Gauck, Sarrazin und der Nonsense mit dem Konsens

Über Joachim Gauck kann ich mich maßlos aufregen. Immerhin etwas. Über Joachim Gauck kann ich mich maßlos aufregen. Um nur einen Grund zu nennen: Gauck hat Thilo Sarrazin, „Mut“ attestiert. Mut! Dem Sarrazin! Geht’s noch? Und da braucht mir jetzt niemand zu kommen und zu sagen: „Aber von dem Rassismus Sarrazins (den „biologistischen Herleitungen“) hat Gauck sich doch distanziert.“ Das sollte bei so offensichtlichem Blödsinn ja wohl das Mindeste sein!

Ein Brandstifter verdient kein Lob

Jemanden, der in einem der weltweit größten Verlage, bestens vermarktet von Spiegel und Springer, aufgebaut auf falschen und verfälschten Daten, ein Buch unters Volk wirft, das (neben Rassismus) der Einteilung von Menschen in nützlich (weil wirtschaftlich verwertbar) und nutzlos das Wort redet, so jemanden muss man nicht durch das Prädikat „Mut“ oder die Aussage, er habe auf „ein bestehendes Problem hingewiesen“, adeln. Sarrazin hat keine Debatte zu Integration angestoßen. Die läuft schon länger. Er hat Ressentiments befeuert und daran gar nicht mal so schlecht verdient. Das ist nicht mutig, das ist bösartig. Und nur am Rande: Dass die herrschenden Teile von SPD und Grünen Gaucks Sarrazin-Lob nun kleinreden, ist klar: Offenbart es doch, wie heuchlerisch und oberflächlich („Das sagt man nicht.“) das „Thema Sarrazin“ in der eigenen Partei diskutiert wurde, wenn man jetzt – ohne jede Debatte – erneut Gauck als Kandidaten favorisiert, um Angela Merkel eins auszuwischen. Und dieser Gauck meint eben: Sarrazin ist mutig. Das ist nur eine Aussage des designierten Staatsoberhaupts, über die ich mich (und man sich) wirklich aufregen kann.

Was hat Gauck jetzt gesagt und was nicht?

Ebenso heftig wird sich, je nach Gusto, Interessenlage und Informationsstand, über Gaucks Haltung zu Occupy, Hartz IV, zur Vorratsdatenspeicherung, Protestdemonstrationen, dem Irak-Krieg etc., etc. aufgeregt und darüber gestritten. Auf Twitter und Facebook, in den traditionellen Medien und an Stammtischen. Es werden Zitate und Artikel für und gegen Gauck gesammelt. Es wird darüber diskutiert, geschrieben und gebloggt, was das Staatsoberhaupt in spe nun genau gesagt, wie er es denn genau gemeint hat, ob da etwas aus dem Zusammenhang gerissen wurde oder nicht. Es werden Meinungen geändert, relativiert oder bekräftigt. Und am Ende geht es immer auch darum, wie man selber dazu steht. Zu dem, was er da sagt, der Herr Gauck. Wo er denn nun steht und wo man selber.

Gauck oder Grüßaugust?

Statt, wie bei Christian Wulff, darüber zu diskutieren, ob wir nicht alle kleine Schnorrer und ein wenig korrupt sind, ob es nicht ganz ok ist, sich mal „Geld von Freunden zu leihen“, streitet man nun darüber, für welches Gesellschaftsbild dieser zukünftige Bundespräsident Gauck eigentlich steht und darüber, wie man sich diese Gesellschaft selbst vorstellt. Da regen mich – neben Sarrazin – viele Standpunkte und Meinungen von Gauck auf. Eigentlich die meisten. Hurra-Patriotismus, Gleichsetzung von Kommunismus und Nationalsozialismus und allzu viel Kapitalismus-Gläubigkeit wären nur ein paar weitere. Wenn wir schon einen Bundespräsidenten brauchen, dann hätte ich gern einen anderen. Aber wenn Gauck auch noch als Staatsoberhaupt solche Debatten auslöst, wie bereits jetzt, dann hat dieses Amt vielleicht noch irgendeine Berechtigung. Auf jeden Fall ist jemand, über dessen Gesellschaftsbild man sich aufregen kann, für eine Demokratie besser als ein meinungsloser Bundes-Grüßaugust.

