SOZIALES SCHAUFENSTER

Interview

„Wir gut, weil Geld. Die schlecht, weil Schulden.“

Bei einem zufälligen Treffen mit Harald Klimenta (attac Deutschland) wollte ich eigentlich über TTIP sprechen. Es ging dann doch um Griechenland und war interessant genug, um es zu veröffentlichen.

Dr. Harald Klimenta hat Physik studiert. Der Publizist gehört wissenschaftlicher Beirat von Attac Deutschland und ist Autor des Buchs "Die Freihandelsfalle". Foto: Archiv

Dr. Harald Klimenta hat Physik studiert. Der Publizist gehört wissenschaftlicher Beirat von Attac Deutschland und ist Autor des Buchs “Die Freihandelsfalle”. Foto: Archiv

Hallo Herr Klimenta. TTIP scheint ja gerade ziemlich aus den Medien verschwunden zu sein. Ist das Thema vom Tisch?

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Nein. Das ist aktuell wie nie. Unsere Medien oder unser Gehirne schaffen es nur nicht, zwei Themen gleichzeitig zu hypen, und zurzeit ist Griechenlandkrise. Immer schön eine Sau nach der anderen durchs Dorf treiben.

Naja, Griechenland ist auch nicht unwichtig.

Griechenland sollte eigentlich viel unwichtiger sein als TTIP, wenn die Leute wie Staatsmänner auftreten würden.

Wer? Die Griechen?

Nein, die europäischen Regierungen und ihre Vertreter. Wenn ein Land fünf Jahre lang ein von der EU-Kommission, dem IWF und der EZB diktiertes Umbauprogramm durchführt, dadurch sein Bruttoinlandsprodukt um 25 Prozent eindampft und die Jugendarbeitslosigkeit auf über 50 Prozent hochschnellt, das Gesundheitswesen kollabiert und sich schwere Depressionen vervielfachen, dann sollte nachvollziehbar sein, dass die Griechen keine Lust mehr auf diesen gescheiterten Weg haben. Dann muss man sich als Gläubiger eingestehen: Das Programm ist gescheitert, wir versuchen was Neues, aber jetzt lassen wir den Griechen erstmal mehr Zeit.

Es ist doch legitim, dass die Gläubiger ihr Geld zurückwollen – und Reformen dürften da nicht schaden?

Freilich. Man kann aber eine Wirtschaftsstruktur nicht in einem halben Jahr umbauen, auch keine Steuerverwaltung, die personalmäßig völlig ausgeblutet wurde. Ein Kernpunkt der Gläubiger-Forderung war: Griechenland soll einen Haushaltsüberschuss erwirtschaften, damit es seine Schulden zurückzahlen kann, logisch. Logisch ist aber auch, dass es einen Handelsüberschuss mit dem Ausland haben muss, also im Handel mehr Euros verdienen muss als es für Importe wieder ausgibt, denn sonst würden die Euros in Griechenland immer weniger. Klar?

„Die Regierung Tsipras ist bereits viel zu weit auf die Gläubiger zugegangen.“

Schon klar. Ein Land kann nur Schulden zurückzahlen, wenn es mehr einnimmt als es ausgibt.

Ja. Jetzt wird’s aber nochmal kompliziert: Griechenland hat ein Handelsbilanzdefizit. Das Land kauft mehr im Ausland ein als es ans Ausland verkauft. Um das auszugleichen, muss sich irgendwer irgendwo in Griechenland verschulden. Wenn jetzt der Staat sich entschulden soll, muss sich jemand anderer in Griechenland stärker verschulden – das ist Schwachsinn – oder Griechenland muss einen Handelsbilanzüberschuss erwirtschaften. Das geht nie und nimmer, indem man die Gesellschaft kaputtspart. Da braucht’s  Zukunftsinvestitionen, Gestaltungsspielräume, Zeit und Aufbruchstimmung. Jetzt soll aber noch mehr Geld rausgezogen werden – die Institutionen fordern ab 2018 3,5 Prozent Primärüberschuss. Das ist völliger Schwachsinn, das weiß auch Tsipras. Doch er ging sogar auf die Gläubiger zu und bietet bis zu 2,5 Prozent, was in meinen Augen bereits völliger Wahnsinn ist. Die brauchen das Geld, um die Zunahme von Armut zumindest zu bremsen. Die Regierung Tsipras ist bereits viel zu weit auf die Gläubiger zugegangen.

