Gedenkweg für die Opfer des Faschismus

„Erinnern ist Auftrag für unser heutiges Handeln“

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Zwischen Erinnern, Warnungen und Kritik an aktuellen politischen Zuständen bewegte sich der diesjährige Gedenkweg für die Opfer des Faschismus. Zum ersten Mal nahmen auch Stadträte der CSU teil.

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Hugo Höllenreiner, Zbigniew Kolakowski und Tadeusz Sobolewicz – diese Namen stehen für drei Überlebende des Nazi-Terrors, die Regensburg stets verbunden waren, mehrfach zu Besuchen hier waren und denen ein gemeinsames Erinnern der Stadtgesellschaft an die Verbrechen und deren Opfer ein wichtiges Anliegen war. Zum Teil mehrfach nahmen sie am Gedenkweg für die Opfer des Faschismus teil, der jedes Jahr am 23. April stattfindet und der 2015 zum ersten Mal unter gemeinsamer Ägide der Stadtspitze, Kirchen und jüdischer Gemeinde sowie verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen wie der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und des DGB gemeinsam organisiert wurde.

„Eine feste Institution in dieser Stadt“

In diesem Jahr sind Sobolewicz, Kolakowski und Höllenreiner nicht mehr dabei. Im Abstand von wenigen Monaten sind alle drei verstorben – zuletzt Kolakowski, am 3. Februar im Alter von 91 Jahren. Und gerade deshalb, weil es immer weniger Überlebende, Zeitzeugen, gibt, sei es umso wichtiger, dass der Gedenkweg „zu einer festen Institution in dieser Stadt geworden ist“, so Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, als er die Veranstaltung am Samstagvormittag am Gedenkstein für die Opfer des ehemaligen KZ-Außenlagers Colosseum eröffnet.

Zwischen 300 und 400 Menschen nehmen laut Polizeiangaben dieses Mal am Gedenkweg teil. Etwas weniger als im vergangenen Jahr, aber erneut ein breites Spektrum von den Zeugen Jehovas über Vertreter der beiden christlichen Kirchen bis hin zur antfaschistischen Gruppe Anita_F, den Falken und der VVN. Im Gegensatz zu 2015 haben sich dieses Mal auch zwei Stadträte von der CSU eingefunden, die den Gedenkweg im vergangenen Jahr noch geschlossen boykottiert hatten. Und auch die spätere Rede von Generalvikar Michael Fuchs vor dem Regensburger Dom verläuft dieses Mal ohne Protest – ebenfalls im Gegensatz zu 2015. Man scheint sich aufeinander zuzubewegen und die ansonsten vorhandenen politischen Differenzen im Sinne eines gemeinsamen Erinnerns an die Opfer der NS-Herrschaft außen vor zu lassen.

Schülerinnen aus Neutraubling recherchieren zum Colosseum

Teresa Heigl und Juliane Schikora vom Gymnasium Neutraubling arbeiten Schicksale von Gefangenen des Colosseum auf.

Teresa Heigl und Juliane Schikora vom Gymnasium Neutraubling arbeiten Schicksale von Gefangenen des Colosseum auf.

Versöhnlich klingt auch Wolbergs‘ Rede, der einräumt, dass in der Debatte um das Colosseum in der Vergangenheit Dinge passiert seien, „die vielleicht nicht ganz glücklich waren, aber nicht böse gemeint“. Es geht um die viel kritisierte Bodenplatte vor dem ehemaligen KZ-Außenlager. Die wurde mittlerweile – nach fünf Jahre währender Diskussion – entfernt und soll demnächst durch zwei Stelen und eine Tafel am Gebäude ersetzt werden. Es sei wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit seien, sondern „eine Herausforderung jeden Tag“, so der OB. Das sei gerade in einer Zeit wichtig, in der in Deutschland fast täglich Flüchtlingsheime brennen.

Hans Simon-Pelanda, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg, unter dessen Anleitung eine Schulklasse in den 80er Jahren die Geschichte des Colosseum erst wiederentdeckte, hat es sich derweil zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der weiteren Insassen und Opfer des KZ-Außenlagers aufzuarbeiten, zusammen mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Neutraubling, die im Rahmen eines P-Seminars recherchierten und bislang zumindest etwas mehr über das Schicksal zweier weiterer Gefangener herausfinden konnten: Friedrich Sambach, der das Colosseum überlebte und später bis zu seinem Tod in Ludwigshafen lebte und Roger Julien van Hyfte, der aus Belgien stammte und noch in Regensburg umgebracht wurde.

„Das Schlimmste ist nicht der Verbrecher…“

Es sind solche Namen, mit denen aus einer diffusen anonymen Gruppe von Opfern einzelne Menschen werden, die das, was damals passierte plastisch und lebendig werden lassen. So wie jener des Dompredigers Johann Meier, der zusammen mit dem Polizeibeamten Michael Lottner und dem Lagerarbeiter Josef Zirkel ermordet wurde, weil er sich für eine kampflose Übergabe der Stadt an die US-Truppen eingesetzt hatte. „Das Schlimmste ist nicht der Verbrecher, sondern der gutgläubige Nachbeter einer falschen Idee“, zitiert Generalvikar Fuchs den Domprediger in seiner Rede vor dem Westportal.

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Es sind Namen wie jener von Josef Bollwein, Mitglied der lange vergessenen „Neupfarrplatz-Gruppe“, der als Regime-Kritiker am 12. August 1943 im KZ-Flossenbürg hingerichtet wurde. Wenige Stunden vor seinem Tod schrieb Bollwein einen Brief an seinen Pflegesohn, aus dem DGB-Sekretär Andreas Schmal am Karavan-Denkmal zitiert:

„Mein lieber Pflegesohn, lieber Heinz! Dein Erziehungsvater sendet Dir die letzten Zeilen. Mit Freuden habe ich gelesen, dass Du mich noch besuchen willst, aber leider habe ich gleich darauf erfahren, dass ich um 17 Uhr von Dir und Deinen Geschwistern und Mama für immer Abschied nehmen muss. Lieber Heinz, ehre mich und vergesse mich nicht. Hart gehe ich von dieser Welt, denn Du weißt, dass ich immer gut und fleißig und ehrlich für Euch war. Vergesse mich meiner, lieber Heinz, nie!“

„Respekt und Achtung, auch wenn Menschen anders sind und anders denken“

"200 Menschen": Teil der Installation von Jakob Friedl am Dachauplatz.

„200 Menschen“: Teil der Installation von Jakob Friedl am Dachauplatz.

Es sind Namen wie jener von Wolfgang Waller, den Regensburger Schifffahrtsbeamten, der am 6. Juli 1940 im KZ Mauthausen ermordet wurde, weil er als Zeuge Jehovas den Hitlergruß verweigerte. Seit zehn Jahren erinnert an ihn eine Gedenktafel im Minoritenweg. „Sie soll daran erinnern, allen Menschen mit Respekt und Achtung zu begegnen, auch wenn sie anders sind und anders denken als wir“, sagt Peter Lorenz-Uttenhofer von den Zeugen Jehovas in seiner Rede.

Und es sind die Namen von über 200 Menschen aus Regensburg und der näheren Umgebung, die bereits im Juli 1933 ins KZ Dachau deportiert wurden, um dort gequält und erniedrigt zu werden, weil sie Juden waren oder als Nazi-Gegner verdächtigt wurden. Der Künstler Jakob Friedl hat sie am Samstag auf Plakaten, Wimpeln und kleinen Papierfahnen rund um den Dachauplatz drapiert, jenem Platz der sich mitten im Machtzentrum der Regensburger NS-Eliten befand, umgeben von der Gestapo-Zentrale im Minoritenweg, der NSDAP-Kreisleitung auf dem Gelände des heutigen IHK-Gebäudes und dem Neuen Rathaus.

