"So helft ihnen doch!"

Man kann Menschen auch mit einer Wohnung töten…

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Zu den Gemeinschaftsdusche im Keller schafft es Frau X. nicht. Behindertengerecht sind sie ohnehin nicht.

Zu den Gemeinschaftsduschen im Keller schafft es Frau X. nicht. Behindertengerecht sind sie ohnehin nicht.

Nach einem Anruf hat Rechtsanwalt Otmar Spirk eine Bewohnerin in der Aussiger Straße besucht. Sein erschütternder Bericht und ein Appell.

Von Otmar Spirk

Bis zur Haustür schaffe ich es noch, professionell cool zu bleiben. Dann schüttelt es mich, und die Tränen laufen nur so herunter. Ein Teil von mir wünscht sich, das hier nie gesehen zu haben.

Dabei hatte es gut angefangen: Ein Anruf, die Stimme der Frau klingt sympathisch. Sie bedanke sich für den Artikel in regensburg-digital über die junge Frau mit dem Kleinkind. Gut, dass sich jemand mal wehre. Na, die nette Frau würde ich gerne mal kennen lernen.

Die Haustür in der Notunterkunft Aussiger Straße ist offen, ich klingele an der Wohnungstür im zweiten Obergeschoss. Es dauert, dann öffnet mir die Anruferin. Erster Blick: Sympathisches Gesicht, groß und fettleibig, die Frau. Ich bemerke, sie hinkt leicht, der Stützapparat trägt sie kaum noch.

Frau X. ist hier mehr oder weniger eingesperrt

Wir setzen uns in ihre Wohnküche, wenn man das Halb-Zimmer so nennen kann. Ich registriere: Wenig Platz, aber sauber und ordentlich. Frau X erzählt, sie leide genetisch bedingt an einer Stoffwechselerkrankung. Sie habe zwar einen Rollstuhl, aber der stehe im Keller, weil ihre Notunterkunft dafür zu klein ist. Ja, das sehe ich. Sie hat im Schwerbehindertenausweis die Merkzeichen G(ehbehinderung) und B(egleitung), das heißt, sie braucht für größere Fortbewegung eine Begleitung. Womit wir mitten beim größten Problem von Frau X sind: Sie ist mehr oder weniger hier im zweiten Stock eingesperrt.

Sie hat zwar einen Mann, erzählt sie, aber der arbeite sechs Tage in der Woche in der Region bei einer großen Firma. Aha, ein fleißiger Steuerzahler, denke ich mir am Rande. Der Mann sei ebenfalls körperlich angeschlagen. Frau X schafft es daher unter anderem nicht in den Keller der Notunterkunft zu den Gemeinschaftsduschen.

Ja, wie? Wie wäscht sich Frau X dann? Sie wasche sich am Handwaschbecken in der Toilette. Die Haare müsse ihr der Mann waschen. Später fällt mir ein, dass ich die Gemeinschaftsduschen schon mal besichtigt habe: Die sind ja gar nicht für Schwerbehinderte eingerichtet.

Die Pressestelle der Stadt antwortet auf die Anfrage von regensburg-digital dazu:

„Es ist bekannt, daß Frau X. an Adipositas leidet. Hilfsangebote wurden nicht angefordert oder thematisiert, da sie sich laut eigenen Aussagen in ihrer Notwohnung am Waschbecken wäscht.“

Der Gang zur Toilette: demütigend und schmerzhaft

Ich darf mir die Toilette anschauen: Ein enger Schlauch, es kommt erst das Waschbecken, aus dem, wie in der Notunterkunft üblich, nur kaltes Wasser kommt, ganz knapp dahinter ist die Kloschüssel. Ich komme da gerade so rein, Frau X muss sich da wohl quer reinschieben. Aber wie soll sie aufs Klo kommen? Ganz schwierig für sie, sagt Frau X. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie hier an dem Waschbecken vorbei auf die Kloschüssel kommt. Es muss jedes Mal sehr schmerzhaft und demütigend sein.

Die Stadt antwortet dazu:

„Frau X. hat nach eigenen Aussagen ein kleineres Waschbecken bei der Pflegekasse beantragt. Ob von dieser bereits eine Entscheidung getroffen worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis.“

Aber was ist, wenn da das nötige wirklich kleine Handwaschbecken reinkommt? Wie soll sich Frau X dann wiederum noch waschen bzw. waschen lassen ? Ich merke, das macht mir jetzt zu schaffen.

Am Anfang stand eine Zwangsräumung durch die Stadtbau

Sie erzählt, sie würden jetzt so viereinhalb Jahre in der Notunterkunft wohnen. Dazu gekommen sei es nach einer Zwangsräumung durch die Stadtbau. Sie hätten zwar am Schluss noch die ausstehende Miete zusammen gekratzt, aber die Stadtbau habe nicht mehr gewollt. Aha, die Frage von „selber schuld“, hier gelandet zu sein. Hm. Einmal gesündigt, auf Ewigkeit verdammt?

Aber die Eheleute X sind schon viereinhalb Jahre hier, da muss doch eine passende Wohnung zu finden sein? Frau X sagt, sie hätten wirklich gesucht. Bei dem Sozialwohnungsbauunternehmen G. habe ihnen die Dame direkt ins Gesicht gesagt, an Leute aus der Aussiger Straße würden sie nicht vermieten. Und was hat die Stadt getan? Nein, von der Stadt hätten sie bisher kein einziges Vermittlungsangebot für eine Sozialwohnung bekommen. Ich vermag das nicht zu glauben, so geht das doch nicht, selber schuld hin oder her.

Die Stadt antwortet:

„Frau X. ist nach eigenen Angaben als Rollstuhlfahrerin auf barrierefreie/ rollstuhlgerechte Wohnung angewiesen und benötigt entweder eine Wohnung im Erdgeschoss oder einen Aufzug. Zudem ist im Antrag eine maximale Warmmiete angegeben. Auf Grund der genannten Bedingungen konnte für das Ehepaar X. bisher keine Wohnung gefunden werden. Es sind leider keine geeigneten Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen frei geworden. (…) Ansonsten hat jede Bewohnerin/ jeder Bewohner (was die Wohnungssuche angeht) eigenverantwortlich zu handeln. Frau X. hat dies auch in angemessener Art und Weise getan.“

Vielleicht braucht diese fett gewordene Stadt das…

Frau X erzählt mir, sie leide inzwischen an Depression. Hätte sie mir gesagt, sie werde gleich aus dem Fenster springen, hätte ich es auch gut verstanden. Vielleicht braucht diese fett gewordene Stadt das: Aussortierte Menschen, die vor lauter Verzweiflung aus dem Fenster springen? Mir fällt die sterbenskranke Rollstuhlfahrerin ein, die das Sozialamt vor kurzem im Sofortvollzug auf die Straße werfen wollte, und die – nach erfolgreicher Klage – kurz vor der Rückkehr in die Notunterkunft gestorben ist.

Da Frau X keine nennenswerte Unterstützung durch das Sozialamt erfährt, hat sie doch einige Fragen über die Gerechtigkeit im Elend. Warum werden in dem Haus in der Aussiger Straße, das für Flüchtlinge mit Bleiberecht frei gemacht worden ist, zusätzliche Duschen eingebaut, während es bei ihnen bei den zwei Gemeinschaftsduschen pro Haus im Keller bleibt?

