich) formuliert. Das Theater als „Unternehmen“ hat mehr Erlöse, das stimmt.

    Die Stadt als Träger sieht von diesem Geld offiziell lediglich 200.000 Euro (vor allem durch die Verpachtung des Hauses).
    Siehe hier im Verwaltungshaushaltsansatz für 2014: S. 10 – Einzelplan 3311 und genauer S. 478 – 480
    http://regensburg.de/sixcms/media.php/121/haushalt-2014-teil-ia-haushaltsplan-2014-teil-a.pdf

    Mir ging es vor allem um das Ungleichgewicht für die öffentliche Hand, also wie sieht die Bilanz für die Stadt aus. Aber du hast schon recht, das Theater fährt für sich genommen mehr Geld ein, als ich unterstellt habe.

    Betriebswirtschaftlich gesehen: eine gewaltige Verlustrechnung ist es so oder so.

  • Peter Brünsteiner

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    Zu 1.:
    Als Kulturschaffender in Regensburg kann man i.d.R. ohnehin nicht von dem Produkt seiner Arbeit leben, wenn man überhaupt was verdient. Ich unterstelle dass es kaum Künstler gibt, die es wegen dem Geld machen. Also stellt sich die Frage erst, wenn die grundlegenden Missstände beseitigt sind. Also nicht.

    Zu 2.:
    Ich konnte seit Jahren die Entwicklung beobachten, dass es in Regensburg immer weniger Bands gibt. Das liegt zum einen daran, dass es immer weniger Proberäume gibt, was ein großes Problem ist (Dieser Hinweis fehlt bei beiden Artikeln völlig, ist aber eines der Haupthemmnisse für die hiesige Kulturentwicklung). Zum anderen kostet das Musik machen sehr viel Zeit, Geld und Herzblut. Und dass eine Jugend, die heute viel früher viel mehr Aufgaben und Verantwortung bewältigen muss, als wir das noch mussten (das geht im G8 los und zieht über BA und MA bis ins Arbeitsleben), für kulturelle Betätigung keine Zeit und Energie mehr hat, leuchtet mir mehr als ein.

    Die Punk-/Hardcoreszene heranzuziehen ist meiner Meinung nach nicht sehr hilfreich, weil das zusammen mit den Metallern schon immer auch in Regensburg die am besten vernetzte Szene war, die ein großes Stammpublikum mit wenig Fluktuation besitzen und viele Bands gar nicht aus der Region kommen, sondern oft von weit her (was ja auch gut ist, aber hier geht’s ja um die regionale Kultur, oder?)

    Das Regionalfenster bei der Kurzfilmwoche ist tatsächlich eine tolle Sache, wo ich auch schon mit einigen Projekten dabei war. Das sollte man weiter fördern und ausbauen. (Generell ist die Kurzfilmwoche eine grandiose Geschichte)

    Die Schauspielgruppen funktionieren wirklich nach wie vor. Aber auch hier gab es einen Aderlass. Vor sechs Jahren waren an der Uni an die 40 Gruppen aktiv. In diesem Semester waren es 18. Meiner Meinung nach auch der fehlenden Zeit geschuldet.

    Im Punkt der fehlenden kulturellen Infrastruktur gebe ich dem Artikel teilweise Recht. Allerdings muss man das auch differenzierter betrachten. Pay to Play ist mittlerweile (zu) oft standard. Bühnen gibt es genug. Bühnen für junge Kultur gibt es zu wenig. Vor allem ist das Problem hier folgendes: Es gibt sehr sehr viele kleine Bühnen (Kapazität 50-400) und dann erst wieder eine Halle mit einer Kapazität von 7500 (Donauarena: Raummiete ca. 20.000 +-. Da wagen sich mittlerweile auch erfahrene Veranstalter nur noch selten ran ). Eine Halle im 1000-2000er Bereich fehlt völlig (auch deswegen verirren sich so wenige Bands hier her; aber mehr dazu bei 4.). GanzGanzFrüher gab es die RT-Halle für Konzertnutzung, Ganz früher gab es die Oberpfalzhalle (abgerissen), früher gab es den Kulturspeicher (Kapazität 800, mittlerweile Geschichte und miese Akustik), Mensa wird jetzt wieder öfter für Veranstaltungen vermietet (kostet aber viel und liegt ungünstig). Hier muss über kurz oder lang Abhilfe geschaffen werden. Andererseits werden gute Konzepte wie die H5 von der Stadtverwaltung unterbunden (warum wurde das nicht genannt?)

    Zudem sind die meisten Bühnen Monokulturen und für die freie Szene gar nicht nutzbar.

    Zu 3.:
    Das Publikum wird immer weniger.
    Viele Bands haben Schwierigkeiten.
    Es ist auch immer schwieriger Veranstalter zu finden. Zu viel Aufwand und Risiko, zu wenig Dinero.
    Es findet wieder ein Rückzug ins Private statt. Wer das nicht spürt, lebt woanders.
    Demographiemäßig würd ich sagen: Hauptsächlich ganz junge und ganz alte. Der Rest hat keine Zeit, keinen Bock oder kein Geld.

    Zu 4.:
    Regensburg ist Provinz. Zwar sind wir kulturelles Zentrum von Oberpfalz und Niederbayern (die ostbayerische Klammer), aber das heißt noch lange nicht, dass wir dadurch so viel mehr Relevanz hätten. Zwar haben wir ein (subventioniertes) Mehrsparten-Theater was so für eine relativ kleine Stadt eine Wucht und ein Aushängeschild ist und wir haben auch einige kleine Subkultur- und Nieschenszenen, was bei 150.000 Einwohnern auch nicht selbstverständlich ist.

