Machtkampf um SPD-Landtagskandidatur

Jusos kündigen Margit Wild die Gefolgschaft auf

Die Parteijugend der SPD kündigt in einem Offenen Brief an, eine Landtagskandidatin Margit Wild nicht zu unterstützen. Am gestrigen Abend warf Wild Teilen der Partei in einer internen Versammlung Altersdiskrimnierung vor.

Ließ sich bei einer außerordentlichen Sitzung des Stadtverbands nicht beirren: Margit Wild. Foto: Archiv/om

Die Unterstützung für eine erneute Landtagskandidatur von Margit Wild schwindet – zumindest im SPD-Stadtverband Regensburg. Bei einer internen Besprechung des Stadtverbandsvorstand am Donnerstagabend blieb eine vielfach erwartete Eskalation zwar aus. Tatsächlich konnte sich Wild noch relativ erfolgreich gegen Kritik angesichts ihres Alleingangs erwehren und eine Bestandsaufnahme und Aussprache zu ihrer Arbeit der letzten Jahre vermeiden.

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„Ageism“: Wild drängt Stadtverbandsvorstand in die Defensive

Eine Entschuldigung für ihre überraschende Ankündigung in der Mittelbayerischen Zeitung, erneut zu kandidieren, ohne Abstimmung mit den Parteigremien oder potentiellen Aspiranten für ihre Nachfolge, lehnte sie laut Teilnehmerangaben weitgehend ab. Stattdessen ging die 64-Jährige mit dem Vorwurf „Ageism“, Altersdiskriminierung, in die Offensive und drängte den Stadtverbandsvorstand damit erfolgreich in eine Verteidigungsposition. Bereits gestern hatte sich gegenüber unserer Redaktion erklärt, dass Jüngere die Schicksalsschläge, die sie in den letzten Jahren habe hinnehmen müssen, nicht nachvollziehen könnten.

Und so ging die Versammlung am Ende aus wie das Hornberger Schießen – die bekannten Fronten und Aspiranten bleiben. Schärfere Kritik an Wild sei an diesem Abend lediglich von den Jusos gekommen, heißt es. Und die haben nun nochmals nachgelegt.

Jusos: Kein Wahlkampf für Margit Wild

In einem Offenen Brief an die Landtagsabgeordnete, den insbesondere der Juso-Bezirksvorsitzende Alexander Roth mitunterzeichnet hat, kündigen sie an, eine erneute Kandidatur Wilds nicht zu unterstützen. „Sollte sich aufgestellt werden, werden wir für sie keinen Wahlkampf führen“, so der Regensburger Juso-Vorsitzende Bastian Käsbauer im Telefonat mit unserer Redaktion.

Die Regensburger Abgeordnete habe seit Jahren weder das Feedback noch den Kontakt zur Basis gesucht. Wild habe hier offenbar jede Achtung vor der Partei verloren. Die Jusos betonen dabei insbesondere ihre Bedeutung als Aktivposten bei Landtagswahlkämpfen – Plakate aufhängen, Flyer verteilen, Social Media-Wahlkampf und dergleichen – und lassen klar durchblicken, dass eine Landtagskandidatin Wild nicht auf diese Unterstützung zählen kann.

Endres und Koch die „besseren Kandidaten“

Bereits am Mittwoch hatte Alexander Roth erklärt, dass man die beiden anderen Aspiranten auf die Landtagskandidatur, die SPD-Landesvorsitzende Ronja Endres und den Wenzenbacher Bürgermeister Sebastian Koch, für die „besseren Kandidaten“ halte.

Die Jusos gelten im Stimmkreis Regensburg Stadt bislang als klare Unterstützer von Sebastian Koch, dem insgesamt gute Chancen eingeräumt werden, bei einer Kampfkandidatur die Mehrheit der Delegierten hinter sich zu versammeln. Allerdings hält sich der 34-Jährige, der bis zu Wilds Umentscheidung noch als ihr Favorit galt, bislang bedeckt.

Denn auch Ronja Endres hat ihren Hut für eine Kandidatur in den Ring geworfen – entweder in der Stadt oder im Landkreis. Und es gilt als wahrscheinlich, dass man es Koch bei Teilen des Bezirksverbands Oberpfalz (bestehend aus den Unterbezirken Regensburg, Amberg, Schwandorf, Weiden), der am Ende über die Platzierung auf der Oberpfalz-Liste entscheidet, übel nehmen könnte, die SPD-Landesvorsitzende auszustechen und dadurch zu beschädigen.