Die Stadt antwortet:

„Nach unserem Kenntnisstand wurden zusätzliche Duschen von der Regierung der Oberpfalz eingebaut. (…) Es laufen derzeit bereits erste Planungen, um die Notwohnungen in der Aussiger Straße komplett zu sanieren – auch die Sanitäranlagen. Ein konkreter Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest. Aktuell würde ein weiterer Einbau von Duschen zu Lasten von Wohnraum gehen.“

Und Frau X. fragt: Warum ist die Haustür schon seit 2016 nicht mehr absperrbar? Sie fühlt sich unsicher, wenn jeder das Haus jederzeit betreten kann. Das ist auch mir schon bei den anderen Häusern der Notunterkunft aufgefallen. 

Mir fällt ein Zitat von Heinrich Zille ein: „Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt.“ Nach meinem Gefühl bin ich gerade Augenzeuge eines fortwährenden Totschlags geworden, und kann nichts wirklich machen. So helft ihnen doch!

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Kommentare (34)

  • Helmut

    |

    Da ist es wieder….Sanierung geplant….in 3 Jahren und dann werden wie 2006 oder 2007 alle gekündigt, zwangsgeräumt und umgesiedelt. Wer keine Wohnung findet landet….

    Hatte ich nicht schon erwähnt das dort für Behinderte und Kranke kein Platz ist. Allein schon am Eingang. Hochpaterre….mit einem Rollstuhl rein ins WC , rückwärts raus ohne transfer? Treppen zu den Duschen und dann wird der dort unten noch naß.

    Allerdings verstehe ich trotzdem nicht wenn der Mann nicht da ist, warum besagte Frau nicht versucht einstweilen in einem Pflegeheim unterzukommen.
    Mit dem Rollstuhl als Hilfsmittel kann der unmittelbare Nahbereich….übrigens nicht definiert erschlossen werden….ohne Hilfe dort nicht. Wo ist eigentlich hier ein Pflegedienst der dann dabei hilft? Die Frau ist schon mal schlecht aufgeklärt was übrigens auch ein Mangel unseres Systems ist. Nach und nach erfährt man was einem zusteht. Ein Umbau steht ihr einmalig zu……..
    Auch hier hätte die Stadt erkennen müssen das Not besteht, eine Person so schlecht klarkommt und zumindest einen Sozialarbeiter vorbeischicken um Lösungen zu suchen, wie eben Pflegeheim oder Wohnheim.
    Das Waschbecken in den WC ist schon klein, wusste gar nicht das es noch kleiner geht und eben auch nur kaltes Wasser, wer sich keinen Boiler leisten kann, den der würde von der Grundsicherung finanziert werden müssen. Wie eben auch ein Ofen oder Radiator. Zweiteres reißt ein Megaschuldenloch. Übrigens ist das Wasser dort oben sehr hart, das Boiler schnell verkalken. Wie auch schon erwähnt gab es sogar eine Dusche die sich ein oder 2 Parteien geschnappt haben und ein anderes Schloss angebracht haben. Beschwerden verliefen sich im Sand. Hunde, Geschirr und Autofelgen wurden dort ebenso gereinigt. Der Stadt definitiv bekannt, der Hausmeister sah zu usw. hat auch nicht selten sein Bierchen mitgetrunken.

    Die Haustüren nicht verschlossen ist kein Phänomen. Das war vor 10 Jahren schon so und machen die Bewohner selbst wieder auf. Ist übrigens nicht nur dort so.

    Die ganze Wohnanlage hat ein eigenes Leben welches sich der „normalen“ Gesellschaft entzieht, sogar der Stadt usw. Zu dem verliert man dort oben den Bezug zur Realität. Man bedenke auch, der Mensch ist ein Gewohnheitsmensch.

    Die Sätze, wir vermieten nicht an Personen aus der Aussiger, kenne ich sogar von der Stadtbau selbst. Von Arbeitgebern ist eine der ersten Fragen gewesen , trinken sie oder nehmen sie Drogen. Von der Rewag wurde keine Ratenzahlung an Personen aus der Aussiger angenommen, eher der Strom gesperrt und der war in meinem Falle warum auch immer 3 mal teurer als jetzt und zuvor.

    Ja ich habe vor 10 Jahren dort oben für knapp 3 Jahre gelebt und leben müssen. Zum einen war mir nicht klar wo ich da lande, zum anderen war es einfach eine Scheiß Situation, und hätte ich gewusst was auf mich dann alles zukommt , hätte ich mir quasi lieber eine Brücke gesucht. Zum einen denke ich an eine frustrierende Zeit zurück zum anderen, hört es sich komisch an, konnte man dort, sich richtig am Arsch lecken lassen, scheiß egal,mach das beste drauß. Verufen , verschrien, Weg vom Schuss, lebt es sich ungeniert. Wäre da nicht ein Drang nach vorne gewesen oder zurück ins Leben bzw ein Kind unterwegs dem ich das nicht zumuten wollte.

  • erich

    |

    und das laut Merkel im besten Deutschland das wir je hatten.
    Und das in einer Stadt, das von den Parteien CSU und SPD mit einem „S“ozial im Parteinamen, die in den letzen Jahrzehnten die Politik dieser Stadt dominiert haben.

  • Berger Steve

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    Nachdem ich selbst viele Jahre in der Kaserne zugebracht habe und weiss um die Zustände Aussiger Str, kann ich über folgenden Artikel nur den Kopf schütteln.
    „Regensburg: Neue Wohnungen für Asylbewerber in der Prinz-Leopold-Kaserne“
    Wäre dort nicht auch noch vernünftiger Wohnraum für die armen Teufel aus der Aussiger???

  • Tobias

    |

    Es scheitert also nicht am finanziellen (der Mann geht ja arbeiten und ansonsten steht das Geld ja lt. dem Artikel nicht im Vordergrund), sondern an der Tatsache, dass es (angeblich) keine barrierefreie Wohnungen auf dem Markt gibt, in die Frau und Herr X. einziehen könne. Im Prinzip ist der ganze Artikel, so „gerne“ ich ihn gelesen habe, eher Mittel zum Zweck, mal wieder über den schlechten Zustand in der Aussiger Straße zu berichten.

    Da der Mann „in der Region“ arbeite, biete sich doch bestimmt auch eine Wohnung auf dem Land an, oder etwa nicht? Oder zumindest nahe Regensburg mit Einkaufsmöglichkeit. Denken Sie, es juckt jemanden in, sagen wir mal, Pettendorf oder Lappersdorf, wo die Aussiger Straße liegt? Oder beharrt man darauf, in Regensburg zu bleiben und guckt dann mangels Flexibilität aus der Wäsche – was theoretisch wieder nichts mit dem Zustand der Not(!)unterkünfte zu tun hat?

  • R.G.

    |

    Na, wo ist sie denn, die liebe allumfassende, den Menschen zugewandte katholische Kirche?
    Lässt sie sich regelmäßig in den Häusern blicken?

  • RUDOLPH

    |

    Ich würde gerne auf den Tisch hauen und schreien, es ist schon schwer zu ertragen, von soviel Leid zu hören, wie schlimm muss es sein, es selbst zu erleben. Vielleicht könnte Dietlmeier seinen Porsche-Cayenne der Frau X. für Einkaufsfahrten zur Verfügung stellen oder Frau Schimpfermann ihr Werbehonorar von remax spenden, oder Hartl könnte seine verbilligte Tretzel-Wohnung an Frau X. überlassen, oder Schaidinger könnte Frau X. zu einem Rundflug in seinem Privatflugzeug einladen, oder der Huber überlässt seinen städtischen Dienst-Elektro-BMW für Arztbesuche an Frau X, oder Wolbergs gibt von seinen Tretzel-Spenden ein paar EURO an Frau X.