Kritik am CSU-Integrationsgesetz

Dass das Erinnern auch aktuelle Bezüge hat, darauf weist zunächst der Redner der Sozialistischen Jugend Deutschlands/ Die Falken hin, die auf Bitte der Jüdischen Gemeinde die Rede vor der Synagoge übernommen haben. Mit scharfen Worten geißelt Thomas Dwumoh den viel kritisierten CSU-Entwurf für ein Integrationsgesetz. Mit der darin vorgesehenen Verpflichtung auf eine nicht näher definierte Leitkultur halte die Willkür wieder Einzug in Deutschland.

Scharfe Kritik am CSU-Entwurf für ein Integrationsgesetz: Thomas Dwumoh von den Falken.

Scharfe Kritik am CSU-Entwurf für ein Integrationsgesetz: Thomas Dwumoh von den Falken. Neben ihm: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, OB Wolbergs, Generalvikar Michael Fuchs, Bürgermeister Jürgen Huber, der evangelische Dekan Eckhard Herrmann und der evangelische Regionalbischof Hans-Martin Weiss.

„Wer hier eingewandert ist, wird unter anderem zur unabdingbaren Achtung dieser Leitkultur verpflichtet, ihm wird ein Wohnort zugeteilt und es ist auch egal, ob diese Person die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Es reicht aus, wenn ein Eltern- oder Großelternteil nicht in Deutschland geboren ist. Der Begriff des Vierteleinwanderers ist so geschaffen.“ Es seien „Schreibtischtäter in Regierungsverantwortung, die das Feuer an die Lunte der besorgten Bürger legen“, so Dwumoh.

„Verpflichtung zu einem anderen Handeln“

Kritisiert den Umgang mit Sinti und Roma: Elisabeth Reinwald.

Kritisiert den Umgang mit Sinti und Roma: Elisabeth Reinwald.

Auf das Schicksal von Sinti und Roma weist Elisabeth Reinwald (pax christi) bei der Abschlusskundgebung am Dachauplatz hin. Hugo Höllenreiner, selbst Sinto und häufiger Besucher in Regensburg, sei als kleiner Junge grausamen Experimenten durch den KZ-Arzt Mengele ausgesetzt gewesen. Der größte Teil seiner Familie – insgesamt 36 Angehörige – wurde in den Konzentrationslagern ermordet, unter anderem Höllenreiners Cousinen Katharina und Philippine, die beide in Regensburg lebten. Das Erinnern daran sei „Auftrag für unser heutiges Handeln“, so Elisabeth Reinwald.

Erst im vergangenen Jahr wurde eine Roma-Familie, das jüngste Kind war sechs Monate alt, von Regensburg nach Serbien abgeschoben. „Sie leben heute in einem kleinen Zimmer bei Freunden, haben keine Aussicht auf Arbeit und kaum Existenzmöglichkeiten.“ So wie ihnen gehe es 90 Prozent der Sinti und Roma, sie seien arbeitslos, lebten unter erbärmlichsten Bedingungen und seien permanenter Diskriminierung ausgesetzt. Dennoch haben sie derzeit in Deutschland keinerlei Aussicht auf Asyl und werden – wie dies beispielhaft an der erwähnten Familie zu beobachten war – unter Anwendung aller möglichen Druckmittel und Tricks wieder abgeschoben. Elisabeth Reinwald dazu: „Das Schicksal von Hugo Höllenreiner verpflichtet uns heute zu einem anderen Handeln.“

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Kommentare (33)

  • gustl

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    Was sagen diejenigen amtierenden Regensburger Stadträte, die mal wegen Volksverhetzung und massiver Rechtsextremismusvorwürfe von der eigenen Partei suspendiert worden waren, zu dem Thema? Oder haben die ihre Rechskriegsflagge mitbringen dürfen?

  • Nina Stein

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    Es macht mir Angst, wenn ich höre, dass sich die AfD-Jugend und die Putin-Jugend verbünden. Gewaltbereite Sturmtruppen, die nur darauf warten, dass sie Andersdenkenden offen mit Gewalt niederknüppeln können. Die Legitimation dafür holen sie sich aus dem breiten Zuspruch der dumpfen Stammtischbacken und mindestens einem Viertel der Bevölkerung. Im Internet sind sie schon aktiv. Heute Shitstorm – morgen Kristallnacht!

  • Mathilde Vietze

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    Gott sei Dank gibt es neuerdings nur e i n e n Gedenkmarsch,
    an dem a l l e , also Katholiken, Protestanten, sowie Vertreter
    jeglicher politischer Couleur einträchtig nebeneinander gehen.
    Und so soll es auch künftig bleiben, daß bei diesem wichtigen
    Gedenktag alle an einem Strang ziehen, unabhängig davon,
    ob alle in sonstigen Sachfragen immer einer Meinung sind.

  • joey

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    „Vergesse mich meiner, lieber Heinz, nie!“
    Das sind ergreifende Zeilen, die man immer wieder verlesen sollte.

    Wenn man aber Tagespolitik in eine solche Gedenkveranstaltung einbringt, benutzt man die Opfer des Faschismus für eigene Sache. Als „Halbeinwanderer“ kann ich sagen: niemand (außer dem Grundstücksmarkt) schreibt mir oder anderen Menschen mit Niederlassungserlaubnis meinen Wohnort vor.

    Die vielen Fragen zur großen Anzahl der Flüchtlinge und zur zahlenmäßig hohen Einwanderung aus dem islamischen und osteuropäischen Bereich sind nicht mit der Nazi Vergangenheit erklärbar oder lösbar. Das ist ein völlig anderes Thema.

    Die NS Zeit war wie jede Epoche in einem einzigartigen historischen Umfeld und kommt so garantiert nie wieder. Deswegen können wir die NPD auch politisch vergessen. Heute kommt es darauf an, die harten Lehren der NS Zeit in einer nun völlig anderen Epoche grundsätzlich zu berücksichtigen.

    Humanität ist einerseits moralisch unverzichtbar, Mathematik aber gilt leider unabhängig von jedem guten Willen. Deswegen kommen mir einige schöne Worte hier zu billig vor. Wer einfache Lösungen mit Hilfe von Feiertagstränen propagiert, ist schlicht ein Populist. Sowas gibt’s auch links.

  • Anna

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    Jeder weiß es gibt religiöse Verfolgung in Regensburg. Die augenscheinlich von städtischer Seite wenn auch nicht gewollt, geduldet werden.

  • menschenskind

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    Im obigen Beitrag lesen wir:

    „Auf das Schicksal von Sinti und Roma weist Elisabeth Reinwald (pax christi) bei der Abschlusskundgebung am Neupfarrplatz hin. Hugo Höllenreiner, selbst Sinto und häufiger Besucher in Regensburg, sei als kleiner Junge grausamen Experimenten durch den KZ-Arzt Mengele ausgesetzt gewesen…“

    Wen es interessiert:
    Zum sich am 10. Juni zum ersten Mal jährenden Todestag von Hugo Höllenreiner findet in München im Kulturzentrum Gasteig eine Gedenkveranstaltung für den Sinto statt. Es werden auch einige Promis erscheinen. Da nur 150 Plätze vorhanden sind, sollte man sich schon früh um Reservierungen bemühen. Für die musikalische Begleitung sorgen Adrian Gaspar und weitere Roma.
    https://www.youtube.com/watch?v=fZnGMwwaIdQ
    https://www.youtube.com/watch?v=qCPdN9CwP0Q

  • hutzelwutzel

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    @menschenskind: Danke für den Hinweis, vor allem auf die begrenzten Plätze.