Na ja. Der größere Tenor in Deutschland ist eher, dass der griechischen Regierung völliges Versagen und Starrköpfigkeit attestiert wird.

Ja, das obige Argument passt eben nicht in eine Bildzeitungsüberschrift. Ich schätze, für die griechische Bevölkerung ist es am besten, wenn Griechenland jetzt seine Schulden nicht mehr bedient und die Drachme wieder einführt. Das ist natürlich eine Katastrophe, aber eine kurze, und danach haben die Leute wieder Geld, werden inländische Produkte nachfragen und so ihre Wirtschaft ankurbeln Schließlich sind die ausländischen Produkte dann teurer. Man hätte vor fünf Jahren eine Parallelwährung einführen sollen. Das ist technisch problemlos machbar, aber dann hätte man das Volk nicht so schön melken können, und die EU-Verträge hätte man auch ändern müssen.

„Dieses Europa jedenfalls braucht kein Mensch.“

Dazu ist es jetzt sowieso zu spät – wie geht es weiter mit Griechenland?

Besser: Wie geht es weiter mit Europa? Dieses Europa jedenfalls braucht kein Mensch, naja, bis auf die reichsten drei Prozent. Wie sehr die Medienmacht von Gläubigern Schuldner bereits zu Schuldigen stempelt und große Bevölkerungsteile dazu bringt, gegen Schuldner zu hetzen, ohne sich wirklich mit den ökonomischen Fallstricken zu beschäftigen, ist für mich beängstigend. Das hat für mich sehr viel von Chauvinismus: Wir gut, weil Geld. Die schlecht, weil Schulden. Ich wünschte mir, mehr Menschen würden sich über die Situation der Menschen in Griechenland vor Ort informieren, mal ein paar Berichte über die Zustände in griechischen Krankenhäusern lesen – nein, daran ist nicht Varoufakis schuld, sondern die Troika. Und sich dann fragen, ob der IWF nicht besser ein paar Milliarden Euro abschreiben und die EZB ein paar Milliarden drucken soll. Solange aber Prinzipienreiterei und Machtgelüste obsiegen, und „wir“ unfähig sind, Fehler einzugestehen, wird dort die Säuglingssterblichkeit weiter steigen.

Ok, vielen Dank! Eigentlich wollten wir ja über TTIP reden.

Zwei Themen in einem Interview, das wird zu lang. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das machen wir kommende Woche!

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Kommentare (10)

  • Heinz

    |

    Sehr gutes Interview. Klimenta hat immer sehr verständliche Argumente. Er sollte viel öfter mal in die Öffentlichkeit treten. Die, die Ihn kennen, sind ja mit den Themen und Problematiken schon bekannt.

  • Jürgen K.

    |

    Vielen Dank für das Interview.
    Leider wird in der deutschen Pressewelt immer nur eingedroschen statt hinter die Fassade Europa zu blicken. Tsipras hat versucht den Kampf der Wirtschaftssysteme aufzunehmen und Europa hat nicht einmal gemerkt worauf er uns aufmerksam machen wollte da es von ihrem wirtschaftlichen Paradigma abweicht. So als würde er eine völlig unbekannte Sprache sprechen. Ich möchte hier keinen falls Griechenland von jeglicher Schuld freisprechen. Wir sind uns wohl einig dass in den letzten Jahrzehnten viele Fehler gemacht wurden. Natürlich haben auch Banken die ein Land wie Griechenland derart viele Kredite gewährt auch nicht frei von Schuld. Ganz im Gegenteil, wenn man sich unser derzeitiges Insolvenzrecht ansähe, müssten die Banken sogar die von Griechenland erhaltenen Zinsen einem Insolvenzverwalter zurück zahlen. Bei Ländern gilt das natürlich nicht.
    Wir müssen uns künftig wirklich überlegen wie wir in Zukunft leben möchten.
    Wollen wir Politik die von Politikern gemacht oder Politik die von Banken und Konzernen gelenkt und diktiert wird? Dass in diesem Zusammenhang TTIP unter den Teppich gekehrt wird ist ein Skandal und ein Armutszeugnis der Demokratie.