Grüner Höhenflug zu Lasten der SPD

Auch wenn Margit Wild – zum Unverständnis vieler Regensburger Genossen – angekündigt hatte, sich gegebenenfalls auch mit Listenplatz 3 zufriedenzugeben, gelten eigentlich nur die Listenplätze 1 und 2 als aussichtsreich für einen Einzug in den Landtag.

Der oder die Drittplatzierte hätte allenfalls Chancen, wenn die SPD bei der Landtagswahl ein Ergebnis jenseits der 15 Prozent erzielen würde und die CSU erneut das Direktmandant holen und es damit ein Ausgleichsmandat für die SPD geben würde.

Aktuell befürchtet man aber selbst in der CSU, dass dieses Mal der Grüne Jürgen Mistol das Rennen machen könnte. Bereits bei der letzten Wahl hatte CSU-Kandidat Franz Rieger die Nase nur noch knapp vorne. Angesichts des derzeitigen Höhenflugs der Grünen, Riegers Verurteilung wegen Erpressung und dessen Weigerung trotz dieser Vorstrafe das Mandat niederzulegen, rechnet sich die CSU für die Wahl 2023 deshalb eher geringe Chancen aus.

Das ginge dann am Ende auch zu Lasten der SPD, die in Umfragen derzeit bei neun Prozent steht. „Mit ihrer Ankündigung, freiwillig auch auf Listenplatz 3 zu gehen, wirft Margit Wild sehenden Auges das Regensburger Landtagsmandat weg. Das war sehr dumm“, so ein örtlicher SPD-Funktionär.

Im Bezirk Oberpfalz hat Regensburg allein nichts zu melden

Um gegebenenfalls eine andere Regensburger Kandidatin/eine Kandidaten auf Platz 1 oder 2 zu hieven, müssten die Regensburger Delegierten einerseits geschlossen auftreten und andererseits auf die Unterstützung aus Weiden hoffen, um eine Mehrheit gegenüber Schwandorf und Amberg zu haben.

Der Weidener Vorsitzende Uli Grötsch hat sich bereits öffentlich hinter Margit Wild gestellt, allerdings ist fraglich, auf wessen Seite sich die Delegierten schlagen, wenn es darum geht, Koch oder Endres einen guten Listenplatz zu gewähren.

Eifersüchteleien aus Weiden

Zwar dürfte Grötschs derzeitige Unterstützung für Wild mehr von der Gegnerschaft zu Ronja Endres gespeist sein, gegen die er bei der Wahl um den Landesvorsitz das Nachsehen hatte, und weniger von Sympathien für Wild, dass aber bei einer möglichen Entscheidung zwischen Koch und Endres alle Delegierten aus Weiden und Regensburg geschlossen auftreten werden, ist zumindest fraglich.

Denn auch im Stadtverband Regensburg gibt es einige Endres-Unterstützer und auch der Oberpfalzvorsitzende, Europaabgeordneter Ismael Ertug, steht dem Vernehmen nach hinter der SPD-Landesvorsitzenden.

So oder so hat der Vorstoß von Margit Wild ein Räderwerk aus Geschacher und Intrigen in Gang gesetzt, das weit über die Befindlichkeit des ohnehin schwachen Unterbezirks Regensburg hinausgehen dürfte.

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Kommentare (26)

  • Mr. T.

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    Vielleicht sollte Frau Wild besser auf die Kritik ihrer Gegner eingehen, als ihnen pauschal Altersdiskrimnierung vorzuwerfen. So ist das ist zu billig.

  • Meier mit "ei"

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    Haha. Ich lach mich langsam kaputt. Da könnte jetzt jeder jedem einen Vorwurf machen:
    Diskriminierung von Alten, Jungen, Frauen, Männern, Diverse, Unstudierte, Studierte, …
    Ja, lasst junge Unstudierte ran. In der Bundespolitik könnte man sehen, was passiert, wenn man auf alles Rücksicht nimmt, nur nicht auf die vorhandenen Fähigkeiten/ Skills eines Einzelnen, die man dann gezielt einsetzen kann.
    Dem Volke/ Bürgern dienen. Seine Ansprüche zurücknehmen. Oder so ähnlich!

  • K.Recht

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    Schon interessant wie dieser SPD-Unterbezirk Fahrt aufnehmen kann wenn es um Personaldebatten geht.
    Der UB-Vorsitzende mitten im Getümmel.

  • Daniela

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    Die Jusos als “Königsmacher”, ui man darf gespannt sein!

