MdB Werner Schieder: „Fiskalpakt ist politisch falsch, ökonomisch unsinnig und sozial ungerecht“

Zu der heutigen Abstimmung im Bundestag zum Fiskalpakt erklärt der Weidener SPD-Bundestagsabgeordnete Werner Schieder: „Ich lehne den Fiskalpakt ab, weil er politisch falsch, ökonomisch unsinnig und sozial ungerecht ist – und weil er zur Lösung der Eurokrise nicht taugt. Ich nehme die eindringlichen Warnungen vieler Ökonomen und führender Gewerkschafter, die sich besorgt an uns Bundestagsabgeordnete gewandt haben, ebenso ernst wie diesbezügliche Schreiben von Bürgerinnen und Bürgern. Deshalb stimme ich beim Fiskalpakt mit NEIN. Der Fiskalpakt verschärft deutlich die schon im Grundgesetz verankerte „Schuldenbremse“ und ist deswegen ein problematischer Eingriff in die Haushaltsautonomie von Bund und Ländern. Er bedeutet einen weiteren Schritt der Entdemokratisierung Europas: mehr Macht für die EU-Bürokratie ohne parlamentarische Gegenkontrolle. Mit dem Fiskalpakt wird der Zwang zu Ausgabenkürzungen in fast ganz Europa regelrecht institutionalisiert, die Frage gerecht organisierter Steuereinnahmen bleibt völlig ausgeklammert. Auch ich trete dafür ein, dass öffentliche Haushalte konsolidiert und zu hohe Staatsschuldenquoten wieder zurückgeführt werden. Ohne Wachstum geht das aber nicht. Der Fiskalpakt jedoch ignoriert den engen Zusammenhang von Staatsfinanzen und Konjunktur. Wenn die Wirtschaft schrumpft und der Staat auch noch drastisch kürzt, dann beschleunigt sich die wirtschaftliche Talfahrt. Meine feste Überzeugung ist: prozyklische Haushaltspolitik und an-haltende Ausgabensenkungen führen Europa geradewegs in eine lange Phase von Stagnation und Rezession. Der Fiskalpakt ist eine Wachstumsbremse! Entgegen den naiven Erwartungen der Verfechter des Fiskalpakts wird die Staatsverschuldung nicht sinken! Kurzum: Schuldenabbau geht nur anders: mit Wachstum, Investitionen, guter Arbeit und gerechten Steuern. Stattdessen wird mit dem Fiskalpakt ein Weg des Sozialabbaus, der Einschränkung öffentlicher Dienstleistungen, schlechterer Infrastruktur, darbender Kommunalfinanzen, zunehmender Armut und Ungleichheit vorgezeichnet. Und das als Kernstück europäischer Politik! Meine Vorstellung von Europa ist eine andere. Die Krise im Euroraum spitzt sich gefährlich zu. Ersichtlich ist die Merkelsche Politik gescheitert. Ihre seit mehr als zwei Jahren verordnete Therapie macht den Patienten nicht gesund, sondern kränker. Ganz Südeuropa stürzt immer mehr in den wirtschaftlichen und sozialen Ruin. Als Folge davon brechen jetzt deutsche Exporte ein, auch für Deutschland kommen die Einschläge näher. Falsche Diagnosen haben zu schädlichen Rezepten geführt. Nicht laxe Haushaltspolitik hat uns in die Krise getrieben; vor der Finanzkrise sind überall in Europa die Staatsschuldenquoten gesunken. Erst infolge der Finanzkrise und der notwendigen Rettungsmaßnehmen der Staaten gingen die Defizite in die Höhe. Dass die Anleger Staatsanleihen nicht mehr trauen, liegt nicht an unsolider Haushaltspolitik, sondern daran, dass die gemeinsame Garantie der Staatsanleihen – zusammen mit der Zentralbank, wie das in allen zivilisierten Ländern der Fall ist (!) – ausdrücklich politisch verweigert wird. Das muss sich dringend ändern. Die Währungsunion braucht eine Wachstumsperspektive. Das wird zunehmend erkannt. Doch Wachstumsplacebos, die mit künstlich aufgeblähten Zahlen kommuniziert werden, überzeugen mich nicht. Wer Wachstum will, muss die völlig überzogenen und deswegen kontraproduktiven Konsolidierungsprogramme für die Südeuropäer zeitlich strecken, damit die Ökonomien dort wieder atmen können. Und wer Wachstum will, muss – gerade weil auch Deutschland mit Niedriglohnpolitik zu erheblichen Ungleichgewichten in der Währungsunion beigetragen hat – in Deutschland dafür sorgen, dass es ordentliche Löhne und mehr Binnennachfrage gibt.“

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Kommentare (2)

  • erik

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    was interessiert euch SPD Schnulzen ob es „sozial ungerecht“ ist, bei den Hartz-Reformen war euch das doch auch scheißegal. Spätesten wenn iregenwelche Wahlen wieder vorbei sind, spielt ihr doch wieder die neoliberale bzw. Neue-Soziale-Marktwirtschaft Schallplatte ab und ihr jodelt oder summt wieder mit und so wie bei der Einführung der Hartz-Reformen unter Rot-Grün scheißt ihr nach meiner Meinung euren Wählern im übertragenen, metaphorischen Sinne damit wieder auf den Kopf .

  • Rudi

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    „erik“ genau so seh ich das auch. Vollste Zustimmung. Ganz Europa wird von den paar reichen dominiert. Die Politiker, fast ohne Ausnahme, sind doch nur noch Marionetten dieser Bagage.

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