Franz Wittenbrink am Berliner Ensemble

Ehemaliger Domspatz bringt sexuellen Missbrauch auf die Bühne

„Schlafe, mein Prinzchen“ ist der Titel des Stücks, das Franz Wittenbrink auf die Bühne des Berliner Ensembles gebracht hat.

„Trotz sparsamen, aber völlig ausreichendem Bühnenbild und Ausstattung war ich einige Male plötzlich mitten in meiner eigenen Vergangenheit und ich will nicht verschweigen, dass mir bei zwei drei Szenen auch die Tränen der Wut ob dieser Vergangenheit über die Wangen gelaufen sind.“

Das schreibt Michael Sieber vom „Unabhängigen Archiv ehemaliger Regensburger Domspatzen“, nachdem er die Premiere von „Schlafe, mein Prinzchen“ gesehen hat. 

„Erschütternder Liederabend“

Der Musiker und Komponist Franz Wittenbrink hat unter diesem Titel einen, so die 3Sat Kulturzeit, „erschütternden Liederabend“ auf die Bühne des Berliner Ensembles gebracht. Es geht um sexuellen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen einerseits und der Odenwaldschule andererseits.

Dazu schreibt er im Programmheft: „Wenn heute noch, nach all den Aufdeckungen, der Zusammenhang von antikapitalistischer sexueller Befreiungsideologie und Kindesmissbrauch geleugnet und Kritik als ‚Besudelung der Achtundsechziger‘ gebrandmarkt wird – dann zeigt das nur, wie stark das Beharrungsvermögen von Ideologen ist, egal ob reaktionär rechts oder ‚fortschrittlich‘ links.“

„Geschickter hätte man es nicht darstellen können…“

Wittenbrink kam selbst Ende der 50er als Neunjähriger zu den Domspatzen, wo er bis zu seinem Abitur 1967 blieb. Er war auch einer der ersten, der Vorwürfe von Gewalt und sexuellem Missbrauch öffentlich machte. Bereits 2007 gab er dem Bayerischen Rundfunk ein ausführliches Interview – das breite mediale Interesse folgte erst mehr als zwei Jahre später. Wittenbrink selbst blieb von direkter sexueller Gewalt verschont und macht heute dafür seine Verwandtschaft zum früheren Ministerpräsidenten Alfons Goppel verantwortlich, dessen Neffe er ist.

„Kindesmissbrauch ist nicht zu verhindern, gesetzlich verboten ist er ohnehin“, schreibt Wittenbrink im Programmheft. „Aber man kann eine Gesellschaft dafür sensibilisieren. Dazu möge dieser Theaterabend beitragen.“

Michael Sieber hat er überzeugt. Sein Fazit: „Geschickter hätte man es nicht darstellen können, welche Strukturen und Gegebenheiten den besonderen Nährboden bilden für die massiven Missbrauchsfälle, wie sie in den letzten sechs Jahren öffentlich bekannt geworden sind.“

Das Bistum Regensburg hat eine Aufklärung des sexuellen Missbrauchs bei den Domspatzen in der Vergangenheit stets  verschleppt. Erst vor kurzem wurde, wohl aufgrund des steigenden Öffentlichen Drucks, nun der Rechtsanwalt Ulrich Weber beauftragt, eine unabhängige Untersuchung vorzunehmen. 

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Kommentare (25)

  • Mathilde Vietze

    |

    Gott sei Dank ist der Druck der Öffentlichkeit so groß ge-
    worden, daß die Verantwortlichen sich nicht mehr vor
    der Aufklärung drücken können.
    Und diese Aufklärung geschieht nicht aus Kirchenfeindlich-
    keit, sondern z u m W o h l e d e r K i r c h e , um deren
    angeschlagenes Image wieder zu verbessern.

  • menschenskind

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    „…sondern z u m W o h l e d e r K i r c h e ,…“

    So ist es, so sei es!