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Kommentare (32)

  • @_Belze_

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    Mhhhhh Das geringere Übel ist also die richtige Wahl? Hat Deutschland nur noch Gauck als einzige BuPrä alternative? Unter uns Pfarrerdtöchtern – wenn Gauck das einzige ist was man in Deutschlands höchstes Amt wählen kann, dann haben wir endgültig die Zeiten der Dichter und Denker hinter uns gelassen und steuern mit unserer jetzigen Bundesregierung in den gesellschaftlichen Bankrott

  • Helga Seidemann

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    Ich bin nicht mit Gauck einverstanden. Sarrazin Mut zu attestieren, weil er übles rassistisches Stammtischgeschwätz aufschreibt? Ich bin unglücklich, dass Sarrazin immer noch in der SPD bleiben darf. Und die anderen Punkte: Occupy-Bewegung – Oder-Neisse-Grenze, Gleichsetzung von Kommunismus und Nationalsozialismus …… regen mich zusätzlich auf! Was ist dran an IM Larve? Ich weiß es nicht!

    Die SPD hat sich keinen Gefallen getan, Gauck zu favorisieren, glaube ich!

  • bosequo

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    Zumal rassistische Diskriminierungen auch ohne biologistische Herleitungen wunderbar funktionieren!

    „Der Muslim an sich ist dumm“ ist genau so falsch wie „der Muslim an sich ist dumm, weil er so geboren wurde“.

    Den Unwert von Sarrazins Thesen auf die missverstandene Naturwissenschaft zu schieben, halte ich für brandgefährlich; ebenso wie die Diskussion seines Buches gezeigt hat, wie gefährlich es ist, Rassismus als ostdeutsches Unterschichtenproblem abzustempeln.

  • anti

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    Ich schreib hier nochmal, was ich drüben beim RA Stadler (http://www.internet-law.de/2012/02/wie-das-netz-gegen-gauck-stimmung-macht.html#comment-12663) schon kommentierte. Es geht um Gaucks Haltung zur Innen-, Sicherheits-, Anti-Terror-, Überwachungspolitik – ein Thema bei dem er sich auskennen sollte.

    Da den Gauck-Kritikern vorgeworfen wird, sie würden die Quellen nicht checken, hab ich das zu diesem Thema nochmal ausführlich gemacht:

    Ich hab mich mal durch eine Diskussionssendung zum Thema Innere Sicherheit durchgequält (für die Qualen waren vor allem Otto Schily und sein Terror-Stichwortgeber Tophoven, und nicht Gauck verantwortlich). Gauck bezieht tatsächlich nicht so greifbar Position, wie es im Netz – v.a. bei Twitter – oft zu lesen ist. Aber: Einige Passagen lassen die bei Twitter naturgemäß verkürzt zu findenden Schlussfolgerungen durchaus zu: Hier die Passagen, und diesmal “from the horses mouth”:

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    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=VH8rf-ZtaT8#t=847s zusammengefasst: in BRD ist VDS ungefährlich, muss nur besser begründet werden.

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    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=3MiT4rCV_BU#t=9s
    zu wikileaks “bruch von vertragsrecht ist wichtiger als leaking von unrechtsbeweisen” – sogar schily widerspricht…

    gauck auf die forderung nach offenerer regierungsarbeit: “ich will mal sehen wie Sie so ein Ministerium leiten wollen”.

    —————
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=3MiT4rCV_BU#t=1645s
    nacktscanner: “völlig schnurz.” “wir müssen überprüft werden.” “Ich bin am FKK Strand”

    —————

    Letzteres finde ich ja persönlich den Hammer. Ein solches “Ich habe ja nichts zu verbergen”-Argument total neben der Spur aus dem Mund von einem “Bürgerrechtler” mit seinem Hintergrund, der es einfach besser wissen muss…

  • SPD-Mitglied

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    Ich freue mich, daß Gauck Kandidat geworden ist. Wenn
    man sein Buch gelesen hat, weiß man, welchen Mut dieser
    Mann aufgebracht hat und wie er in der ehemaligen DDR
    sich – trotz mancherlei Schwierigkeiten – zur Wehr gesetzt
    und sich mit den Staatsoberen auseinandergesetzt hat.
    Er ist der richtige Mann für unser Land!

