Die „Asse“ von Asse

Kommentar: In den heutigen ARD-Nachrichten spricht die Moderation – also die Nachrichtenredaktion – von „Pannen im Atommülllager Asse“. Kühltürme von Strahlfassfabrikanten. Foto: Mirwald \ Pannen? „Panne“ kommt aus dem Französischen. Umgangssprachlich meint dort „panne“ eine Betriebsstörung beim Kraftfahrzeug. Also die Konsequenz eines nicht zwingend erkennbaren Defekts an einer Maschine. Doch kann dies damit gemeint sein, wenn man von einer Panne im Atommülllager spricht? Hoffentlich nicht. Die Bilder, die derzeit um die Welt gehen, zeigen etwas anderes, zutiefst Verstörendes: verrottende Fässer mit radioaktivem Inhalt in desolaten Schächten. Wer hier eine Panne vermutet, der geht entweder davon aus, dass man diese Orte durch Zufall so entdeckt haben muss oder dass man sie seit langem nicht mehr kontrolliert hat. Beides keine Pannen, sondern Schlamperei auf allerhöchstem Niveau. Weiter steht Panne für Handlungsunfähigkeit: „en panne“ meint „aufgepraßt“. Das ist der Zustand, wenn Segelschiffe – in voller Absicht – regungslos auf See verharren. Meint die Nachricht dies mit der „Panne im Atommüllager Asse“, ist es ein geradezu eklatanter Widerspruch zur ersten Deutung. Jetzt wird genau das Gegenteil vorausgesetzt: bewusstes Handeln der Verantwortlichen! Keine Panne, ein Skandal. Während die Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan medienwirksam verkündet, „Asse eignet sich auch nicht für politische Instrumentalisierung“, verweist sie darauf, dass künftig für Asse nicht mehr Bergrecht, sondern Atomrecht zur Anwendung kommt. Asse wird also dem Bundesamt für Strahlenschutz unterstellt und dem Verantwortungsbereich des Helmholzzentrum München (HZM) entzogen. Doch das ist exakt die Konsequenz, die Bürger – nicht Politiker – vor langem bereits vor Gericht eingefordert haben – und scheiterten! Trotz eines Gutachtens, in dem der drohende Einsturz des Atommüll-Lagers bescheinigt wird, wurde die Klage vom Oberverwaltungsgericht in Lüneburg Anfang Februar dieses Jahres abgelehnt. Den beunruhigendsten Teil der Nachricht aber stellt ein Kommentar von Thorsten Hapke ganz an Schluss des Beitrags der ARD: „Es muss mit den gleichen Menschen gearbeitet werden, die bisher dort gearbeitet haben“. Dieses Vorgehen sei der Tatsache geschuldet, dass man auf das Know-how der langjährigen Mitarbeiter des Lagers nicht verzichten können wird. Das, was hier passiert, ist keine Panne, das hat erkennbare Strukturen und ist lebensgefährliche Schlamperei auf allerhöchstem Niveau. Darauf deutlicher hinzuweisen wäre Pflicht der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Was wir hingegen gesehen haben, war – im Zweifel für den Angeklagten – allerhöchstens Kür, drittklassige! Hipp, hipp, hurra! Ein langes Leben den „Assen“ von Asse.

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