  • Mathias Mrosinsky

    |

    Tolles Interview!
    Wenn doch diese Sichtweisen ihren Weg in die breite Öffentlichkeit finden würden.

  • Franz Mahler

    |

    Jürgen K., 13. Juli 2015 um 07:57 “Wir müssen uns künftig wirklich überlegen wie wir in Zukunft leben möchten. Wollen wir Politik die von Politikern gemacht oder Politik die von Banken und Konzernen gelenkt und diktiert wird? Dass in diesem Zusammenhang TTIP unter den Teppich gekehrt wird ist ein Skandal und ein Armutszeugnis der Demokratie.”

    Da hat Jürgen K. natürlich vollkommen Recht. Aber das Problem ist, den meisten Deutschen geht das am Hintern vorbei und die anderen belügen sich gerne selbst, wenn sie glauben, dass sie einen Euro mehr in der eigenen Tasche hätten, wenn sie auf die Griechen, Asylbewerber usw. einprügeln. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Weisheit. Insofern sind viele Deutsche noch nicht wirklich sehr weit gekommen.

    Wenn “christliche” deutsche Politiker vom “Sparen” und davon reden, dass die Griechen erst mal ihre “Hausaufgaben” machen müssten, warum sagen sie dann nicht, was sie tatsächlich meinen: Löhne kürzen, Renten kürzen, Sozialleistungen kürzen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen privatisieren, den Spitzensteuersatz für die Reichen senken und die Vermögens-/Erbschaftssteuer für die Superreichen abschaffen, aber die indirekten und Verbrauchssteuern für alle Bürger erhöhen, also das ganze neoliberal-konservative Programm zur Umverteilung von unten nach ganz oben, das bei uns in Deutschland von Kohl, Schröder und Merkel seit Jahren gemacht wird.

    Auf diese Weise haben die Deutschen inzwischen ein GELDVERMÖGEN von rund 5 Billionen Euro “gespart”. Nicht Millionen oder Milliarden, sondern BILLIONEN. (Die vielen Immobilien, forst- und landwirtschaftlich genutzten Flächen, Autos, Goldbarren, Schmuck, Kunstgegenstände, Unternehmensbeteiligungen usw. sind dabei überhaupt noch nicht mitgerechnet.) Manche gehen davon aus, dass es inzwischen sogar 6 Billionen Euro sind. Auf 1.000 Milliarden, das sind immerhin 1.000.000 Millionen, mehr oder weniger kommt es dabei auch gar nicht an, denn so ganz genau wollen das die lieben Kinderlein von “Mutti” Merkel auch nicht wissen. Sonst müsste “Mutti” Merkel nämlich darüber reden, wie extrem einseitig dieses Vermögen inzwischen verteilt ist.

    Schließlich debattieren deutsche Ökonomen, Politiker und Journalisten in diesem “christlichen” Lande viel lieber über die “faulen” Griechen und darüber, ob wir uns in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro leisten können oder arbeitslose Hartz IV-Empfänger von drei Euro am Tag vier gesunde, schmackhafte und abwechslungsreiche Mahlzeiten zubereiten können.