    Denn, wie heißt das achte Gebot der Katholiken:

    „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.“
    Oder mit anderen Worten:
    Du sollst nicht lügen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote

    Katholische Interpretationen dieses 8. Gebotes zeigen, die Wahrheit spielt in anderen Zusammenhängen immer noch ein bedeutende Rolle:
    http://www.hauskirche.at/glartikel/dekacht.htm

    Die Bischöfe zu Regensburg und die zu Rom jedoch werden weiter lügen, weiter vertuschen, weiter den Schwamm drüber halten. Dabei werden sie vor ihrem obersten Chef wie folgt argumentieren:

    „Lieber Gott, wir müssen hier einfach lügen, zum Wohle der Kirche, das musst Du doch einsehen. Schau, oh Herr, sie laufen uns in Scharen davon, Deine, unsere, Kinder. Indem wir lügen und die Schweinereien kleinreden, gelingt es uns vielleicht doch noch den einen oder die andere zum Bleiben zu veranlassen. Wäge selbst ab, oh Herr, welches ist wohl das kleinere Übel, eine klitzekleine, winzige Notlüge, oder leere Kirchenbänke, Gläubige, die sich abwenden, vakant werdende Bischofssitze. Hab‘ ein Einsehen, oh Herr, vergib uns unsere Lügen, zu Deinem Wohle!“

    Nein, gar nicht witzig, wie sich die kath. Kirche verhält, sondern erbärmlich traurig!

    Unglaublich, wie dämlich manche Gläubigen reagieren, und wie die Kirche sich rausredet:

    https://www.youtube.com/watch?v=Vdl4DQUtiG4

    Volker Pispers über das Wegsehen der Deutschen, der Katholiken, der Regensburger:

  • Manfred

    |

    Mam darf dann gespannt sein, wann das Bistum Regensburg Klage einreicht?

  • Mathilde Vietze

    |

    Ja, das hätten die Verantwortlichen gern, daß die Gläubigen sich
    verdummen lassen. Aber diese Zeiten sind vorbei und seit Pater
    Klaus Mertes SJ deutliche Worte gesprochen hat, können sich
    die Verantwortlichen nicht mehr wegducken. Und – wenn ein
    paar Einfaltspinsel dämlich reagieren, ist das noch lange nicht
    die Mehrheit der Gläubigen.

  • menschenskind

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    Leider liest die „Mehrheit der Gläubigen“ (in Ostbayern) zu wenig, denn sonst wäre sie schon längst Teil der Mehrheit der Deutschen, die nicht katholisch ist (nur noch 29 % der Deutschen – gehören der Papstkirche an).

    Allein schon die Tatsache, dass die Mehrheit der größten Lumpen der Weltgeschichte katholisch war, müsste genügen, um endlich auszutreten. – Weil man nicht zu einer Gesellschaft zählen möchte, die so viel Blut an den Händen kleben hat.

    Hitler, Himmler, Goebbels, Mussolini, Franco, Tito, Castro, Salazar, Stroessner, Banzer, Videla, Vargas, Pinochet und fast sämtliche übrigen mittel- und südamerikanischen Diktatoren, und davor jene französischen und spanischen Könige, die sich Afrika und Südamerika unterwarfen, die Millionen versklavten…

    Die oben aufgezählten Namen stehen für Millionen Tote, Gefolterte, Gedemütigte, Versklavte, Vertriebene.

    Aus keiner anderen Konfession oder Religion gingen so viele Menschheitsverbrecher hervor, als wie aus der katholischen Spielart des Christentums.

    Was für ein Milieu ist das (katholische) nur, aus dem eine derartige furchtbare Menschenfeindlichkeit, ja, so ein Menschenhass hervorbrechen konnte?

    Ist’s vielleicht die lebenslange Allgegenwärtigkeit des Lattengustls, die abstumpft und gegen fremdes Leid unempfänglich, unempfindlich macht?

    Oder die Perversion des sog. „wehrhaften Christentums“, das sich herausnimmt, töten und verletzen zu dürfen, obwohl Jesus Christus jede Form von Gewalt (auch das Zurückhauen!) als mit seiner Religion unvereinbar gebrandmarkt hat?

    Warum denken (katholische) Christen nicht auch mal darüber nach, wie unsinnig Christen in Uniform, Christen mit Waffen in der Hand, Christen, die Waffen herstellen, sind. Alles mit der Lehre Jesu absolut unvereinbar, dennoch, es stört keinen Katholiken (und Protestanten), es wird als ‚gottgegeben‘ hingenommen und Schwamm drüber, ebenso wie beim Kindsmissbrauch durch die Herrn Kaplane, Messner, Pfarrer.

    Es ist noch nicht zu spät, auch für Dich, lieber katholische Leser:
    http://www.kirchenaustritt.de/
    http://www.spart-euch-die-kirche.de/wie-trete-ich-aus-der-kirche-aus/index.html
    http://www.taz.de/!5168368/

    Ja, auch ich bin vor etwa zwanzig Jahren ausgetreten und ich habe keine beruflichen Nachteile dadurch in Kauf nehmen müssen. Ich fühle mich jetzt frei und ich gehöre der größten Gruppe in Deutschland an, den Konfessionslosen (29 % kath., 29 % ev., Rest: konfessionslos, Muslime, Zeugen Jehovas, Juden etc.).

