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Kolumne

Eine wahre Geschichte über Awareness und Arschlöcher

Normalerweise mache ich an dieser Stelle einen Aprilscherz. Dieses Jahr nicht. Ich erzähle eine wahre Geschichte, an der ich beteiligt war. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes habe ich sie anonymisiert und lasse Zeit und genauen Ort offen. Doch sie ist belegbar wahr. Die Polizei würde sie bestätigen. Dort liegt alles vor.

Es geht um Awareness. Ein Begriff, der derzeit in aller Munde ist, der aber sehr unterschiedlich interpretiert werden kann.

Für mich bedeutet Awareness, sich bewusst darüber zu sein, dass man aufeinander Rücksicht nehmen sollte und sich respektvoll begegnet. Man greift ein, wenn jemand solche Verhaltensregeln missachtet.

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„Seid’s keine Arschlöcher.“

Man muss aber diesen politisch verbrämten Begriff nicht verwenden und braucht auch keine Wissenschaft daraus machen. Man kann die dahinter stehende Idee auch einfacher ausdrücken, so wie Florian Scheuerer, Macher des Hard:Line-Festivals es jedes Jahr macht: „Seid’s keine Arschlöcher.“

Was bedeutet das?

Man berücksichtigt, dass jeder Mensch begrenzt ist in seinen Fähigkeiten – sei es durch entwicklungspsychologische Gründe, die zu fehlender Impuls- und Emotionskontrolle führen können, wegen Sucht oder Intoxikation, zum Beispiel Alkohol, durch mangelnde intellektuelle Voraussetzungen, unbewusste Dynamiken oder schwierige Lebensumstände.

Jeder kann zum Arschloch werden.

Die Einflüsse sind vielfältig und höchst individuell. Die Fähigkeiten variieren stark – von Person zu Person, von Situation zu Situation.

Kurz gesagt: Wir sind alle Menschen mit Fehlern und Schwächen, selbst wenn wir verantwortungsvoll sein und reflektiert handeln wollen.

Noch einfacher: Kaum jemand ist freiwillig ein Arschloch, fast jeder kann sich aber in der entsprechenden Situation wie ein Arschloch verhalten.

Dessen sollte man sich bewusst sein. Um diese Grundhaltung geht es.

Rechtsstaat allein reicht nicht…

Diese Haltung geht über das hinaus, was der Rechtsstaat garantieren sollte. Sie bedeutet, dass man Verantwortung übernimmt, für das, was um einen herum geschieht und was man selber tut.

Wir übernehmen Verantwortung für Betroffene von übergriffigem Verhalten – Beleidigungen, Beschimpfungen, körperliche oder sexualisierte Gewalt, unabhängig von eventuell strafrechtlich relevanten Kategorien.

Wir konfrontieren Menschen, die sich übergriffig verhalten – transparent und sichtbar. Aber wir vergessen dabei nicht, dass uns auch dort ein Mensch gegenübersteht, ob es nun ein unangenehmer Besoffener, ein Drogensüchtiger oder Gewalttäter ist.

…aber es gibt rechtsstaatliche Prinzipien

Diese Haltung gilt auch für einen selbst. Wenn man sich selbst wie ein Arschloch verhalten hat, übernimmt man dafür die Verantwortung und geht offensiv mit dem eigenen Fehlverhalten um. Und man gesteht anderen zu, dass sie das auch tun können. Man lässt es irgendwann einmal gut sein, wenn sie das tun.

Das wiederum sollte man von rechtsstaatlichen Prinzipien gelernt haben und in diese Haltung einbauen.

Kurz: Auch einem Arschloch gegenüber benimmt man sich nicht wie ein Arschloch. Spätestens dann, wenn er das eingesehen und etwas dagegen unternommen hat.

Insofern geht es um eine politische Haltung, eine Vorstellung von Gesellschaft und vom Umgang miteinander, die unser Handeln leiten sollte.

Gelächter über Drogenabhängige: Ist das eine Kunstinstallation?