    @joey:
    „Die NS Zeit war wie jede Epoche in einem einzigartigen historischen Umfeld und kommt so garantiert nie wieder. Deswegen können wir die NPD auch politisch vergessen. Heute kommt es darauf an, die harten Lehren der NS Zeit in einer nun völlig anderen Epoche grundsätzlich zu berücksichtigen.“
    ________________________________
    „einzigartig“? Wir nun „in einer völlig anderen Epoche“? Sind Sie sicher?
    ________________________________
    Mich ärgert immer ungemein die Termini „Nazis“ und die Aussage „Nazi-Deutschland“, wie auch „Machtergreifung“ und „Hitler marschierte ein …“ so absolut, so vergangen zu lesen/ sehen.
    HINTER diesen damaligen barbarisch und menschenverachtend handelnden Rassisten standen kühl berechnende, in Gruppen gefaßte Leute, die es auch – gerade heute – immer noch so gibt. Deren Einfluß ist wie ich meine nicht geringer geworden, sondern diese hielten sich nur über 70 Jahre zurück, weil die ganze Welt auf Deutschland blickte.

  • Ingrid Haberer

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    @ Anna
    ‚Jeder weiß es gibt religiöse Verfolgung in Regensburg. Die augenscheinlich von städtischer Seite wenn auch nicht gewollt, geduldet werden.‘
    Kann man das evtl. konkretisieren?

  • semmeldieb

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    ja, das interessiert mich auch sehr. wer wird denn in regensburg unter billigung der stadt religiös verfolgt??

  • Radlertölpel

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    Auf dem Dachauplatz wimmeln die Wimpel nicht im rechten Winkel.

    Hier nochmals der link zur Dokumentation der Kunstaktion zum 23 April am Dachauplatz:
    http://europabrunnendeckel.de/?p=5365

    Es ist dort nun u.A. anhand von Fotos von verschiedenen Teilen der Installation beschrieben um welche, nun vom Aprilwetter verwaschen, Namen es sich auf den Pflanzsteckern,Plakat,Folie und Liste genau handelte: (Einigen Leuten ist schon bei der Aktion im November 2015 aufgefallen, dass sie Namen von Regensburgern kennen, die nicht auf der unvollständigen Liste stehen,)
    Zugrunde liegt ein unvollständiger Auszug aus dem Archiv der Gedenkstätte Dachau, der hinter dem Rollrasenbrunnen aufgehängt würde..Es sind 215 zufällig ausgewählte Namen und von Personen, die zwischen 1933 und 1945 in Dachau inhaftiert waren. der auch wenige weitere Angaben zur Inhaftierung enthält: Datum; Zugang; überführt; rückgeführt; gestorben entlassen; Invalidentransport; unbekannt;

    Bis zum Juli 1933 waren in einer ersten Welle bereits über 200 „Schutzhäftlinge“ von der Regensburger Polizei zur Abschreckung in das KZ Dachau überstellt* und anschließend oft zunächst wieder entlassen worden
    (*vergl. Helmut Halter: „Stadt unterm Hakenkreuz: Kommunalpolitik in Regensburg während der NS-Zeit“)

    Zum zeitigen Ende des Maulwurfs im Rollrasen des Dachauplatzbrunnens, lässt sich noch folgendes sagen:
    Durch den Einsatz von Maulwurfpfählen aus Ton gelang es tatsächlich den Maulwurf Vergrämen und aus dem Rollrasen des Dachauplatz Brunnen zu vertreiben. „Sollte der Maulwurf partout nicht aus dem Rollrasen des Dachauplatzbrunnen heraus zu bekommen sein und wiederholt weitere Gänge graben und Hügel aufwerfen, werden wir Ihn mit einer selbstgebastelten Falle, Sprengstoff, Wühlmausgas oder Wasser ausrotten.“ Schon am Nachmittag hatte es der Künstler Jakob Friedl mit seinem spontanen Engagement geschafft alle Maulwürfhügel restlos zu beseitigen und den flink erlegten Maulwurf in seiner „Installation“ zu verscharren.

  • anonym

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    @joey:
    Warum ist denn ein von – unter Anderen – antifaschistischen Gruppen organisierter Gedenkmarsch nicht dazu geeignet auf einen sich anbahnenden Rechtsruck – nichts anderes passiert nämlich seit geraumer Zeit in Deutschland und anderen Europäischen Ländern – in Politik und Gesellschaft hinzuweisen? Zum stillen Gedenken gibt es auch Orte und Gelegenheiten. Und wenn ich still gedenken will gehe ich nicht zu einem Marsch mit mehreren hundert Teilnehmer*innen und angekündigten Redebeiträgen von Gruppen, die aktuell antifaschistisch aktiv sind. Bei dieser Gelegenheit nicht auf aktuellen Rassismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten einzugehen würde ich vielmehr als nicht angebracht, bzw. als Versäumnis wahrnehmen. Stichwort „Erinnern ist Auftrag für unser heutiges Handeln“.

    @Radlertölpel:
    Erstens stehen Maulwürfe nach meiner Kenntnis unter Artenschutz und zweitens finde ich es reichlich befremdlich bei einer Kunstaktion, die das Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus zum Ziel hat von „ausrotten“ zu sprechen (auch wenn das Zitat, bzw. die Verwendung des Wortes in keinem direkten Verhältnis zur Aktion steht). Auch wenn die Äußerung vom Künstler selber und nicht von Ihnen kam, hätten Sie vielleicht doch lieber auf das Zitat verzichtet. Andererseits erschließt sich mir auf der anderen Seite weder der „humoristische“ Gehalt des Maulwurfabsatzes (Lebewesen zu Töten/töten zu wollen, deren „Vergehen“ es ist, ein bisschen hässlichen Rasen „kaputt“ zu graben ist schon urkomisch), noch dessen inhaltliche Notwendigkeit. Es geht doch um das Gedenken an die Opfer von Shoa, Holocaust, Euthanasie und Zwangssterilisation (um nur ein paar der Verbrechen zu benennen), oder etwa doch um Schenkelklopfer?

    Bitter finde ich außerdem, zu sehen wie sich Stadt und Kirche an die Spitze stellen, nachdem der 23. April jahrzehntelang von ihnen und ihren Vorgängern (*innen?) boykottiert wurde, weil man ja nichts mit Kommunist*innen gemeinsam machen will (übrigens eine ziemlich dickkßöpfig-weltfremde Einstellung, wenn es um das Gedenken an die Opfer des Deutschen Faschismus geht. Schließlich haben „die Kommunist*innen“ ja auch schon immer an Johann Meier erinnert.). Bin mal gespannt wie oft die Herrschaften noch teilnehmen und in einer Reihe mit Vertreter*innen des VVN-BDA gehen werden, sollte bei der nächsten Wahl wieder die CSU das Rennen machen.

    Trotzdem eine sehr wichtige Veranstaltung – jedes Jahr aufs neue! Gut, dass sich Menschen aus der Zivilgesellschaft die Mühe gemacht haben den 23. April als festen Jahrestermin zu etablieren.