    Ja, ich seh‘ ein, dass es für einen Ostbayern schwerer ist, weil das Umfeld einen stärkeren, echten oder nur vermeintlichen, Druck ausübt als in der Anonymität einer Großstadt. Dennoch, wer sich morgens guten Gewissens in sein Spiegelbild blicken können möchte, der muass ausse!

    Schaugts des o, Leit und denkts ned lang nach:
    https://www.youtube.com/watch?v=WYQGjleKSKo
    https://www.youtube.com/watch?v=l81XcdC_MlQ

  • kare

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    Die zentrale Aussage dieses Kommentars steht ganz am Ende: „Denkts ned lang nach.“ Mein Rat dagegen wäre: Menschenskinder, denkt lieber ein wenig länger und gründlicher nach!

  • blauäugig

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    @menschenskind: Ich bin auch vor über 20 Jahren aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Lasse mich aber nicht für die Verbrechen verantwortlich machen, welche ebenfalls Konfessionslose derzeit oder in der Vergangenheit begangen haben. Ebenso verlogen halte ich es, den verbliebenen Katholiken die Mitschuld an den Verbrechen anderer Katholiken (aus der Gegenwart oder Vergangenheit) zu geben.

  • Mathilde Vietze

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    Ich „darf“ mich von den Ewiggestrigen in der Katholischen Kirche am laufenden Band
    als „Kirchenfeindin“ diffamieren lassen. Und das nur deshalb, weil ich auf Mißstände,
    die dem Ansehen der Kirche schaden, aufmerksam mache und diese heftig kritisiere.
    Wenn diese Betonköpfe mal so einige Kommentare auf RD lesen würden, ginge ihnen
    ein Licht auf, wo die echten Kirchenfeinde zu finden sind.

  • Veronika

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    @menschenskind:
    „Nein, gar nicht witzig, wie sich die kath. Kirche verhält, sondern erbärmlich traurig!“
    und – was die meisten dieser Kleriker nicht begreifen – systemschädigend bis ins Mark.
    Ich habe mir jetzt vorgenommen, wöchentlich mindestens einen der bisher erschienenen Artikel in eine der Sprachen derjenigen Länder übersetzen zu lassen, welche die RKK für eine Missionierung vorgesehen hat. Gut, dass Englisch so verbreitet ist, macht die Sache etwas leichter.
    Schliesslich soll man auch auf anderen Kontinenten wissen, was einem hier bei einem Zunehmen der RKK als Institution – betont „nicht der Christen“ – vielleicht zu erwarten hat. Was in Europa nicht mehr geht weil zu viele aufpassen, könnte durchaus anderswo geschehen Schlußendlich scheint die Kontrolle aus Rom nicht so zu funktionieren – siehe Angelegenheit „Pell“ – wie man dies nach außen hin kommuniziert.
    Also: Fleissig mitübersetzen und an die Medien in anderen Kontinenten senden! Geht ganz einfach, macht Spass und hilft sogar der RKK, wenn diese es wirklich ehrlich meinen sollte. ;-)

  • Veronika

    |

    @Mathilde Vietze
    Ich „darf“ mich von den Ewiggestrigen in der Katholischen Kirche am laufenden Band
    als „Kirchenfeindin“ diffamieren lassen.

    Da haben Sie ja in und um Regensburg nicht mehr allzuviele „Freunde“? ;-)

  • menschenskind

    |

    „Wahrheiten, die man besonders ungern hört, hat man auch besonders nötig.“
    Jean de La Bruyère

    „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“
    Ingeborg Bachmann

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu Veronika: Ich kann Sie beruhigen; ich habe in
    Regensburg bei den vielen aufgeschlossenen
    Katholiken viele Freunde. Das sind jene, die ihren
    Glauben sehr ernst nehmen und meine bissigen
    Leserbriefe sowohl, wie auch meine Gedichte
    sehr loben. ‚Es lohnt sich, weiterzumachen, zum
    Wohle der Anständigen in der Kirche und zum
    – verdienten – Ärger der ewiggestrigen Betonköpfe.