    Meiner Meinung nach legen die Jusos sich und die SPD gerade selbst auf’s Kreuz. Wer will denn so ein Machtgezettere noch wählen?

  • R.G.

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    Auf eines kann man sich bei der SPD verlassen: es geht immer um die Personen beim Napf, nie um für die Arbeiterschaft wichtige Inhalte.

  • KW

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    “Ageism”? Geht’s noch? Wohl eher “Glueism” (Das Wort hab ich mir gerade ausgedacht).

  • Tröster

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    Was wäre eigentlich so schlimm daran, nach 15 Jahren im Landtag aufzuhören und andere (jüngere) ranzulassen? Das hat nun wirklich nichts mit Altersdiskriminierung zu tun. Aber manche können/wollen eben nie aufhören, weil sie sich selbst für unverzichtbar halten oder schlichtweg nicht wissen, was sie sonst mit ihrer Zeit anfangen sollen.
    Und eines schafft wohl auch nur die SPD: ernsthaft über einen (einigermaßen) aussichtsreichen Listenplatz für die Landesvorsitzende (!) zu diskutieren. Da kann die CSU noch so viel Mist bauen, die bayerische SPD tut wirklich alles, um davon nicht zu profitieren.

  • Zilla

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    Ageism? Wo bleibt den hier das gendern?

  • Markus Panzer

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    Eigentlich hatte Margit Wild nach ihrem grottenschlechten Nominierungsergebnis zur letzten Landtagskandidatur und ihrem aufgrund ihrer mangelnden Krisenkompetenz maßgeblichen Anteil an der Spaltung der SPD, der Partei versprochen, sich nach Ablauf ihres Mandates aus der aktiven Politik zurückzuziehen. Zumindest für das ehrenamtliche Stadtratsmandat hat dies gegolten, beim erträglichem Landtagsmandat hat sich Ihre Meinung offensichtlich ideenreich geändert. Dass sie damit eine erneute Spaltung der Partei provoziert, ist ihr heute wie damals offensichtlich egal.
    Andererseits erinnert sie sich im Gegensatz zu den Jusos offensichtlich daran, dass der von denen favorisierte Sebastian Koch zwar in der Vorstadtgemeinde Wenzenbach erfolgreich als Bürgermeister kandidierte, jedoch den bislang sicheren Sitz im Bezirkstag bei der letzten Wahl für die SPD gnadenlos versemmelte, da die RegensburgerInnen nun mal keinen Gemeindebürgermeister als Vertreter städtischer Interessen akzeptieren.
    Da kann man der SPD nur zurufen „Glück auf“ und weiter so.
    Jürgen Mistol und die Grünen freuen sich schon auf das Direktmandat und das zu Recht!

  • Gscheidhaferl

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    Na ja, in Regensburg (Reinhausen) ist dereinst die bayerische SPD gegründet worden. Vielleicht haben sich die hiesigen Genossen ja in den Kopf gesetzt, sie hier nun auch zu Grabe zu tragen? Als wollten sie mir aller Gewalt die CSU unterbieten, um am Ende nicht doch noch aus Versehen auf der Regierungsbank zu landen. In der Stadt selbser haben Sie die Wähler*innen ja wahrscheinlich schon weitestgehend geheilt. Ich glaube jedenfalls nicht, dass noch viele übrig sind, die sich von dieser Partei noch viel erwarten.

  • Interessiert daran, dass was passiert

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    Ich htte einfach gern mal gehört, was die jeweiligen Kandidaten denn so vorhaben, was sie eigentlich bewegen wollen für ihr knapp 10.000 Euro Salär. Von Frau Wild ist mir nichts entgegengedrungen in den letzten Jahren, was sie auf die Füsse gestellt hätte. Aber auch von den Neuen ist bei mir nichts Konkretes angekommen, warum wir sie dann als unsere Vertreter in den Landtag schicken sollten mit ihrem Gehalt. Von daher werde ich einfach der einen wie den anderen sehr entspannt gegenüberstehen bei meiner Stimmabgabe. So schaut das aus.

