Offener Brief zum studentischen Wohnen in Regensburg

Sehr geehrte Damen und Herren, mit Besorgnis müssen wir die zunehmende Verknappung von bezahlbarem Wohnraum für Studierende, Schüler und Auszubildende feststellen. Verstärkt durch den doppelten Abiturjahrgang wird das wahre Ausmaß der in den vergangenen Jahre betriebenen Baupolitik sichtbar. Neben vielen untergeordneten Kritikpunkten sehen wir vorallem zwei grundlegende Probleme: Die stetig voranschreitende Gentrifizierung und die zunehmende Privatisierung studentischen Wohnraums. Beides lässt sich anhand der Entwicklungen der letzten Jahre deutlich aufzeigen. So gibt es beispielsweise durch immer häufiger vorgenommene Luxussanierungen immer weniger erschwinglichen Wohnraum im Stadtzentrum. Unter dem Vorwand oft überfälliger Erneuerungs- und Instandhaltungsarbeiten wird Mietern gekündigt; im Anschluss erhöht sich der Mietpreis so drastisch, dass er nur noch für Personen aus finanziell besser gestellten Kreisen bezahlbar ist. Auch die Erschließeung neuer Wohnräume wirkt der Gentrifizierung nicht entgegen – im Gegenteil: In vielen Stadtteilen werden statt kostengünstiger Mietwohnungen teure Eigentumswohnungen errichtet. In Anbetracht dieser Tatsache halten wir es für unentschuldbar, sich wider besseren Wissens dem Einsatz für Erhaltungssatzungen zu verweigern und der voranschreitenden Verdrängung einkommensschwacher Schichten freien Lauf zu lassen. Obwohl die Stadt München hier mit gutem Beispiel vorangeht und entschieden auf der Forderung an die Staatsregierung beharrt, ein Vetorecht der Kommune bei geplanten Umwandlungen von Miet- in teure Eigentumswohnungen einzuführen – ein Prinzip, das in Hamburg schon seit längerem problemlos funktioniert -, lehnte der Planungsausschuss des Stadtrates den freiwilligen Genehmigungsvorbehalt entschieden ab. Neben der Gentrifizierung ist die Privatisierung studentischen Wohnraums ein weiteres Problem: Die Studentenwerke, die ehemals mit dem Ziel gegründet wurden, die sozialstaatliche Daseinsvorsorge von Studierenden zu gewährleisten, können auf Grund staatlicher Kürzungen kaum noch mit privaten Investoren konkurrieren. Dies führt vor allem in Regensburg dazu, dass Wohnraum für Studierende zunehmend unbezahlbar wird. Mietpreise, die mehr als 60% des BAföG-Höchstsatzes betragen, sind in privatwirtschaftlichen Studierendenheimen an der Tagesordnung und nur für besser situierte Studierende tragbar. Angesichts dieser äußerst besorgniserregenden Entwicklungen bitten wir Sie, sich für den Erhalt und den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum einzusetzen. Dazu zählt, dass Sie – sich bei der Staatsregierung für eine Erhaltungssatzung auf kommunaler Ebene einsetzen – der ausufernden Privatisierung studentischer Wohnanlagen Einhalt gebieten – das Studentenwerk bei der Umsetzung von Wohnheimsprojekten unterstützen Mit freundlichen Grüßen, Der studentische Konvent der Universität Regensburg, Der Sprecherinnen- und Sprecherrat der Universität Regensburg

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Kommentare (1)

  • Rudi M

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    Der Herr Student beschwert sich wegen der Gentrifizierung. Ich brech mir einen ab.

    Diejenigen die Mitschuld haben, dass die alte (gesunde) Altstadtstruktur nicht mehr stimmt jammern am meisten.

    Die Studenten überziehen überproportional mit Wohngemeinschaften (früher bekannt als Kommunen) die noch günstigen Altstadtwohnungen und zahlen pro Zimmer hohe Preise (Altstadt ist Hip). Ein Vermieter kann damit ein Mehrfaches verdienen, als bei der Wohnungsvermietung an einen Normalbürger. Die normal verdienenden Familien werden dadurch an den Rand der Städte oder aufs Land gedrängt. Wenn nach dem Studium der Herr Diplom oder Herr Doktor seinen hoch bezahlten Arbeitsplatz hat, sitzt er wieder in der Altstadt-Eigentumswohnung. Das ist Gentrifizierung.

    Aber man kann ja auch davon ablenken, indem man sich regelmäßig über das grölende Prekariat oder Hundehäufchen beschwert.

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