SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 13. August 2014

Staatsanwalt ermittelt gegen früheren Faschingspräsidenten

Etliche Geldanleger zum Narren gehalten?

Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt wegen Anlagebetrugs gegen den früheren Präsidenten der Faschingsgesellschaft Lusticania.

Der im März zurückgetretene Präsident der Lusticania soll etliche Anleger um ihr Geld betrogen haben. Foto: Archiv/ as

Diridari statt Radi, Radi? Der im März zurückgetretene Präsident der Lusticania soll etliche Anleger um ihr Geld betrogen haben. Foto: Archiv/ as

„Heute schäme ich mich, weil ich so etwas gemacht habe. Aber wenn man jemanden schon seit Jahren kennt, dann denkt man doch nicht, dass der einen so über den Tisch zieht.“ 16.000 Euro hat der 60jährige Wolfgang Meyer (Name geändert) dem Versicherungsvertreter Armin O. 2011 gegeben, damit der das Geld für ihn anlegt. „Er hat mir mal am Stammtisch gesagt, dass er über seine Firma die Möglichkeit hat, jedes Jahr eine Summe von bis zu 150.000 Euro zu mindestens fünf Prozent Zinsen bei der ‚Canada Life‘ anzulegen“, erzählt Meyer. „Das biete er vor allem Freunden, Verwandten und Bekannten an, um das Kontingent immer voll auszuschöpfen.“ Meyer lockten die Zinsen und die kurze Laufzeit von zwei Jahren.

 „Der O. kann einfach sehr überzeugend sein.“

Auch die Tatsache, dass O. seit Jahren Präsident der Faschingsgesellschaft Lusticania unter dem Dach des Kolpingverbandes war und bekannt ist wie ein bunter Hund, sorgten dafür, dass Meyer erste Bedenken recht rasch beiseite schob. „Der O. kann einfach sehr überzeugend sein.“

Meyers Sohn legte auf Empfehlung des Vaters weitere 13.500 Euro bei Armin O. an. Sie erhielten dafür eine Quittung und einen formlosen Vertrag. Und gesehen haben sie ihr Geld nie wieder.

 „Er hat mir beim Leben seiner Kinder geschworen, dass ich das Geld bekomme.“

Dummheit? Falls ja, scheint diese weit verbreitet zu sein. Meyer ist einer von etlichen Betroffenen, darunter auch städtische Honoratioren. Regensburg Digital liegen mehrere Fälle vor, in denen Betroffene an O. vier- bis fünfstellige Summen übergeben haben.

Der Standardvertrag von Armin O..

Der Standardvertrag von Armin O..

Das Muster war offenbar immer dasselbe. Die Geschichte mit dem besonderen Anlage-Kontingent. Der Hinweis, dass man da als Freund oder Bekannter mit dabei sein könne. Als der Auszahlungstermin fällig war, wurden die hoffnungsvollen Geldanleger von O. hingehalten und vertröstet. „Er hat mir beim Leben seiner Kinder geschworen, dass ich das Geld bekomme“, erzählt eine Frau, die bis heute auf die Rückgabe von 7.000 Euro wartet. Doch am Ende meldete er sich bei ihr ebensowenig zurück wie bei den anderen.

Kein Einkommen, kein Vermögen und das Haus gehört der Schwiegermutter

Zahlungstitel, die sie gerichtlich erwirkt haben, nützen den Betroffenen nur wenig. O. hat vor Jahren einen Offenbarungseid geleistet. Demnach verfügt er über kein eigenes Einkommen. Und das mondäne Haus im Landkreis Regensburg, wo er mit seiner Familie wohnt, gehört seit fast 20 Jahren der Schwiegermutter.

Seit geraumer Zeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg gegen den „Versicherungsvertreter“ wegen des Verdachts auf Anlagebetrug. Es gab bereits eine Hausdurchsuchung. Zwar liefen die Ermittlungen noch, aber Geldanlagen nach dem Muster wie bei Werner Meyer habe es wohl „in einem größeren Umfang“ gegeben, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Das konkrete Ausmaß wird derzeit noch überprüft.“

Mehrere Telefonate unserer Redaktion haben ergeben: Allein an besagtem Stammtisch sollen bis zu 80.000 Euro den Besitzer gewechselt haben. Ob indes jeder der Betroffenen Anzeige erstattet hat, ist nicht bekannt.

„Mich hat noch jemand von Kolping gewarnt. Aber da war es leider schon zu spät.“

Auch innerhalb der Lusticania schlug die Angelegenheit Wellen. Im März kam es dort zu einem Führungswechsel. Nach 13 Jahren trat Armin O. dort von seiner Präsidentschaft zurück. Die Offiziellen beim Kolpingverband, zu der die Lusticania gehört, halten sich mit Aussagen ebenso zurück wie bei der Faschingsgesellschaft selbst. Aber offenbar wollte man mit dem Führungswechsel außerhalb der Faschingssaison vermeiden, dass die Lusticania in einen Skandal hineingezogen wird. Unter der Hand erfährt man nämlich, dass es auch dort mehrere Betroffene gibt, die O. vertraut und ihm Geld gegeben haben. Hinter den Kulissen begann es zunehmend zu rumoren. Eine Betroffene sagt uns: „Mich hat noch jemand von Kolping gewarnt. Aber da war es leider schon zu spät.“

Ob O. sein „attraktives Anlagemodell“ derzeit immer noch anbietet, ist nicht bekannt. Auf einen Anruf unserer Redaktion und eine Nachricht auf seiner Mailbox hat er bislang nicht reagiert.

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