  • Roter Lappersdorfer

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    @Markus Panzer, haben Sie auch einen konstruktiven Vorschlag oder wollen sie als zweiter Mann im Utopia-Staate Brueklinghausen nur sticheln? Koch ist für die SPD vielleicht keine sichere Bank, aber er hat beim letzten Mal für den Bezirk ein besseres Erststimmenergebnis als Margit Wild geholt (Sie sind indes von Platz 5 auf der Bruecke-Stadtratsliste runtergewählt worden und haben den Einzug in den Stadtrat damit versäumt) und ich finde schon, dass man in der Region denken muss. Das haben Sie jedenfalls immer wieder gesagt, so lange Sie noch in der SPD als Verkehrskonzept-Verantwortlicher unterwegs waren. Die Landesvorsitzende kennt zwar niemand, aber immerhin ist Sie Landesvorsitzende in einer Kampfabstimmung gegen den früheren Generalsekretär und MdB Grötsch geworden. Kampfgeist hat die Frau also bestimmt! Ihre Einschätzung zu Margit Wild teile ich weitestgehend. 0,0 Fehlerbewusstsein (Desinteresse an den Finanzen im Wolbergs-Wahlkampf), Versprechen brechen (“ich hör 2023 auf” vs. “ich verlasse Regensburg, wenn ich verurteilt werde.”) und jetzt mit ziemlich albernen Behauptungen (Alterdiskriminierung) in die Opferrolle gehen. Vielleicht bietet ihr ja die Bruecke eine Landtagskandidatur an?

  • Andrea Mink

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    15 Jahre im Landtag sind doch genug, – Pfründe sichern ist sicher ein genauso uncharmanter Vorwurf wie die der Altersdiskriminierung.
    Vor allem zum Thema Diskriminierung, – vielleicht sollte sich Frau Wild in diesem Falle deutlich zurückhalten müssen, denn wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen…

  • Gscheidhaferl

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    @Roter Lappersdorfer
    Die Brücke als SPD-Gnadenhof! Ja, das hat was ;-)

  • Gscheidhaferl

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    @Interessiert daran, was passiert
    Schön, dass ich nicht der Einzige bin, der gerne wüsste, wofür die jeweiligen Kandidati*nnen INHALTLICH stehen. Also jenseits der üblichen nichtssagenden SPD-Begriffsfolklore und einem ‘Weil ich einfach besser bin, als die anderen’, das sich ja gerne mal als selbstgefällige Täuschung jenseits aller Realität erweist.

  • Karl Straube

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    An die hier versammelten Bakkalaurei:

    Anmaßlich find’ ich, daß zur schlechtsten Frist
    Man etwas sein will, wo man nichts mehr ist.
    …………
    Was habt Ihr denn getan? genickt, gesonnen,
    Geträumt, erwogen, Plan und immer Plan.
    Gewiß! das Alter ist ein kaltes Fieber
    Im Frost von grillenhafter Not.
    Hat einer dreißig Jahr vorüber,
    So ist er schon so gut wie tot.
    Am besten wär’s, euch zeitig totzuschlagen.

    Oder – einfacher – mit Erich Kästner:
    Neue Fehler werden durch alte Dummheiten höchstens erklärt, nicht aber entschuldigt.

  • Hthik

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    @R.G. 17. Juni 2022 um 20:04 und @Interessiert daran, dass was passiert 18. Juni 2022 um 01:02

    Ja, das ist schon auffallig, dass das schon der zweite Artikel ist, der mit null programmatischen Unterschieden und reiner Personalquerele auskommt. Ich glaube eher nicht, dass uns RD da wichtige inhaltliche Differenzen verheimlicht. Ein Diskriminierungsvorwurf bedarf eigentlich schon einer Begründung. Der syrische Flüchtling, der tatsächlich einen anderen abgestochen hat, sitzt nicht schon automatisch deswegen in Haft, weil er syrischer Flüchtling ist. Wenn dann statt einer Bgründung nur der Vorwurf kommt, Jüngere hätten keine solchen Schicksalschläge zu ertragen, macht das nachdenklich. Altersschäche ist nicht die einzig mögliche Todesursache und auch Jüngere haben mitunter den Verlust geliebter Menschen zu verschmerzen. Damit mag es genug sein des Ausflugs in ein Gebiet, das von mir aus gesehen die gerade noch erträgliche rechte Ecke des politischen Spektrums ist.

  • ossi

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    Finde auch die Frau Wild sollte in Rente gehen , den für die Bürger hat sie wo keine richtige Lust mehr da zu sein! Das hat man gemerkt die letzten Jahre! Aber bitte traut den grünen nicht immer zu die Welt zu verbessern !