  • Juli

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    Ich schreibe jetzt auch ein Buch in dem steht ich habe die Welt erschaffen.

  • schorsch

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    gauck ist in meinen augen der falsche mann
    neben den von dingen die bei

    dankenswerterweise verlinkt sind, war es schon bezeichnend, das die blödzeitung am montag mit „das wird unser neuer bundespräsident“ aufgemacht hat.
    und siehe da, die wahl kann man sich letzt auch komplett sparen
    und das allerschlimmste ist, das die diskussion über den höchsten deutschen grüssaugust seit über 2 monaten sinnvolle nachrichten blockiert, und das jetzt auch munter weitergeht.

  • schorsch

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    edit
    da fehlt die zeile
    anti sagte am 21.Februar 2012 um 16:50 Uhr

  • grace

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    Ich bitte Sie, Herr Aigner, wer soll dann zu den Negerlein fahren und denen verklickern, dass sie bitte bei der mmitreisenden Delegation iéin paar Streubomben bestellen sollten?
    (Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!)

  • grace

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    Georg Schramm for President!!!

  • Student

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    Also, um öffentlich so nen Quark von sich zu geben wie der Sarrazin, dass da ein gewisser Mut dazu gehören soll, das kann ich sogar nachvollziehen. Ich würd‘ mich so einen Blödsinn jedenfalls nicht trauen.

  • jeff

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    text eines möchtegern klugen, der seinen iq besser testen sollte, um seinen grössenwahn der realität angemessen um den faktor 10 herabzusetzen.

  • H. Müller

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    Danke für’s Aufregen.

    Das mindeste, was ich von einem Bundespräsidenten erwarte, ist sich von Sarrazin und seinen verquasten Rassentheorien deutlich zu distanzieren.

  • Leoprechtinger

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    Ob dies nun alles genauso stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen, da mir derzeit die Zeit und die Geduld fehlt, die Fakten zu überprüfen.
    Dennoch möchte ich eines anmerken:

    Herr Gauck wird mit hoher Wahrscheinlichkeit am 18. März zum Bundespräsidenten gewählt. Von diesem Zeitpunkt an hat er ein Amt, das sehr zweischneidig ist. Politisch kann er nicht viel bewegen, außer unter Gesetzen und Ministerurkunden seine Unterschrift zu setzen. Er kann dies verweigern, die Gründe müssen aber sehr gewichtige sein, wie juristische oder moralische.
    Das gleiche wird mit seinen Reden sein. Die Öffentlichkeit und die Presse, welche nun Blut geleckt hat (Zeitschrift mit vier roten Buchstaben), werden genau hinhören bzw. nachlesen, was der Herr Gauck als Präsident gesagt hat.

    Es ist aber davon auszugehen, dass Herr Gauck ein dickeres Fell hat als Herr Köhler (sagt einmal die Wahrheit und hält den Sturm der gekünstelten Entrüstung nicht aus, war aber kein Politiker) und hoffentlich einen besseren Freundeskreis als Herr Wulff. Dieser bekommt hoffentlich seinen Ehrensold. Für unser einer sehr viel Geld, für ihn zu wenig, aber jetzt werden seine Freunde ihn links liegen lassen, da kein politisches Amt.

    Ein Wort noch zu Frau Merkel. 2010 war ihre Favoritin am Anfang Frau von der Leyen. Dieses, davon gehe ich aus, hat sie jetzt am Anfang wieder mit einem Parteikollegen -kollegin spekuliert. Warum? Wenn ich mich nicht irre, kann niemand Bundeskanzler werden, wenn er schon Präsident war. So schaltet man intern die Kanzlergegner aus.

    Gruß Leoprechtinger

  • grace

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    Wen hätten Sie denn gerne?
    Bitte Namen!

  • mkJV

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    Herr Aigner möchte wahrscheinlich sich selbst als nächsten BP;)
    Bei der Pension hätte RD keine Geldsorgen mehr…

  • steffi

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    ich finde gauck gar keine so üble wahl. solange es nicht sarrazin selbst ist…zumindest ist er ansatzweise charismatisch und nicht so farblos wie wulff. und recht machen kann man es eh nie allen. kein grund für destruktive larmoyanz.