  • joey

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    @hutzelwutzel @anonym
    Das Großkapital hatte Interesse an der Aufrüstung und der Eroberung der direkten (kleinen) Nachbarländer. Hitlers Mission „Eroberung der Welt“ oder „Selbstmord für alle“ war wohl nicht vorgesehen.
    Die Deutschnationalen sind Vergangenheit. Der heutige Rechtsruck der „kleinen Leute“ reagiert auf die hastige und schlampige EU mit vielen sozialen Problemen. Bürgerlich Konservative sind besorgt um die Werte der alten Bundesrepublik, die im supranationalen EU Fieber nivelliert werden (Beispiel Bundeswehr in Afrika). Religiös Konservative und hier in gleicher Linie Säkularisten (da gehöre ich dazu) sind besorgt wegen dem weithin unkritischen Import von Islam arabischer Prägung.
    Natürlich finden wir in den neuen Rechten auch die paar Prozent klassische Nazis, die die konkreten Konflikte als Vehikel für ein allgemeines „Ausländer raus“ benutzen.
    Daß die AfD viel von SPD und linke schöpft, sollte ein klares Zeichen sein, daß die grobe rechts links Einteilung nicht mehr paßt.

    Die neue Rechte wird eher von Putin unterstützt, also die Verschwörungstheorien sind heute echt kompliziert geworden…

  • anonym

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    @ joey
    Die Freikorps-Bewegung, Thule-Gesellschaft (u.Ä.), NSDAP, kurz gesagt das Erstarken völkisch-antisemitischer Bewegungen, die dann in der Machtübernahme der NSDAP zunächst gegipfelt ist, war also nach Ihrer Auffassung vom „Großkapital“ (soso…) und nicht von der gesamten deutschen Gesellschaft, also auch von „den kleinen Leuten“ gewollt? Dann frage ich mich wo die bahnbrechenden Wahlergebnisse der NSDAP ab 1930 herkamen. Die 0-8-15 Gesellschaft da zu entlasten halte ich für sehr töricht.
    Die Entwickling hinzu und die Ereignisse nach ’33 waren von einem großen Teil der deutschen Bürger*innen gewählt, gewollt und wurden mitgetragen. Nur zur Verantwortung gezogen hat man die wenigsten. Und die deutsche Linke hatte nach ’45 nichts besseres zu tun, als dem deutschen Arbeiter per se einen Persilschein auszustellen, da der* Arme* ja nur verführt wurde. Diese Fehleinschätzung hat unter Anderem dazu geführt, dass Anfang der ’90er und auch heute wieder „ganz normale“ Leute ihren Rassismus und Antisemitismus offenlegen und teilweise sogar ausleben.

    Sicher; die Deutschnationalen in Reiterhose und Lederriemen über der Schulter sind Vergangenheit. Aber auch Faschist*innen/Rechte entwickeln sich weiter und passen ihre Inhalte und ihr Auftreten an aktuelle Gegebenheiten an (siehe die Identitäre Bewegung). Manche mehr, manche weniger.
    Dass heute wieder der*die nette Nachbar*in sich als Rassist*in outet hat doch nichts mit einer Reaktion auf tatsächliche Politik zu tun, sondern offenbart eine tiefsitzende Demokratiefeindlichkeit in weiten Teilen der deutschen Bürger*innenschaft, die jetzt dank Montagsmahnwachen, PEGIDA, AfD und dergleichen eine politische Heimat gefunden haben. Die Welt besteht eben nicht nur aus „Protestwähler*innen“, irgendwo muss man die Menschen auch mal beim Wort nehmen und sie als für sich selbst verantwortliche Idividuem wahrnehmen.
    Den Islam als Importgut zu bezeichnen halte ich für falsch. Schließlich fliehen die Menschen (ich nehme an Sie haben den Satz auf muslimische Geflüchtete bezogen) vor radikalen Islamisten(*innen?) und deren Gewalt. Und wie stellen Sie sich einen kritischen Umgang damit vor?

    Auch wenn der prozentuale Anteil klassischer Neonazis in der neuen rechten gering ist (sofern das überhaupt zutriff), reicht er augenscheinlich aus, um wieder Unterkünfte von Geflüchteten anzugreifen, Menschen zu verletzen/ermorden zu wollen, und dafür von einer rassistischen bürgerlichen Masse Verständnis, Schutz und Unterstützung zu ernten. Und die AfD hat das erkannt und holt die Menschen genau da ab.

    Unter keinen Umständen übrigens würde ich die SPD – selbst grob – als links bezeichnen. Einzelne Akteur*innen vielleicht, die Partei als solche hat sich allerdings schon lange davon losgesagt ohne es zugeben zu wollen. Und dass die AfD von solchen bürgerlich-liberalen Parteien – oder gar von linken, die allerdings genauso ein Antisemitismus-/Verschwörungsproblem haben – Wähler*innen bekommt, verdeutlicht dies nur mehr. „Die Leute“ sind tatsächlich unzufrieden. Nur konnte bis jetzt anscheinend keine der vielen rechten Parteien, die es im Laufe der letzten 70 Jahre gab diese Unzufriedenheit so gut bündeln, wie es AfD und PEGIDA gemeinsam schaffen.

    Alles in Allem sieht es nicht gerade rosig aus. Putin unterstützt die Verschwörungsspinner*innen (ganz zu schweigen von allem anderen, was dieser Typ außerhalb von Deutschland anstellt), und wenn sich Erdogan/die AKP erstmal als Bollwerk gegen nach Europa kommende Geflüchtete etabliert hat, wird sich eine weitere rechte Bewegung einmischen. Aufmärsche der Grauen Wölfe, oder unter deren Beteiligung, kommen ja auch immer öfter vor.
    Soweit, sogut. Eine Lösung kann ich Ihnen leider auch nicht anbieten. Außer vielleicht auf der Hut zu bleiben.

  • joey

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    @anonym
    wenn ein radikaler Schiit vor radikalen Sunniten flüchten muß, ist er nicht weniger radikal.

    Religion muß man achten, auch wenn man vieles davon gut begründet ablehnt. Religion ist nicht nur das Gelernte aus dem Unterricht, Religion ist auch Tradition und tiefer Bestandteil der Kultur, des persönlichen Herkommens in allen Bereichen. Das ändert man nicht schnell in einem Integrationskurs. Das braucht viele Generationen.

    Religion ist gesellschaftlich gut, weil sie moralisches Handeln fordert. Wenn eine Religion aber Vorschriften für den säkularen Alltag macht, die z.B. dem Kinder-/Tierschutz, der Freiheit und Gleichberechtigung etc. völlig entgegensteht, gibt es ein großes Problem mit europäischen Grundsätzen. Da gibt’s auch nur wenig Hoffnung, denn viele der Diskriminierungen sind als Gottes Wort klassifiziert und damit nicht politisch diskutierbar. (Übrigens genauso wenig wie die Frauenfrage in der kath. Kirche. Nur bleibt die Diskriminierung dort im engsten Bereich der Sakramente… das spielt im mitteleuropäischen Alltag keine Rolle).

    Man kann den Islam nicht verbieten, PEGIDA ist dämlich und hat sich daher auch nicht verbreitet, kann man politisch vergessen.
    Vielleicht werden sich die Muslime in Europa von sich aus säkularisieren. Vielleicht kann es einen Euro Islam geben, wie es sonst auch zahlreiche islamische Sekten gibt. Der bestimmende Islam kommt aber weiterhin aus Mekka oder Isfahan, wie der Katholizismus in Rom bleibt (und abgespaltene Altkatholiken wie auch Pius Brüder nie eine Rolle gespielt haben).