  • erik

    |

    Kommentar gelöscht. Keine Gewaltaufrufe.

  • erich johannes

    |

    „Vielleicht braucht diese fett gewordene Stadt das…“ natürlich braucht er oder sie das, so tickt der Deutsche, er oder sie brauchen immer noch einen den es schlechter geht als ihm oder ihr selbst, damit er oder sie wenn sie oder er nach oben kriechen, sich unterordnen und schleimen nach unten herabsehen und treten können. Nur wenn ihm oder ihr selber Unrecht geschieht, dann wälzen, strampeln und zappeln sie sich am Boden und schreien nach Hilfe und wollen von der ganzen Welt bedauert werden. Das nennt sich Ellenbogengesellschaft und in Ellenbogengesellschaften hat es die Politik leicht ihre Politik der Verarmung und Verelendung ganzer Landstriche und Bevölkerungsgruppen umzusetzen, deshalb gibt es in Deutschland die Agenda 2010 bzw. Hartz-Reformen und in anderen Ländern, in denen sowas wie Gemeinsinn noch besteht, eben nicht.

  • Burgi Geissler

    |

    Dieser Bericht zeigt wieder einmal, dass die Frage, wieweit Betroffene an ihrer elenden Situation selbst Schuld haben oder nicht, nicht weiterhilft.
    Aus Bosheit kommt niemand in die Lage, seine Wohnung zu verlieren und in einer Notunterkunft wie in der Aussigerstraße zu landen. Es gibt immer Gründe, sozial und finanziell in eine Abwärtsspirale zu kommen. Oft glauben die Menschen, sie könnten es alleine schaffen oder sie schämen sich, Hilfe anzunehmen, wenn sie denn überhaupt von Hilfsangeboten wissen.
    Umso notwendiger ist es, hier möglichst frühzeitig aufsuchende Sozialarbeit anzubieten und dies auch mehrmals, wenn die Hilfe erst einmal abgelehnt wird. Solche Hilfen könnten über einen funktionierenden Mietersozialdienst (wie ihn die Stadtbau unter Geschäftsführer Daut installiert hat, leider von Herrn Becker wieder abgeschafft) oder von Sozialpädagogen des Sozialamtes erfolgen. Voraussetzung ist jedoch, dass mit den Betroffen nicht autoritär und respektvoll umgegangen wird, wie es heute Standard in der Sozialpädagogik ist (Konzept Empowerment).
    Wenn eine Zwangsräumung verhindert werden kann, erspart dies den Betroffenen nicht nur viel Leid, sondern auch der Wohnungsbaugesellschaft und dem Staat eine Menge Geld. Es ist immer teurer einen Missstand zu beseitigen als ihn gar nicht entstehen zu lassen.
    Am besten wäre es, wenn die Stadt eine ausreichende Anzahl menschenwürdigen Wohnraum in allen Stadtteilen anmietet und Menschen, die obdachlos werden zur Verfügung stellt. Die Unterbring von Obdachlosen ist im Übrigen Pflichtaufgabe aller Gemeinden. Mit begleitender Hilfe zur Lösung der Probleme, die zur Räumung geführt haben, könnte die Wohnung dann wieder direkt an die Betroffenen als Mietwohnung vergeben werden. Allerdings müssten dann erneut weitere Wohnungen seitens der Stadt errichtet, gekauft oder gemietet werden. Mit einem solchen Konzept würde es vermieden, eine Parallelgesellschaft aus Armen und Ausgestoßenen wie in der Ausssigerstraße zu errichten. Ein solches Konzept muss jedoch von der Politik beschlossen und mitgetragen werden. Für eine Stadt wie Regensburg, die eine 100%ige Tochter als kommunale Wohnungsbaugesellschaft hat, müsste dies zu schaffen sein.
    Unabhängig davon muss die Notwohnanlage Aussigerstraße zumindest in dem Umfang saniert werden, der auch für Flüchtlinge gemacht werden. Notwendig sind: Zentralheizung (zur Vermeidung von Schimmelbildung), Duschbäder innerhalb der Wohnung oder zumindest auf den Stockwerken. Im Bei Behinderten und gesundheitlich eingeschränkten Menschen ist zu prüfen, ob die Wohnung ( auch nach einer Sanierung) überhaupt für dieses Klientel geeignet ist.

    Übrigens: das von Otmar Spirk verwendete Zitat ist nicht von Zille. In Geo Epoche 12 03/04 zur Sozialgeschite Berlin um 1000 heißt es:“ „Kaum irgendwo in der Welt wohnt man so dicht; es ist, als ob nicht für Menschen Unterkunft geschaffen werden sollte, sondern für Maulwürfe“, ist in der Zeitschrift „Die Zukunft“ zu lesen. Die Wohnungszählungen von 1900 und 1905 bringen Zustände zutage, die den sozialdemokratischen Abgeordneten Albert Südekum zu dem Schluss kommen lassen: „Man kann einen Menschen mit einer Wohnung geradeso gut töten wie mit einer Axt.“
    Diese Zitat stand übrigens als Motto über dem ersten Bayrischen Treffen zum Programm Soziale Stadt im Jahr 2001. Dieses Programm versucht flächendeckend in ca. 800 Projekten in Deutschland, Soziale Brennpunkte zu sanieren.

  • Rosalia Genoveva

    |

    Der Bonifaz sagt, bald bekommt die Sach ihre Aufmerksamkeit, die was ihr zusteht.

    Es sei nur mehr eine Frage von Tagen, bis der Oberbürgermeister Wolbergs bei seinen privaten Spaziergängen durch die Aussiger Straßen kommt. Weil er wird schon vorher gwollt habn, aber immer keine Zeit nicht ghabt haben.

    Wie er bei die Sportler ganz zufällig eine Medaile dabeighabt hat, ist zu rechnen, dass er bei den Bauten mit den Sozialfällen wieder zufällig Putzzeug oder sonstwas für die Leut Wichtiges dabeihaben wird, weil er aus tiefstem Herzen immer schon eigentllich ein Wooohlbergs gwesen ist, und sich jetzt so freut, dass er das endlich zeigen darf.

  • Mathilde Vietze

    |

    Liebe Burgi Geissler, es ist doch klar, daß man Menschen, die in
    Not sind, helfen muß. Warum aber wird man von gewissen Leuten
    gleich in die AfD-Ecke gestellt, wenn man von den Betroffenen
    Eigenverantwortung einfordert. Es ist noch niemand aus Be-
    hördenwillkür obdachlos geworden. Nur, manchen ist alle
    scheißegal und wenn sie dann in der Tinte sitzen, wird drauf-
    losgeschimpft und natürlich sind immer die anderen schuld.
    Wer so undifferenziert argumentiert, wie einige Kommenta-
    toren, liefert AfD und Konsorten die beste Munition.
    Außerdem kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, daß
    es einigen nur darum geht, die Stadt Regensburg als unsozialen
    Sauhaufen vorzuführen.

  • R.G.

    |

    @Mathilde Vietze
    Sie machen es mir mir mit Ihrem verlässlichen „nach oben loben, nach unten treten“ schwer, Ihre Individualität zu sehen. 

