Vergewaltigungsopfer soll abgeschoben werden

Nach der unsäglichen Hetze gegen Sinti und Roma aus den Balkanstaaten, scheint die Rechnung des Bundesinnenministers Friedrich aufgegangen zu sein. Seit Oktober arbeiten die Behörden die Anträge von Sinti u. Roma aus den Balkanstaaten vorrangig im Eilverfahren ab. Bisher wurde nicht ein einziger Antrag positiv beschieden. Ob hier allerdings mit der gebotenen Sorgfalt vorgegangen wird, muss bezweifelt werden. So wurde z.B. einer Roma-Familie aus dem Kosovo nahegelegt, freiwillig auszureisen, da sie angeblich keine Chance auf Anerkennung haben. Die Roma-Frau wurde von Albanern vergewaltigt, die in ihr Haus eindrangen, während ihr Mann und ihr Bruder gemeinsam auf dem Weg in die Stadt waren. Nach der Tat wurde ihr gedroht, sollte sie jemandem etwas darüber erzählen, würde man sie und ihren kleinen Sohn umbringen. Ihr Bruder kehrte zurück und fand seine Schwester auf dem Boden liegend vor. Er und ihr Mann waren unterwegs überfallen worden, wobei ihr Bruder schwere Kopfverletzungen erlitt und ihr Mann entführt wurde. Der Bruder kann sich nur lückenhaft, wenn überhaupt, an die Tat erinnern. Bis heute ist nicht klar, was mit ihrem Mann passierte. Er ist nie wieder aufgetaucht. Bei einer möglichen Rückkehr in den Kosovo wären sie ihren Peinigern erneut ausgesetzt. In der Tat wäre ihr Leben in Gefahr. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte den Antrag mit der Begründung ab, es gebe widersprüchliche Angaben zum Tatgeschehen. Kein Wunder, denn beide sind schwer traumatisiert, haben erhebliche Erinnerungslücken und können selbst nach Monaten einem normalen Gespräch nicht folgen. Hinzu kommt, dass vergewaltigte Frauen im Kosovo, aber auch in Serbien über die Tat nicht sprechen können. Es ist ein absolutes Tabuthema. Die Frauen erhalten keine Gelegenheit, das schreckliche Ereignis aufzuarbeiten. Sie müssen alleine damit fertig werden. Eine Anzeige bei der Polizei ist auszuschließen, weil solche Taten gegenüber Roma und Sinti – Frauen nicht nachgegangen wird. Der Fall einer Inderin, die von mehreren Männern in einem Bus brutal vergewaltigt wurde und dies mit dem Tod bezahlte, hat weltweit Bestürzung ausgelöst. Vergewaltigungen werden in Indien nicht geahndet. Geahndet werden sie aber auch nicht in den Balkanstaaten. Die Roma und Sinti – Frauen im Kosovo müssen Angst haben, als diskriminierte und verfolgte Gruppe eine solche Tat bei der albanischen Polizei zur Anzeige zu bringen. Hier in Deutschland werden sie, ohne ihnen ausreichende psychologische und medizinische Unterstützung anzubieten, in ein Flüchtlingslager verfrachtet. Die betroffene Frau traut sich kaum aus ihrem Zimmer in der Asylunterkunft . Sie und ihr Bruder sind völlig desorientiert, haben Schlafstörungen, sind von Angst gezeichnet und wollen selbst ärztliche Hilfe nicht annehmen, aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird und dass man diese Informationen an andere Stellen weiterleiten könnte. Der Asylantrag wurde abgelehnt, das heißt, dass sie in Kürze mit der Abschiebung rechnen müssen. 3 Familien aus Regensburg, die uns bekannt sind, sollen in den Kosovo oder nach Serbien abgeschoben werden. In Serbien, Mazedonien und im Kosovo sind gerade Roma und Sinti rassistischer Diskriminierung ausgesetzt. Der Staat selbst bietet hier keinen wirksamen Schutz. Die extreme Diskriminierung führt dazu, dass viele Betroffene in kaum beheizbaren Behelfssiedlungen leben müssen und ihnen Obdachlosigkeit droht. Im Winter verschärft sich ihre Lebenssituation dramatisch. Schleswig-Holstein, Thüringen und Rheinland-Pfalz haben einen Winterabschiebestopp für besonders schutzbedürftige Asylsuchende erlassen. Mit Abschiebungen in die jeweiligen Herkunftsländer ist das Problem nicht gelöst. Wir fordern die Politik und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf, trotz des Rücknahmeabkommens von 2010 mit der kosovarischen Regierung die Realität der anhaltenden Gefährdung von Angehörigen der Roma und Sinti im Kosovo anzuerkennen und entsprechend Abschiebungen dieser Gruppe auszusetzen. Wir fordern, die geplanten Abschiebungen insgesamt zu stoppen und stattdessen vernünftige Programme für eine Integration dieser Menschen aufzulegen und an einer Lösung zu arbeiten, die diesen Menschen eine angstfreie Lebensperspektive eröffnet.

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