    Es gibt eine kritische Masse von Gesellschaften zu Parallelgesellschaften. Es muß ein gesellschaftliches Umfeld dominieren, das Diskriminierung im Privaten (in der Familie) mißbilligt und z.B. Mädchen eine gesellschaftliche Ausstiegsmöglichkeit offen hält.

    Ich persönlich habe nicht Angst vor islamischem Terror. Ich stehe nur dafür ein, daß Deutschland europäische Werte behält – Werte, die es politisch ohnehin erst seit 1945 hat. Als Lehre aus der Machterschleichung der NS Diktatur: passen wir auf unsere Freiheit und demokratische Souveränität auf!

  • Radlertölpel

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    @anonym 25. April 2016 um 16:27

    Darf beim Gedenken und Erinnern nicht auch über belanglose Stadtgestaltung am Dachauplatz – dem Gedenkort – nachgedacht und sogar gelacht werden? Über das vermeintlich spontane Flicken eines „Schandflecks“, das keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Ort ersetzen kann? Das sehe ich so:

    Der Dachauplatz soll neu gestaltet werden. Bisher war in diesem Zusammenhang nur von mehr Aufenthaltsqualität die Rede. Geplant war vergangenes Jahr außerdem ein „eingeschränkter“ Kunstwettbewerb zur Umgestaltung des „hässlichsten Brunnens von Regensburg“ (OB). Aufenthaltsqualität, Umgestaltung eines hässlichen Brunnens? Das ist hier zu wenig.
    Wir fordern an dieser Stelle eine öffentliche Debatte und ein Auspropieren und Erkunden künstlerischer Gestaltung von Erinnerungskultur – und ein genaueres Hinsehen auf die Zeichen in der Umgebung, z.B. an den Bushaltestellen am Dachauplatz (z.B.: „We are Legion“ – Nov.2015 – oder „Tracht im Blick“ – 2016).

    „Mißtraut den Grünflächen“ steht auf unserer Karte zur unangemeldeten und „spontanen“ Kunstaktion: http://europabrunnendeckel.de/download/dachauplatz23april2016_flyer/dachauplatz_flyer_alles.pdf

    … denn unter dem (Maulwurf-) Rollrasen im Brunnen am Dachauplatz, der am 23. April zum ersten Mal betreten werden konnte, befand sich, kaum je ausgesprochen, eine Brunnendusche, die wie eine Vergasungsanlage aussah. Daran konnte man über 40 Jahre lang vorbeischauen – oder auch nicht, es kam ja nur Wasser heraus …. (vergl. Pressemitteilung „Betonköpfe sollen zum Denken anregen“ und Dokumentationsfotos der Dachauplatzbrunnen-Installation, die bei der Aktion „Kep`f in der Dusche“ entstanden: http://europabrunnendeckel.de/?p=3028#dachauplatzbrunnen )
    Wurde das besser dadurch, dass man die alte Brunnenanlage einfach zuschüttete und Rollrasen darüber legte – oder hat die Stadt dadurch, sicher unbedacht, also ohne sich mit der Geschichte des Dachauplatzes auseinandergesetzt zu haben, fataler- und vielleicht bezeichnenderweise einen neuen Bedeutungszusammenhang geschaffen?
    Auch und gerade weil uns Jüngeren das Grauen nicht mehr in den Knochen steckt wie den Älteren, wenn sie nur den Namen Dachau hörten – den Platz in seiner Gestaltung zu trivialisieren, das muss sich verbieten.
    Mit gutem Willen könnte man der Stadt ja unterstellen, der Rollrasen hätte gerade in diesem Sinne polarisieren sollen. Ein Nachdenken oder Ausprobieren künftiger Brunnengestaltung oder der Nutzung des Platzes anregen? Nehmen wir es an.
    Ich habe versucht, der Stadt in diesem Sinne unter die Arme zu greifen und Bewegung in die platte Sache zu bringen. Deshalb der Maulwurf, der keine Ruhe gibt, unbequem und lästig ist, aber das Verborgene nach oben kehrt. Er passt eben nicht zum Rollrasen. In meiner Installation ist er der Protagonist der Verfolgten, der Vertriebenen und der Querulanten.
    Habe ich das Wort gehört, man solle ihn „ausrotten“? Das passt im Zusammenhang mit dem NS ganz gut: Juden, Sinti und Roma, „Marxisten“, Bibelforscher … sollten von den Nazis ausgerottet werden. Und zu der Geschichte grhört auch, dass die wenigen Überlebenden nach dem Krieg oft vor dem Nichts standen, und gerade die Sinti und Roma wurden auch in der BRD noch lange behördlich weiter verfolgt, drangsaliert und schikaniert, bis heute. Der Maulwurf ist ein Ärgernis, aber ein nützliches.

    Viele Leute zeigten übrigens Empathie mit dem armen Tier und halfen dem garstigen Künstler mit Rat und Zuspruch … Guter Maulwurf – böser Maulwurf.

  • hutzelwutzel

    |

    Yes, auch ich habe Mitleid mit dem armen Tier. Auch dieses wollte leben, und ich hoffe, dass bald ein echtes Wildschwein aus dem hintersten Wald kommt und zeigt, was es von derartiger Tierquälerei hält.
    _________________–
    Die Religion als Transportmedium für allerlei wirre Allmachtsfantasien. So sehe ich das Ganze, was gegen den Islam ins Feld geführt wird. Man hat Angst vor Fremden/ Fremdem, vor allem aber vergönnt man nur sich und Seinesgleichen Wohlstand und Frieden.
    Unmündig gebliebene deutsche Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg ….
    Danken wir wem auch immer, dass die NSA schon seit Jahren mehr als ein Äuglein auf Deutschland hatte. Bayern Ministerpräsident mit seinem Verhalten gegenüber der Bundeskanzlerin zeigt, dass dies nicht geschadet hat. Deutsche scheinen Aufsicht zu brauchen, damit daraus nicht Führung werden kann.

  • menschenskind

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    „Deutsche scheinen Aufsicht zu brauchen, damit daraus nicht Führung werden kann.“

    Da fällt mir der britische hohe Militär und Diplomat Hastings Lionel Ismay, 1. Baron Ismay ein. Auf Ismay geht die Äußerung hinsichtlich der Funktion der NATO für Europa
    „to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“
    zurück, die sich zu einer verbreiteten Kurzcharakteristik für die Allianz entwickelte.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hastings_Ismay,_1._Baron_Ismay

    „To keep the Germans down.“ – ist wohl nach wie vor von Nöten, um zu verhindern, dass der alte, aber immer noch höchst lebendige, „Furor teutonicus“ Mord und Totschlag über die Welt bringt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Furor_Teutonicus
    (Furor Teutonicus bedeutet „teutonische Raserei/Angriffslust“ oder im weiteren Sinn „germanische(r) Angriffsgeist/-lust“.)

    Einen Ruf, den man sich vor zwei Jahrtausenden einhandelte, und der sich noch vor weniger Zeit, als ein Menschenleben Jahre zählt, auf brutalste Art und Weise bestätigte, legt man nicht so einfach nach paar Jahren Demokratie wie einen Handschuh ab.

