Lokaler Imbiss-Betreiber im Visier?

NSU in Regensburg? Generalbundesanwalt weiß seit langem Bescheid

Ein kurdischer Geschäftsmann will die mutmaßliche Mörderin Beate Zschäpe mehrfach in seinem Imbiss gesehen haben. Die Bundesanwaltschaft will die seit langem bekannten Hinweise nicht bewerten. Die Untersuchungsausschüsse in Bundes- und Landtag erfuhren davon erst vergangene Woche. Suchte die NSU in Regensburg nach möglichen Opfern? Der Inhaber des Zara-Grills in der Regensburger Altstadt bestätigte am Freitag gegenüber der Mittelbayerische Zeitung, dass er Beate Zschäpe im Jahr 2011 mindestens drei Mal in seinem Lokal gesehen haben will. „Sie war zwei oder drei Mal da. Sie hat mich so sehr gemustert wie nie ein Mensch zuvor“, so der 45jährige Basel Bülent zur MZ.

Mehrere Vernehmungen bei der Kripo

Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds im November 2011 hatte Bülent sich an die Regensburger Kriminalpolizei gewandt. „Ich habe die Frau auf den Fotos in der Zeitung wiedererkannt und die Polizei angerufen“, sagt Bülent. Dort nahm man den Vorfall offenbar sehr ernst. Wie man uns bei der Regensburger Kriminalpolizei bestätigt, habe es mehrere Vernehmungen gegeben, auch durch einen Ermittlungsbeamten aus Nürnberg, der Bülent Fotos vorgelegt habe. „Ich täusche mich nicht. Es müsste schon eine Doppelgängerin gewesen sein“, so Bülent.

Bundesanwaltschaft bestätigt Aussage schon im Februar 2012

Der Generalbundesanwaltschaft, die die NSU-Ermittlungen federführend leitet, liegen Bülents Aussagen seitdem vor. Das bestätigte uns ein Sprecher der Behörde bereits im Februar 2012. Für wie glaubwürdig man diese Aussagen hält, könne man allerdings nicht sagen. Es gebe „weit über 1.000 Hinweise aus der Bevölkerung“, denen man nachgehe. Der NSU-Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag erfuhr von der möglichen Anwesenheit Zschäpes in Regensburg erst durch einen Pressetermin vergangene Woche in Regensburg. Im Rahmen eines Gesprächs der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder (SPD) mit dem Bündnis „Keine Bedienung für Nazis“ erzählte Sprecher Ludwig Simek von Bülents Beobachtungen. Der Zara-Wirt hatte Simek letzten November „eher nebenbei“ von Zschäpes mutmaßlichen Besuchen in seinem Lokal erzählt. Am 17. April beginnt in München der Prozess gegen Beate Zschäpe. Sie soll zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt zwischen 2011 und 2007 mindestens zehn Menschen ermordet haben.

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Kommentare (2)

  • Twix Raider

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    Keine Wertung? Ganze 3 Sichtungen mit Erinnerungswert sind nicht wahrscheinlich genug, um mit dem bekannten Bewegungsprofil abgeglichen zu werden? Was erwarten die, Überwachungsvideos, in den die NSU ihre Ausweise in die Kamera hält? Na, so kann Nick Tschiller auch ermitteln…

  • Veronika

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    @Twix Raider: Richtig! Aber immer bedenken: Freistaat Bayern, in bestimmten Kreisen erz(konservativ) katholisch. Da hat meine seine liebe Not, alles ins Lot zu bringen! Hätte mich auch gewundert, wenn die NSU nicht auch in der Oberpfalz aufgetaucht wäre.

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