„Haushaltsentlastung auf Kosten der Behandlungsqualität“: Aktionsbündnis zutiefst besorgt über Stellenabbau am Uniklinikum Regensburg
Die Debatte um die Streichung von bis zu 64 Arztstellen am Universitätsklinikum Regensburg verschärft sich weiter. Das Bündnis „Schluss mit dem Kliniksterben in Bayern“ sieht darin erste Auswirkungen der geplanten Krankenhausreform.

Die Kritik am Stellenabbau am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) reißt nicht ab. Nach dem Marburger Bund meldet sich nun auch die 2021 gegründete Aktionsgruppe „Schluss mit dem Kliniksterben in Bayern“ zu Wort.
Über die Streichung von bis zu 64 Arztstellen am UKR zeigt sich die Initiative „zutiefst besorgt“. Sie sieht darin ein Symptom der wachsenden wirtschaftlichen Belastungen von Krankenhäusern. Zugleich erhebt die Aktionsgruppe Grundsatzvorwürfe gegen die Krankenhausreform und das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz.
„Krankenhausreform lässt Großkliniken absaufen“
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken habe der Bevölkerung mit der Krankenhausreform hin zu Großkliniken eine vermeintlich bessere Behandlungsqualität versprochen. Doch das geplante Gesetz mit jährlichen Mindereinnahmen von 4,6 Milliarden Euro lasse ausgerechnet diese Großkliniken wirtschaftlich „absaufen“.
Die Stellenstreichung am UKR offenbare das eigentliche Ziel der Krankenhausreform: die Entlastung der Haushalte von Bund, Ländern und Krankenkassen – auf Kosten der Behandlungsqualität. Zu befürchten seien auch längere Wege für Patientinnen und Patienten. Klinikträger, die bereits Strukturveränderungen umgesetzt haben, würden nach Einschätzung der Initiative nicht in ausreichendem Maße finanziell entlastet.
„Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau finanzierbar“
Die Debatte um den Stellenabbau in Regensburg nutzt das Aktionsbündnis für eine grundsätzliche Kritik an der Finanzierung des Gesundheitswesens. Es widerspricht entschieden der Darstellung der Bundesregierung, das bestehende System sei langfristig nicht mehr finanzierbar.
Die deutsche Gesundheitsversorgung sei auf hohem Niveau finanzierbar, wenn gleiche prozentuale Beitragszahlungen in die Krankenkassen gelten – auch für Millionäre und Milliardäre. Zudem fordert das Aktionsbündnis, alle gesetzlichen und privaten Krankenkassen durch eine Bürgerkrankenversicherung zu ersetzen und das extrem verwaltungsintensive Fallpauschalensystem in Krankenhäusern abzuschaffen.
Auf den 50 Milliarden Euro schweren Transformationsfonds, den die Bundesregierung flankierend zur Krankenhausreform auflegen will, solle man verzichten. Er sei „in Wirklichkeit ein Krankenhausschließungsfonds“.
Reformpläne sorgen für vielfältige Proteste
Das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz und die Krankenhausreform sorgen seit Wochen für Kritik. Kommunale Träger, Krankenhausgesellschaften und Klinikverbünde warnen vor den Folgen.
In Regensburg protestierten Mitte Mai Beschäftigte von medbo und Universitätsklinikum. Die Reform sei „Sparpolitik auf dem Rücken der Pflege und der Gesundheit“, hieß es.
Am 21. Mai demonstrierten rund 300 Menschen gegen die geplanten Auswirkungen der Reform auf die Psychotherapie – niedrigere Stundensätze und Begrenzung der Patientenzahlen. Von einem „Wartezeitverlängerungsgesetz“ für Menschen, die auf einen Therapieplatz angewiesen sind, war die Rede. Bereits jetzt wartet man durchschnittlich 108 Tage.
Kritik kommt auch von der Gewerkschaft NGG.