  • anonym

    |

    @ Radlertölpel
    Zunächst einmal: Schreibt dort Jakob Friedel selber, oder wie? Ich finde es ein bisschen verwirrend, wie Sie zwischen der 1. und 3. Person hin- und herspringen und (wenn Sie Jakob Friedel sind) sich selber zitieren und auf Kritik an dem Zitat meiner Meinung nach weniger als ungenügend antworten. Sinti- und Romaverfolgung? Natürlich haben Sie damit recht, dass es die gab und auch damit, dass Sinti und Roma nach wie vor von der Mehrheitsgesellschaft nicht als Verfolgte des NS anerkannt, sondern stigmatisiert, ausgegrenzt und abgeschoben werden. Aber wie kommen Sie darauf, dass ein Hinweis auf historische Fakten und den fortgesetzten Antiziganismus meine Kritik an Ihrer Wortwahl beantwortet? Dieses Wort in diesem Kontext ist einfach nur unsensibel – bei aller Liebe zur künstlerischen Freiheit, aber wenn Sie die Stadt mit Ihrer Kunst provozieren wollen (oder was auch immer), dann verzichten Sie doch auf eine Wortwahl, die der Stadt am Arsch vorbeigeht, Nachfahren von Opfern, die wenigen Überlebenden und momentan von Diskriminierung Betroffene aber verletzen könnte.
    Leider werde ich auch aus dem Rest Ihrer Antwort nicht so richtig schlau. Sie (oder Jakob Friedel) möchten den Dachauplatz neugestalten. Ok, warum eigentlich nicht?

    Mit Ihren Ausführungen zum Maulwurf kann ich immer noch nichts anfangen. Vielleicht reden wir auch einfach aneinander vorbei (ich war in diesem Jahr nicht auf dem Gedenkmarsch), also weiß ich vielleicht einfach nicht, dass der Maulwurf nur in unseren Köpfen existiert… Für mich liest sich das alles einfach nach Eigenwerbung. Kann man machen, muss man aber nicht (zumindest nicht ohne es als solche zu kennzeichnen).

    @ Joey
    Natürlich kann es auch Fundamentalist*innen unter Geflüchteten geben. Da dann aber von einem Import des Islam zu reden, halte ich für gefährlich. Das klingt mir einfach zu sehr nach „Wer lenkt die Flüchtlingskrise?“ (auch wenn ich Ihnen diese Einstellung nicht unterstellen möchte).
    Dass Geflüchtete auch Meinungen vertreten können, die eher abzulehnen sind, spricht ihnen allerdings nicht die Fähigkeit ab dies erkennen und ändern zu können. Auch mit einer grundsätzlich pessimistischen Einstellung, sollte so viel Vertrauen in die Menschheit vorhanden sein.
    Das mit dem Umfeld sehe ich im Grunde so wie Sie. Nur geht mir dieses Denken, „die Deutschen“ oder „die Europäer*innen“ seien alle so aufgeklärt und weltoffen im Gegensatz zu Menschen die nicht in der goldenen Festung Europa geboren wurden ein bisschen auf die Nerven.
    Ich würde allerdings eher einen Terroranschlag in Deutschland erwarten, als dass „europäische Werte“ verloren gehen. Dafür bräuchte es nämlich mit Sicherheit ebenfalls länger als eine Generation.

    Und Machterschleichung ist irgendwie auch schon wieder so ein Euphemismus: die Menschen in der Weimarer Republik hatten mehrere Jahre lang Zeit sich mit Hitler, der NSDAP – ihrem Programm und ihrer politischen Praxis vor ’33 – sowie mit Mein Kampf auseinander zu setzen. Die Wahl fiel dann trotzdem auf den Nationalsozialismus. Erschleichung, Ergreifung, Übernahme – solch aggressiven Worte sind gar nicht notwendig. Hitler und die NSDAP wurden demokratisch gewählt, das sollte auch mal in der Sprache ankommen. Auch um sich der Verwundbarkeit einer jeden Staatsform – auch einer Demokratie – wieder bewusst zu werden.

  • joey

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    @anonym
    ja, richtig, die NSDAP wurde gewählt. Die Einführung des ganzen Terrorsortiments aber war nicht parlamentarisch, sondern auf Basis von präsidialen Notverordnungen. Eine Art Alternativlosigkeitspolitik. Der Reichstag hatte einfach keine Sitzungen mehr, da fiel es dann auch nicht mehr auf, daß ein guter Teil der Abgeordneten im KZ war.

    Plötzlich … nein, in vielen kleinen Schritten … war die Demokratie weg und keiner wollte sie mehr verteidigen, schon gar nicht die Reichswehr, die vorher zahlreiche rechte Putschversuche niedergeschossen hatte (darunter auch 1923 Hitlers „Blutzeugen“).

  • Radlertölpel

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    @anonym
    „Leider werde ich auch aus dem Rest Ihrer Antwort nicht so richtig schlau.“ Den Eindruck habe ich auch.

  • Eine Welt ohne Mitleid

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    @ anonym
    kommen Sie doch nächstes Jahr wieder zum Gedenkmarsch!

  • Mathilde Vietze

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    Zu Anna: Wenn es in Regensburg „religöse Verfolgung“
    gibt, die von der Stadt „geduldet“ wird, dann wäre es
    schon aufschlußreich, wenn Sie Roß und Reiter nennen
    würden. Wer gackert, muß legen!

  • Roland Hornung

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    Liebe Mathilde,

    Zustimmung! Das möchte ich auch gerne von Anna wissen….

  • Roland Hornung

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    Erinnern ist gut, richtig und wichtig.

    „Erinnerung ist unsere Pflicht an die Opfer“, das hatte schon Herr Professor Dr. Dünninger in sein Vorwort zum Buch von Herrn Otto Schwerdt geschrieben.

    Aber: Noch wichtiger als „erinnern“, als ausschließlich „zurückblicken“, ist es wachsam zu sein in Gegenwart und Zukunft!

    Es gilt, Flagge zu zeigen für die heute lebenden Juden. Flagge zu zeigen für den heutigen jüdischen Staat Israel. Für Demokratie, Vielfalt, Religionsfreiheit. Und gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen Judenfeindschaft, gegen Menschenfeindlichkeit.

  • menschenskind

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    „Es gilt, Flagge zu zeigen für die heute lebenden Juden. Flagge zu zeigen für den heutigen jüdischen Staat Israel. Für Demokratie, Vielfalt, Religionsfreiheit. Und gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen Judenfeindschaft, gegen Menschenfeindlichkeit.“

    Das sagt sich leicht, aber den Mut dazu haben nur wenige. Ich hatte ihn (den Mut) mal, so vor drei oder vier Jahren in Niederbayern. Setzte mir einen Strohhut auf und schlüpfte in ein T-Shirt mit dem Magen David (blauer Davidstern auf weißem Hintergrund, Flagge Israels) drauf und wagte den Gang durch Zentren von Kleinstädten der Region Ndb.

    Auch an mein altes japanisches Auto hängte ich eine Israelfahne dran, am Rückfenster, also da, wo nach den einschlägigen Fußballspielen bei anderen immer das penetrante Schwarzrotgold prangt.

    Nein, es war gar nicht lustig, was ich erlebte! Ich wurde teils angeschaut, als wäre ich ein Terrorist, manche spuckten aus, andere schauten nur despektierlich, wieder andere gaben durch Gestik und Mimik zu erkennen, dass ich ihren Unmut, ihre Abscheu, ja ihren Hass erweckt hatte.

    Kommentare, die ich hörte, rangierten von naiv-dumm, bis zu vermeintlich originell, von rassistisch bis mitleidig.