    Das Kulturangebot könnte schlimmer sein, man könnte aber noch viel mehr rausholen, wenn die Rahmenbedingungen besser währen.

    Beim Problem des mangelhaften ÖPNV gebe ich dem Artikel vollkommen Recht. Da ist es zuweilen auch aus Kumpfmühl schon schwierig.

    Zu 5.:
    Sehe ich ähnlich.

    Zum Fazit:
    Kann ich aufgrund der genannten Sachverhalte nicht teilen.

  • Peter Brünsteiner

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    Noch zur mangelhaften Proberaumsituation:

    Der Wegfall des Schenker-Geländes wird für die Bands und die Schauspielschule (ADK) ein herber Verlust.

    Nicht zu vergessen der Brand im Bandhaus in der Alten Straubinger Straße, wo wir vor zwei Jahren unseren letzten Proberaum hatten, bis er einem Brandanschlag zum Opfer viel. Danach saßen an die 15-20 Bands plötzlich auf der Straße und die meisten (auch wir) konnten nichts neues finden.

    Jetzt nach der Renovierung sind dort wieder Proberäume zu haben, allerdings sind die Mieten jetzt viel zu hoch und die Räume großteils mit fliesen ausgelegt, was für die Akustik ein Graus ist und mit hohen Folgekosten zur Schalldämmung verbunden ist.

    Auch die Vergabepraxis (3 Jahre Wartezeit sollen an der Tagesordnung sein) und Raumausnutzung in der Mälze sehe ich skeptisch.

    Es gibt viel zu tun!

  • Heike van Dyke

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    @Pellkowski:
    „Da bin ich ja direkt froh, dass Regensburg keine Location für diese Hamburger Pseudo-Intellektuellen-Kapelle hat.“

    Achja, dieser Punkt, die Ignoranz und Hochnäsigkeit des Regensburgers wurde noch nicht genannt. Diese, gepaart mit Geld und Macht führte auf direktem Wege zur Scheidingerschen Politik.

    Genau in Bezug auf diese Aspekte der Regensburger Kulturpolitik hat uns sogar der große Schlingensief das Stück „keine Chance Regensburg“ geschenkt.

  • Roland Hornung

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    Neben Musik und diversen „Bands“ gehören für mich unbedingt zur Kultur auch Literatur, Lesungen, Vorträge diverser Art, Diskussionen, Podiumsdiskussionen usw…. – und da steht Regensburg gar nicht so schlecht da !

    Wenn man oft überlegen muss (da man die Fähigkeit der Bilocation oder Multilocation nicht hat), für welche Veranstaltung man sich entscheiden muss, zeigt das ja, dass es sogar hin und wieder gute Alternativen gibt.

    Wenn man die Bildungswerke EBW und KBE, die Jüdische Gemeinde mit ihren Lesungen und die Uni /OTH, usw., mit einbezieht, gibt es doch ein recht ordentliches Angebot für interessierte Bürger ( durchaus auch für mehrere Alters-Bereiche).

  • Ebender

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    Das sind ja alles gaaanz tolle Beispiele und die Autoren haben sich auch gaaanz viele tolle Gedanken gemacht. In ihrer Weisheit haben sie übersehen, dass es seit einigen Jahren einen Verein hier gibt (wie lange weiss ich nicht) der Kultur jeglicher Art & Platz für Nachwuchs Bands bietet. Das Lederer.
    In den Artikel wird (bis auf das W!) nur auf kommerzielle Kneipen wert gelegt und auf die Arbeit eines gemeinnützigen Vereins gesch*** oder ist das Lederer zu unbekannt?
    Dann sollten die Autoren nicht so schreiben, als ob sie sich auskennen…

  • Joachim Datko

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    Marktwirtschaft! – nicht Kapitalismus

    Zitat: „[…], dass auch junge Kultur kapitalistischen Gesetzen unterliege, ist zweifellos richtig. Wenn sich etwas nicht rechnet, zumal vielleicht sogar gesellschaftskritische, unbequeme oder unliebsame Kulturprojekte, wird eben dicht gemacht.“

    Wenn ein Angebot auf zu wenig bezahlte Nachfrage stößt, dann hat das nichts mit Kapitalismus zu tun. Es geht um die Gesetze der Marktwirtschaft. Die Menschen können selbst entscheiden, sie brauchen keine ihnen aufgedrängten Kulturprojekte.

  • Beni

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    @Ebender:

    Ich glaube nicht das die Autoren die Arbeit eines Lederers, einer H5 oder anderen Vereinen nicht honorieren.

    @Katharina:

    Du musst ja nicht auf das Konzert gehen. Es ging lediglich um eine veranschaulichung einer Band-größe“ für die in Regensburg kein Platz mehr ist. Und da fehlt nun in Reg…… verdammt ich habe schon wieder auf einen Troll geantwortet. Ich muss damit aufhören …..

  • Gschafftl Konzerthuber

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    Zum geforderten Ersatz für den Kulturspeicher:
    Wie bereits unten erwähnt: Den gibt es doch längst. Im Airport in Obertraubling (ich weiß: über den ÖPNV brauchen wir gar nicht zu reden, aber in der Regensburger Innenstadt wird es eine 1000er-Konzertlocation so schnell nicht geben. Wo denn auch?).
    Dass im Airport nur so Knallchargen, wie Bushido und Frei.Wild auftreten, liegt vielleicht auch daran, dass kein Veranstalter das unternehmerische Risiko eingeht, dort vermeintlich „bessere“ Bands auftreten zu lassen, die das Airport eben auch nicht füllen können.