    Denn eigentlich ist ihr Auftreten gegenüber sozial Schwächeren uniform und von vorgefertigten Parolen bestimmt. Deshalb wäre ich leicht versucht, die Verantwortung für IHR so ungehemmtes pauschales Herschimpfen über die weniger Geschickten und über schuldhaft in Not Geratene, einer Beeinflussung durch politische Parolen einer Partei zuschreiben zu wollen.

    Ich sehe das inzwischen ganz anders – und es kostete mich Mühe, mir diesen Ton zu gestatten: Sie sind ganz allein und voll verantwortlich für Ihre Worte, die mir wie wie ungehemmter Neid klingen.
    Gönnen Sie den Gescheiterten den Aufstieg nicht mehr?
    Sollen diese, anders als ein Totschläger oder Mörder, niemals eine Chance auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft erhalten?

    Sie, als vermeintlich christlich-sozialistisches Aushängeschild, tragen die Verantwortung für Ihre gegenüber Unglücklicheren und Unfähigeren oftmals hartherzigen Äußerungen.

    Wenn ich bei schwierigen und kaum eingliederungsfähigen Menschen, vom Rand der Gesellschaft oder von weit außerhalb, Unfähigkeit zum Mitgefühl erlebe, dann frage ich mich routinemäßig: Was hat dieses Exemplar Mensch an Zuwenig erlebt, oder was hat es Zuviel konsumiert, dass es so entmenschlicht reagiert?

    Bei Schreibern in Foren kommen weitere Fragen hinzu.
    Da gibt es die, die in ihrer seit ihrem Aufstieg „besseren Gesellschaftsschicht“ nie aufgefordert wurden, soziale Verantwortung für Schwächere und Unfähigere zu leben, dann gibt es Egoisten und Sorglose. Und schließlich solche, die ihren erdachten Höherwert aus der regelmäßigen Erniedrigung Unglücklicherer ableiten.

    Parteizugehörigkeit hebt die Verantwortung des Einzelnen nicht auf.

  • Mr. T

    |

    Eine Schuldfrage ist hier komplett irrelevant. Jeder Hinweis darauf ist asoziales Victim Blaming. Sanitäter oder Feuerwehr fragen erörtern bei einem Unfall oder Brand auch nicht erst wer Schuld hat, sondern helfen. Hier geht es einfach nur um Notlagen.

  • Mathilde Vietze

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte bleiben Sie beim Thema.

  • Mathilde Vietze

    |

    Verehrter „R.G.“ – Es ist Ihr gutes Recht, meinen Kommentar zu
    kritisieren. Ich hätte mich gerne überzeugen lassen. Leider aber
    enthält Ihr Kommentar keine plausiblen Gegenargumente, son-
    dern nur eine Aneinanderreihung von Unterstellungen. Das
    ist nicht zielführend. Mit Rücksicht auf andere Kommentatoren
    sind „Zwiegespräche“ nicht sinnvoll. Was halten Sie davon, wenn
    wir uns zu einem persönlichen sachlich-kontroversen Gespräch
    treffen. Ich bin fest davon überzeugt, daß es Ihnen gelingt, mich
    eines Besseren zu belehren. Bis dahin begleiten Sie meine bes-
    ten Wünsche.

  • R.G.

    |

    „Eine Schuldfrage ist hier komplett irrelevant. Jeder Hinweis darauf ist asoziales Victim Blaming. „( Mr.T. )

    Müssten wir davon ableiten lernen, dass Sozialarbeit, wenn sie vorwiegend nach der ursprünglichen Schuld der Bedürftigen fragt – egal wieviel Ausbildung ihre Fachleute haben- de facto unprofessionell handelt?

    Ich denke als Beispiel an ein Lokal in einem sozialen Brennpunkt einer Stadt.
    Man hatte sich um das durchwegs von Gastarbeitern behauste Viertel (das war kein Wohnen, höchstens ein Hausen zu zig Menschen in einem Raum, je zum Preis der Miete einer ganzen Wohnung) sozialarbeiterisch schlecht, und wenn überhaupt, dann auch noch vom Leitbld her völlig unpassend gekümmert.

    In einem Cafe des Viertels verschwanden immer mal Männer in ein Hinterstübchen, wenn sie herauskamen, wirkten sie, sagen wir mal zufrieden bis sehr beglückt.

    Einer von uns Inländern – wir hatten uns dort hineinverirrt und das Vorhandensein des „Verbotenen“ bemerkt- stürmte forsch nach hinten, bereit später den Behörden gegenüber ein „Geheimbordell im Hinterzimmer“ auffliegen zu lassen.

    Was er entdeckte war, dass einer der vermeintlichen Kellner seelenruhig und mit Eselsgeduld jedem dort Wartenden nach und nach beim Ausfüllen von Formularen half.

    Wir unterhielten uns mit dem Lokaleigner.
    Er sah seine Rolle nicht als Ermöglichen von Gutem, sondern als Überwindung der von unseren westlichen Sozialfachleuten verordneten „Lähmung“ der natürlichen Hilfswilligkeit der Bürger.

    In seiner Heimat werte man das Vorlesen vom Amtsbriefen, und die Hilfe beim richtigen Verstehen der Formularsprache als „Kultur“, er wolle ein Kulturcafe haben.

    Um das zu erreichen, zwicke er wenige Stunden pro Monat bezahlte Zeit für die Probleme der Gäste ab. Fallweise leiste man sich einen inländischen Anwalt, der halte Erstberatungen ab. Finanziert werde das durch Mitgliedsbeiträge einerseits, und Erfolgshonorare andrerseits. Es gebe damit nichts gratis.

    Wir wurden dort gern gesehene Stammgäste, was sonst?
    Eines Tages bat uns der Besitzer regelrecht, am Samstag gegen Zahlung einer Pauschale an einem einen halben Tag dauernden Brunch teilzunehmen.
    Vorher hatten wir gehört, das Angebot sei schon ausverkauft.

    Er meinte, er habe Plätze freigehalten für Eltern, deren Umgang mit ihren Kindern ihm nachahmenswert erscheine, seine Landsleute wollten sich samt ihren Kindern an freundlichen Westlern orientieren können…

    Der Mann hatte ein Gesellschaftliches Konzept.
    Daraus handelte er.

  • El

    |

    @ R.G.
    Eben ! Daran mangelt es – an einem „gesamtgesellschaftlichen Konzept“, was den Umgang der Menschen miteinander und insbesondere mit Hilfsbedürftigen anbelangt.

    Solange das nicht funzt , kann ich den Standard in der Sozialpädagogik, der sich Empowerment nennt, nur müde belächeln.

    Abgesehen davon, dass so ein Standard ja nicht funktioniert wie beim Auto, das vom Band rollt. Dort gehört dann eine optimierte Hupe zum Standard . Weil das Vorläufermodell nicht mehr produziert wird.

    Sozialarbeit wird aber von Menschen ausgeübt ….mit Verhaltensweisen, psychischen Programmierungen und Urteilen , sowie Vorurteilen. So ein Sozialarbeitermodell kann nicht einfach mit einem Empowerisierungsinstrument nachgerüstet werden bzw. mit dem von tief innen heraus wirkenden Glauben daran, dass alle Menschen gleichviel wert sind.

    Selbst wenn dies funktionieren sollte , wird so ein Empowerwunderwirkender Sozialarbeiter mit seiner Werkzeugkiste scheitern , weil er ja Menschen, die aus einem völlig kaputten System rausgeflogen sind, nicht in dieses zurückbringen kann.

