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Kolumne

Morgen, Regensburg! Wahlkampftheater im Bauturbo-Modus

Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand, heißt es. Doch was ist, wenn man jemand verklagt, der Gott auf seiner Seite wähnt? Auf der Seite des Staatstheaters Regensburg steht die CSU-Staatsregierung – jetzt wieder, kurz vor der Kommunalwahl. Und im Wahlkampf hat die CSU gerade zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

1. Gut, dass Jesus das nicht mehr erleben muss

Ratlosigkeit vor Sitzungssaal 12 am Landgericht Regensburg. Der Kläger und sein Rechtsanwalt sind da. Ein knappes Dutzend Besucher, darunter Medienvertreter bis hin zur SZ, sind ebenfalls anwesend. Doch ein Vertreter des Bistums Regensburg fehlt. Noch schlimmer: Die Richterin ist auch nicht da. An der Pforte weiß niemand Bescheid.

An diesem Donnerstag hätte die Schadenersatzklage des früheren Domspatzen Matthias Podszus gegen die katholische Kirche verhandelt werden sollen. Es geht um Gewalt, Demütigung und sexuellen Missbrauch an der Domspatzenvorschule in Pielenhofen. Im Zentrum steht der langjährige Schulleiter und Sadist Johann Meier.

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Die Frage ist, ob das Bistum Regensburg mit einer Anerkennungsleistung von 50.000 Euro davonkommt, ob es die Verantwortung auf die Schule abwälzen kann – man bestreitet die Zuständigkeit – oder ob das Argument der Verjährung greift. Wir haben mehrfach und ausführlich darüber berichtet.

Matthias Podszus mit seinem Rechtsanwalt Sven Markuske. Foto: as

Seit drei Jahren wartet Matthias Podszus (43) auf Antworten. Erst versuchte er es gütlich, nun klagt er. Und er muss weiter warten. Die Anwältin des Bistums sei erkrankt, heißt es nach einer halben Stunde. Podszus und sein Anwalt wurden darüber nicht informiert. Pech gehabt.

Er muss zurück nach Fürth reisen. Nächste Woche werde voraussichtlich verhandelt, heißt es zunächst. Man merkt ihm an, dass ihn die lange Dauer der Auseinandersetzung und die kompromisslose Haltung des Bistums belastet. Auch, dass die Kirche seine Glaubwürdigkeit in Frage stellt. Äußerlich gibt sich Podszus aber gelassen. „Ich habe jetzt drei Jahre gewartet, da kann ich auch noch einmal sieben Tage warten“, sagt er.

Wenig später erfährt Podszus: Nächste Woche geht es nicht. Die Bistumsanwältin weilt in Urlaub. Der Termin verschiebt sich mindestens bis 26. März. Vielleicht noch später. Ein Schlag in die Magengrube. Ich wünsche Matthias Podszus gutes Durchhaltevermögen – und anderen Verfahrensbeteiligten einen Hauch Empathie.

2. Wahlkampftheater

Zunächst einmal sollte man es positiv sehen. Nach langer Ungewissheit hat die bayerische Staatsregierung ihre fast drei Jahre alte Ankündigung nun umgesetzt: Am 8. Mai wird das Stadttheater Regensburg offiziell zum Staatstheater ernannt. Damit fließen auch die lange erwarteten Fördermittel.

Ende April 2023 hatte Ministerpräsident Markus Söder eine Presskonferenz anberaumt und dieses „Upgrade des Theaters Regensburg“ zum siebten bayerischen Staatstheater versprochen. Just während des Landtagswahlkampfs. Doch aus der versprochenen „Rekordgeschwindigkeit“, die Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume dann im August desselben Jahres, einen Monat vor der Wahl, versprach, wurde nichts.

Beim Fototermin im April 2023 war bereits durchgängig vom “neuen Staatstheater Regensburg” die Rede. Jetzt kommt es endlich. Im Bild: (v.l.): Dr. Matthias Schloderer (Kaufmännischer Direktor, Theater Regensburg), Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume, Ministerpräsident Markus Söder, Finanzminister Albert Füracker, Intendant Sebastian Ritschel und Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Foto: pm/Tom Neumeier Leather)

Zuletzt stand die versprochene Förderung durch den Freistaat – eine Fifty-Fifty-Finanzierung zusammen mit der Stadt – ausdrücklich unter Haushaltsvorbehalt. Für die Leitung des Theaters machte das die Planung der aktuellen Saison, die unter dem Fokus Staatstheater stehen sollte, mehr als schwierig. Es fehlte Geld für geplante Stellenbesetzungen und Veranstaltungen.

Auch wenn man sich mit offiziellen Aussagen zurückhielt, fielen hinter vorgehaltener Hand Worte wie „Katastrophe“ oder „Sauerei“.

Doch in einer Pressemitteilung vom heutigen Mittwoch verkündet Kunstminister Blume stolz: „Nun heißt es am 8. Mai 2026: ‚Vorhang auf für das neue Staatstheater Regensburg‘!“ Bravo! Toll! Regensburg freut sich!