  • Madame

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    Diese ganze parteiengesäusle ist unerträglich. Ob in der Bundes- oder in der regionalpolitik geht es nur um das geschachere der profitablen posten. Bei den jusos heisst es : Was kann ich werden, die Kohle muss stimmen. Beim Urgestein frau wild fragt man sich , ob die kandidatur sich überhaupt noch lohnt? Das schlechte abschneiden des superlativen provinzialen dümpels spricht durchaus die meinung der bevölkerung. Es sind zwar politische harte zeiten, aber die SPD muss sich in puncto Kandidaten neu erfinden.

  • Tom

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    Ich dachte immer das Pauschalproblem ist der alte, weiße Mann. Zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass die Jusos ihr canceling auf alte, weiße Frau ausgeweitet haben.

  • Gscheidhaferl

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    @Tom
    Gut auf den Punkt gebracht! ;-)

  • Günther Herzig

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    Jetzt kommt aber doch noch was vom alten weißen Mann:
    Was folgt, ist nicht unbedingt freundlich und ist auch nicht gedeckt von persönlicher Kenntnis vom Miteinander und Gegeneinander in Parteien, in denen regelmäßig mehr Interessenten vorhanden sind für Plätze an den unterschiedlich ausgestatteten öffentlichen Fleischtöpfen.
    Was qualifiziert Personen sich um ein Landtagsmandat zu bemühen und es sogar zu behalten über mehrere Legislaturperioden, nachgedacht am Beispiel der Margit Wild.
    Was hat sie eigentlich für Qualifikationen? Etwas herausragendes, das unbedingt der Allgemeinheit zu Gute kommen muss, fällt mir nicht ein. Ich muss noch anmerken, ich kenne sie aus einer Zeit von vor ca. 35 – 37 Jahren. Eine angenehme Person, ohne ins Auge fallende besondere Talente. Ich kann natürlich auch etwas übersehen haben. Damals hätte ich Ihr zugetraut in einem Büro als Sekretärin mit zu schwimmen ohne negativ aufzufallen. Das ist ziemlich wenig. Ich behaupte aber auch, ich hätte ihr neben einer Riege hochkompetenter Mitarbeiterinnen in meinem Büro niemals ein Angebot gemacht. Freilich ist mir bekannt, dass sie in einer typischen Bürofunktion gar nicht arbeitete.
    Dann kann die erste Kandidatur für den Landtag nicht gefördert worden sein durch besondere ihr persönlich zuzuschreibende Eigenschaften mit der Erwartung durch Gestaltungskraft für die Allgemeinheit nach gewonnener Wahl aufzufallen.
    Aber was war es dann? In der Schlangengrube eines oder mehrerer Parteigremien nicht anzuecken und aufzufallen? Immer zu wissen, wen man offen oder diskret hofieren soll? Das ist sicher auch eine Kunst, aber keine, die zum Nutzen der Gesellschaft einzusetzen ist.
    Zitat aus „regensburg-digital“: Und nun gilt es abzuwägen: Lässt man der Amtierenden den Vortritt, um nicht Gefahr zu laufen, einen öffentlichen Streit vom Zaun zu brechen, die Partei, Mitbewerberinnen oder gar sich selbst zu beschädigen und die Wahlchancen zu verringern oder lässt man es darauf ankommen? Zitatende.

    Ich glaube, dass das die Fragestellung ist, die für die Partei, hier die SPD, eine Rolle spielt. Und wenn jetzt ein auf die Nominierung angewiesener wahrnimmt, dass es für eine kommende Wahl nicht ausreichen wird, könnte ja bereits für die nächste Wahl danach oder die Bundestagswahl geplant und gekungelt werden. Und deshalb könnte Margit Wald sich schon noch einmal durchsetzen mit der Hilfe von denen, die dann später ihre Unterstützung erwarten.
    Vor ein paar Jahren sprach mich der Ehemann einer damaligen Kandidatin für die Landtagswahl an der Tankstelle an und erklärte mir vollmundig, wenn seine Frau das schaffe für die SPD in den Landtag einzuziehen, werde er in diesem Leben nichts mehr arbeiten.
    Und, sollte sich vor der nächsten Landtagswahl in der Partei eine Pattsituationen ergeben, dann kann Margit Wild doch noch einmal ihr Hütchen in den Ring zu werfen, in tiefer Sorge um die Partei, das Mandat, das Land und was sich sonst noch so hersagen lässt, ohne rot zu werden? (Rot sind die alle ja sowieso) Und dann betroffen sein: „Ich hätte nie gedacht, dass ich Erfolg haben werde, aber jetzt werde ich versuchen mich dessen würdig zu erweisen. Ich übernehme die Verantwortung.“
    Mit dem Erfolg ist dann nur noch Besitzstandwahrung angesagt, um eine kaum zerstörbare Einkommens- und Rentensituation zu behaupten und zu pflegen mit all den in Schlangengruben verfügbaren Mitteln. Und immer der Partei und der Allgemeinheit den Eindruck vermitteln, man opfere sich auf für das Wohl des Ganzen. Aber der Schein trügt und die Wähler sind kritischer, als manche es wahrhaben wollen.