  • R.G.

    |

    @ El
    Ihr ganzer Beitrag trifft die Wahrheit.

    Da ich mir gerne selbst ein Bild mache, was in den Verpackungen, z.B. „Empowerment“ drin ist, begab ich mich konsequent in Fachforen und Usergruppen zum Thema.
    Ich konnte in keinem Fall einen Diskussionsstil erkennen, der nur annähernd Dialog zu nennen wäre.

    Überhaupt kreiert man im sozialen Bereich ununterbrochen neue „Wortlumpen“ zum Drüberhängen übers alte System, sie sind anscheinend so schlecht, dass man sie wenige Jahre später schon wieder gegen ein neues sprachliches Modell tauschen will.

    Der Grundtenor bleibt gleich:
    *drücke dich als Sozialarbeiter möglichst in Fachsprache aus, damit sich die Distanz zum Normalvolk und vor allem zu den Bedürftigen erhöht
    *sage nie, welche Kompetenzen bis hin zur Kindesherausnahme du dir plötzlich zumisst, wenn dir ein Klient, eine Familie, für einen Zornmoment nicht zu Gesicht steht
    *versuche möglichst viele Menschen als psychisch defekt einzuordnen und schicke sie in Therapie. Mache dafür engagiert öffentliches Geld locker, das du z.B. zur Lösung von Misständen beim Wohnstandandard völlig verschwendet fändest.

    usw.

  • Burgi Geissler

    |

    An El und RG
    Dass Sie ausgerechnet den Ansatz Empowerment so heruntermachen, kann wohl nur ein Missverständnis sein, gepaart mit sehr schlechten Erfahrungen mit der Sozialarbeit.
    Empowerment ist der Ansatz in der Sozialarbeit, der die Menschen nicht mehr durch ihre Probleme und Defizite definiert, sondern an den Stärken und an der Eigenverantwortung ansetzt. Die Grundaussage ist:
    • jeder Mensch hat unveräusserliche Rechte, die gewahrt werden müssen
    • jeder Mensch hat Stärken und die Fähigkeit zum Wachstum
    • mit allen ist respektvoll umzugehen und ihre Selbstbestimmung zu achten, selbst dann wenn man glaubt oder sogar weiß, dass die Betroffenen sich damit schaden wie z.B. bei Drogenkonsum
    • Sozialarbeit hat die Aufgabe, die Menschen bei dem (Selbst-)Heilungsprozess zu unterstützen und zu begleiten und nicht, ihnen autoritär sagen was sie zu tun haben. Hilfe ist ein Angebot und keine Verpflichtung der Klienten der Sozialarbeit.
    Dieser Ansatz ist mitnichten etwas Neues, sondern wird seit Jahrzehnten so gelehrt und erscheint – mir jedenfalls – als der einzig sinnvolle Weg, jemandem tatsächlich zu helfen und ihn nicht zu entmündigen.
    Es gibt natürlich trotzdem leider Sozialpädagogen, die sich nicht an diese Grundsätze halten. Es gibt aber auch Polizisten, die das Recht nicht achten und Menschen anderer Berufe, die das nicht tun, was man ihnen in der Ausbildung beigebracht hat.
    Dass die Sozialarbeit jemandem z.B. die Kinder wegnehmen kann, ist ebenfalls nicht richtig. Solche Entscheidungen werden ausschließlich von den Familiengerichten getroffen und sind zudem äußerst selten. Nach meinem Wissen sind es nicht mehr als eine Handvoll Fälle pro Jahr in Regensburg.
    Es tut mir sehr Leid, dass Sie so verbittert der Sozialarbeit gegenüberstehen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie – egal von wem – die Hilfe finden, die Sie brauchen.

  • R.G.

    |

    @Burgi Geissler
    Da Sie sich, oder die Sozialarbeit überhaupt, von meinem Beitrag angegriffen fühlen, stecke ich sehr gerne ein.
    Dennoch möchte ich die zwei Sätze als nicht mehr OK sehen:
    „Es tut mir sehr Leid, dass Sie so verbittert der Sozialarbeit gegenüberstehen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie – egal von wem – die Hilfe finden, die Sie brauchen.“(Burgi Geissler)
    Das betrachte ich als Schlag unter eine persönliche Gürtellinie.
    Meine Meinungen könnten ebenso im sozialen Dienst oder um privaten Umgang mit vielen Sozialfachleuten enstanden sein.

    Wichtig hier im Anhang zum Beitrag des Rechtsanwaltes Spirk ist, dass unsere Augen auf die Menschen in der Aussiger Situation als Sozialwohner gerichtet bleiben.

    Ingeborg Bachmanns Äußerung, sinngemäß, *Die Wahrheit nämlich sei dem Menschen zumutbar*, ermutigt mich, Missstände schonungslos zu äußern.
    Am Beispiel der Kinderherausnahmen aus sozial schwachen Familien:
    Wenn auch nur in einem Jugendamts-Sprengel seit mittlerweile Jahrzehnten überdurchschnittlich hohe Zahlen an Kindeswegnahmen geschähen (durch soziale Brennpunkt erwartbare höhere Fallzahlen und einen Toleranzgrenze schon herausgerechnet), und in diesem Gebiet bereits Gerichtsurteile zur Kindesrückführung ignoriert wurden, so wäre das eine Wahrheit im Staat Deutschland, die dazu berechtigte, vor Jugendämtern generell Angst zu haben.

    Ganz zuerst brauchen Menschen am untersten Ende der Gesellschaft Sicherheit. Sie leben vielfach gefährdeter als ein „Wohnungsmieter“ mit Arbeitsplatz.
    Erst wenn diese garantiert wird oder zumindest mit ihnen für sie erstritten, können sie sich ihren eigenen grundsätzlichen Problemen widmen.

  • El

    |

    @ Burgi Geissler

    Dass Sie davon ausgehen, dass ich Hilfe benötige ist vllt. eine Art berufsbedinger Reflex , oder sollte ich mich in meinem obigen Beitrag – unwissentlich – durch falsche Wortwahl , ein fehlerhaftes Satzzeichen o.ä. als Hilfesuchende geoutet haben ? Oder ist alleine schon die Kritik am System und das Innehaben einer eigenen Meinung zu den Aushängeschildern desselben so verdächtig, dass eineR einfach schnell den Hilfsbedürftigenstatus übergezogen bekommt ?

    Ich kann mir meine Schuhe durchaus noch selber binden und auch das Sabbern hält sich noch in Grenzen . Ich empowere mich sozusagen selber :-)) .

    Ich weiß nicht, ob Sie Hilfe suchen oder so, wünsche Ihnen aber auch – unbekannterweise -alles Gute !

  • El

    |

    Wenn Kinder aus Familien herausgenommen und fremdbetreut werden – im Kinderheim bspw. – dann sind da locker 3000 – 4000 Euro im Monat vorhanden. Für das Kind aus einer asozialen Familie ( sagt man ja jetzt nicht mehr so – nicht wahr – da gibt es sicher einen Euphemismus dafür, den das korrekte Sozialarbeiter-Vokabular vorschreibt)

    Also – da sind dann locker diese Euronen da . Sagen wir mal, dieses Kind würde fremdbetreut werden vom 15 bis zum 19. Lebensjahr — dann sind das pi mal Daumen vllt. 160 000 Euro. (Die Zahlen denke ich mir gerade aus – könnte mir aber vorstellen, dass sie hinkommen.)