    MfG
    Franz

  • frage

    |

    das interview sagt nichts aus. die europäische gemeinschaft muss den griechen in der derzeitgen lage helfen. soweit klar. das die probleme aber von heute auf morgen entstanden sind und es keine möglichkeiten gab, die (zum teil hausgemachten) probleme zu lösen, stimmt nicht. es war viel zeit! nach jeder hilfsmassnahme, verfiel man wieder in den gleichen trott. es wurden keine reformen umgesetzt. das steuersystem ist marode und korrupt. die bereitschaft durch steuerzahlungen etwas für die gemeinschaft zu tun, ist nur spärlich vorhanden. das gilt für den taxifahrer sowie für den grossunternehmer. das ist das griechische hauptproblem. nicht die wirtschaft, nicht der im- oder export.

    das derzeitige hilfe dringend notwendig ist, steht ausser frage. dass die drachme allerdings die probleme lösen würde, ist humbug. kein unternehmer weltweit würde diese währung akzeptieren. somit bleibt nur dollar oder euro. das wäre der todesstoss für die griechen, da ein import so nicht existieren würde und es über jahre nicht geschafft wurde, eine eigene wirtschaft aufzubauen. die einschnitte werden hart sein, aber es gibt durchaus beispiele, dass es funktionieren kann.

    zu ttip: schade. es hätte mich jetzt interessiert, wie herr klimenta einige punkte interpretiert. bin gespannt auf das kommene interview.

  • Franz Mahler

    |

    @frage, 15. Juli 2015 um 08:06 | #

    Niemand wird allen Ernstes behaupten, dass die Probleme von heute auf morgen entstanden wären. Wenn eine Volkswirtschaft allerdings jahrelang „spart“, im Klartext, damit es auch Juristen und die Leser von „Bild“ und “MZ” verstehen: Löhne senken, Renten kürzen, Sozialleistungen abschaffen, öffentliche Einrichtungen an Spekulanten verscherbeln und so weiter, und es wird dadurch nichts besser (die Spekulanten ausgenommen), dann spitzt sich das naturgemäß irgendwann zu.

    Was die Steuermoral angeht, da unterscheidet sich Griechenland doch nicht wirklich von Deutschland. Wie war das noch mal mit diesen vier Frankfurter Steuerfahndern, die für ballaballa erklärt wurden, weil sie ihrem Diensteid nachkommen wollten und die Frechheit besaßen, große Banken und große Unternehmen auf ihre Steuerehrlichkeit zu überprüfen. Wenn ein kleiner Handwerker dem Finanzamt 50 Euro schuldet, dann steht in diesem christlichen Lande aber ruckzuck der amtseigene Vollstrecker vor der Haustür.

    Außerdem macht es schon einen Unterschied, ob das Finanzamt und damit die Gemeinschaft von einem Taxifahrer um 50 Euro oder von einem Großunternehmer um 50 Millionen Euro beschissen wird. Sind wir nicht alle kleine Steuersünderlein!? Nein, das sind wir eben nicht. Das wollen Neoliberale, Konservative, Pseudosozialdemokraten und mediale Dumpfbacken den Bürgern immer nur einreden. Es gibt kleine und es gibt große Steuerbetrüger. Aber eine Maus ist eine Maus und bleibt eine Maus und ein fetter Pottwal ist ein fetter Pottwal.

    Das “korrupte” Steuersystem der Griechen war für die bekannte Troika auch nie das Problem. Da ging es immer nur ums „Sparen“. Zur Wiederholung für Juristen und die Leser von „Bild“ und “MZ”: Löhne senken, Renten kürzen, Sozialleistungen abschaffen, öffentliche Einrichtungen an Spekulanten verscherbeln usw.

    Und wenn man immer hört und liest, dass die Griechen beim Euro-Beitritt geschummelt hätten. Nun, zum Schummeln gehören immer mindestens zwei. Einer, der schummelt und einer, der sich hinters Licht führen lässt. Und dann stellt sich die Frage, welche kaputten Taschenlampen bzw. hochbezahlten „Experten“ haben ein Land in die Eurozone aufgenommen, das angeblich nicht einmal ein Kataster für Grundstücke und Immobilien hat?