  • thomas reitemeyer

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    ich bin auch für den schramm! georg schramm als bundespräsident!

  • Matthias Beth

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    Ich hoffe Herr Gauk ist nciht wie Herr Wulff, der schneller schnorrt als sein Schatten!

  • Regensburger

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    Sehr geehrte Mitbürger, ich muss zustehen, dass auch mir persönlich nicht 100% tik passt, dass der neue Bundespräsident, also der nächste Politiker aus den „Windeln der DDR-Politik“ unser Staat und besonders uns Deutschen vertreten soll. Es ist sehr schwer einen nicht politisch engagieren „Ehrenbürger“ aus der alten Bundesrepublik zu finden. Eine Auswahl aus den so genannten „Politiker“ ist sehr schwer. Fast Jeder Politiker hat Dreck am Steck – wie das Sprichwort sagt. Missachtung der Demokratie, Amtsmissbrauch, Beamtenwillkür, Verantwortungslosigkeit und Korruption sind die Öfteren Merkmale unserer Politiker. Was aber noch schlimme ist, ist die fehlende Toleranz der Mitbürger. Auf eine Seite spricht die Presse über die Toleranz und auf der anderen Seite ist die Presse wie auch die Politik nicht bereit die persönlichen und die unterschiedlichen Meinung zu tolerieren. Auch ich bin mit den manchen Bemerkungen von Herr Sarrazin nicht einverstanden, aber er hat mit seinem Buch Mut gehabt über das zu schreiben was sich die andere denken. Wer aber mit seinem Äußerungen nicht einverstanden ist bracht man nicht das Buch von Herr Sarrazin lesen. Jeder von uns kann sich seine „persönliche“ Meinung bilden. Herr Gauck in seiner Äußerungen hat nie die Sarrazin-Äußerungen mitgetragen, sondern Herr Gauck hat an die Fragen der Journalisten zu den Äußerungen von Herrn Sarrazin seine Meinung gesagt. Persönliche Meinung zu verbieten ist vergleichbar mit dem Bücherverbrennung. Herr Gauck war mit seiner Äußerung zum Sarrazin – Buch auch sehr mutig aber offen und nicht hinterlistig. Es ist nicht immer mein Feind der, der mich widerspricht, sondern der, der hinter meinen Rücken mein Tod plant. 1415 haben die deutsche Geistliche in Konstanz den Böhmischen Prediger Jan Hus verbrennen lassen, weil sie nicht seine Meinung tolerieren wollte. Auch die Nazis haben für persönliche Meinungen Millionen Menschen umgebracht, weil die Menschen anderer Meinungen waren. Wir leben in einem freien Land ohne Vorurteilungen und freien Meinungen und so soll das auch bleiben Herr Gauck ist „leider“ zur Zeit, der – vielleicht – einziger engagierte, aber nicht politisch abhängige oder sogar politisch manipulierter Bürger Deutschland der unsere Land und auch uns Bürger „ohne ein persönlichen Dreck“ in der Welt vertreten kann.
    Der Regensburger

  • Bernd Henneberg

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    Der einzige Vorteil, den ich bei der Wahl zum Bundespräsidenten bei dem Pfaffen sehe, ist: Er wird einen Redenschreiber kriegen, von Mutti ausgewählt. Der wird ihm dann nicht mehr erlauben solchen Unsinn, wie er bisher von sich gegeben hat, weiter zu verbreiten. Und ein weiterer Vorteil: nach der Wahl zum Bundespräsidenten kann er kein weiteres Amt nach Ende der Amtszeit übernehmen. So wie ich den einschätze, würde er sich auch für einen Bundeskanzler über alle Parteien hinweg für geeignet halten. Das kann jetzt dann Satan sei Dank nicht mehr passieren.

  • Hans-Adolf Herrmann

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    @ Stefan Aigner

    Die Ko – Redakteure „maßlose Aufregung“ und „Schaum vor dem Mund“ hätten Sie bei Ihrem „Leitartikel“ nicht mitschreiben lassen sollen.
    Ansonsten: gut gebrüllt „roter Löwe“!
    Hoffentlich bietet Ihnen und uns der Wendehals Gauck als „Grüßaugust“ zukünftig noch so manche Steilvorlage, in welche zeitgeistwechselnde Richtung auch immer.