Umstrittenes Beratungsunternehmen begleitete Krankenhausreform
Maßgeblich begleitet wurde die Krankenhausreform von der Bayreuther Oberender AG. Es sollte im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Folgenabschätzung vornehmen. Das Beratungsunternehmen steht immer wieder in der Kritik.
In der Region scheiterte Oberender als Berater des Krankenhauses Kelheim. Die versprochenen Zukunftspläne dort wurden in zentralen Punkten nicht umgesetzt. Das Mandat wurde aufgrund mangelnden Vertrauens vorzeitig beendet. Bundesweit gab es ähnlich gelagerte Fälle.
Stellenabbau am UKR schon länger geplant
Das Bekanntwerden der Kürzungspläne am UKR dürfte die Diskussion um die Krankenhausreform weiter befeuern. Geplant ist der Stellenabbau offenbar seit Längerem. Die Streichung von 64 Vollzeitstellen bei Ärzten wurde bereits am 12. November 2023 im Protokoll einer internen Vorstands- und Direktorenklausur erwähnt.
Die Kaufmännische Direktorin Sabine Lange legte damals eine „Horrorprognose“ vor: Für 2024 drohe ein Defizit von 45,68 Millionen Euro. Das „Fazit“: Abbau von 64 Stellen.
Langes Schweigen der Verantwortlichen
Nachdem unsere Redaktion exklusiv über das Protokoll der Klausur berichtet hatte, bemühten sich Vorstand und Wissenschaftsministerium, das Thema kleinzureden. Es habe sich nur um ein Worst Case-Szenario gehandelt.
Ende 2025 reagierten Ministerium und UKR mit einem Anwaltsschreiben auf eine Nachfrage unserer Redaktion zu einem möglichen Stellenabbau – und hielten sich ansonsten bedeckt. Zuvor hatten sich zahlreiche Vertreter aus der Ärzteschaft an unsere Redaktion gewandt und die fehlende Kommunikation mit den Beschäftigten beklagt.
Erst nach einer Anfrage der SPD-Abgeordneten Ruth Waldmann räumte Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) Anfang Juni die geplanten Stellenstreichungen ein. Diese seien aufgrund des erwarteten Defizits am UKR „dringend erforderlich“. Auswirkungen auf die Behandlungsqualität werde das nicht haben, glaubt Blume.



Manfred van Hove
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Das Problem erinnert an die Quadratur des Kreises. Niemand wll höhere Sozialbeiträge bezahlen, Aber keiner will auf etwas verzichten.
Rudi Ratlos
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Die Wartezeiten für ein Krankenhausbett hängen stark vom Land und der Dringlichkeit der Behandlung ab. Während Notfälle sofort behandelt werden, gibt es bei planbaren Operationen (Elektiveingriffe) erhebliche Unterschiede.
Niederlande: Die medizinische Versorgung ist sehr effizient. Die maximal akzeptierten Wartezeiten (die sogenannten Treeknormen) liegen bei 4 Wochen für eine Erstdiagnostik und 7 Wochen für die Behandlung.
Dänemark: Nach einer Reform sind die Wartezeiten wieder auf einem guten Niveau. Die durchschnittliche Wartezeit für Krankenhausbehandlungen liegt bei etwa 38 Tagen.
Belgien: Es gibt keine offiziellen nationalen Statistiken, aber das System gilt als sehr zugänglich. Die Wartezeiten sind in der Regel kurz und bewegen sich meist im Bereich von einigen Wochen bis maximal drei Monaten.
Frankreich: Bei planbaren Eingriffen wartet man im Schnitt etwa ein bis drei Monate. In der Notaufnahme beträgt die durchschnittliche Wartezeit OECD-Statistiken zufolge knapp 2,5 Stunden.
Großbritannien (NHS): Der nationale Gesundheitsdienst leidet unter starken Kapazitätsengpässen. Die Wartezeiten sind hier am längsten; für planbare Eingriffe kann es mehrere Monate bis über ein halbes Jahr dauern.
Und wo liegt dann die Zahl beim neuen Uni-64Ärzte Klinikum
in Regensburg?