    Vor der Einführung des Euro hatten Staaten wie Griechenland, Italien und andere allerdings die Möglichkeit, ihre Währung ggf. abzuwerten. Diese Möglichkeit hat man den Ländern durch die „gemeinsame“ Währung ganz einfach weggenommen. Wann in den vergangenen 50 Jahren hat die griechische Wirtschaft jemals einen Exportüberschuss erzielt hat? Womit auch? Mit Olivenöl, Feta und Ouzo?

    Das zentrale Problem besteht darin, dass sich die Bürger in Europa von neoliberalen Ökonomen, Wirtschaftslobbyisten und konservativen Politikern immer noch den ideologischen Bären aufbinden lassen, eine gemeinsame Währung und die ungezügelte „freie“ Marktwirtschaft (TTIP lässt grüßen) würden dafür sorgen, dass alle Bürger davon profitieren und nicht nur die Banken, Spekulanten, Großkonzerne und die Superreichen. Das würde allenfalls dann funktionieren, wenn man in Europa auch in der Wirtschaft-, Sozial und Steuerpolitik zusammen an einem GEMEINSAMEN Strang ziehen würde. Aber genau das will „Mutti“ Merkel nicht. Hier werden die Länder Europas durch die neoliberale Sparpolitik der ehemaligen DDR-Opportunistin GEGENEINANDER ausgespielt und von Zeitungen wie „Bild“ gegeneinander aufgehetzt. Der „faule Grieche“ gegen den angeblich fleißigen, tüchtigen und sparsamen Deutschen.

    Dabei gab und gibt es auch in Deutschland unterschiedlich leistungsfähige Länder, Regionen und Städte bzw. Kommunen. Das wird auch immer so sein. Das nennt man Wettbewerb. Es gibt Städte, die könnten ihren Rathausplatz mit Goldbarren pflastern und es gibt Städte, da ist kein Geld vorhanden für die Sanierung der Scheißhäuser in den öffentlichen Schulen.

    Ein Wettbewerb, der durch eine Ordnungspolitik in die Schranken gewiesen wird und durch die Sozialpolitik einen gerechten Ausgleich findet, ist auch gut für die gesamte Volkswirtschaft. Es gibt allerdings auch einen ruinösen Wettbewerb, nämlich dann, wenn immer mehr Bürger dauerhaft auf der Strecke bleiben, während den sogenannten „Leistungsträgern der Gesellschaft“ die Millionen und Milliarden bei den Ohren herausquellen. Deutsche Hartz IV-Empfänger sind für viele „anständige“ Deutsche auch nichts anderes als faule Sozialschmarotzer, die von rund 400 Euro im Monat in der sogenannten sozialen Hängematte hin- und herschaukeln und sich eine Flasche Bier nach der anderen reinschütten. Schon wieder vergessen, die mediale Propaganda bei der Einführung von Hartz IV?

    Bin ich froh, dass ich kein anständiger Deutscher und kein Bildleser bin.

    Mfg
    Franz

  • frage

    |

    @franz

    ich lese tatsächlich die bild. allerdings auch faz, handelsblatt, sz, regensburg digital und auch etliche ausländische (derzeit vornehmlich auch griechische) zeitungen.

    griechenland war ganz weit vorne (im verhältnis sogar vor deutschland) als es um immobilien spekulationen ging (lehmann). haben sie das auch vergessen? so wie sie die griechische wirtschaft darstellen, ist es auch nicht. die haben nicht nur uozo und oliven. die haben auch den tourismus (bestimmt schon mal was davon gehört). solar strom wäre auch eine möglichkeit. allerdings wollten die ihre landschaften nicht verschandeln lassen. die häfen sind umschlagsplatz zu asien. auch riesen potential.

