„Anschläge auf kritische Infrastruktur“: Nach Brandstiftung in Regensburg ermittelt die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus
Zwei Brandanschläge in Regensburg und Pentling verliefen glimpflich. Doch sie reihen sich ein in eine Serie von Anschlägen gegen kritische Infrastruktur.

Beim Uniper-Kraftwerk am Pfaffensteiner Wehr brannte ein Kabelschacht. Foto: Archiv/wr
Nach einer gescheiterten Brandstiftung an einem Strommast bei Pentling und einem Kabelbrand in einem Lüftungsschacht am Wasserkraftwerk Regensburg in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni haben sich die Behörden festgelegt: Sie gehen von gezielten Anschlägen auf kritische Infrastruktur aus.
Das Bayerische Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft in München haben die Ermittlungen übernommen. Der Verdacht lautet: Vorbereitung einer terroristischen Straftat.
Taucher finden Laptop
Am gestrigen Dienstag setzte das LKA Taucher ein, um den Tatort am Pfaffensteiner Wehr genauer zu untersuchen. Dabei sollen sie einen Laptop gefunden haben. Ob er mit der Tat zu tun hat, ist unklar. Außerdem bargen sie ein gut 20 Jahre altes Moped.
In dem Lüftungsschacht einer Unterführung am Pfaffensteiner Wehr waren am 8. Juni mehrere Kabel in Brand gesetzt worden. Die Kabel wurden vollständig zerstört oder beschädigt. Den Schaden beziffert die Polizei auf 30.000 Euro.
Größere Stromausfälle gab es nicht
Die Folgen blieben dennoch überschaubar. Die Berufsfeuerwehr löschte den Brand rasch. Die Funktion des Wehrs selbst wurde nicht beeinträchtigt. Allerdings fiel eine Kamera an der Schleuse in Bad Abbach aus. Deshalb mussten die Schiffe dort kurzzeitig auf Sicht navigieren. Zu einem größeren Stromausfall kam es nicht.
In Pentling hatten Unbekannte einen Brandsatz an einem Strommast angebracht. Er habe auch gezündet, so die Polizei. Zu einem Feuer sei es aber nicht gekommen. Die aufeinander gestapelten Reifen gingen demnach von selbst wieder aus.
Zusammenhänge mit vergleichbaren Taten?
Weil es sich um Anschläge auf kritische Infrastruktur handelt, wurde auch die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus eingeschaltet. Geprüft wird, ob es Zusammenhänge mit vergleichbaren Taten gibt.
Ebenfalls in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni gab es eine mutmaßliche Brandstiftung in einem Umspannwerk im baden-württembergischen Reutlingen. In 7.600 Haushalten fiel der Strom aus. Auch Ampeln funktionierten zeitweise nicht mehr.
In der Nacht zum Pfingstmontag setzten Unbekannte zwei Strommasten bei Garching in Brand. Dort fiel in 15.000 Haushalten kurzzeitig der Strom aus.
Jahrelange Serie von Anschlägen im Großraum München
Die Brandstiftungen fügen sich in eine Serie von Anschlägen ein, die es in den vergangenen Jahren vor allem rund um München gab. Ein Bericht der Süddeutschen Zeitung spricht von 50 Fällen in den vergangenen neun Jahren. Der Gesamtschaden liegt bei 25 Millionen Euro. In 13 Fällen standen, wie am Wehr in Regensburg, Kabelschächte in Flammen.
Die Ermittlungen gehen laut den Recherchen der Süddeutschen Zeitung in zwei Richtungen.
Anarcho-Primitivisten und hybride Kriegsführung
Die eine Spur führt zu sogenannten Anarcho-Primitivisten. Nach Angaben des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz handelt es sich um eine Gruppe von 40 bis 50 Personen, die alle staatlichen Strukturen ablehnt und aus dieser Haltung heraus auch Infrastruktur als staatliches Machtmittel ablehnt. Die Staatsanwaltschaft hat ein mutmaßliches Mitglied dieser Gruppe, einen 32-Jährigen, wegen dreier Anschläge vor dem Landgericht München angeklagt.
Der zweite Verdacht lautet: hybride Kriegsführung durch sogenannte „Wegwerfagenten“ im Dienste Putins.
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