    Und wenn wir dann über die Regensburger Lokalbands reden: Welche Regensburger Band soll denn so zugkräftig sein, eine 1000er Halle zu füllen? Außer Donikkl natürlich…

    Und noch was: Der Musikkult-Verein macht seine Konzerte seit einer Weile im ESV-Sportheim in Königswiesen. So deppert ist die Idee ja auch wieder nicht.

  • Ebender

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    @Beni
    Es geht nicht ums honorieren, es geht drum sie in Betracht zu ziehen. Das Lederer kommt in keinem Artikel vor!
    Das ist etwas blamabel, weil wenn man es nennen würde, gäbe es weniger Grund zum jammern…
    Es werden immer die selben Beispiele durchgekaut, aber die Realität nicht gewürdigt

  • Martin Oswald

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    @Ebender:

    Das L.E.D.E.R.E.R. ist ohne Frage hervorragend.
    Allerdings war ich mit der Nennung von Lokalitäten prinzipiell sparsam und ist das L.E.D.E.R.E.R. eher ein blendendes Beispiel dafür, wofür ich die Stadt kritisiere.

    Der Zuschuss seitens der Stadt wurde von 3000 Euro auf 1000 gekürzt und wäre 2013 beinahe nicht mehr bezahlt werden. Auf einigen Druck hin hat man die Streichung seitens des Kulturreferats dann gelassen.

    Außerdem hat das L.E.D.E.R.E.R. Pachtschwierigkeiten, weil der Hausbesitzer mit dem Haus etwas anderes vorhat und hätte beinahe Ende 2013 rausgemusst. Soweit ich informiert bin, ist die Nutzung erstmal verlängert, aber mittelfristig heißt es dort „Licht aus!“

    Soviel zu Thema.

  • Katharina Pellkowsky

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    @Heike van Dyke
    Da kann ich nur, das Monaco-Franze-Zitat abändernd, antworten:
    „Das schlimmste in Regensburg aber ist das Publikum, das jeden Scheißdreck zum Jahrhundertereignis hochjubelt!“

  • hf

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    mir gefällt am besten die differenzierte sichtweise von professor hornung. den begriff kultur mehr oder weniger auf das band-konzert zu reduzieren, wird der wirklichkeit nicht gerecht und gibt letzlich eher herrn spitzer recht, der auch den potenziellen kultur-konsumenten in die pflicht nimmt.
    gewiss fehlt eine bühne für konzerte von 100 bis etwa 1000 gästen, die so subventioniert wird, dass etwa ein gemeinnütziger trägerverein auch mal mutig experimentieren kann. der stadt hier aber völlige ablehnung vorzuwerfen, scheitert etwa am W1, das als konkreter gegenbeweis zeigt, dass das kulturreferat durchaus mittel für DIY, indies und sogar linkes theater übrig hat. die zahlreichen bemühungen um integration, inklusion und transition in einem halben dutzend jugendzentren gar nicht mitgezählt. und dann ist da noch die mälze, die voll im saft steht.
    vielleicht ist es einfach eine spätfolge der jeweiligen sozialisation, eine art waynes-world-trauma, in dem das gleichmütige abrocken vor einer bühne nach einem chaotischen road-trip so etwas wie ein happy-end in einer romantischen schnulze oder noch schärfer formuliert, weil mechanischer, der cum-shot bei einem porno ist. oder eine 1984-hafte dystopie?
    die regensbugrer kultur ist viel differenzierter, als nur „zu wenige konzerte und wieder ein geschlossenes kino“. vielleicht ist kultur auch eine saisonfrage? bald werden die leute wieder die nächte am bismarck und auf den inseln durchmachen. baden in der donau. open-airs, jazz-weekend, tage alter musik, dult, sport-events. glühmarkt, jahnspiel, eishockey. studententheater. alles öffentlich gefördert und meiner meinung nach auch kultur. dazu gibts ganzjährig jede woche rund 30 kneipen und clubs mit DJs, die alle irgendwie was drauf haben. der kalender ist eigentlich derart voll, dass ich gerne mal nur raus aufs flache land fahre, weil mir die kultur zu viel wird… evtl macht auch die starke konkurrenz den konzertbetreibern und programmkinos das leben schwer?
    natürlich, das ist jetzt immer noch kein ersatz für das besagte 1000-freaks-konzert. das fehlt mir auch. manchmal. der zug nach münchen braucht ne gute stunde. oder ich fahre auf ein festival, wo ich tage lang sound tanke. wir jammern auf höchstem niveau.

  • hf

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    @radlertölpel: also, Kunst ist es dann, wenn man davon leben kann, sagt der W1-Woyzeck-Liese. Ist sicherlich historisch belegt. Wie wäre es mit einem Streik, der es uns allen mal so richtig zeigt?