    ihre argumente sind ja grundsätzlich richtig und zu verstehen. allerdings kann ich keinen lösungsvorschlag bei ihnen erkennen. wir sind uns beide einig, dass man das land nicht absaufen lassen kann. ich persönlich glaube, dass es ohne extremes sparen nicht gehen wird. und ein schuldenschnitt ohne reformen wird auch nicht funktionieren. dann wird man in ein paar jahren wieder am gleichen punkt sein.

    ich verstehe alle ihre argumente, auch wenn einige davon falsch sind (…und ich ihre unterschwelligen anschuldigungen, ich hätte keine ahnung nicht ernst nehmen kann). was wäre denn ihrer meinung eine lösung?

  • erik

    |

    „Wir gut, weil Geld.”
    wenn man sich die Vermögensverteilung in Deutschland ansieht kann man wohl kaum von „Wir gut, weil Geld” sprechen. 10 Prozent der Bevölkerung können über 60 Prozent des Vermögens auf sich vereinen und können in Zukunft, dank der Verelendungs- und Verarmungspolitik der letzten Jahre für die Unter- und Mittelschicht, mit weiter steigendem Vermögen rechnen!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland#.C3.9Cberblick_Verm.C3.B6gensverteilung_2002_.E2.80.93_2007

  • amad

    |

    Mathias Mrosinsky
    13. Juli 2015 um 13:00 | #
    Tolles Interview!
    Wenn doch diese Sichtweisen ihren Weg in die breite Öffentlichkeit finden würden.

    Welche, bitte erklären Sie!! Noch mehr Geld weg?
    Warum noch mehr 100 Mrd. zerstören?

  • Franz Mahler

    |

    @eri, 17. Juli 2015 um 14:14: “wenn man sich die Vermögensverteilung in Deutschland ansieht kann man wohl kaum von ‘Wir gut, weil Geld’ sprechen …”

    Natürlich kann man nicht davon sprechen. Diese extreme schiefe Vermögensverteilung ist nicht nur nur ein soziales, sondern auch ein ökonomisches Problem und eine Gefahr für die viel gepriesene Demokratie. Einfältige Bürger meinen zwar, da ginge es nur um den Ferrari für 1,5 Mio. Euro, für den ein sogenannter „Normalverdiener“ ein Leben lang arbeiten müsste, oder den Champagner im 5-Sterne-Restaurant für 500 Euro pro Flasche. Und da denkt sich der gemeine Rechte: Was geht mich das an, ich trinke nur Bier und solange ich mir das leisten kann, ich alles in Ordnung.

    Nein, wer reich ist, kann sich zum Beispiel Medikamente kaufen und Therapien leisten, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht mehr bezahlt werden, weil “Mutti” Merkel und ihre neoliberalen rechten Konservativen sagen, dass diese Medikamente und Therapien für Normalverdiener zu „teuer“ wären. Wer reich ist, kann seine Kinder auf gut ausgestattete Privatschulen und Privatuniversitäten schicken statt auf öffentliche Schulen, bei denen die Toiletten ständig verstopft sind und aufgrund von Lehrermangel der Unterricht ausfällt. Wer reich ist, muss auch nicht befürchten, dass er aus seiner Mietwohnung ausziehen muss, wenn er arbeitslos oder krank wird und das Arbeitsamt die Miete kürzt, weil die Wohnung zwei Quadratzentimeter zu groß ist. Wer reich ist, muss im Alter auch keine Angst davor haben, dass er als Pflegefall im Seniorenheim dahinvegetiert, wenn man sich von seinem Geld auf dem Schweizer Nummernkonto zwei „knackige“ junge Pflegerinnen leisten kann, von denen man rund um die Uhr intensiv betreut wird.

