Ein Blick zurück aus aktuellem Anlass

XXXLutz: Kommunismus! Mehr sog i ned!

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morgen1Der Möbelkonzern XXXLutz macht wieder einmal mit seiner arbeitnehmerfeindlichen Unternehmenspolitik von sich reden. Ein kleiner, nostalgischer Blick zurück.

Manchmal ist es auch Zeit, durchzuatmen, zurückzublicken und sich an vergangene Zeiten und bemerkenswerte Sätze zu erinnern. Zum Beispiel an diesen:

„Wenn es Ver.di und ihrem so aktiven Funktionär in Landshut weiter gelingt, den eingeschlagenen Weg mit Unterstützung mancher Medien fortzusetzen, dann ist das Ende dieses Weges klar: Die Wiederauferstehung des Kommunismus.“

Wie kam es zu diesem Satz? Und wer tat ihn eigentlich kund?

Fast sieben Jahre ist es her, seit regensburg-digital.de und der Bürgerblick Passau von dem Möbelkonzern XXXLutz abgemahnt wurden. Für uns war es mit anfänglich 100.000 Euro Streitwert das teuerste Verfahren bislang. Die Berichterstattung darüber hielt sich – abgesehen von der Fachpresse – in Grenzen; XXXLutz hat einen gewaltigen Werbeetat.

Es ging um diesen Bericht: „XXXLutz – die mit dem rüden Stil“.

Dr. Seifert schreibt einen Brief

Der Chef und Gründer des XXXLutz-Konzerns, ein gewisser Dr. Richard Seifert, reagierte damals nicht nur mit einem Unterlassungsbegehren, sondern auch mit einem offenen Brief, in dem er – neben diversen, zum Teil vermutlich sogar justiziablen Falschbehauptungen (aber man ist ja kein Prozesshansl) unter anderem in meine Richtung – eben auch jenen oben erwähnten, bemerkenswerten Satz von sich gab. Zur Erinnerung:

„Wenn es Ver.di und ihrem so aktiven Funktionär in Landshut weiter gelingt, den eingeschlagenen Weg mit Unterstützung mancher Medien fortzusetzen, dann ist das Ende dieses Weges klar: Die Wiederauferstehung des Kommunismus.“

Der Brief ist übrigens immer noch online.

Die Wiederauferstehung steht nicht zu befürchten

Nun, die Wiederauferstehung des Kommunismus steht bislang nicht zu befürchten, dafür arbeiten die Gebrüder Seifert mit ihrem fast vier Milliarden schwerem Unternehmen weiter eifrig an der Wiederauferstehung des Manchester-Kapitalismus. Aktuell in Mannheim. Einen Bericht dazu gibt es zum Beispiel hier.

Ach ja. Wir haben damals gegen die Unterlassungsaufforderung von XXXLutz geklagt. Und auch in dem Urteil dieses Prozesses, den wir vollumfänglich gewonnen haben, fand sich ein bemerkenswerter Satz:

„Das Verbreiten wahrer Tatsachen ist grundsätzlich nicht rechtswidrig.“

Mehr sog i ned.

Alle Hintergründe zur damaligen Berichterstattung und den Unterlassungsversuchen gibt es hier.

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Kommentare (9)

  • joey

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    Wenn der „Kommunismus“ doch nur eine Meinungsumfrage gewesen wäre…

    Das Problem war ja, daß die Menschen eben nicht ihre Meinung äußern durften und dies in Berlin 1953 mit Panzern niedergewalzt wurde. In der Sowietunion gabs ja schon vorher viele Massaker und Massenvernichtung durch Lebensmittelentzug… Lagerhaft mit zehrender Schwerstarbeit… meist egal, ob man eine Meinung hatte oder nicht.

    Man sollte durch unpassende historische Vergleiche keine Menschheitsverbrechen verharmlosen.
    Selbstherrlich gibt sich Seifert der Lächerlichkeit preis, vielleicht hätte er besser seine Kommunikationsprofis befragen sollen.

  • Stefan Aigner

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    @joey

    Soweit ich das damals verfolgt habe, hat XXXLutz unmittelbar nach diesem Seifert-Brief eine sündteuere Agentur engagiert.

  • menschenskind

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    Das war das alte Horrorbild, das die Nazis, die Kleriker und die Konservativen seit 1917 immer wieder an die Wand malten, das vom Kommunismus („Bolschewismus“), den angeblich die bösen Juden erfunden hatten und den diese dem christliche Abendland überstülpen wollten, um es zu verderben und zu vernichten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Bolschewismus

    Besonders CSU-Politiker, alten Zeiten mit klaren Feindbildern nachtrauernd und nicht in der Lage, die veränderte Situation anzuerkennen, fallen immer noch in den alten Kanon von der „Gefahr des Kommunismus“ zurück. Wissend, dass im konservativen Bayern die alten Schauermärchen noch im Gedächtnis vieler Bürger präsent sind und nur darauf warten wieder erweckt zu werden. Ganz entsprechend bedienen sich Manager, Betriebsleiter und Vorstände gerne der alten Feindbilder, wenn sich vermeintliche Gefahr in Form von zunehmendem Gewerkschaftseinfluss am Horizont abzeichnet.