  • Radlertölpel

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    @hf:

    Kennen sie sich ein wenig mit dem Werk von Gustav Metzger aus?

    http://www.thing.de/projekte/7:9%23/y_Metzger+s_Art_Strike.html

    „….Some artist may find it difficult to restrain themselves from producing art. These artist will be invited to enter camps, where making of art works is forbidden, and where any work produced is destroyed at regular intervals. In place of the practice of art, people can spend time on the numerous historical, esthetic and social issues facing art. …“

  • hf

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    @radlertölpel:

    ich kenne metzger nicht näher. aber den anspruch des künstlers, die gesellschaft zu verändern, beziehungsweise die unvermeidlichkeit des wandels an sich anzumahnen, vorzugsweise über bewusstseinsbildung, das hatte zuvor schon beuys mit „dem toten hasen die bilder erklären“ ausdrücken wollen, wie es im übrigen auch es eine grundforderung der christlichen religion an ihre anhänger wäre, sich durch bildung weiter zu entwickeln.

    ich stehe da insofern auf ihrer/metzgers seite, als der nationalstaat eine schreckliche erfindung ist, der wir zwei weltkriege, einen ökonomischen wahnsinn, der den fortbestand der gesellschaft infrage stellt und eine tiefgreifende krise der wissenschaften (künste) zu verdanken haben. man könnte dazu husserls beinahe gleichlautende kampfschrift (1936) zitieren.

    nun ist aber der umsturz, der neuanfang, die revolution selbst ein konzept, das sich bisher als wenig durchsetzbar und produktiv erwiesen hat. ich sag das jetzt mal so apodiktisch: an der gundstruktur, dass eliten stets massen beherrschen werden, hat sich i.m.h.o. deshalb nie etwas geändert, weil es einem grundbedürfnis des menschen entspricht: soziale rangordnungen zu entwickeln.

    wir können gern über den histomat diskutieren, ob revolutionen determiniert sind; ich persönlich erwarte eine spätestens ab mitte des jahrhunderts, wenn die natürliche nahrungsproduktion gemäß leaky (die sechste auslöschung) zusammenzubrechen droht. an den fakten wirds wenig ändern.

    und da komme ich wieder zu david lieses text: natürlich will ein künstler die welt verändern. natürlich braucht er dazu mittel. und wer sonst sollte im falle bisher mangelnden erfolgs (verkaufte bücher, gut besuchte lesungen und theatervorstellungen) einspringen, wenn nicht staat und kommune. das ist jedoch eine dermaßen konservative forderung, dass lieses revolutionärer anspruch etwas darunter leidet.

    was würde, was könnte er denn ändern, wenn die stadt ihm sagen wir, 500 euro im monat überweist, weil er er ist? im schlimmsten fall würde man ihn im l.e.d.e.r.e.r. einen günstling schimpfen. so wird es allen gehen, die nach und nach unter den rock der öffentlichen förderung schlüpfen wollen. für die außenstehenden sind sie dadurch korrumpiert, etabliert, unglaubwürdig. das l.e.d.e.r.e.r. hat die kürzungen bis jetzt offenbar überstanden, man stelle sich vor, die stadt hätte es unter ihre fittiche genommen, wer würde da jetzt auftreten? das sinngemäß selbe gilt für einrichtungen wie das programmkino. es ist freilich schade darum, ich bin auch gern drin gesessen, aber ich kann auch an zwei händen abzählen, wie oft. durch eine städtische förderung bekäme der laden nur eine noch musealere anmutung, würde noch unlebendiger, gewollt statt gekonnt.

    ich will damit nicht sagen, kunst kommt von können, aber ein angebot muss auch einen entsprechenden bedarf decken. die kunstformen, die in den 1960ern mit debatten, diskussionen verbunden waren, gebunden an einen festen ort wie ein kino, eine kleinkunstbühne oder eine after-hour-party, die kämpfen heute damit, dass jedermann seine gedanken, und nicht nur das, auch ins internet stellen kann, in threads wie diesen. das internet ist auch eine bühne, die man bespielen muss.

    was lieses forderung angeht, nämlich, dass man kunst mit den mitteln ausstatten muss, die sie braucht, um bestehen zu können, würde ich nun gern fragen: wie soll diese ausstattung vonstatten gehen, wenn sie doch nicht zu verwalten ist? soll ein gremium darüber abstimmen oder soll ein visionärer funktionär das übernehmen? wo fängt man an und wo hört man auf? mit wem netzwerkt man dafür?

    vielleicht sollte liese politiker werden… ah… ist er ja schon.

  • Radlertölpel

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    @hf:
    Hallo hier spricht der Banause; wiedermal mit Boys…:
    „ich kenne metzger nicht näher…. das hatte zuvor schon beuys … ausdrücken wollen“
    Also echt! Zur Kritik des Kunstbetriebs empfehle ich einen weiteren Klassiker: Hans Haacke. Den sollte man sich mal queer zu der „Faktor -K “ Ausschreibung des Stadtmarketing zu Gemüte führen: http://europabrunnendeckel.de/?p=3777

    Sie fragen:
    „Was lieses forderung angeht, nämlich, dass man kunst mit den mitteln ausstatten muss, die sie braucht, um bestehen zu können, würde ich nun gern fragen: wie soll diese ausstattung vonstatten gehen, wenn sie doch nicht zu verwalten ist? soll ein gremium darüber abstimmen oder soll ein visionärer funktionär das übernehmen? wo fängt man an und wo hört man auf? mit wem netzwerkt man dafür?“
    z.B. so wie hier vorgeschlegendurch die Beteiligten selber: http://europabrunnendeckel.de/download/hirn/petitionstext_2013_Europabrunnendeckelprojekt.pdf
    oder wie im KEP Wiki beschrieben durch wechselnd besetzte Jurys, …durch die Veröffentlichung ALLER Förderanträge…

