Drei Käufe für die Ostdeutsche

„Erinnerung & Vision“ mit drei Neuerwerbungen. Schausammlung des Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg mit drei Neuerwerbungen (Ludwig Richter, Gregor von Bochmann, Adolf Hölzel) wieder eingerichtet Pressemitteilung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Die Schausammlung im Obergeschoß des Regensburger Kunstforums ist wieder vollständig eingerichtet. Einmalig in Deutschland zeigt die Präsentation unter dem Motto „Erinnerung & Vision“ die Bedeutung deutscher Künstler aus dem östlichen Europa im Kontext der europäischen Kunstgeschichte zwischen Romantik und Moderne. Die zwölf farbstarken Themenräume, die im Jahr 2005 konzipiert wurden, versammeln Hauptwerke herausragender Künstler wie Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller, Ludwig Meidner, Lyonel Feininger, Oskar Kokoschka, Oskar Moll, Adolf Hölzel sowie Bernhard Heisig, Anselm Kiefer, Johannes Geccelli und Gotthard Graubner. Diese Schausammlung ist nun um drei hochkarätige Neuerwerbungen zum 19. Jahrhundert bereichert. Neben dem verschollenen und kürzlich wiederentdeckten Gemälde des Dresdner Romantikers Ludwig Richter „Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal“ von 1827 (vgl. Pressemeldung vom 29.9.2011) ergänzen nun zwei herausragende Gemälde zur Landschaftsmalerei des Naturalismus sinnvoll den Bestand des Regensburger Museums. +++ Ludwig Richter (1803 Dresden – 1884 Dresden), Frühlingsmorgen im Lauterbrunnertal, 1827, Öl auf Leinwand, Leihgabe aus Privatbesitz +++ Ludwig Richter ist mit seinen Programmbildern der deutschen Spätromantik „Die Überfahrt am Schreckenstein“ (1839) oder „Bergsee im Riesengebirge“ (1839) sowie mit seinen illustrierten Studienreisen durch Schlesien und Böhmen (1836-38) eng mit dem Sammlungsauftrag des Kunstmuseums verbunden. Schon zu Lebzeiten war er berühmt durch sein umfangreiches grafisches Werk, insbesondere seine Holzschnittillustrationen zu zahlreichen volksnahen Veröffentlichungen. Sein Werk als Landschaftsmaler beginnt er als Schüler Joseph Anton Kochs in Rom (1823-26). Bei dem „Frühlingsmorgen im Lauterbrunnertal“ handelt es sich um einen frühes Hauptwerk, das nach einer Zeichnung entstanden ist, die Richter auf der Rückreise aus Rom nach Dresden anfertigte. Grundidee des Bildes ist die Spannung zwischen der unzugänglichen, entrückten Hochgebirgsregion und der traulichen Nähe von grünem, bachdurchrauschten Tal mit den darin heimischen Menschen. Der Ludwig Richter-Experte Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt, Dresden) schreibt hierzu: „Die Wanderer im Vordergrund, die Hirten mit ihren Tieren und der Posaunenbläser zeigen sich im Kontext mit dem Wegekreuz anschaulich als Vermittler und Künder der göttlichen Schöpfungsidee. Indem er die Natur als Gleichnis göttlichen Geistes darstellt, fasst Richter in dem Gemälde erstmals das Erhabene und Schöne in der Landschaftsmalerei zwischen Romantik und Realismus zusammen.“ +++ Gregor von Bochmann (1850 Nehat/Estland – 1930 Hösel bei Düsseldorf), Sonntagmorgen vor einer Kirche in Estland. 1874, Öl auf Leinwand, Leihgabe des Freistaates Bayern +++ Mit Hilfe des Freistaates Bayern wurde ein repräsentatives Gemälde von Gregor von Bochmann, einem der bedeutendsten deutsch-baltischen Künstler, gewonnen. Der an der Düsseldorfer Akademie unter Oswald Achenbach ausgebildete Landschafts- und Figurenmaler war besonders vom Volksleben seiner estnischen Heimat angetan. Das Gemälde zeigt eine kleine Gemeinde, die in landestypischer Kleidung in das schlichte weißgetünchte Gotteshaus von Röthel (Ridala/Estland) zur Andacht kommt. Die Szene ist durch ausgeschirrte Pferde, Troikas und Hunde belebt. Landschaft, Architektur und die heimischen Figuren werden als Staffagen minutiös und nuancenreich geschildert. Gregor von Bochmann gelingt es, in seinem Gemälde „das Thema Kirchgang ohne romantische Überhöhung oder sozialkritische Anklage rein naturalistisch und einprägsam ins Bild zu setzen“. (Dr. Gerhard Leistner, Sammlungsleiter im Kunstforum) +++ Adolf Hölzel (1853 Olmütz/Mähren – 1934 Stuttgart), Ein klarer Wintertag. Um 1891 +++ Öl auf Holz, Leihgabe der Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart Als Pionier der Moderne würdigt das Kunstforum Adolf Hölzel mit mehreren Werken zwischen traditioneller Genremalerei und expressiver Abstraktion. Nun ist es mit Hilfe der Adolf Hölzel-Stiftung in Stuttgart gelungen, Hölzels Wirken auch als naturalistischer Landschaftsmaler zu dokumentieren. Während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Dachau (1887-1905) unternimmt der Künstler regelmäßig Ausflüge in die benachbarten Regionen. So führt sein Weg in den westlich gelegenen Weiler Mitterndorf, den er in einer Reihe von Gemälden aus verschiedenen Perspektiven festhält. Das Gemälde „Ein klarer Wintertag“ lenkt den panoramaartigen Blick über der Amper auf den östlichen Teil dieses Dorfes, wo sich rechts die Ziegelei von Udlding anschließt. „Wie kein anderer Dachauer Künstler hat Hölzel diesen heute in der Stadt Dachau eingemeindeten Ort mit naturalistischen Variationen zu den unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten typologisiert“, erklärt Dr. Gerhard Leistner. Pressebilder (stehen im Rahmen der Berichterstattung zur freien Verfügung): Ludwig Richter, Frühlingsmorgen im Lauterbrunnertal, 1827, Öl auf Leinwand, 131 x 198 cm, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leihgabe aus Privatbesitz © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg Gregor von Bochmann, Sonntagmorgen vor einer Kirche in Estland, 1874, Öl auf Leinwand, 85 x 147 cm, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leihgabe des Freistaates Bayern © Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg Adolf Hölzel, Ein klarer Wintertag, um 1891, Öl auf Holz, 48 x 61 cm, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leihgabe der Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart © Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart.

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