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Kolumne

Morgen, Regensburg! Ein Misstrauensvotum ohne Konsequenzen

Fast 100 Prozent der befragten Ärzte am Uniklinkum haben so gut wie kein Vertrauen in den Vorstand, doch der bekrittelt lieber die Umfrage als sich selbst. Der frühere Betreiber der Markthalle mag es gern vulgär und nimmt in Kauf, dass Kritik daran die neuen Betreiber trifft. Und was Unkritisches: Morgen startet das QUEER-Streifen-Filmfestival.   

1. Eine Frage des Vertrauens

Das Gesprächsangebot des UKR-Vorstands an den Marburger Bund zur Personalsituation am Universitätsklinikum Regensburg scheint sich noch am selben Tag in Luft aufgelöst zu haben.

Unmittelbar vor der Pressekonferenz, auf der die Ärztegewerkschaft ihre Umfrage unter 317 Ärztinnen und Ärzten vorstellte (unser Bericht), verschickte der Vorstand eine betont sachliche Pressemitteilung. Der Tenor: Anderswo ist es mindestens genauso schlimm. Bei uns sieht es vergleichsweise gut aus. Nur weil sich Ärzte überlastet fühlen, heißt das nicht, dass wir zu wenige haben. Aber lasst uns darüber reden.

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Schon zu diesem Zeitpunkt durfte man bezweifeln, dass der UKR-Vorstand sein Gesprächsangebot ernst meinte. Warum richtete er es nicht direkt an die Ärztegewerkschaft? Warum veröffentlichte er es erst kurz vor der Pressekonferenz, obwohl die Ergebnisse schon länger vorlagen?

Auch sonst zeigte sich der UKR-Vorstand wenig kommunikativ und transparent, wenn es um den vom Ministerium angeordneten Personalabbau ging: Erst drohte er unserer Redaktion mit einem Anwalt, dann schwieg er monatelang. Schließlich lud er zu einer Pressekonferenz, bei der zentrale Fragen offenblieben.

Haben ein Vertrauensproblem: UKR-Vorstandschef Oliver Kölbl und Kaufmännische Direktorin Sabine Lange. Foto: as

Ein Konzept für den Personalabbau legte der Vorstand nicht vor. Schilderungen aus der Ärzteschaft legen vielmehr nahe, dass er planlos nach dem Gießkannenprinzip vorgeht.

Nach der Pressekonferenz schlug der UKR-Vorstand in einer zweiten Mitteilung deutlich schärfere Töne an. Mit seiner „alarmistischen Darstellung“ schüre der Marburger Bund unnötige Ängste. Die Umfrage sei „teilweise suggestiv“ formuliert.

Wenn 99 Prozent der Befragten sagen, dass sie bei einem weiteren Personalabbau negative Folgen für die Patientensicherheit erwarten, beschreibe das lediglich „eine Befürchtung und keinen nachgewiesenen Sachverhalt“. Dem Marburger Bund gehe es wohl weniger um die Patientensicherheit als um gewerkschaftliche Interessen.

Die Umfrage des Marburger Bundes kann man hier nachlesen. Natürlich vertritt eine Ärztegewerkschaft eine klare Position. Suggestive Fragen kann ich in dem Papier jedoch beim besten Willen nicht erkennen.

Als potenzieller Patient würde ich der „Befürchtung“ der Ärzte, die vor Ort arbeiten, mehr vertrauen als einem Vorstand, der sich willfährig und ohne jede Widerrede den politisch verordneten Sparzwängen beugt.

Einem Vorstand, der allen Ernstes behauptet, der Abbau von mindestens sechs Prozent der Ärzteschaft habe keinerlei Folgen für Patientenversorgung, Forschung und Lehre.

Einem Vorstand, der nach Schilderungen mehrerer Beschäftigter am UKR nicht transparent kommuniziert, gegenüber der Ärzteschaft teilweise arrogant auftritt und ihre Einschätzung mit Verweis auf Klinikrankings als unbelegte Befürchtung abtut.

Über die Antwort auf eine Frage des Marburger Bundes, die in der Berichterstattung weniger Beachtung findet, sollte sich dieser Vorstand ernsthaft Gedanken machen:

„Haben Sie Vertrauen darin, dass die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen des UKR durch die verantwortlichen Gremien und Entscheidungsträger angemessen bewältigt werden?“

95,2 Prozent der 317 Befragten antworteten, sie hätten „eher geringes“ oder „sehr geringes“ Vertrauen. Viel deutlicher kann ein Misstrauensvotum kaum ausfallen.

Vor diesem Hintergrund sollte der UKR-Vorstand zunächst seine eigene Rolle kritisch prüfen, bevor er sich an den Pressemitteilungen des Marburger Bundes abarbeitet. Vielleicht holt er sich dafür externe Berater. Dafür scheint schließlich Geld vorhanden zu sein.