@ManfredvanHove
Eigentlich geht’s mir um einen fairen Gegenwert für das was man zahlt!
Aber das gibts schon lange nicht mehr, vgl. die utopischen Pharma Pillen Preise
Manfred Martin
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Denkt jemand auch daran, dass in Unikliniken auch die Ausbildung von Ärzten gemacht wird.
Zudem haben die Unikliniken auch die Aufgaben der Forschung an neuen Heilvorgänge machen sollen um neue Wege zu finden, um noch erfolgreicher zu werden und Schonung des Patienten zu verbessern!
Sparen kann man sicher bei den Kleinkliniken, denn ohne Stroke – Unit machen die keinen Sinn!
Günther Herzig
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@Manfred van Hove
15. Juni 2026 um 15:38 | #
Das von ihnen formulierte Beispiel ist absolut treffend. Ich bin mir sicher, dass alle, auch die Kritiker eines Stellenabbaus die Situation bedauern. Ich erinnere aber ergänzend daran, dass es nicht Sache eines einzelnen Bundeslandes, sondern der gesamten Republik ist, Lösungen zu finden. Das ist eine zusätzliche Schwierigkeit.
Manfed van Hove
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@Günther Herzig
Wie sie richtig fetsstellen, hat die Stadt Regensburg keinerlei Einfluss auf die Krankenkassenbeiträge, mit denen die Kraknkenhäuser bezahlt werden. Rrgensburg ist deshalb gezwungen, mit dem auszukommen, was ihr zugeteilt wird. Wenn die Mittel also nur mehr für eine Grundversorgung ausreichen, liegt der Fehler woanders.
Konsens ist nur, dass weitere Erhöhungen der Sozialkosten weder für Bürger noch für die Wirtschaft hinnehmbar sind. Es gilt deshalb, den Mangel gerecht zu verteilen. Ich sehe dazu keine Alternatve.
Günther Herzig
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@Manfed van Hove
16. Juni 2026 um 14:30 | #
Fehler liegen auch in der Struktur und der Organisation der Gewährung und Zuteilung medizinischer Leistungen, das alles unter dem Oberbegriff “Bürokratie”. Wie kann es sein, dass ich im Landkreis Cham 4-mal im Jahr (Quartal) 50 km hin und zurück mit dem PKW (kein ÖNPV) fahren muss, um die Versicherungskarte beim Hausarzt einlesen zu lassen, dass ich für notwendig werdende Überweisungen in Papierform wieder zum Hausarzt fahren muss, erst dann versuchen kann einen Facharzt zu finden, der mir einen Termin anbietet, niemals unter einem Monat, überwiegend bis zu 3 Monate entfernt. Diese Bedingungen führten deutschlandweit zu einer erhöhten Belastung der Ambulanzen auch oder gerade in Universitätskliniken. Es ist doch verständlich, dass die Angst medizinischer Laien mit einem Befund, den sie nicht einordnen können, dazu führt den Notfall zu behaupten und direkt eine Klinik aufzusuchen. Bei den Klinikärzten, deren Verträge nicht verlängert werden, dürfte es sich überwiegend um Berufsanfänger, zeitlich gesehen ohne große eigene Erfahrungen, handeln.
Gotthold Streitberger
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Der befürchtete Stellenabbau , Einsparungen im Gesundheitswesen einerseits , Militarisierung im Gesundheitswesen andererseits (siehe u.a. Verein demokratischer Ärzt*innen https://www.vdaeae.de/) sind zwei Seiten einer Medaille. Überall fehlt Geld, aber im Sondervermögen “Verteidigung” stehen Milliarden zur Verfügung. Die Krankenhausgesellschaft bemüht sich um dieses Geld, worüber die GF von vdää neulich in einer gut besuchten VA von ver.di , Friedensnetzwerk und vdää eindrücklich informiert hat
justmy2cents
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Nicht zu vergessen, andere Steuerpolitik gegenüber Vermögenden