Nun zum konkreten Fall. Er spielt in der Regensburger Innenstadt und liegt noch nicht lange zurück. Er ist unspektakulär, weckt aber viele Assoziationen.

Auf einer Straße in einem Wohngebiet, gegen 21 Uhr. Und nein: es ist nicht die Maxstraße.

Drei Anwohner sind zum Rauchen kurz auf die Straße gegangen. Gegenüber beobachten sie zwei Menschen bei einer Biotonne, die sich seltsam verhalten. Eine Frau starrt stoisch auf die Tonne, während die andere Person sich in der Hocke daran festhält, rhythmisch die Hüften bewegt und dabei langsam, aber sicher die Hose verliert.

Kurzes Gelächter bei den Anwohnern. Ist das eine Kunstinstallation? Dann wieder ernst.

Wer übernimmt Verantwortung?

Es sind, das erkennt einer der drei Anwohner sofort, er ist vom Fach, zwei Drogenabhängige, mutmaßlich Fentanyl. Gelegentlich hat man Angst, dass die Person in der Hocke, vermutlich eine Frau, das Gleichgewicht verliert und auf die Straße fallen könnte, wo Autos vorbeifahren.

Ganz grundsätzlich verschafft einem diese Szene ein ungutes Gefühl, das gar nicht so klar zu definieren ist. So etwas sollte nicht sein.

Was tut man in so einem Fall? Geht man hin? Ruft man die Polizei? Ist man dafür überhaupt verantwortlich?

Man ruft die Polizei – trotz Bedenken

Nach kurzer Diskussion entscheiden die drei Anwohner, die Polizei zu rufen – trotz Bedenken. Obwohl man sich den beiden Personen nicht einmal nähern möchte, will keiner der drei ihre Situation noch schlimmer machen als sie ohnehin schon ist. Nicht jeder Polizeieinsatz verläuft so, wie man es sich erwartet oder zumindest erhofft.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist die breit berichtete „Schocknacht für die Polizei“ vor etwas mehr als acht Jahren. Ein Einsatz wegen Ruhestörung bei einer WG-Party eskalierte völlig. Die Erkenntnis am Ende, nach einem Prozess zwei Jahre später: Niemand wollte diese Eskalation. Niemand wollte jemanden beleidigen oder verletzen.

Mangelhafte Kommunikation, fehlende Empathie und eine Situation, die von den Beteiligten völlig unterschiedlich interpretiert wurde lassen sich als Gründe für das Geschehen ausmachen (alle Details lassen sich hier nachlesen).

Eine weitere Erkenntnis: Vieles kann bei genauerem Hinschauen völlig anders sein, als es auf den ersten Blick erscheint.

Persönliche Awareness ist variabel

Stellen wir uns vor, jede beteiligte Person trägt ein inneres Thermometer mit sich – von Eins bis Zehn. Bei einer Zehn sind Wahrnehmung und Verantwortungsbewusstsein geschärft, das Maximum. Bei einer Eins ist kaum noch von Bewusstsein zu sprechen. Der Thermometerstand kann bei jedem variieren.

Zu der Situation in der Innenstadt vor wenigen Tagen: Wenn hier alle Beteiligten nicht über eine Drei auf ihrem Thermometer hinauskommen, dann wird es völlig eskalieren. Stoff für eine fiktive Tragikomödie oder einen Splatterfilm.

Anwohner, die die Süchtigen anpöbeln, vielleicht sogar anfassen und mit ihnen streiten. Ein weiterer Anwohner, der die Polizei ruft und von Eskalation spricht, Beamte die mit gezückten Schlagstöcken aus dem Streifenwagen springen. Verletzte, Handschellen, Reels auf Instagram und Anklagen, die Existenzen ruinieren können.

Jeder muss sich verantwortlich fühlen

Tatsächlich zeigten alle Beteiligten an diesem Abend ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Gespür. Niemand war ein Arschloch. Auch nicht unfreiwillig.

Die Anwohner entschieden sich, die Polizei zu rufen und beschrieben die Situation genau – immer mit dem Hinweis, dass von den beiden Personen keine Gefahr ausgeht.