    Dieses Geld ist da, wenn das Kind im sprichwörtlichen Sinne in den Brunnen gefallen ist.

    Kinder aus HartzVier Familien, Kinder aus Ein-Eltern-Familien usw. usf. . .

    Hätte man-frau-amt diese Familien im Vorfeld gestärkt , indem sie statt dem jämmerlichen Hartz-Vier–Brosamen (die zu viel zum Sterben, aber zu wenig zum Leben und zu wenig zum würdevoll leben und zu wenig, um Anteil am gesellschaftlichen Leben zu haben , sind) , indem mensch (!) ihnen einige hundert Euro mehr im Monat gegeben hätte, damit sie in Ruhe und ohne ständig mit einer Pulsfrequenz zwischen Jobcenter und Exitus hin – und herzujagen , ihre Kinder aufziehen könnten,

    dann …würden diese Kinder vllt. gar nicht in den Brunnen fallen !!

    Das würde ich ein wirkliches und wahrhaftes Empowerment nennen ! Wie im richtigen Leben sozusagen !!

  • Lenerl

    |

    Das finde ich jetzt tatsächlich auch krass, Burgi Geissler. Mit Ihren letzten beiden Sätzen offenbaren Sie sehr schön, warum Empowerment hier und heute und in unserer Gesellschaft nicht funktionieren kann. Sie unterstellen Kommentatoren Verbitterung und Hilfebedarf einfach mal so? Ungesehen? Und das gleich im Doppelpack? Was machen Sie aus Menschen, die Ihnen gegenüberstehen?

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: auch ich finde den „Ansatz Empowerment“ gut. Aber ich finde auch der Weltfrieden ist ein guter Ansatz. Nur weil etwas gelehrt wird, ist das kein Beweis, dass es in der Praxis auch funktioniert oder umgesetzt wird. Ich könnte Ihnen jetzt eine ganze Latte an Ansätzen, Konzepten und Theorien sozialer Arbeit (nicht nur DER Sozialen Arbeit) nennen, die gut sind und gelehrt werden, aber in der Praxis selten bis nicht stattfinden. Das ist in anderen Berufen ja auch so, da gebe ich Ihnen Recht. Das liegt aber nicht immer nur am einzelnen Polizisten oder dem einzelnen Sozialarbeiter, sondern manchmal bis öfter auch am System. Offene Systemkritik ist aber weitgehend verpönt und verboten, solange man Teil des Systems ist. Logisch. Wenn man diese Kritik aber trotzdem übt, dann kommen v.a. in der sozialen Arbeit typischerweise und immer wieder Reaktionen wie die Ihre vor. Schon fast so, als würde es irgendwo gelehrt. Erstmal dem Kritiker bescheinigen, dass er selbst ein Problem hat und Hilfe braucht. Das ist sehr interessant.

    Wo wird Empowerment (also die Haltung) ihrer Erfahrung nach denn umgesetzt?
    Denken Sie wirklich, dass ein städtischer Sozialarbeiter Menschen in der Aussiger Straße „empowern“ könnte? Ein Sozialarbeiter, der einer Stadt unterstellt ist, die so denkt wie es die grandiosen Presse- Antworten in dem Artikel so schön offenbaren? Oder vielleicht ein kirchlicher Sozialarbeiter? Kirche und Empowerment? Finden Sie den Fehler?

    Die Soziale Arbeit sollte sich erstmal selbst „empowern“. Denn aktuell braucht es unabhängige Journalisten und einen Juristen, um Misstände wie die beschriebenen aufzudecken. Schon bemerkenswert im schönen, sozialen Regensburg, in dem doch seit Jahrzehnten so tolle Ansätze gelehrt werden.

  • RECHTSANWALT OTMAR SPIRK

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    Zufällig bin ich auch DiplomSozialpaedagoge(FH).
    Empowerment/Selbstbefaehigung ist die Theorie der Sozialarbeit, die Praxis ist meines beschränkten Wissens nach so,wie @Lenerl schreibt.
    Der beste Sozialpädagoge kann nichts daran ändern, wenn sein Arbeitgeber Stadt nicht vor hat, anderes als Elendsverwaltung und Repression zu machen.

  • R.G.

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    @ El
    @ Lenerl
    @ Burgi Geissler

    „KraftgebendamitsichKlientenwiederselbsthelfenkönnen“
    So unmöglich wie dieses Wortungetüm ist der Inhalt.

    Ich kann verstehen, dass Schwarze nach all den Beschimpfungen nicht mehr Neger genannt werden wollen, und Sinti, Roma und Jenische hier nicht mehr Zigeuner, am Balkan aber lieber cigani oder so ähnlich, und billige den Wunsch der Sozialarbeiterinnen, sich durch einen neuen Namen der mit der alten Benennung verbundenen Vorurteile zu entledigen.

    Ob Typ „Fräulein/Herrlein Rottenmeier“ oder „Frau/Herr Idealist,
    im Kalender ist deshalb nicht mehr Zeit für die Klienten vorgesehen, und in den Taschen nicht mehr Geld.
    In den Statistiken führt man Angehörige des Öffentlichen Dienstes, insbesondere die aus Berufen der Öffentlichen Sicherheit, des Sozialen und der Medizin, als besonders häufig und schwerer als der Durchschnitt von Mobbing am Arbeitsplatz Betroffene an.

    Jetzt geht ein Mensch vielleicht vor lauter Ausgestoßensein im Büro schon auf dem Zahnfleisch in eine Sozialwohnung mit Schimmel und unzureichender Heizmöglichkeit, in einem Viertel, wo man in der eigenen Wohnung Angst hat. Sie sieht sich die Bewohner an, sagt: „Ich helfe Ihnen, sich wieder aufzurichten. Denken Sie nach, Sie haben doch die Kraft, selbst etwas zur Verbesserung Ihrer Lage zu tun!“ Damit schenkt sie wenigstens ein paar Worte, aber für die Bedürftigen sind sie purer Hohn, weil sie eigentlich ein Problem mit
    Schimmel und mangelnder Durchheizmöglichkeit haben.

    Eine halbe Stunde später sitzt die Kraft schenkende Frau wieder am Arbeitsplatz und macht eine Stunde Bürokratie zu dem Fall.

    Ich denke, die Betroffenheit des Rechtsanwaltes, der sich schämt und ärgert, weil niemand diesen Ausgestoßenen in den akuten Problemen hilft, druckt in der beschriebenen Wohnsituation der Leute mehr Mitgefühl aus und verschenkt damit mehr Energie zum Durchhalten, als die Maskerade, man sei ein Verschenker von Kraft zum Selbstaufrichten.

    MIt leeren Taschen ist nur Flunkern.

  • Genossin

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    Liebe Burgi, Du hast es wirklich nicht nötig, daß mit Dir
    so umgesprungen wird. Deine Beiträge waren sachlich
    und kompetent.

  • R.G.

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    @ Burgi Geissler

    „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Wortschöpfung im ganzen Land?“
    „Königin Sozialarbeiterin, Ihr habt die schönste Kreation hier, aber das verstoßene Schneewittchen hinter den sieben Bergen, bei den sieben Sozialwohnerzwergen hat noch tausendmal mehr und schönere Worte als Ihr!“

    Die Frage ist, was macht Typ Königin mit denen, die die Wortungetüme der Sozialarbeit auf ihren reellen Inhalt abklopfen, was macht sie, wenn jemand ihr die darin enthaltenen Mängel aufzeigt, was tu sie, wenn jemand stimmigere Worte nur sucht?