    Das über die Bedürfnisse von „Junger Kunst“ zu reden und dieses „Thema“ mit der hier sogenannte „Popkultur“ zusammen mit den Nöten der Kneipen zu vermischen hat man in Regensburg medienwirksam lange eingeübt und jetzt geht es nicht mehr anders: Das Hirn ist endlich raus!
    Zu dieser Livestylekulturkritik passt es dann auch gut die Gentrifizierung als Naturgewalt klagend hinzunehmen…

    Um den Diskurs nochmals in Richtung Kunst zu lenken zitiere noch mal einen meiner Beiträge zum KEP- Wiki:
    http://europabrunnendeckel.de/download/hirn/ KEP_WIKI_Konzept_Kunst_oeffentl_Raum.pdf

    …denn David Liese hat sehr recht: „Es gibt eine Grenze, ab der wird gar nicht diskutiert, und zwar ernsthaft diskutiert mit dem Ziele, die Grenze in Frage zu stellen und niederzureißen. Das ist so eine komische Art von stillem Agreement, das man in Regensburg scheinbar mit der kulturpolitischen Muttermilch aufsaugt. „ Es läßt sich nur noch hinzufügen, das diese Grenze zunehmend enger gezogen wird, von den Regensburger Künstlern selbst die sich den überangepassten Filz im alternativen Gewand gefallen lassen. Heraus kommt etwas, das wie Kunst ausschaut…

  • hf

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    @radlertölpel: ich werd jetzt nicht nochmal das ganze brunnendeckelgedöns durchsteißen, nur damit ich in ihren augen kein banause mehr bin. weil: was da im namen des fördervereins an konzeptlosem und unstrukturiertem nonsens zusammenngetextet wurde, hat wohl mit den ausschlag für die verdrängung solcher „vorstellungen“ geführt. das ist ja nicht das erste mal, das künstler sich unverstanden fühlen, dass niemand versteht, was sie wollen und brauchen…
    es ist schon wahr, dass der brunndendeckel verdrängt worden ist, nachdem er – für eine derart dilettantische installation – wirklich lange geduldet und wohl auch zum teil finanziert worden ist. hat wohl jemand im tiefbauamt begünstigt, hört man sagen. aber eigentlich weine ich dem ding nicht nach; leute heimlich beobachten und abhören ist nämlich momentan ziemlich out. der konzeptionelle wert dessen war dann doch eher gering.
    das meiste was ich sonst so von den leuten gesehen habe, auch auf der artBuzzl, war ziemlich unausgegoren, unästhetisch, unnötig. dafür war es frei, wild assoziativ, kraftvoll und jung, zugegeben. nur kann dann nicht am ende jeder daherkommen und sagen, das was ihm grad durch den kopf schießt, müsse dringend öffentlich gefördert werden?
    wenn dann wirklich alle förderanträge veröffentlicht würden und zufällig wechselnde jurys verhinderten, dass vor allem kunstinteressierte (was immer das heißt) stadträte darüber abstimmen, dann zielte das ja geradewegs auf den banausen-effekt, ab, dass das krasseste und coolste projekt gefördert wird, nicht unbedingt das beste. letztlich wäre auch der von ihnen präferierte modus jederzeit angreifbar, schon deshalb, weil jeder x-beliebige friedl-klon mit der jeweiligen besetzung hadern könnte. die bestehende diskussion über die entscheidungen von kulturreferat und -ausschuss würde sich nur verlagern, aufhören würde sie gewiss nicht.
    einen handhabbaren kunstbegriff haben wir dann wieder nicht, und ich bin mehr und mehr der meinung, dass das eigentlich so ganz gut ist. so bleibt es an der öffentlichen meinung hängen, was sein soll und was nicht. öffentliche debatten – her damit.

  • Radlertölpel

    |

    @hf

    Du willst mir also erzählen was konzeptloser Unsinn ist?

    „leute heimlich beobachten und abhören ist nämlich momentan ziemlich out.“ (über den Brunnendeckel) usw und so fort, …. das ist doch einfach nurnoch Bullshit was Du schreibst, nur um nicht als Banause zu gelten.

  • hf

    |

    Für Sie bitte Herr Banause. Dann stehe ich gern dazu.

  • genau

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    @hf: Gute Argumente, gut vorgebracht!

    Nützen nur leider nix, wenn ihnen immer wieder mit irgendwelchen zusammenhanglosen Zitaten und den selben Links auf krudes Geschreibsel als „Argumente“ begegnet wird – als ob irgendwas alleine durch ständige Wiederholung „richtiger“ würde.

    Irgendwie auch schon arg peinlich, wie sich einerseits immer an den „etablierten“ Kunstbetrieb (Rewag Kulturstiftung, Faktor_K, usw.) rangeschmissen wird wegen möglicher Förderung, bleibt diese dann aus, wird dieser als „überangepasster Filz im alternativen Gewand“ oder schlimmeres beschimpft – und sich anschließend darüber gewundert/gejammert, dass man nicht ausreichend berücksichtigt würde.

    Mich wundert das nicht. Gutes Beispiel auch wieder mal der „Faktor_K“: In der Ausschreibung steht: „Angabe des bevorzugten Arbeitsschwerpunktes z.B. Biotechnologie, Chipproduktion, Forschung“. Um diese Themen geht es im Wettbewerb.