    Wer Milliarden auf dem Konto hat, kann auch mal ein paar Millionen Euro an „christliche“, neoliberale und pseudosozialdemokratische Parteien spenden und rein zufällig werden dann Gesetze im Sinne der Spender geändert. Das ist natürlich keine Korruption, nein, das ist Lobbyismus, wenn sich die Gesetze rein „zufällig“ ändern, mit anderen Worten: In der lupenreinen deutschen Demokratie von “Mutti” Merkel ist das vollkommen legal. Was der Putin dazu wohl sagen würde, wenn er das wüßte?

    Das eigentliche Problem aber ist, dass das real existierende Monopoly-System, das man gemeinhin „Marktwirtschaft“ oder zutreffender Kapitalismus nennt, nur dann funktioniert, wenn diejenigen die im Geld schwimmen, noch reicher werden. Das wird auf Dauer nicht funktionieren, weil es nicht funktionieren kann. Sogar Ökonomen im urkapitalistischen Amerika mit etwas Verstand haben inzwischen begriffen, dass es dabei nicht nur um soziale Gerechtigkeit geht, zumal soziale Gerechtigkeit vielen, vor allem sogenannten „christlichen“ Bürgern, am Hintern vorbeigeht. Wenn die Schere zwischen Arm und Reich zu groß wird, dann ist das auch schlecht für das viel gepriesene Wirtschaftswachstum und schlecht für die Arbeitsplätze.

    Aber was machen die Deutschen? Deutsche ohne Verstand glauben immer noch an die stupiden neoliberal-konservativen rechten Heilsbotschaften, dass alle superreich werden können, wenn man Löhne, Sozialleistungen und Renten kürzt, die Ärmel hoch krempelt und „fleißig“ ist. Weil das nicht funktionieren kann, schmeißt der rechte deutsche Saubermann dann mit Dreck auf die „faulen“ Griechen, die „faulen“ Arbeitslosen“, die „faulen“ Obdachlosen, die „faulen“ Ausländer, die „faulen“ Migranten, die „faulen“ Asylanten“, die „faulen“ Zigeuner, die „faulen“ Behinderten, die „faulen“ Studenten, die „faulen“ Alten usw.

    „Faule“ Kranke in der Sonnenliege auf Mallorca mit der Champagnerflasche in der einen Hand und dem Kaviarbrötchen in der anderen dürfen da natürlich nicht fehlen: „Deutsche feiern doppelt so häufig krank wie die Briten.“ (die Wirtschaftswoche vom 4. September 2013).

    Selbst diejenigen, die mit ihrer Arbeit einen Euro mehr im Monat verdienen als ein Hartz IV-Empfänger und sich von diesem Euro ein Exemplar der BILD-Zeitung kaufen, zählen sich vermutlich zu den „Leistungsträgern der Gesellschaft”, wenn sie lesen: Kein Schnaps für Hartz IV-Empfänger und dass die Griechen endlich mit dem „Sparen“ anfangen und ihre Inseln verkaufen sollen. Manche Bürger merken offenkundig wirklich nicht, wenn sie von der BILD-Zeitung nach Strich und Faden für dumm verkauft werden.

    Fehlen nur noch die „faulen“ Juden. Aber das hatten wir in Deutschland schon mal und so wenig Verstand haben Neoliberale, Nationalisten und konservative Rechte dann auch nicht. Außerdem sind nicht mehr genug Juden da. (Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von einem Kabarettisten. Schließlich möchte man sich nicht mit fremden Federn schmücken wie der, wie hieß dieser scheinheilige rechte Konservative nochmal, ach ja, der Herr von und zu mit seiner “Doktorarbeit” im Fach Kopieren.)

    Auf den Nachdenkseiten vom 24.12.2015, Teil II findet man unter Nr. 16 folgendes Plakat: Ein Banker, ein BILD-Zeitungsleser und ein Asylbewerber sitzen am Tisch mit 20 Keksen. Der Banker nimmt sich 19 Kekse und sagt zum BILD-Zeitungsleser: “Pass auf, der Asylbewerber nimmt Dir Deinen Keks weg!“

    Bin ich froh, dass ich kein anständiger, ordentlicher und sauberer Deutscher bin.

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