Die Königstreuen sehen Beckstein doppelt

Das Starkbierfest der Königstreuen wird für die Gebrüder Beckstein langsam aber sicher ein regelmäßiger Termin. Schon 2005 waren Günther Beckstein und sein Bruder Hellmut zur Feierlichkeit der trinkfesten Kini-Fans geladen.	Foto: Staudinger Da hat Erwin Huber keine Chance: Die Becksteins kommen heut im Doppelpack. „Zuerst muss man vielleicht zu einer Trauerfeier und nachher zu was Lustigem”, meint Dr. Beckstein gestern abend am Telefon. Sein Bruder kann ihm ein Lied davon singen – wenn er ihn denn mal trifft. Das ist heute abend der Fall: Dann treffen sich Günther und Hellmut Beckstein im Leeren Beutel. Der eine ist Wirtschaftsberater und wohnt in Bad Abbach, der andere ist Bayerischer Ministerpräsident und dürfte sich – im Verbund mit Erwin Huber – darüber freuen, dass man endlich wieder mal zu einem lustigen Termin geladen wurde. In der CSU gab es in letzter Zeit viele Trauerfeiern – Rauchverbot, Transrapid, miese Kommunalwahlergebnisse – und die Affäre bei der Bayerischen Landesbank könnte sich für Erwin Huber noch zur eigenen – politischen – Beerdigung auswachsen. Mittlerweile ist von 4,3 Milliarden Euro Verlust bei Immobilienspekulationen die Rede. Wieviel die Steuerzahler letztlich berappen müssen, steht freilich noch in den Sternen. Als Finanzminister und Mitglied des Kontrollorgans der BayernLB – dem Aufsichtsrat – steht CSU-Chef Huber unter Druck. Es gab schon Ärger mit Günther Beckstein. Die Opposition fordert lautstark seinen Rücktritt und vor der gestrigen CSU-Klausur mussten Beckstein und Huber auch noch Putsch-Gerüchte dementieren. Doch heute abend – im Leeren Beutel zu Regensburg – ist das kein Thema. Immerhin haben die Regensburger Königstreuen Erwin Huber und Günther Beckstein eingeladen und die stehen seit den 20 Jahren ihres Bestehens in einer Treue zur CSU wie es für ganz Bayern wohl nur noch Franz Josef Strauß – Gott selig – erleben durfte. Der Wanderpokal der König-Ludwig-Fans – die Salvatorkette – ist seit Anbeginn fest in christsozialen Händen. Heute abend gibt’s Ketten, Bier – und Gesprächsbedarf? Fest hinter der CSU stehen die Regensburger Königstreuen: Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, Oberbürgermeister Hans Schaidinger und zuletzt Erwin Huber waren schon Träger der alljährlich verliehenen Salvatorkette. Ebenso fest stehen die trinkfesten Mitglieder des gemeinnützigen Vereins um ihren Vorsitzenden, den Hofmann Toni, aber auch hinter den bayerischen Königen aus dem Hause Wittelsbach.
Hans Schaidinger – Salvatorketten-Träger 2005 – mit seinem damaligen Laudator Günther Beckstein.	Fotos: StaudingerSo schön kann Bayern sein: Der letztjährige Preisträger Erwin Huber mit dem Königstreuen-Kini Anton Hofmann.War – standesgemäß – der erste Träger der Salvatorkette: Der CSU-Abgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld.
„Dies gilt ganz besonders für König Ludwig II, der für uns nicht nur ein Märchenkönig ist, sondern durchaus in seiner realen geschichtlichen Bedeutung als König, der immer den Frieden im Inneren und Äußeren angestrebt hat, in das allgemeine Bewußtsein gerückt werden soll”, heißt es auf ihrer Homepage. Der „Kini” sei deshalb als Vorbild „brauchbar”, heißt es weiter. Dass Monarchie und Demokratie durchaus zusammenpassen, hat schon Franz Josef Strauß bewiesen, den die Königstreuen mit den Worten zitieren: „Ihr braucht keinen König, ihr habt doch mich.” Dem aktuellen Ministerpräsidenten, der sich wahrscheinlich mit ein bisserl Wehmut an die Zeit des just in Regensburg verstorbenen Strauß zurückerinnern dürfte, wird nun heute abend die Ehre zuteil, das traditionsreiche Schmuckstück der Königstreuen entgegennehmen zu dürfen. Günther Beckstein empfängt die Salvatorkette von seinem Tandem-Partner Erwin Huber. Nach der Verleihung hofft ein anderer Beckstein, Günthers älterer Bruder Hellmut, „dass wir uns noch ein paar Minuten unterhalten können”. Die beiden pflegen „ein sehr gutes Verhältnis”. Aber persönlich sieht man sich immer seltener, seit der Jüngere es zum Landesvater gebracht hat. Da werden solche Termine auch zum Familientreff genutzt. Während die Gebrüder plauschen, kann sich Erwin Huber unterdessen mit Hans Schaidinger und Peter Welnhofer zusammensetzen. Der eine, Schaidinger, sitzt ebenso wie Huber und viele Parteifreunde im Aufsichtsrat der BayernLB, der als Kontrollinstanz jäh versagte und dem Steuerzahler Milliardenverluste bescherte. Ohnehin ist dieser Aufsichtsrat eine Hochburg der CSU. Der andere, Welnhofer, wurde als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses eingesetzt, der die Affäre prüfen, Versäumnisse und Verantwortliche benennen soll. Dann muss am Ende der Untersuchungen vielleicht gar keine Trauerfeier stehen. Vielleicht lässt sich im Verbund mit dem CSU-Parteichef auch der Machtkampf in Regensburg endlich klären. Es muss endlich jemand rasiert werden. Hellmut Beckstein jedenfalls hofft für den heutigen Abend auf eine „nette Veranstaltung”. Los geht’s um 17 Uhr. Beckstein und Huber haben sich für 20 Uhr angekündigt. Daneben zahlreiche Medien. Wenn das der Kini noch erleben hätte dürfen.

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