    In der Bewerbung dann: Zitat: „Ich denke, dass es zum jetzigen Zeitpunkt für mich eine verfrühte Entscheidung darstellt, sich bezüglich Faktor_K auf ein bestimmtes Terrain, wie z.B. Biotechnik, Chipproduktion oder Wissenschaft festzulegen. In dieser Hinsicht bin ich flexibel einsetzbar: Mir fällt zu allen genannten Bereichen bestimmt etwas ein.“

    Ich bin nur ein Banause, der keine Ahnung von Kunst hat, aber sogar für mich klingt das nach „Ich habe weder Ahnung noch Konzept, einfach mal her mit der Kohle, dann sehen wir schon.“ Da hätte ich als Jurymitglied auch abgelehnt.

    Und ja, es gibt in der Debatte tatsächlich so eine Art „Spaltung“ zwischen bildender Kunst und „restlichem Kulturbetrieb“. Da hat die bildende Kunst aber selbst einen nicht unmaßgeblichen Anteil dran.

    Nee, genauer: Ein kleiner Teil der „Künstler“, der sich v.a. in die Öffentlichkeit drängt, als „Sprachrohr“ auftritt und selbst viel zu wichtig nimmt. Und dadurch die Wahrnehmung prägt, alle Künstler wären so.

    Wie schon mehrfach gesagt, andere (auch im Kunstbetrieb) machen einfach ohne zu jammern. Aber das sind natürlich die, wo’s dann „nur nach Kunst ausschaut“ – wer auch immer meint, das beurteilen zu können.

    Zum Kommentar von Liese in dessem Blog (wurde bereits verlinkt):

    Zitat: „Meine Angst ist, dass sich Regensburg zur kunstfreien Zone entwickelt. Und das während die selbsternannten Retter der Kultur, die Verwalter des Kulturwesens und ihre Fürsprecher das Ende der Kulturverdrängung feiern können.“

    Die „Kunstszene“ allgemein hat es nicht schwer in Regensburg, die Kunst wird hier nicht aussterben. „Schwer“ haben’s nur einzelne Akteure darin. Und die sollten mal überlegen, ob’s nicht auch an ihnen selbst liegt.

    So wie in anderen Kultursparten auch. Wenn ne Band Scheiße ist, wird sie keinen Erfolg haben, egal ob mit finanzieller Förderung oder nicht. Die schreit aber auch nicht danach.

    Und deswegen hat das alles auch absolut nichts mit dem Thema „Kulturverdrängung“ zu tun.

  • Radlertölpel

    |

    @ungenau:

    Bei Faktor-K war ja eben NICHT nach einem Konzept sondern lediglich nach einem Portfolio gefragt.(hier zum anschauen: http://jakob-friedl.de/download/faktor_k/Bewerbung_Faktor_K_Jakob_Friedl.pdf)
    Die Einreichungen wurden dann von der Jury OHNE Vorbereitungszeit beurteilt, sofern das unter den Bedingungen der Zeitknappheit während der Jurysitzung (dem ! OB ! wars eilig) möglich war.(Es gab diesbezüglich auch seitens einem mit regensburger Gepflogenkeiten nicht betrauten Jurymitglied auch eine schriftliche Protestnote!)

    Es geht bei Faktor _K vor allem um eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft / Produktplacement (siehe Ausschreibung), das ganze läuft ja auch unter dem Mantel von „Stadt der Wissenschaft“, einer Kampagne des „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“ einer “ Gemeinschaftsinitiative der Wirtschaft“.
    Bei „Stadt der Wissenschaft“ geht es dementsprechend auch nicht unbedingt um Wissenschaft, sondern um um global angelegte Standortwerbung – Regensburg hat sich 2011 erfolglos beworben und dafür 75 000€ ausgegeben. Nun ist Regensburg mit dem Faktor-K Projekt „im Finale“ der „Siegerprojekte“ und konnte damit 50 000€ wieder an Land ziehen – man kann wohl nur gewinnen.
    „Faktor-K“, das „Sieger“ Projekt von Stadtmarketing, Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Niederbayern/Oberpfalz, dem Kunst- und Gewerbeverein Regensburg sowie den beteiligten Unternehmen hat sich beim Namen „Faktor_K“ übrigens dreist bei einer gesellschaftlich ambitionierten, jedoch ganz anders gelagerten Ausschreibung der Montagsstiftung für partizipative Kunstprojekte im öffentlichen Raum bedient. (Hier mein KONZEPT für diese orginäre Auschreibung bei der ich mich im Vorfeld der Art BuZZ`l zusammen mit der Gruppe „lebenspferd“ beworben habe: http://jakob-friedl.de/?p=2234 und hier meine bisherige Auseinandersetzung mit Faktor_K dem Siegerprojekt des Stadtmarketing:http://jakob-friedl.de/?p=3777
    Hier zum Vergleich Faktor_K von der Montagsstiftung (2011): http://www.montag-stiftungen.de/kunst-und-gesellschaft/auslobungen/auslobungen.html
    „Mit ihren thematisch ausgerichteten Auslobungen „faktor kunst“ will die Stiftung sozial engagierte KünstlerInnen aus den Bereichen bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater und spartenübergreifend arbeitende Kunstschaffende stärken und unterstützen. Gesucht werden Projekte, die echte Teilhabe ermöglichen, impulsgebend wirken und Veränderungspotential haben. “
    …und die aktuelle Stadt der Wissenschaft Kampagne FAktor_K mit dem Regensburger Beitrag: http://www.stadt-der-wissenschaft.de/finale/siegerprojekte/regensburg/index.html