    Einen – im übertragenen Sinne – vergifteten Satz zum Verdauen geben, einen der so klingt wie das bei der Jugend gebräuchliche Wort „OPFER!“?

  • Magnus

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    Wieder einmal sehr polemisch geschrieben.

  • RECHTSANWALT OTMAR SPIRK

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    Liebe LeserbriefschreiberInnen guten Willens, die Situation in der Notunterkunft u.ä. zu verbessern:
    Lassen Sie uns eine Analyse zum Stand unseres Anliegens machen:
    1.Wir haben eine seit vielen Jahrzehnten verfestigte Elendsverwaltung und Repression u.a. in der Aussigerstrasse, die nichts ändern will; bei der sterbenskranke Menschen im Sofortvollzug geräumt werden sollen, Schwerbehinderte faktisch im 2. Stock eingesperrt sind und das beim Sozialamt nur Achselzucken hervorruft. Kein Wunder, dass die zuständigen Sozialpädagoginnen nur mit großem Widerwillen in dieses Elend gehen, und am liebsten überhaupt nicht, wie mir erzählt wurde.
    Ich bekomme hier am laufenden Band schlimme Informationen über diese Zustände , habe aber leider nur wenig Zeit , sie ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Aber sie kommen ans Licht, mein Wort darauf.
    2.Wir haben eine Bunte-Rathaus-Koalitionsvereinbarung , Obdachlosigkeit nicht mehr als ordnungspolitisches Problem ,sondern als sozialpolitische Hilfsaufgabe anzusehen. Eine schöne Absichtserklärung , aber wo bleibt das alternative Konzept, frage ich die Vertreter der Parteien ? Fragen Sie mit !
    3.Wir haben Massenmedien, die sich bisher mit Ausnahme rd dafür nicht interessieren: Zum Beispiel die MZ hat auf meine mehrmaligen Anfragen leider nicht mal geantwortet. Aber wir haben immerhin die Gerichte, die auf die Anklage der Verletzung der Grundrechte der Menschen im Elend reagieren; und um Grundrechte geht es ja hier.
    4.Welche anderen Unterstützer oder Kreise kennen Sie, die hier öffentlichkeitswirksam
    tätig werden könnten ? Künstler ? Fotografen, die das Elend dort festhalten ? Architekten wie ein mir bis dahin unbekannter Architekt , der mir bei der Schimmel-Begutachtung pro bono half, und der erschüttert meinte, ihm sei bisher gar nicht bewusst gewesen, dass es zwei Regensburg gebe !?
    Lassen Sie uns zusammen helfen, jede/r tue das ihm mögliche , statt uns untereinander zu streiten.

  • Burgi Geissler

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    An El und RG
    Es tut mir sehr Leid, wenn ich Sie gekränkt habe. Dafür möchte ich mich gern entschuldigen. Es war mir nicht klar, dass Hilfe brauchen etwas Demütigendes und Beleidigendes sein kann.
    Ich wollte Ihnen keinesfalls unterstellen, dass Sie psychische Schwierigkeiten haben. Es gibt so viele andere Situationen, in denen man Hilfe braucht, ohne irgendwie geschädigt zu sein. Allein die Menschen in der Aussigerstraße benötigen bei so Vielem Hilfe und Unterstützung: sicher alle bei der Suche nach einer besseren Wohnung, viele Unterstützung bei Krankheit beim Umgang mit Behörden und viele wohl auch, wenn sie sich wehren müssen gegen Ungerechtigkeit.
    Was ich nicht verstehe: warum richtet sich Ihre Kritik so deutlich an die Sozialarbeit und nicht an die Verursacher der unwürdigen Lebenssituation in der Notwohnanlage? Um da gelandet zu sein, braucht es im Normalfall einen Räumungstitel des Amtsgerichts, einen Vermieter, der einem aus der Wohnung klagt oder eine zerbrochene Partnerschaft, bei dem die Wohnung dem anderen Partner zugesprochen wurde. Warum wendet sich Ihre Kritik hier ausgerechnet an die Sozialarbeit und nicht etwa an Vermieter und Gerichte?
    Warum nicht an die Stadtverwaltung und die Politik, die es seit Jahrzehnten nicht schaffen, ein Konzept zur Vermeidung von Obdachlosigkeit zu schaffen und endlich die Notwohnanlagen Aussigerstraße sanieren. Damit hat die Sozialarbeit nur am Rande etwas zu tun, nämlich nur da, wo sie sich nicht einmischt. Und eingemischt haben sich Sozialarbeiter immer wieder seit langer, langer Zeit. Ich selbst war schon in den 70er Jahren in einem Arbeitskreis zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Das Jugendamt hat mehrfach Konzepte und entsprechende Veränderungen vorgeschlagen. Ich war von 2000 bis 2010 „Quartiersmanagerin“ im Projekt Soziale Stadt in der Humboldtstraße, wo es zumindest in zwei Wohnblöcken genau die gleichen besch… Wohnbedingungen wie in der Aussigerstr. gab. Schauen Sie sich heute dort die Wohnungen an ! Und es wurde niemand aus der Humboldtstraße vertrieben. Derzeit bereitet die Stadt Regensburg ein zweites Projekt Soziale Stadt im Kasernenviertel vor. Seit 2007 stand es schon auf der Agenda und wurde in zwei Stadtrats-Perioden dennoch bisher nicht realisiert.
    Nochmals: ich verstehe ihre Wut und Ihren Zorn wegen der Aussigerstr. nur zu gut. Selbstverständlich ist jede Kritik an dieser sozialen Schande berechtigt.

  • R.G.

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    Hallo Herr Ra Spirk!

    Am wichtigsten wäre aus meiner Sicht, die dortigen Bewohner nicht verweifeln zu lassen, bis umfassendere Hilfe kommt.

    Ich dachte nun schon seit Tagen nach, was man sofort tun, und wie man das ordnen könnte. Wichtig wäre mir, alles wird gegen eine Eigenleistung der Aussiger vergeben, zum Beispiel gegen einen selbst gesammelten Tipp, wo es wann verbilligtes Gemüse gibt, ein Kochrezept, einen Liedtext, oder in welchen warmen Räumen man ein paar Stunden gratis mit Kind verbringen kann, einfach irgendwas aus dem schwierigen Leben dort, was weiteren Betroffenen helfen könnte.Selbst ein Hinweis in welcher Klinik, bei welchem Arzt man wie ein Mensch behandelt wird, ist wertvoll.

    Es darf genauso ein selbst gemaltes Bild, ein Gedicht, oder eine erzählte Szene aus dem Leben als Tauscheinsatz gegeben werden.
    Wer etwas zusätzlich hergeben möchte, für die Nachbarn, die zu verzweifelt sind um eine Eigenleistung zu bringen, der tue es.

    Ich denke an sehr einfache Angebote, die jemand „verwalten“ könnte, für einige Aussiger, dass sie mal, wenn ihnen die Decke auf den Kopf fällt, sich einen der Bons abholen könnten für z.B.

    Sie sind Leser von regensburg-digital verstehen was von Maniküre oder Pediküre: Möchten Sie einer Person eine Behandlung schenken?
    Sind Sie Friseurin?: Verschenken Sie einen Friseurbesuch?