Der Termin ist in zweierlei Hinsicht passend gewählt. Zum einen beginnen am 8. Mai die 40. Bayerischen Theatertage. Zum anderen treten am 1. Mai ein neues Stadtoberhaupt und ein neuer Stadtrat ihr Amt an.

In München wacht man mit Argusaugen darüber, ob Astrid Freudenstein die viertgrößte Stadt in Bayern wieder für die CSU zurückerobern kann. Sie gilt als klare Favoritin. Dass sie dann als neue Oberbürgermeisterin die Ehren zum Staatstheater in Empfang nehmen könnte und gleiche einen spektakulären Auftritt ins neue Amt feiern könnte – das ist sicher Zufall.

3. Zwei Fliegen mit einer Klappe

Dass etwas unternommen werden muss, um den Wohnungsbau in Regensburg wieder anzukurbeln, darüber sind sich vermutlich alle in der Stadtgesellschaft einig. Ob es aber richtig war, die Vorlage von Planungsreferent Florian Plajer zur Umsetzung des Bauturbo in den wesentlichen Punkten vom Tisch zu wischen und stattdessen weitreichendere Lockerungen zu beschließen, darüber lässt sich streiten.

Es ist ein klares Misstrauensvotum von CSU, SPD, FDP, Brücke, Freien Wählern und CSB gegen den Planungsreferenten. Plajer wäre der geborene Experte dafür, wie Stadt und Stadtverwaltung den Bauturbo am besten umsetzen können. Außerdem liest sich der Änderungsantrag so, als wäre er einigen Stadträten von einem Bauträger in den Block diktiert worden.

Nicht allein deshalb, weil die Grenze, ab der städtebauliche Verpflichtungen greifen, von 2.500 auf 7.000 Quadratmeter erhöht wurde. Sondern vor allem, weil der Begriff „Geschossfläche“, allgemein üblich bei entsprechenden Beschlussvorlagen und Jargon der Stadtverwaltung, durch „Nettogeschossfläche“ ersetzt wurde.

Ein Bild aus glücklichen Tagen. Spatenstich am Alten Schlachthof im Juli 2013. Foto: pm

Bei aller Anerkennung der Kompetenz von Stadträten: Da kommen die nicht von selbst drauf. Das hat ein anderer interessierter Beteiligter formuliert, der noch ein paar Quadratmeter mehr herausholen wollte.

Die Geschossfläche umfasst als Bruttowert die gesamte Grundfläche eines Gebäudes inklusive Außen- und Innenwände. Die Nettogeschossfläche bezieht sich nur auf die tatsächlich nutzbare Fläche – Wände, Stützen und Schächte werden abgezogen.

Kurz gesagt macht der Unterschied zwischen Geschossfläche und Nettogeschossfläche zwischen 15 und 20 Prozent aus.

Anders ausgedrückt: Die Grenze für automatische städtebauliche Verpflichtungen wurde nicht um das fast Dreifache nach oben gesetzt, wie es die Quadratmeterzahlen suggerieren, sondern um das Vierfache. Das wird durch die Verwendung des unüblichen Begriffs „Nettogeschossfläche“ verschleiert. Für den Laien ist diese Vervierfachung nicht erkennbar.

Ungewöhnlich ist auch, dass die Vorlage des Planungsreferenten zum Baulandmodell von der Tagesordnung genommen wurde, weil den Exponenten von CSU, SPD, FDP, Freien Wählern und Brücke laut eigener Aussage die Zeit fehlte, um sich darüber zu beraten.

Zur weitaus umfangreicheren Vorlage zum Bauturbo aber schaffte man es in derselben Zeit, einen ausführlichen und detaillierten Änderungsantrag zu präsentieren. Glaubwürdig ist das nicht.

Meine These: Die CSU hatte diese Vorlage zum Bauturbo schon länger vorbereitet, die anderen Parteien haben sich dem im Wesentlichen einfach angeschlossen – weil es jemand anders besser weiß als der Planungsreferent, der gute Miene zum bösen Spiel machen musste.

Ob man das jetzt gleich als „Kniefall vor Bauträgern“ bezeichnen muss, wie die Grünen, sei dahingestellt. Fest steht aber, dass sich insbesondere SPD und Brücke im Wahlkampf ein ordentliches Ei gelegt haben.

Kritik und Skepsis kommt unter anderem vom DGB, dem Forum gegen Armut, den Regensburger Eltern und dem Bund Naturschutz. Sie rufen zusammen mit anderen Organisationen und Parteien für den morgigen Freitag zu einer Kundgebung vor dem Alten Rathaus gegen die Lockerungen beim Bauturbo auf.

Die CSU dürfte Protest von dieser Seite eher gelassen sehen. Es geht um Wählerklientel von SPD und/oder Brücke, das da auf die Barrikaden geht. Insofern hat die CSU mit ihrem Änderungsantrag gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Entspannte Restwoche!

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Kommentare (1)

  • Robert Fischer ÖDP

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    Der Protest gegen den “Abriss sozialer Baustandards” findet übrigens um 16:30 Uhr (am morgigen Freitag, beim Alten Rathaus) statt.

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