Ein Beamter in der Einsatzzentrale nahm den Anruf entgegen, fragte genau nach und ließ den Anrufer mithören, wie er den Einsatz weitergab. Transparent und nachvollziehbar.

Er übergab den Anwohnern Verantwortung. Sie sollten die Situation im Blick behalten, bis die Streife eintrifft.

Wann darf man Verantwortung abgeben?

Die Anwohner blieben vor Ort. Als die Polizei kam, nickte man sich kurz zu. Die beiden Beamten, ein Mann und eine Frau, begannen ruhig mit den Drogenabhängigen zu sprechen.

Vom Fenster aus beobachteten die Anwohner, ob der Polizeieinsatz korrekt ablief. Die beiden Suchtkranken packten langsam ihr Zeug zusammen, während die Polizisten geduldig warteten.

Dann haken sich die beiden unter und verlassen schwankend den Ort. Der Streifenwagen bleibt stehen, die Scheinwerfer auf die Situation gerichtet, und fährt irgendwann langsam hinterher.

Ab diesem Zeitpunkt verlieren die Anwohner die Situation aus dem Blick. Es wird kurz diskutiert, ob man nicht hinterhergehen sollte, um sicherzustellen, dass alles in geordnetem, menschenwürdigem Rahmen abläuft oder ob man die Verantwortung guten Gewissens abgeben kann.

Man einigt sich darauf, den Beamten zu vertrauen, dass sie genau das garantieren. Das hat der bisherige Ablauf gezeigt.

Fast niemand will ein Arschloch sein

Die Erkenntnis bleibt, dass alle Beteiligten im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Beste getan haben. Jeder und jede hat verantwortungsvoll gehandelt.

Das ist nicht selbstverständlich in einer schwierigen und unangenehmen Situation für alle – Anwohner, Suchtkranke, Polizeibeamte und den Mann in der Einsatzzentrale. Wer weiß, was die Polizisten heute schon alles an der Backe hatten und wie gut die Nerven sind. In welcher Stimmung sind die Anwohner? Wie kompromissbereit und aufnahmefähig die zwei Menschen auf Fentanyl? Wie gut ist die Kommunikationsfähigkeit aller Beteiligten?

Um beim Bild mit dem Thermometer zu bleiben. Menschen im Drogenrausch können vielleicht maximal eine Vier erreichen. Im Zweifel reichen bei sieben Beteiligten – Thermometern – schon eine Eins oder zwei Dreier, um die Situation sehr unschön zu entwickeln – obwohl das niemand will.

Dieser singuläre Abend hat zumindest bei mir das Vertrauen in den Rechtsstaat, die Polizei und die Anwohner – Bürgerinnen und Bürger – gestärkt, und in den Glauben, dass fast alle versuchen, ihr Bestes zu tun, um respektvoll und rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Dazu gehören auch die beiden Drogenabhängigen.

Insofern bemüht sich fast jeder, möglichst aware zu sein. Manchmal sind das gerade auch Menschen, die mit politisch verbrämten Begriffen oder Konzepten überhaupt nichts anfangen können. Sie sind einfach keine Arschlöcher.

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Kommentare (21)

  • Helmut Bieler-Wendt

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    Danke 🙏

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  • Günther Herzig

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    Diese Geschichte sollte überall in unserem Lande gelesen werden können, und entsprechend sprachlich angepasst, überall in der EU.

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  • Bernd

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    Kommentar gelöscht. Sie sind hier wegen regelmäßiger verbaler Übergriffe schon länger gesperrt. Ihre Unterstellung ist unwahr und unverschämt. Raus aus dem Forum.

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  • tom lehner

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    Danke für die Kolumne!