  • JB

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    Es ist echt schwierig einen Kandidaten für alle zu finden.
    Herr Gauck tut mir so gesehen jetzt schon leid.
    Muß man denn jeden Halbsatz so zerpflücken?
    Wenn ihn sei relativ hohes Alter nicht umwirft, wird er einen guten BP abliefern.

  • rainer

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    Hinweis: Der Landesarbeitskreis für ungewöhnliche Maßnahmen der Linksjugend [’solid] Hamburg berichtete am Dienstag in einer Pressemitteilung über eine Mitgliederinitiative in der Linken für Georg Schramm:

    Seit Sonntag morgen ist unter der Adresse http://www.linke-fuer-schramm.de.vu eine Internetpetition online. Sie soll die Partei Die Linke auffordern, den populären Kabarettisten und Kapitalismuskritiker Georg Schramm als Präsidentschaftskandidaten zu nominieren. …

    n. http://www.jungewelt.de/2012/02-22/103.php

    :)

  • IchhinterlasseeineAntwort

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    Mal ganz ab von Gauck’s Befähigung für dieses (meiner Meinung überflüssige, überbezahlte) Amt. Auch mal abgesehn von seinem Lob für Sarrazin, seinen Glauben an den freien Kapitialismus und seine Predigten für diesen, seiner Verachtung für Sozial schlechtgestellte und Menschen die gegen die zunehmende soziale Schere … Weltweit demonstrieren … .

    Es ist ganz einfach eine gern wiederholte Mär Gauck’s Weste wäre Blütenrein, sogar vorbildlich. Er wird von seinen Protegés und Jüngern als „Widerständler“ hochgejubelt.
    In der ehem. DDR-Bürgerrechtsbewegung ist Gauck sowieso umstritten.
    Zum anderen gibt es denVerdacht er habe in seiner Amtszeit in der – nach ihm auch als „Gauck-Behörde“ benannten – Stasi-Unterlagen-Behörde – seine eigene Stasi-Akte manipuliert und andere Akten/Menschen je nach politischem Lager ungleich behandelt – zurückgehalten/gedeckt oder besonders nachgehackt/ verfolgt … . Der Begriff „Gaucken“ prägte sich daraus.

    Er ist an sich nicht so wichtig, wie das wofür er steht. Er ist ein Symptom, er verkörpert den Zeit-Geist, den freien Markt den er selbst nur von einem angenhemen Logenplatz aus kennt und beobachtet.
    Er ist der Wunschkandidat der Wirtschaft, der „Elite“ (bzw. derer die dran glauben dazu zu zählen). Er bekommt den Freischein, Ausrutscher ala Sarrazin rechnet man als Pluspunkt “ der Mann hat halt Charisma“ „ich muss ja nicht mit ihm in allem einer Meinung sein“. Schön schwammig umschrieben.

    Im übrigen wie wäre es mit einem Kompromiss, das Amt des BP darf bleiben – quasi Ehrenhalber, oder mit einer Mindestaufwandsentschädigung von z.B. 1,- €? Von mir aus auch Zeitlebens und Steuerfrei.

  • Bernhard Paul

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    Ich bin verwundert, dass Sie die Gauck-Zitate offenbar nicht wirklich kennen. Was an der Causa Gauck zu nerven beginnt, ist die auf breiter Front einsetzende Zitateverdrehung, Zitateverkürzung und Falschinterpretation. Das ist eine besonders perfide Form der Rufschädigung und im politischen Ränkespiel, wie sich auch jetzt wieder zeigt, eine besonders bewährte Methode, einen unliebsamen Menschen anderer Weltanschauung zu beschädigen. Im Internet geht dies aufgrund der potenziellen Anonymität in den Blogs und sonstigen Foren besonders leicht und gut.

    Kein einziges der umlaufenden Zitate – man kann sie alle im Original nachlesen – hat Joachim Gauck in dieser einfachen Kürze oder im falsch interpretierten Sinnzusammenhang von sich gegeben. In den Social Networks und im Internet passiert genau dieses. Das ist weder fair noch angemessen.