  • Resch

    |

  • Resch

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    Gute Theaterkritiken für die ersten Aufführungen von “ Schlafe , mein Prinzchen “
    Dem Franz Wittenbrink ist mit diesem Thema “ Domspatzenmissbrauch auf der Bühne wirklich ein guter Wurf gelungen!
    Auch laufen die Kartenbestellungen Online sehr gut. Man muss sich Zeit nehmen
    und sich dieses Theatersstück in Berlin ausführlich sehen.
    _
    Musik – Hintersinnige Liederabende: Franz Wittenbrink wird 65
    http://www.focus.de/kultur/kunst/musik-hintersinnige-liederabende-franz-wittenbrink-wird-65_aid_1079860.html
    _
    http://www.berliner-ensemble.de/repertoire/titel/114/schlafe-mein-prinzchen
    http://www.intern-at.de/aktuelles/schlafe-mein-prinzchen/

  • Angelika Oetken

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    „Die Bischöfe zu Regensburg und die zu Rom jedoch werden weiter lügen, weiter vertuschen, weiter den Schwamm drüber halten.“

    @menschenskind,

    ich glaube nicht, dass die Kleriker, das was sie tun als „Lügen“ bezeichnen würden. Dem sei ihre Ausbildung vor, in der ihnen etwas vermittelt wird, was sich „Ontologie“ nennt. Eine Art von Werteumerziehung. Was dazu führt, dass ein Teil der Absolventen davon überzeugt ist, das „Richtige“ zu tun, wenn er solche Straftaten fördert, vertuscht und Opfer diffamiert. Immerhin bedingt die institutionelle Missbrauchskriminalität auch Wirtschaftsverbrechen. Und die bilden die Grundlage für den kommerziellen und politischen Erfolg der Katholischen Kirche.

    Wer sägt schon gern am Ast mit auf dem er sitzt…Andere Kleriker versuchen, von innen heraus etwas zu verändern. Häufig als Whistleblower. Und der Rest missbraucht selbst. Ist selbst Opfer und schweigt. Oder beides.

    Der Umgang der Römisch Katholischen Kirche Deutschlands mit ihrer Missbrauchskriminalität ist der beste Beweis dafür, dass alle Institutionen, die mit Kindern in Kontakt kommen, eine staatliche Aufsicht brauchen. Unter Beteiligung von Kindern. Und erwachsenen Opfern. Wegen deren Erfahrungsexpertise. Wer immer nur im eigenen Saft schmort und sich ständig nur selbst reproduziert, wird zu einer kranken Organisation. Ganz unabhänigig von Gesinnung und spiritueller oder politischer Ausrichtung.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

    P.S. der Liederabend ist absolut gelungen! Sehr sehenswert und ich hoffe, dass das Stück auf Deutschlandtournee geht!

  • Angelika Oetken

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    „“Ich „darf“ mich von den Ewiggestrigen in der Katholischen Kirche am laufenden Band
    als „Kirchenfeindin“ diffamieren lassen.““

    @Mathilde Vietze,
    dass solche Leute diese Erpresserkommunikation nutzen, sagt schon alles. Wer einem mit Totschlagrhetorik kommt, sollte ignoriert werden. Denn es ist Rabulistik.

  • Angelika Oetken

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    „Aber diese Zeiten sind vorbei und seit Pater
    Klaus Mertes SJ deutliche Worte gesprochen hat, können sich
    die Verantwortlichen nicht mehr wegducken. “

    @Mathilde Vietze,

    darüber wer da in dem ganzen Gefüge welche Rolle spielt, gibt es kontroverse Meinungen. Und was da PR-Show und was ehrlich war und ist, werden wir entweder nie oder irgendwann in Rückschau feststellen.

    Angeschoben, betrieben und gefördert haben das, was Kirchenverantwortliche als „Missbrauchtsunami“ bezeichnen deren Opfer. Meiner Ansicht nach hat Klaus Mertes in seiner Doppelfunktion als Leiter einer jesuitischen Schule und als Ordensbruder richtig gehandelt. Wenn man den Blickwinkel der Organisation einnimmt, der er angehört. Er hat in einer Krisensituation entscheidend dazu beigetragen, dass die Jesuiten und mit ihnen die Katholische Kirche Deutschlands die Kontrolle über die Berichterstattung zurück erhielten. Ein Stück weit jedenfalls. Löbliche Ausnahmen wie Regensburg Digital bestätigen die Regel :)