    Noch mal an alle Blöden: außer in Nordkorea gibt’s keinen Kommunismus mehr auf der Welt. Weder bei den Chinesern noch bei den Fidelisten auf der Zuckerinsel ist noch eine Spur von „Kommunismus“ zu finden, selbst wenn es noch KP’s dort gibt. Weder Kubaner noch „Rot“-Chinesen beabsichtigen eine Ideologie zu verbreiten und den Westen zu infiltrieren. Sie machen lieber Geschäfte mit uns (und wir mit ihnen).

    Hier zum Schmunzeln FJS und die „Kommunisten“, „Linken“, „Extremisten“und noch mehr CSU-Schmarrn:

  • Rentnerin

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    Unternehmen, die sich aussergewöhnlich viel Werbung leisten, soll man meiden.

    Irgendjemand muss das ja bezahlen und meistens das Personal.

    Ähnlich ist es auch bei anderen Unternehmen, aber nicht so extrem.

  • mexicklicka

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    Werde meine anstehende Investion zum Möbelhaus nach Parsberg oder zum Wanninger nach Straubing verlagern. Da weiß ich daß, das Betriebsklima nicht so frostig ist. Die Preise und die Auswahl der Sortimente sind toll, die Mitarbeiter sind motiviert und werden menschlich behandelt. Vielleicht gibt es Nachahmer.

  • Rentnerin

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    Zu Mexiclicka:
    Das kann ich nur begrüssen. Ausserdem haben diese Firmen einen sehr guten Service – (Erfahrung durch Bekannte).
    Zudem muss man die Preise für Anlieferung und Aufstellen der Möbel genau vergleichen. Es gibt Möbelhäuser die für Anlieferung auf Aufstellen nichts verlangen.
    Es lohnt sich, bevor man überhaupt in ein Möbelgeschäft fährt zuvor schon diese Nebenkosten telefonisch abzufragen.

  • joey

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    @mexicklicka
    ob bei Wanninger irgendwas besser ist, müßte man erst genauer ermitteln.-) Die Angestellten dort scheinen mir genauso lustlos.

    Vorschlag: Möbel beim Schreiner kaufen. Öhh, teuer…? Billigmöbel kommen aus Billiglohnland aus besonders „ökologischer“ und „sozialer“ Produktion, das sind die Grundlagen der Mathematik.

    Nun, wenn es (leider) billig sein muß: vielleicht kann man die gleichen Möbel / Sofas /Stühle auch bei einem (modernen!) Schreiner bestellen? Der hat auch Kataloge und bietet den gleichen oder günstigeren Preis wie bei Dingsda. Dabei gibt’s dann vielleicht auch eine kompetente Beratung vom Fachmann statt vom Provisionsverkäufer.

    Ich möchte hier keine Schleichwerbung machen: aber schaut Euch auch immer wieder die kleinen Orte/Städtchen um Regensburg und Straubing an, wo Inhabergeführte Mode-, Einrichtungs-, Auto-, und Sonstwashäuser existieren. Manche von denen sind auf Zack, ganz ohne „Kommunismus“. Da gibt es keine Abteilungsleiter, da steht Chef/In selber im Laden.
    Und Unser Geld / Unternehmenssteuern bleiben in der Region.

  • Tobias

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    Kommentar gelöscht. Der Hinweis ist interessant, aber ohne Beleg veröffentlichen wir so etwas nicht.

  • menschenskind

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    Im deutschen Möbelhandel klingeln die Alarmglocken. Denn der Online-Handel schickt sich an, jetzt auch die Welt von Ikea, Höffner, XXL-Lutz und Roller dramatisch zu verändern. Nach einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts ECC droht im schlimmsten Falle jedem dritten der rund 30.0000 deutschen Möbel- und Einrichtungsgeschäfte bis 2020 das Aus. Zwar entfallen bislang nach Angeben des Bundesverbandes des Deutschen Möbelhandels (BVDM) nur gut 6 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche auf den Online-Handel. Doch die Signale, dass der Online-Handel im Begriff ist nach dem Buchhandel und der Textilbranche auch die Möbelbranche durcheinanderzuwirbeln, sind unübersehbar.
    http://www.stern.de/wirtschaft/ikea–hoefner-und-co—jedes-dritte-moebelhaus-steht-vor-dem-aus-6685898.html?utm_campaign=wirtschaft&utm_medium=rssfeed&utm_source=standard&ref=yfp

    XXXL Lutz TV-Spot
    https://www.youtube.com/watch?v=GLU8Q-V867g

    Kündigungen ohne Abmahnung oder faktisches Urlaubsverbot für 400-Euro-Jobber – offensichtlich verstößt XXXLutz immer wieder gegen geltendes Arbeitsrecht. In Kontrovers berichten Betroffene von ihren Erfahrungen mit dem Möbelgiganten.
    https://www.youtube.com/watch?v=h4vDLoGXsuw

    XXXLutz TV-Spot – 2015
    https://www.youtube.com/watch?v=uPg_BqfBxVc
    XXXL TV-Spot: Die Welt feiert XXXL
    https://www.youtube.com/watch?v=9Z9vLApPYTg
    XXXL Moebelhaeuser – Danke sagen – Ottfried Fischer – Werbung

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