2. Bullshit unter falscher Flagge

Der City’s Garden ist Geschichte. Falls Sie nicht wissen, was der City’s Garden war: Er eröffnete im März 2025 als Nachfolger der Markthalle Regensburg unter dem Parkhaus am Dachauplatz. Die Markthalle selbst war bereits seit März 2024 Geschichte.

Aber ganz ehrlich: City’s Garden oder Markthalle? Wer nimmt schon wahr, dass sich nach Schließung und Umbau nicht nur der Pächter, sondern auch der Name geändert hat? Für viele bleibt der Ort einfach die Markthalle.

Und wer erkennt dann, dass die vulgären Pöbeleien und der andere Bullshit, den der Account „Markthalle Regensburg“ in den sozialen Medien verbreitet, nichts mit den neuen Betreibern der Markthalle – pardon: des City’s Garden – zu tun haben?

Die Grünen-Abgeordnete Katrin Göring-Eckardt wird dort schon einmal als Verbrecherin bezeichnet. Die Verhandler von SPD und Grünen bei den Sondierungsgesprächen in Berlin seien „Schlampen, die bei jeder Aussicht auf einen Posten die Beine breit machen“. Das sind nur zwei Beispiele.

Hinzu kommen Videos des Schweizer Putin-Verstehers Roger Köppel und der rechtspopulistischen Plattform Nius.

Anlass des Postings: Am 23. Juli tötete ein 20-Jähriger den Leiter einer Regensburger Bankfiliale.

Natürlich kann jeder auf seinem Social-Media-Konto verbreiten, was er will. Ansichten unterscheiden sich. Das gilt auch für die Vorstellung davon, welche Wortwahl angemessen ist und welchen Medien man vertraut. Jeder kann sich dazu seinen Teil denken.

Dass der frühere Betreiber der Markthalle Regensburg solche Inhalte aber nicht nur über sein privates Konto, sondern auch unter dem Namen „Markthalle Regensburg“ verbreitet, hat etwas Schäbiges. Vor allem, wenn man ihn ausdrücklich darauf hinweist, dass seine Äußerungen den neuen Betreibern am Dachauplatz zugeschrieben werden.

Als am 23. Juli dieses Jahres ein 20-Jähriger in einer Bank im Stadtwesten den Filialleiter mit einem Messer tötete, sah sich „Markthalle Regensburg“ zu folgendem Kommentar veranlasst (sic! ):

„Ein 20 jähriger Deutscher aus Berlin der mit einem Messer in eine Bankfiliale spaziert- Na da bin ich ja gespannt wann der Kollege eingebürgert worden ist- weiter so“

Auf die Antwort „mal angepinnt, damit wir wissen, wo wir kein Geld mehr lassen“ folgte keine Klarstellung, sondern die Beschimpfung „linke Faschisten“.

Ich nehme nicht an, dass solche Verwechslungen der Grund dafür sind, dass nun auch der City’s Garden in der Markthalle am Dachauplatz gescheitert ist. Darüber werden wir noch an anderer Stelle berichten. Doch dass der frühere Betreiber der Markthalle Regensburg selbst nach einem solchen Kommentar nicht klarstellt, dass er diese falsche rassistische Mutmaßung verbreitet hat und die neuen Betreiber am Dachauplatz nichts damit zu tun haben, wirkt bewusst geschäftsschädigend.

Zumindest ist auch das Geschichte: ein Markthallen-Konzept am Dachauplatz wird es künftig nicht mehr geben.

3. QUEER-Streifen

Zum Schluss noch ein freundlicher Hinweis: Ab morgen findet im Andreasstadel wieder das Filmfestival QUEER-Streifen statt – inzwischen zum 15. Mal.

Das Programm umfasst 20 Kurz- und 14 Langfilme. Sie beschäftigen sich nicht nur mit Identität und sexueller Orientierung, sondern auch mit universellen Themen wie Liebe, Familie, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung. Mit dabei ist ein Klassiker aus dem Jahr 1999: „Aimée und Jaguar“.

Der Film erzählt die wahre, tragische Liebesgeschichte zwischen der verheirateten deutschen Hausfrau Lilly Wust („Aimée“) und Felice Schragenheim („Jaguar“), die im jüdischen Untergrund lebte. Die Geschichte spielt 1943 und 1944 in Berlin.

Das Festival richtet sich ausdrücklich nicht nur an die queere Gemeinschaft. Es wolle queere Lebensrealitäten sichtbar machen, Vorurteile abbauen und Begegnungen ermöglichen, heißt es in der Pressemitteilung zum Start.

Angesichts des aktuellen Rechtsrucks ist dieses ehrenamtlich organisierte Festival unter der Federführung von Michel Devriendt und Sebastian Mancuso wichtiger denn je.

Hier geht es zum Programm.

Entspannte Restwoche!

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