    Irgendwann wird es hoffentlich eine gesetzlich verankerte unabhängige Aufklärung und Aufarbeitung unter staatlicher Leitung geben.
    Bis dahin wird „AUA“ die AllerersteUnabhängigeAufarbeitungskommission ;-), bestehend aus Opfern, Mitbetroffenen und Whistleblowern weiterarbeiten wie bisher. Fast ohne Geld, informell, gegen viele Widerstände, aber zunehmend gut vernetzt. Und ich muss sagen: ohne die RKK, ihre skurrilen Huddeleien und ihr mitunter merkwürdiges Personal würde mir irgendwie was fehlen. Falls sie implodieren, so wie derzeit die Odenwaldschule wäre es schwer Ersatz zu finden ;-)

    So oder so: der Liederabend von Franz Wittenbrink leistet ganz sicher einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Angelika Oetken

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    http://www.regensburg-digital.de/ehemaliger-domspatz-bringt-sexuellen-missbrauch-auf-die-buehne/23062015/#comment-304057

    @Veronika,

    ja wo bleibt er, der „Aufstand der Anständigen“? Oder haben die Kleriker sich schon überall festgesetzt und setzen die Leute unter Druck? Dabei geht es doch nicht „nur“ um Missbrauchsverbrechen. Da könnte ich mir vorstellen, dass das vielen zu schmuddelig oder zu beängstigend ist. Geldwäsche als Methode Subventionen in die eigene Tasche umzuleiten ist auch ein Thema, das man sich angucken sollte. Mit den Beträgen, die da vermutlich in Ihrer Gegend abgezweigt wurden, könnte man Griechenland locker auslösen. Es ist das Geld ALLER Europäer. Auch der, die mit der Katholischen Kirche nichts am Hut haben.
    Wie viel Leichtgläubigkeit muss jemand haben, um sich von solchen Typen wie sie das klerikale Universum bevölkern noch irgendwas sagen zu lassen? Das kann ich wirklich nicht verstehen.
    Und wer da mit „Kirchenhass“ anfängt, gehört doch mit zu denen, die von Missbrauch und Diebstahl profitieren.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Mathilde Vietze

    |

    Pater Mertes ist ein geradliniger Kirchenmann. Er hat nicht nur den
    Saustall öffentlich gemacht, er hat sich auch vehement dafür einge-
    setzt, daß die Opfer ernstgenommen werden und ihnen geglaubt
    wird. Und – er ist auch dann nicht „umgefallen“, als er Ärger mit
    einigen „Höheren“ aus der katholischen Kirche bekam.
    Das alles erhärtet seine absolute Glaubwürdigkeit.

  • Angelika Oetken

    |

    Was das „den Opfern glauben“ angeht: darum geht es eigentlich gar nicht. Denn die Verantwortlichen sollten so mutig sein, den Betroffenen zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen. Dass Missbrauch weit verbreitet ist, wussten doch die Kleriker selbst am besten. Auf jeden Fall die, welche in den typischen katholischen Einrichtungen sozialisiert wurden. Und das sind die meisten. Im Vatikan müssten allein die bislang angezeigten Fälle über die Jahrhunderte ganze Katakomben gefüllt haben. Abgesehen von den vielen bislang gar nicht erfassten Missbrauchsverbrechen, die von Klerikern und anderem Kirchenpersonal begangen wurden.
    Das alles hat bis 2010 kaum jemanden interessiert.
    Nur die wenigsten der Priester schützen Kinder bzw. helfen erwachsenen Opfern. Und damit unterscheiden sie sich gar nicht von der Normalbevölkerung.
    „Das kann ich nicht glauben, mir nicht vorstellen“ ist eine reine Schutzbehauptung. Und heißt übersetzt: „halt die Klappe und nerv mich nicht weiter“. Manche dieser Verantwortlichen triggern auf diese Weise ganz gezielt die Betroffenen, weil ihnen bewusst ist, dass die TäterInnen ihren kindlichen Opfern systematisch Schuldgefühle einreden. Es ist eine bekannte Täterstrategie.

    Es waren Opfer des jesuitischen Aloisiuskollegs, die schon vor 12 Jahren das erste Mal offiziell an die Schulleitung und den Orden herangetreten sind. Mit dem üblichen Ergebnis. Leugnen, Abwehr, Diffamierung der Betroffenen.

    2009 unternahm dann Matthias Katsch einen Vorstoß. Er outete sich gegenüber Mitschülern als Opfer. Und setzte etwas Einzigartiges in Gang. Im Januar 2010 wandte er sich gemeinsam mit zwei anderen Betroffenen an Klaus Mertes. Der nach einiger Zeit in bekannter Weise darauf reagierte.