    Einmal warteten eine einheimische Oma und deren Enkel am Parkplatz vor dem Discounter auf mich, nur um mich zu fragen, was denn das für eine Fahne sei, die am Auto. Ich erklärte, dies sei so eine Art Weihnachtsstern, auf jeden Fall aus dem Heiligen Lande. „Aha, seht ihr Kinder, hab ich es euch doch gesagt“ – lautete in etwa die Antwort der Frau.

    Andere wollten wissen, ob jetzt gleich geschossen werde, ob ich Bomben mitgebracht hätte, oder ob ich vom Mossad wäre. Nur wenige reagierten gar nicht, bzw. übersahen das für viele mit so vielen Emotionen verbundene Symbol.

    Man braucht sich nicht zu wundern, angesichts der mangelhaften Bildung der Bayern in Bezug auf Judengeschichte des eigenen Landes bzw. fehlender Kenntnisse um Zusammenhänge bei der Gründung Israels, Israels Politik und Kultur.

    Welcher Bayer weiß denn schon, dass in keinem Land der Welt, mit Ausnahme der USA, jährlich soviele Bücher erscheinen wie in Israel?
    Kaum einem Bayern ist bekannt, dass es die wichtigsten israelischen Schriftsteller fast alle in deutscher Übersetzung zu lesen gibt,
    dass deutsche Verlage äußerst rührig sind und auch Kleinstauflagen nicht scheuen, um bestimmte israelische Autoren auch in Deutschland bekannt zu machen.
    Ferner weiß kaum ein Bayer, dass die Intellektuellen in Israel seit mindestens fünf Jahrzehnten für eine Integration der Araber kämpfen, für einen Ausgleich, für Frieden.

    Die meisten Bayern kennen lediglich ihre dämliche deutsche TV-Berichterstattung mit deren einseitigen Ansichten. Würden wir Bayern israelische Autoren wie Uri Avnery, Jehuda Amichai, Amos Elon, Benny Barbasch, Amos Oz, Alefbetjehoschua und andere lesen, hätten wir in der Tat ein differenzierteres Israel-Bild. Würden wir erkennen, dass es solche und solche Israelis gibt.

    Aber welcher Bayer liest heute schon? (und wenn dann doch nix über Iiiiiiisraeeeeel!)
    Die meisten wollen doch nur noch fernsehen oder elektron. Medien konsumieren, wollen nur noch passiv unterhalten werden,
    keine Eigeninitiative ergreifen,
    kein Buch in die Hand nehmen.

    Aber eins wollen’s unsane Bayern, eine Meinung haben und zwar über alles. Obwohl sie nur über ihr lächerliches TV-„Wissen“ verfügen.

    Was samma doch für ein armseliges, erbärmliches Bayern.

    Ihr Appell verpufft somit leider, Herr Hornung. Verlorene Liebesmüh.
    Die Mentalität der Bayern müsste man ändern…

  • Mr. T

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    Menschenskind, ich möchte das nicht bestreiten, kann mir aber schwer vorstellen, dass das in anderen Bundesländern viel besser ist.

  • menschenskind

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    „Menschenskind, ich möchte das nicht bestreiten, kann mir aber schwer vorstellen, dass das in anderen Bundesländern viel besser ist.“

    Eine wenig originelle Antwort und noch dazu eine, die ihren Autor als Nichtkenner der bayerischen Judengeschichte bloßstellt.

    Ich darf auch Sie daran erinnern, dass wir Bayern die größte Verantwortung tragen, weil wir nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart der Teil Deutschland mit der beklagenswertesten Bilanz in Sachen Judenfeindschaft waren und sind:

    Bayern weist, wie anerkannte Historiker und Nachschlagewerke bereits vor dem NS immer wieder feststellten, die blutigste und intoleranteste Judengeschichte aller deutschen Regionen auf. Dies bezieht sich auf einen Zeitraum von über eintausend Jahren.

    Bayern war ab dem 16. Jh. die Heimat der Gegenreformation, jener Bewegung aus der katholischen Kirche und der weltlichen Macht heraus, die Deutschland auf Jahrhunderte Zwist, Hader, Mord und Totschlag sowie später einen schmerzlichen Sonderweg in Europa angedeihen ließ.

    In Bayern wurden noch bis in die zweite Hälfte des 18. Jhs., in erster Linie von katholischen Inquisitoren, Frauen als Hexen verurteilt und hingerichtet; es waren mit die letzten Fälle in Europa.

    Obwohl Bayerns Herrscher lange Zeit erheblich von den Fähigkeiten ihrer jüdischen Bankiers und Hoffaktoren profitierten, hat kein Angehöriger der Dynastie der Wittelsbacher die Juden seines Landes in deren Bestreben nach Gleichberechtigung je unterstützt.

    Bayerns extrem ausgeprägter Partikularismus (lieber Bayern als Deutschland) verhinderte die Einigung Deutschlands auf Jahrzehnte. Als einer der letzten Kulturstaaten Europas wurde Deutschland somit erst 1870/1871 ein Nationalstaat, mit Folgen für seine weitere Entwicklung.

    Der jüdische Schriftsteller und Erfolgsautor Jakob Wassermann schrieb über seine Jugenderlebnisse in Bayern: “Zum erstenmal begegnete ich jenem in den Volkskörper gedrungenen dumpfen, starren, fast sprachlosen Haß, von dem der Name Antisemitismus fast nichts aussagt, weil er weder die Art, noch die Quelle, noch die Tiefe, noch das Ziel zu erkennen gibt. Dieser Haß hat Züge des Aberglaubens ebenso wie der freiwilligen Verblendung, der Dämonenfurcht wie der pfäffischen Verstocktheit, der Ranküne des benachteiligten, Betrogenen ebenso wie der berechtigten Abwehr, affenhafter Bosheit wie des religiösen Fanatismus. Gier und Neugier sind in ihm, Blutdurst, Angst verführt, verlockt zu werden, Lust an Geheimnis und Niedrigkeit der Selbsteinschätzung. Er ist in solcher Verquickung und Hintergründigkeit ein besonderes deutsches Phänomen. Es ist ein deutscher Haß.“

    Keine andere deutsche Region weist eine derart intolerante Sinti-und-Roma-Geschichte auf wie Bayern. So war München der Gründungs- und Wirkungsort der “Zigeunerzentrale”, jener Behörde, die ab 1899 unmenschliche Verfolgung von Angehörigen der Minderheit betrieb und deren Vorarbeiten der systematischen Vernichtung von einer halben Million “Zigeunern” durch die Nazis schon sehr früh den Weg ebnete.

    Um die Wende vom 19. auf das 20. Jh. traten in Bayern ganz besonders die Angehörigen des Jesuitenordens (SJ) als Hassprediger gegen Juden in Erscheinung. Noch heute gehören innerhalb der katholischen Kirche Jesuiten zu den unerbittlichsten Gegnern von Juden.

    Albert Einstein gab noch vor Erreichen seiner Volljährigkeit die deutsche Staatsbürgerschaft auf – wegen schmerzlicher, judenfeindlicher Erfahrungen im damals noch erzkatholischen Oberbayern.

    Bayern und München waren ab 1917 die Lieblingsaufenthaltsstätten (außerhalb Italiens) von Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., der wegen seiner Haltung gegenüber den Juden angesichts der Verfolgung durch Nazideutschland zum umstrittensten Kirchenoberhaupt der zweitausendjährigen Papstgeschichte wurde. Allerengste freundschaftliche Beziehungen verbanden Pacelli mit dem bayerischen Klerus und der bayerischen Dynastie der Wittelsbacher.