    Doch lest selbst es kommt einen das kalte Grausen!
    Ich habe ja nichts gegen Wissenschaft oder Wirtschaft, aber gegen Instrumentalisierung von Kunst…

  • Radlertölpel

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    Oh da ist mir leider ein Fehler /unterlaufen: Die Bewerbung für Stadt der Wissenschaft hat 2011 nicht 75 000€ gekostet aber wohl auch einiges. Ich zitiere hier aus einem Artikel von RD: „– den Aufwand für die Bewerbung oder die geplante Stelle eines nicht näher definierten „Wirtschafts-/Wissenschaftskoordinators“ (75.000 Euro pro Jahr) – wäre unterm Strich sicher noch ein schicker Fünfsteller übrig geblieben.“….
    hier nachzulesen: http://www.regensburg-digital.de/stadt-der-wissenschaft-keine-chance-regensburg/29032011/
    Nun ja lassen wir uns überraschen wie durch das „Siegerprojekt“ Faktor_K, 3 Jahre später auf temporäres Format zurechtgestutzte Kunst im öffentlichen Raum der Stadtteile instrumentalisiert wird, übrigens mit exakt demselben Buget, das ich für wechselnde Akteuere zur Weiterentwicklung des Europabrunnendeckelorganismus veranschlagt habe, dort aber gäbe es ein offenes und demokratisches Plenum aus Interessierten und Mitwirkenden…

    Hier noch ein Zitat aus einem meiner „konzeptlosen“ und „zusammenhangslosen“ und „kruden“ Konzepten und links, hier aus dem unten verlinkten KEP_WIKI Konzept für Kunst im öffentlichen Raum: “ Zwischen Kunst im öffentlichen Raum und kommerziellen Werbestrategien der Wirtschaft, die sich in einem unfreien Rahmen künstlerischer Mittel und KünstlerInnen oder der Kunst
    zu Imagezwecken bedient, sollte unterschieden werden: Kunst unterscheidet sich von Marketing – auch von Stadtmarketing. Kunst ist frei. „

  • Dubh

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    „Kunst ist frei.“

    Frei sind KünstlerInnen, die ihr Ding durchziehen, egal was andere Leute davon halten!
    Und die nicht ausgerechnet ernsthaft von genau solchen Leuten andauernd Kohle wollen, für die die Weißwurst samt Blasmusik das höchste Kulturgut ist.

    Will man eben solchen Leuten was unterjubeln, was ja geht, eben weil sie keine Ahnung haben (s. Schlingensief) muss man offensichtlich über etwas mehr anarchische Qualitäten verfügen als in der hiesigen Kunstszene vorhanden, jedenfalls in der, die andauernd klagt, weil ihre Weißwürscht nicht ankommen.

    Essen für alle – lasst es Würste und Brezen regnen – das war doch einfach genial.

    Leute, die das für super Marketing halten, könnte man mit Kunst locker verarschen – wenn man könnte, und sich nicht selbst am wichtigsten nähme – weit vor der Kunst offenbar!

  • Radlertölpel

    |

    @Dubh,
    kann man hier auch etwas schreiben ohne sich wichtig zu machen?

    Du forderst also mehr anarchische/subversive Qualitäten, gut warum nicht? Ich finde es auch gut, wenn es im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung gelang die Befindlichkeiten in diesem Maßstab in einem Aufwasch zu hacken und für einen (unvergesslichen) Moment vorzuführen… Nur dazu brauchte es eben im Falle von Schlingensiefs „Essen für alle“ einen großen Batzen Kohle. Schön, wenn das in dieser Größenordnung im Rahmen der magnetischen Kulturhauptstadtbewerbung mal möglich war – vor 10 Jahren. Da können sich ja dann nachträglich alle unbeteiligten Langweiler bei „Schlingensief war mal in Regensburg Gedächtnisabende“ dran aufgeilen und sich rückblickend feiern – weitest möglich entfernt von jeglicher subversiver Qualität! Nur was hat das mit der antimagnetischen Gegenwart zu tun?

    Warum bitte darf man keine Auseinandersetzung mit z.B. den Möglichkeiten des Europabrunnendeckels einfordern oder auch nur ein paar läppische Kröten für gemeinnützige Zwecke? Das ist also dann zu lahm? Ich betrachte das als Feldforschung.

    Und:

    Der Verlust von öffentlichem Raum ist ein strukturelles Problem über das man reden sollte. Das Problem ist, dass es für eine gewachsene künstlerische Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum und seiner Bevölkerung auch gewachsene Strukturen in eben jenem Resonanzraum geben muß…. eben jene werden atomisiert.
    Alle Anträge der Grünen die eine offene Auseinandersetzung mit dem Europabrunnendeckel einforderten, und die stets die Unterstützung der gesamten Stadtrats-Opposition fanden wurden ja im Stadtrat von den Koalitionsführern niedergebügelt. Es existiert diesbezüglich auch seitens der Verwaltung ein Denk- und Kunstverbot. (Ja wo gibts denn sowas?)

    Der Mief der Provinz bietet beste Voraussetzungen für subversive Aktionen und kritische Projekte – könnte man meinen. Nur sind die eben nicht zwangsläufig zum Erfolg verdammt – sondern offenbar selber schuld wenn sie sich nicht gleich wieder verdünnisieren und zu recht erfolglos da „Scheiße“ (siehe genau).