    Ihr Bedürfnis wäre es, Kultur zu vermitteln? Verschenken Sie eine Einzelkarte für ein Museum zum Beispiel für ein Kind mit einem Elternteil?

    Essen Sie in Ihrem Beruf in einer Kantine mit guter Kost, dürfen Hausfremde dort speisen?: Verschenken Sie zwei Bons für eine Kantinenessen?

    SIe kochen gerne Eintopf: Bieten Sie an bestimmten Tagen z.B. ein Gulasch von zwei oder mehr Personen, und möchte es jemand in die Aussiger bringen?

    Können Sie einen Minigarten im Glas bauen und ihn einer Aussiger Familie bringen, oder basteln Sie einen mit ihr?

    Bieten Sie eine private Stadtführung durch Regensburg für Aussiger?

    Sind Sie vom VFB Regensburg und wollen Schnuppertrainings ermöglichen?

    Gehen Sie ohnehin in die bei der Aussiger gelegene Kirche und würden jemand zu einem Ausflug, einem Pfarrcafe oder was immer abholen wollen, ohne religiösen Zwang auszuüben?

    Arbeiten Sie bei einer Rettungsorganisation, wollen sie z.B. die schwergewichtige Aussigerin manchmal zum Spaziergang abholen, und dem Mann irgendwie ebenfalls urgeneinrauskommen aus dem trott ermöglichen?

    Wollen Sie auf Anfrage eine kleinere Kochkiste vermitteln, damit ein/e Aussiger Familie beim Kochen Strom sparen kann?
    usw.

    Sind Sie gut im Ausfüllen von Formularen? Würden Sie das als Hilfe anbieten?

    Möchten Sie sozial Schwache auf einem Amt treffen oder einfach als Beistand mitgehen?

    Bedenken wir, Kinder aus sozial schwächeren Familien werden viemals häufiger Opfer sexueller Übergriffe, auch von Helfern, als die aus besser situierten. Man müsste das also organisieren.
    Sind Sie, gerade Sie ein Organisator?

  • El

    |

    @R.G. das hört sich ermutigend an , ja !

    Was mensch nun noch bräuchte, wäre
    :: eine Anlaufstelle für dieses Projekt
    :: eine Frau / einen Mann, der Ihren Funken weiterträgt.

    Bis sich eineR findet, der einen Raum zur Verfügung stellt , dauert es …. . Die Stadt selber ist da sicher auch mit Schneckentempo dabei bzw. eben nicht .

    Was meinen Sie, R.G, was meinen die andren hier Lesenden : Wäre es vllt. sogar machbar und hilfreich, so ein Projekt online anzubieten ? Über ein Forum ?
    Oder ist das zu abgehoben ? Verfügt der Großteil der Menschen dort über Internetzugang ?

    @Otmar Spirk , ja, es ist nicht zielführend, zu streiten, sondern gemeinsam zu handeln.

  • R.G.

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    @ El
    Bisher sind es nur drei Parteien:
    Der Partner, dessen Freundin vor Rückkehr in die Wohnung verstarb; eine Frau mit Kind; eine Frau, die nicht aus ihrer Wohnung kann, ihr Gatte arbeitet trotz Krankheit fleißig.

    Man müsste bei jedem Angebot dran denken, dass man nur bescheidene Gaben anbietet, damit den Betroffenen nicht plötzlich was vom Hartz IV abgezogen wird.

  • Piedro

    |

    Frau Vietze: „Außerdem kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, daß
    es einigen nur darum geht, die Stadt Regensburg als unsozialen
    Sauhaufen vorzuführen.“

    Was offensichtlich nicht besonders schwer ist. Wobei die Vokabel „Sauhaufen“ eher beschönigend ist. Hier werden Recht und Gesetz ebenso mit Füßen getreten wie die Menschlichkeit. Auch „unsozial“ ist beschönigend, in meinen Augen ist es ein Verbrechen Hilfsbedürftigen ihren Rechtsanspruch zu verweigern und sie von dringend benötigter Hilfe auszuschließen, wie das Zitat dieses Sesselwärmers in der „sozialen“ Wohnungsgesellschaft belegt. Asozial wäre passender. Als Regensburger würde ich mich für die Machenschaften dieser Brut schämen.
    Das Berichten über solche Zustände als „vorführen“ zu verstehen lässt alllerdings tief blicken, Frau Vietze. Schließlich handelt es sich um Journalismus, um Information, um Tatsachen. regensburg.digital ist für mich eine erstklassige Plattform, die leider in unsrer Republik Ihresgleichen sucht.
    Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: wünschen Sie sich, dass derartiges nicht öffentlich wird, damit die Bürger nicht erfahren wie in ihrer Stadt mit den Ärmsten umgegangen wird? Damit möglichst keiner, der nicht selbst bis zum Hals im Dreck sitzt, mit diesem Elend konfrontiert wird? Damit alle „Verantwortlichen“ ungestört weiter machen können, egal wer geqäult wird, egal wer sein Leben nicht mehr ertragen kann oder schlicht und einfach verreckt, weil die Hilfe fehlt, die ihm in unserem Land schlicht zusteht? Damit sich das ja nicht ändert, schließlich hat ja jeder seine „Eigenverantwortung“, nur nicht jene Personen, die dafür bezahlt werden Recht und Gesetz umzusetzen, die Menschenwürde zu wahren und einen Verfassungsauftrag umzusetzen? Damit wir alle glauben dürfen alles sei gut in Deutschland und die Bürger auf ihr Regensburg stolz sein können?

    „Es ist noch niemand aus Behördenwillkür obdachlos geworden.“

    Hier haben sie ein erkennbares Informationsdefizit. Nicht in jedem Fall steht ein Herr Spirk beereit, um widerrechtliche Entscheidungen rechtzeitig zu korrigieren, wie es ja in dem Artikel auch geschildert wurde. Es scheint der Wunsch zu glauben Vater dieser Aussage zu sein. Was glauben Sie, warum das Bundesverfassungsgericht erst kürzlich entschieden hat, dass die Praxis zum Vermeiden von Obdachlosigkeit, die von vielen Jobcentern, aber leider auch von Sozialgerichten hinsichtlich der Eilbedürftigkeit, verfassungswidrig ist? Der Grund für diese Entscheidung ist zum einen Behördenwillkür, die in ungezählten Fällen zu Obdachlosigkeit führte, zum anderen eine rechtliche Unklarheit, die dem Gesetzgeber anzulasten ist und nun, nach vielen Jahren der juristischen Auseinandersetzung in allen Bundesländern, diesen Spruch des Höchstgerichtes verursachte?
    Ist Ihnen bekannt, dass mindestens 50% aller Bescheide der Grundsicherungsträger rechtswidrig sind? Jetzt schon. Prüfen Sie es, geht ganz einfach. Frau Vietze, Sie sind ein intelligenter Mensch. Halten Sie es für möglich, dass diese skandalöse Zahl rechtswidriger (und damit willkürlicher) Bescheide „nur“ Hunger, Krankheit, seelischen Verfall, soziale Resignation etc. verursacht, sondern auch Obdachlosigkeit?
    Ein „nein“ als Antwort vorausgesetzt, warum schreiben Sie dann, dass noch nie eine willkürlich agierende Behörde, ein willkürlich handelnder Sachbearbeiter einen Menschen in Deutschland seins Obdachs beraubte?

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