    Zitat „regensburg-digital“: In ihren offiziellen Reaktionen geben sich er und seine Co-Vorsitzende Claudia Neumaier zwar halbwegs diplomatisch, dennoch klingt deutlich durch, dass der Amtierenden-Bonus, das sogenannte Senioritätsprinzip, mit dem Wild Anspruch auf eine erneute Kandidatur erhebt, ihnen nicht ausreicht. Zitatende.

    Das Senioritätsprinzip haben die erfunden, deren Position sonst gefährdet wäre. Das bedeutet die Zementierung der Mittelmäßigkeit, auch hier. In den vergangenen Jahrzehnten haben viele, Kevin Kühnert als eine der bekannteren Personen, beschlossen Berufspolitiker zu werden und zu sein, immer nur unter der Bedingung, selbst nichts Messbares gelernt zu haben, und auf keinen Fall einen Abschluss gemacht zu haben.
    Oder es geht so, wie Margit Wild es vorgemacht hat, keine herausragende für diese Aufgabe berufliche Qualifikation zu haben, die andere Berufspolitiker erschreckt und sie die Konkurrentin wittern lässt.
    Ich formuliere so, wie ich als Wähler überlegen würde, wem ich meine Stimme gebe, wobei klar ist, dass die SPD für mich keine Rolle spielt.

    Gerecht ist das nicht immer, aber eben mein Ansatz um eine Entscheidung zu finden.

  • Karl Straube

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    Lieber Herr Kollege Herzig,
    so ganz überhaupt nichts ist die berufliche vita (ich unterstelle die Richtigkeit der Angaben) auch wieder nicht:
    “Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin
    1977 bis 1981 Erzieherin in einem evangelischen Waisenhaus in Sulzbach/Rosenberg
    1981 bis 1983 Qualifizierung zur staatlich anerkannten Heilpädagogin
    1983 bis 1986 Tätigkeit an der Sondervolksschule des Bezirkskrankenhauses Regensburg für geistig behinderte Kinder und Jugendliche
    Von 1986 bis September 2008 beschäftigt an einer schulvorbereitenden Einrichtung in Steinberg und in Wackersdorf als heilpädagogische Förderlehrerin
    seit 28.09.2008 Mitglied des Bayerischen Landtags für Regensburg”

  • joey

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    Die resolute Reinigungskraft oder der KFZ Schlosser waren mal die SPD Urgesteine, die redlich die Interessen der kleinen Leute vertreten haben. Wild ist aus der “Lehrerphase” der 68er, die nun von den Studenten in ihren Posten bedrängt wird. Nach meinem Sichtkreis sind die 68er Lehrer die Wählerschicht, welche Margit Wild als “ihre” empfinden werden. Es geht in den Seniorenheimen nicht um Inhalte, sondern nur noch um Tradition.

    Wer eine Umfrage oder Wählerstatistik hat, sollte sie hier einfügen, um mich zu bestätigen oder zu widerlegen.

  • Gscheidhaferl

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    @joey
    Sie kennen sich mit den ‘Karrieren’ im Sozialbereich offenbar nicht so gut aus? Sie hat (laut Straube) als Erzieherin durchaus auf der von Ihnen genannten ‘Urgesteinsebene’ angefangen. Sie hat sich dann als Heilpädagogin weiterqualifiziert, also etwas hochgearbeitet. Ist aber im Behindertenbereich geblieben. Den Studienrät*innen an den Regelschulen wird sie daher nur bedingt das kollegiale Wasser reichen dürfen. Aber das nur zur Präzisierung /Ergänzung. Ob der kompetente Umgang mit Behinderten in besonderer Weise zur Tätigkeit im Parlament befähigt? Angesichts der (kognitiven) Ausfälle mancher Abgeordneten läge der Verdacht nahe. Nachdem es aber aus der Parlamentszeit von Frau Wild (soweit ich das überblicke) keine besonderen Glanzleistungen anzuführen gibt, hat sie da nicht auffallend viel gerissen, oder? Hier würde ich mich durchaus gern eines Besseren belehren lassen.

  • Stefan Aigner

    |

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