    Wenn sich ein Mensch differenziert öffentlich äußert und dann bleibt genau ein (problematischer) Halbsatz seiner Brisanz wegen in der Öffentlichkeit hängen und ihm wird ein Etikett aufgeklebt, “Vorsicht, scharfer Hund” oder welches auch immer, das seiner Person weder gerecht wird noch mit ihr das geringste zu tun hat, wie ist das zu bewerten?

    Auch der Kandidat Gauck hat Fairness verdient. So wie Sie hier übrigens den Sarrazin abkanzlen, scheinen Sie sein Buch auch nicht gelesen zu haben – wie so viele nicht, die öffentlich über ihn herfielen. Auch Sarrazin hat Fairness verdient. So ist zum Beispiel bei niemandem haften geblieben, dass Sarrazin die Integration von Immigranten ausdrücklich als überwiegend gelungen bezeichnet. Nennenswerte Probleme gebe es nur mit Muslimen. Widerspruch?

  • Stefan Aigner

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    Hallo Herr Paul,

    nachdem Sie mich direkt ansprechen eine kurze Erwiderung.

    Das einzige Gauck-Zitat, das ich in meinem Kommentar ausdrücklich kristisiere, ist das zu Sarrazin. Der sei „mutig“ befindet Gauck, sowohl in dem verlinkten, sehr ausführlichen SZ-Interview wie auch einige Wochen zuvor gegenüber dem Tagesspiegel.

    Was das soll, erschließt sich mir nicht. Dabei bleibe ich, bei allem Drumherum und allem Relativieren, das Gauck dazu gegenüber der SZ ausführt.

    Das Sarrazin-Buch habe ich gelesen. Was ich davon halte, steht oben: verfälschte Daten, latenter Rassismus und Hetze gegen sozial Schwache. Sarrazin leistet keinen konstruktiven Beitrag zu einer „Integrationsdebatte“ (Die gibt es schon länger und differenzierter.). Er schürt Vorurteile und Angst, vor allem gegenüber Muslimen. Er bewertet Menschen aufgrund ihrer wirtschaftlichen „Nützlichkeit“. Sein vermeintliches Lob der Integration macht er an „Rassen“ fest (der Vietnamese an sich kann s gut, der Moslem an sich nicht, Dummheit ist vererbar, Klugheiut auch etc. etc.; Schwachsinn im Quadrat).

    Das tut er nicht als armer Unterdrückter, dem seine Meinung verboten würde, sondern als Mitglied einer wirtschaftlichen und politischen Elite. Als Meinungsmacher. Dazu verbündet er sich mit der Bildzeitung, die diese Hetze dankbar weitergeführt hat, und er verdient damit einen Haufen Geld.

    Was soll daran mutig sein? „Das muss man sagen dürfen“? Quatsch. Das darf man sowieso sagen. Es wird ja ständig getan. Rassisten und Idioten gibt es genug und sie dürfen ihre Meinung sagen. Sie dürfen auch Bücher schreiben und verkaufen. Sarrazins Aufjaulen, weil er entsprechene Antworten auf den Mist bekommt, den er verzapft, ist lächerlich.

    Dass Gauck Sarrazin mit seiner Aussage legitimiert und Glaubwürdigkeit verleiht (bewusst; er hat es in zwei Interviews mit verschiedenen Medien getan) ist es, was ich kritisiere.

    Zu den Zitaten und der Debatte im Internet:

    Ich würde mir wünschen, dass Debatten häufiger derart kontrovers und differenziert geführt werden, wie diese. Es gibt Kritik an Gauck, Kritik an den Kritikern, darauf wieder Repliken usw. Dabei werden mittlerweile die kompletten und verschiedene Zitate herangezogen, interpretiert und in Zusammenhang gestellt.

    Bei den sogenannten „Leitmedien“ und v.a. bei Springer ist das noch nicht angekommen. Dort wird Gauck mit absoluter Verkürzung seiner Aussagen in den Himmel gehoben und das „böse Internet“ verdammt.