    Der bis in die Gegenwart in hohem Ansehen stehende, christliche Vorzeigeliterat der Bayern, Ludwig Thoma, trat als übler Hetzer gegen Juden auf. Die Zeitung, die 1920/1921 seine rassistischen Ergüsse anonym verbreitete, der oberbayerische „Miesbacher Anzeiger“, fand Abnehmer in ganz Deutschland.

    Bayern war Brutstätte und Wiege des Nationalsozialismus. Sowohl die antisemitische Thule-Gesellschaft (1918) als auch die NSDAP (1919/1920), die SA (1921) oder die SS (1925) – sie entstanden alle in Bayern.

    Sowohl in seinen Reise-, als auch in seinen Kriegserinnerungen (1906-1924; 1929) offenbarte Kronprinz Rupprecht von Bayern primitivsten Rassenhass. Der Thronprätendent der Wittelsbacher übertraf sogar noch die Menschenfeindlichkeit mancher Nationalsozialisten.

    Adolf Hitler fand in keiner anderen Region Deutschlands so viele Gleichgesinnte wie in Bayern; deswegen startete der katholische Deutschösterreicher von dort aus seine folgenreiche Karriere und erklärte später in „Mein Kampf“ München zu seiner Lieblingsstadt.

    Der gebürtige Bayer, Julius Streicher, verantwortete mit seinem Hetzblatt “Der Stürmer” die intensivste und wirksamste antijüdische Propaganda vor und während des Dritten Reiches.

    Karl Valentin, bis heute Lieblingskomiker vieler Bayern, denunzierte während des NS Juden, und er schrieb anbiedernde Briefe an Hitler.

    Der in München geborene und katholisch getaufte Heinrich Himmler gilt als der Initiator der Konzentrationslager Dachau und Auschwitz.

    Ebenfalls ein gebürtiger Oberbayer, Hermann Göring, gab die “Endlösung der Judenfrage”, die bekanntlich sechs Millionen Juden das Leben kostete, in Auftrag.

    Mit „Der Befehl des Gewissens“ (1937) verfasste Hans Zöberlein den judenfeindlichsten Roman der gesamten NS-Ära. Der bayerische Autor erzielte eine Gesamtauflage von über 1 Million Exemplaren.

    Das oberbayerische KZ Dachau war jenes Konzentrationslager, das am längsten, nämlich von 1933 bis 1945, ‘in Betrieb’ war; zugleich diente es als Musterlager für Auschwitz und rund 2000 weitere Lager.

    Seriöse Umfragen wie der OMGUS-Report stellten fest, dass der Antisemitismus der Deutschen, speziell der Bayern, auch nach dem Tode Hitlers bzw. nach dem Ende des Dritten Reiches, eine feste Konstante blieb.

    Die im Vorfeld der Verleihung des Literaturpreises der bayerische Landeshauptstadt München an den jüdischen Schriftsteller Lion Feuchtwanger (1957) hochwogenden christlich-konservativ-antisemitischen Proteste degradierten die Auszeichnung zur Farce.

    In Bayern entstanden in den 1980er Jahren die beiden rechtsextremen Parteien “Republikaner” und DVU.

    Die rechtsextreme NPD zählte 2008 im Bundesland Bayern ihre meisten Mitglieder.

    Gemäß den Erhebungen der Friedrich-Ebert-Stiftung war Bayern in den Jahren 2006, 2008 und 2010 das deutsche Bundesland mit den meisten Judenhassern, den meisten Verharmlosern des NS und einem besonders hohen Anteil an Fremdenfeinden.

    Bayern bescherte Deutschland 2009 den vorerst letzten und zugleich weltweit meist beachteten Fall von Holocaustleugnung. Bayerisch-katholische Frömmler (“Piusbrüder”) hatten den britischen Bischof Williamson eingeladen.

    Bayern weist laut Statistiken der Jahre 2011 und 2013 die höchste Selbstmordrate aller deutschen Bundesländer auf.

    Neben dem Saarland gilt Bayern als das katholischste Bundesland der BRD. Im östlichen Bayern, in den Bezirken Niederbayern und Oberpfalz beträgt der Katholikenanteil sogar bis zu 90 %.

    Lange Zeit war man davon ausgegangen, dass die 1976 an der epilepsiekranken Studentin Anneliese Michel von bayerischen Geistlichen, und mit tödlichem Ausgang, vollzogene „Teufelsaustreibung“ die letzte derartige in Deutschland war. Jedoch belehrte im Jahre 2013 ein Aufruf des bayerischen Papstes Benedikt XVI. an seine, den Exorzismus praktizierenden, Geistlichen die Öffentlichkeit darüber, dass dem „Teufel“ in der katholischen Kirche nach wie vor ein fester Platz eingeräumt wird.

    Eine Studie der Universität Leipzig stellte 2015 fest, dass Bayern das judenfeindlichste deutsche Bundesland ist.
    http://www.hagalil.com/2012/01/bayer-2/

  • Mr. T

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    Dass ich kein ausgewiesener Kenner der bayrischen Judengeschichte bin, hätte ich auch in einem Satz sagen können. Ich würde das auch nie behaupten.
    Die ganzen aufgezählten Beispiele zweifle ich auch nicht an, einige sind mir durchaus bekannt und sie sind allesamt sicher keine Gründe auf Bayern stolz zu sein. Aber all das widerlegt auch nicht meine Aussage, dass die im vorigen Beitrag nur auf die Bayern bezogenen Aussagen nicht auch für einen guten Teil der Menschen in anderen Regionen Deutschlands gelten. Und die niederbayrischen Erlebnisse wären so in einer sächsischen Kleinstadt durchaus auch denkbar.
    Bayern bin ich, Bayern ist Menschenskind, Bayern ist aber auch Anita F., Horst Seehofer, die NSAfD Regensburg, die Israelfreunde oder auch Walter Strohmeier.

  • Mathilde Vietze

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    Wenn einer „katholisch getauft“ ist, besagt das noch lange
    nicht, daß er allein deswegen ein besonders guter Mensch
    ist. Genauso darf ein bekennender Atheist nicht von vorne-
    herein als schlechterer Zeitgenosse diffamiert werden.

  • Mr. T

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    Frau Vietze, Sie haben schon recht, aber ich würde es genau umgekehrt ausdrücken ;-)

  • Next Busstop Dachauer-Platz : Jakob Maulwurf-Friedl

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    […] Der „Dachauplatz“ muss wieder zum Dachauplatz werden! Das geht nicht, ohne sich dessen Bedeutung zu vergewissern. Am 23. April wird in Regensburg nicht nur der Opfer vom 23. April und des für Regensburgs Bausubstanz glimpflich verlaufenen Kriegsendes gedacht, sondern auch der Befreiung vom Nationalsozialismus. Erinnert wird an die Todesmärsche, das KZ-Außenlager im Colosseum in Stadtamhof, an die verfolgten Kommunisten und Sozialdemokraten, an die jüdischen Opfer und an die vom Neupfarrplatz, an die Sinti und Roma, an die Homosexuellen und an die „Bibelforscher“ und an die vielen weiteren Opfer. Es sind nicht nur Regensburger unterschiedlicher Identität, sondern auch Angehörige der Opfergruppen, die sich am 23. April seit Jahrzehnten zusammenfinden. http://www.regensburg-digital.de/erinnern-ist-auftrag-fuer-unser-heutiges-handeln/23042016/ […]

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