    Na dann macht mal, voll toll und voll subversiv und voll erfolgreich…hoffentlich bieten meine verlinkten Beiträge hier dafür gute Anregungen.

  • kino_besucher

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    Aktuell hat „Ostentorkino erhalten“ 12.476 Likes. Wenn jeder/annähernd jeder aus dieser großen Zahl nur einmal im Monat ins OT gehen würde, wäre das OT niemals in finanzielle Schwierigkeiten geraten (RD und MZ November 2010) oder würde aus finanziellen Gründen auch in Zukunft unbedingt erhalten werden – im finanziellen Interesse aller Beteiligten. Schließlich ist vom Kino keine Lärmbelästigung etc. zu befürchten und bei sprudelnden Einnahmen wäre eine eventuelle Mietsteigerung nach Renovierung auch leicht verkraftbar.

    Vielleicht überlegt mal da der eine oder andere…

    Jetzt zur Kurzfilmwoche ist es natürlich wieder absolut „hip“, sich dort sehen zu lassen, auch wenn man sich die restlichen 11,5 Monate nie für Kurzfilme interessiert – oder wer kennt/sieht sich regelmäßig Kurzschluss auf Arte oder die Kurzfilmnächte im BR an, wer weiß wo in Dt. neben Rgbg das größte Kurzfilmfestival ist ?

    Cooles Studentenpublikum kauft sich wirklich lieber eine Pizza oder geht „feiern“… Für Kunst und Kultur und Subkultur benötigt man eben auch das entsprechende Publikum, das es in anderen „Studentenstädten“ auch wirklich gibt, da sollte man nicht immer auf „Gentrifizierung“ o.Ä. schimpfen sondern die Gründe AUCH woanders suchen.

    Ach ja, aktuell hat Ostentorkino-Regensburg 49 Likes und Kinokneipe-Ostentor 37 Likes, beide Seiten gibt es schon sehr lange ( und großes Kino in Nähe des Hauptbahnhof über 6000 ) …

  • Dubh

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    Radlertölpel: „kann man hier auch etwas schreiben ohne sich wichtig zu machen? “

    Ich schrieb „sich selbst am wichtigsten nehmen“ – vor der „Botschaft“, um die es einem angeblich zuerst geht.

    Das hat mit hier schreiben eigentlich gar nichts zu tun.

  • Dubh

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    kino_besucher: „………das entsprechende Publikum, das es in anderen “Studentenstädten” auch wirklich gibt, da sollte man nicht immer auf “Gentrifizierung” o.Ä. schimpfen sondern die Gründe AUCH woanders suchen.“

    Dann studieren hier die falschen Leute?
    Warum?

  • hf

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    @dubh: Weil Regensburg für die vielen Zuagroasten sowas wie das iPhone unter den Studentenstädten ist. Den „Usern“ ist egal was dahinter steckt, warum alles so ist wie es ist. Ob es gut für alle ist oder nicht. Man muss einfach hier sein, koste es was es wolle. Haben! Ich! Jetzt! Kneipenhauptstadt. Singlehauptstadt.

    Daher kommt das.

  • kino_besucher

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    @ hf : Ich stimme Ihnen vollkommmen zu.

    Das OT wäre nicht das erste Kultkino, das in Regensburg schließen muss. Aber den Zuagroasten, wie Sie so schön geschrieben haben, ist ja z.B. das Stali-Kino in Stadtamhof kein Begriff mehr. Aber wenn man das dolce fa niente-im Sommer-am Bismarckplatz sitzen-und lässig am Bier nippen als Subkultur ansieht, bitte schön… Ist ja auch einfacher, muss man sein Hirn nicht einschalten, im Gegensatz zu den Filmvorführungen eines Programmkinos.

    An dieser Stelle unterstelle ich mal, dass viele wegen des „geileren Sounds“ in andere Kinos geben, da sie von Ambiente, Kult und Charme keine Ahnung haben.

    Kneipen wie die Kinokneipe oder die Banane gibt es seit Jahrzenten, aber wie viele Discos hat Regensburg in dieser Zeit gesehen/ertragen müssen ?

    Zum Capriccio-Beitrag im Bayerischen Rundfunk möchte ich sagen: Das Karmeliten am Dom ist sicher nicht verantwortlich für Verdrängung der Subkultur oder Gentrifizierung in Regensburg. Derartige Projekte hat es immer gegeben und wird es immer geben, da macht
    man es sich zu einfach. Find ich auch vom BR nicht korrekt, das einfach so in den Raum zu schmeissen…

  • Dubh

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    Dass Regensburg das i-phone unter den Unistädten sein soll muss ziemlich geheim sein.

    Regensburg wird in keinem Beliebtheits-Ranking, egal ob es um die Stadt oder um Fächer geht, je erwähnt, auch nicht wenn es um kleinere Städte geht, und auch egal ob es sich um ordentliche Umfragen handelt, oder mal eben bei facebook rumgefragt wird.

    Von Fern scheinen die „Zuogroasten“ dann ja eher nicht zu stammen.
    Liegt es dann an den bornierten Oberpfälzern, hinterfotzigen Waldlern, sturen Niederbayern…?

    „Die Regensburger gehen im Jahr deutlich öfter ins Lichtspielhaus als der bundesdeutsche Schnitt. Hofbauer weiß, dass das vor allem am studentischen Flair der Stadt liegt“
    http://www.regensburg-digital.de/blind-ins-kino/29082012/

    Watt nu?

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