    Grundsätzlich dreht sich die Debatte um Gauck um Haltungen zu Themen: Hartz IV, Protestbewegungen, Verhältnis zum Staat, Nationalsozialismus, Kommunismus etc.. Das geht mittlerweile über die Person Gauck hinaus. Das ist gut. Dafür ist Gauck gut. Und jetzt bleibt abzuwarten, was er von sich gibt, wenn er Bundespräsident wird. Entweder gibt er diesem sinnlosen Amt den letzten Rest und es wird dann irgendwann abgeschafft oder es erfährt wieder irgendeinen Sinn. Als Auslöser gesellschaftlicher Debatten, die vom Gros der Politik nicht mehr angestoßen und geführt werden.

    Mit bestem Gruß.

  • Bernhard Paul

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    Sehr geehrter Herr Aigner,

    ich danke für Ihre Antwort, bei deren Intention ich mich mit Ihnen durchaus zumindest auf einen Minimalkonsens verständigen kann.

    Gaucks Sarrazin-Zitat war und ist verunglückt, zweifellos, aber es ist schlicht und ergreifend nicht so, dass er Sarrazins Thesen zustimmen würde, sondern er hat lediglich den Mut gelobt, gegen einen gesellschaftlichen Mainstream, gegen die political correctness, zu schwimmen. Kurz, er hat ihm Zivilcourage bescheinigt. Hätte er damals das Buch gelesen gehabt, hätte er sich garantiert noch sehr viel differenzierter und zurückhaltender geäußert als ohnehin schon.

    Eine intensive Debatte über Gauck und das Amt ist gut und wichtig, einverstanden, aber was zum Teil im Netz abgeht, in manchen Blogs und Foren, das ist so unterirdisch, wie man es als halbswegs zivilisierter Mensch nicht für möglich halten würde. Und das alles natürlich im Schutz der Anonymität. Das ist übelste Heckenschützenmentalität.

    Wenn es noch eines Beweises bedürfte, dass das Netz neben guten Seiten auch seine speiüblen hat, dann ist das dieser aktuelle Fall.

    Ansonsten darf ich Ihnen ja auch ein Kompliment machen für Ihre mutigen Beiträge, auf die ich erst im Zuge der Auseinandersetzung mit Bischof Müller gestoßen bin. Ich muss ihnen ja nicht immer zustimmen.

    Und noch eines, obwohl ich kein Moralapostel bin (und z.B. Helmut Schmidts konsequente Haltung in Sachen Zigaretten schätze): Lassen Sie Ihre Zigarette weg!

  • Dubh

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    Bernhard Paul: „Lassen Sie Ihre Zigarette weg!“

    Wieso?
    Liegt Ihnen der gesunde Volkskörper am Herzen, der schon übers Netz geschädigt werden kann?

    „sondern er hat lediglich den Mut gelobt, gegen einen gesellschaftlichen Mainstream, gegen die political correctness, zu schwimmen. “

    Ja, das macht dieser Breivik – Sie wissen schon – auch in seinem Manifest, so etwa 25 Seiten lang – gegen p.c wettern……..

    Und 20% der SPD und CDU/CSU Wähler hatten bereits vor Sarrazin ausgeprägte rechtsextreme Einstellungen laut Studie der FES, und bei Grünen und Linke Wählern ist es unwesentlich weniger (Piraten waren noch nicht einbezogen).
    Und nun kann man bei der SPD als bekennender Rassist gar schon unangefochten Mitglied sein……………..

    Da muss man wohl langsam fragen, wie dieser gesellschaftliche Mainstream der die „Mitte der Gesellschaft“ längst besetzt hat, denn wirklich aussieht.

    Zu dieser Art Mainstream passt Gauck allerdings wunderbar – ein reaktionärer Stinkstiefel schlicht, der alle glücklich macht, weil sich keine Partei den Stiefel anziehen muss, den in ihren Reihen zu haben.

    Da kann man dann zukünftig in Diskussionen voll die Sau rauslassen, ganz ohne „falsche“ Rücksichtnahme und ganz politically incorrect………………….

  • Bernhard Paul

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    @Dubh (25.02, 19.29 Uhr)

    Da kann man nur sagen wie der unvergessene Loriot: Ach…

    Sarrazin ist nach Ihnen ein Rassist und Gauck ein reaktionärer Stinkstiefel – Ach…

    Sie sind ein guter Beweis für meine These vom Müll, der anonym ins Internet geblasen wird.

    Ach…

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