    Ich kann der Öffentlichkeit in allen diesen Angelegenheiten nur raten, eine gesunde Skepsis beizubehalten. Priester vertreten für gewöhnlich die Interessen ihrer Kirche. Und das sind nach deren Verständnis nicht die Interessen der Opfer. Abgesehen davon lernen sie, mit den Gefühlen und Erwartungen andere Menschen zu arbeiten. Das ist schließlich ihr Beruf.

  • Resch

    |

    Kultur_Blog – 06.07.2015
    „Schlafe, mein Prinzchen“: Berliner Ensemble

    Theater-Rezension Ein Klassik-Pop-Liederabend zu Kindesmissbrauch – Kann das funktionieren?
    https://www.freitag.de/autoren/kulturblog/schlafe-mein-prinzchen-berliner-ensemble
    ________________________________________________________________________________________
    Ja , nämlich zu 100% – Und ich war schon LIVE dort in Berlin , und es gibt dort auch
    volle 2 Stunden viel viel gute Musik!
    http://www.berliner-ensemble.de/repertoire/titel/114/schlafe-mein-prinzchen

  • Angelika Oetken

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    Der Besuch von „Schlafe mein Prinzchen“ lohnt sich auf jeden Fall. Auch für Leute, die mit der Thematik nicht so vertraut sind. Besonders gelungen: die parallele Darstellung des Missbrauchssystems bei den Domspatzen UND dem an der Odenwaldschule. So gut gemacht, so treffend und detaillreich, dass Einem auch bei einem zweiten Besuch der Vorstellung sicherlich nicht langweilig wird.

    Die Odenwaldschule wird im Übrigen gerade abgewickelt. Ich hoffe, dass jedenfalls dieses Insolvenzverfahren bei der OWS zur Abwechslung mal korrekt verläuft. Die entsprechende Seilschaft schuldet ihren Opfern nämlich noch Geld, eine wissenschaftliche Aufarbeitung will finanziert sein und – auch nicht unwichtig – es sollten so viele Dokumente wie möglich gesichert und archiviert werden
    http://glasbrechen.de/2015/06/pressemitteilung-von-glasbrechen-e-v-zum-jetzt-laufenden-insolvenzverfahren-der-ows/

    Die Odenwaldschule ist genauso wie die Regensburger Domspatzen ein Stück Zeitgeschichte. Beide Institutionen zeigen, wie die „alte BRD“ in Wirklichkeit funktionierte. Hinter der tugendhaften Fassade, dem kollektiven Selbstbetrug vieler Bewohner dieses deutschen Zweidrittelstaates. Und der wirtschaftlichen und kulturellen Wiederauferstehung, die angeblich das Produkt besonderer Leistungsfähigkeit war. Die, welche geopfert wurden wissen es besser. Genauso wie die Typen, die geopfert haben. Einige von denen stecken so tief im Sumpf drin, dass sie wohl nicht so schnell rauskommen. Dissozial wie sie sind, werden ihre Versuche, sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen, um selbst besser davon zu kommen, vermutlich scheitern. Es glaubt ihnen keiner mehr und auch der Vertrauensvorschuss ist futsch.

  • Angelika Oetken

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    Die hier bieten auch genug Stoff für ein Singspiel

    Man(n) hat vorsorglich die Kommentarfunktion deaktiviert. Denn
    http://www.ardmediathek.de/tv/Lokalzeit-aus-Bonn/F%C3%BCnf-Jahre-danach-Der-Missbrauchsskanda/WDR-Fernsehen/Video?documentId=26146376&bcastId=7293564

    Und: http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/themen/ako-pro/rueckzahlung-von-165-000-euro-an-die-stadt-unwahrscheinlich-article1225390.html

    Na, wem kommt das bekannt vor?

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • RB

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    Neuer Termin für “ Schlafe mein Prinzchen “
    Dienstag , 12.01.2016 , um 20:00 Uhr
    Ich empfehle einem jeden traumatisierten Domspatzen sich dieses Schauspiel
    in Berlin LIVE anusehen. Für 2 Stunden gibts dort wirklich Live sehr viel zu sehen ,
    und die dortige Livemusik ist auch sehr sehr gut!!!
    http://kultur24-berlin.de/event/schlafe-mein-prinzchen-2/
    http://www.berliner-ensemble.de/repertoire/titel/114/schlafe-mein-prinzchen
    https://www.freitag.de/autoren/kulturblog/schlafe-mein-prinzchen-berliner-ensemble
    http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/kulturwelt/franz-wittenbrink-zu-liederabend-schlafe-mein-prinzchen-100.html

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