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  • Daniela

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    Danke Stefan Aigner, eine fantastische Kolumne und passend für unser Zeitgeschehen. Ich habe bisher in meinem Leben, eigentlich die Polizei und unsere Mitmenschen, nie so richtig als ‘Arschlöscher’ (übernommen aus Ihrem Artikel) wahrgenommen.
    Gerade die Polizei ist eigentlich bewundernswert, mit wie viel Sorgfalt und Augenmaß sie in häufig, emotional übersteigerte, gestresste, oder gar aggressive Situationen gerät und in aller Regel die Situationen in einen geregelten Ablauf bringen. Natürlich gibt es berühmte Ausnahmen, die dann auch von Medien mit großem Interesse verfolgt und ausgewertet werden.
    Aber man sollte immer im Hintergrund beachten, wie häufig doch die Polizei gerade zu angespannten, teilweise unübersichtliche Situationen gerufen wird.
    Seien es Unfälle, Nachbarschaftsrangeleien, familiäre Gewaltpropleme usw. . Es ist bewundernswert mit wie viel emotionaler und psychischer Stabilität da von den Beamten agiert wird.
    Auch bewundernswert, wie die Beobachter des Vorfalls hier sachgemäß und mit Augenmaß die Polizei informiert hat. Ich denke ein gutes Beispiel für Zivilcourage und persönlicher Handlungskompetenz sowie Weitblick.

    Es ist umso schwieriger, wenn schwer einzuschätzen ist, ob und wie weit seltsam auf uns wirkende Menschen unter Drogen stehen, oder welche möglicherweise andere Ursachen dafür in Frage kommen.

    Wirklich eine gute Kolumne, um auch eigenes Denken und Handeln zu reflektieren.

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  • Aus Zucker

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    Das heißt, die Artikel der vergangenen Jahre zum 01.04. waren nur Scherze!?

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  • Reisch

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    „Seid’s keine Arschlöcher“ ist sicherlich ein sinnvolles Motto. Oder, wie Haindling es auf Bairisch sagen würde, „seids freindlich!“.

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  • nixda

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    chapeau, herr aigner!
    aber auch für die polizist(inn)en!

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  • Daniel

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    Als “kritischer Leser” von RD weiß ich auch hier nicht so recht, wie ich das wirklich einordnen soll, denn in der Grundaussage ist dem sicher nicht zu widersprechen. Beim Thema Drogen und Entgleisungen möchte ich aber hinzufügen, dass Menschen sich dazu bewusst entscheiden, nämlich für Lebenswege, die weder ihnen noch ihrer Umgebung guttun. Ich höre sowas oft und bin skeptisch, wenn versucht wird alles mögliche über den sozio-kulturellen und -ökonomischen Hintergrund erklären und relativieren zu wollen. Das ist für mich auch ein Grund, warum ich ungern in Städten lebe, sondern lieber auswärts, denn die Stadtbevölkerungen scheinen da viel zu oft zu einer “laissez-faire”-Haltung zu folgen, die manchmal zu noch schwierigeren Umständen für Betroffene und ihr Umfeld führen. Das ist, was ich zugegebenermaßen etwas polemisch-zynisch als “Shitholification” verstehe, wenn sich die Menschen in Städten eigentlich nur um ihr eigenes Wohl sorgen und sich in letzter Konsequenz der brutalen Auswirkungen dann noch als irgendwie couragiert auf die Schulter klopfen wollen. Tugendsignalisierung reicht dann nicht aus, wenn man eine Zivilisation aufrecht erhalten möchte. Aber es ist vielleicht in manchen Milieus auch das Sentiment, dass man gar nicht über die negativen Auswirkungen gesellschaftspolitischer Trends sprechen möchte, wenn man nicht als “Arschloch” gelten will. Die soziale Kontrolle in urbanen Gesellschaften ist mir oft nicht geheuer, sind sie meist nur libertin, nicht aber liberal.

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  • Samson

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    Ein toller Beitrag.
    Hilfe, Zusammenarbeit Rettungskette!
    So soll Normalität aussehen.
    Und so hart es klingt, Fentanyl wird zum Stadtbild gehören, wie vor Jahren Crack in den USA.
    Wir müssen uns darauf einstellen.
    Benötigt wird ein
    ausgeweitetes Naloxon‑Angebot (Gegenmittel bei Opioid‑Notfällen).
    In Österreich passiert das heute schon.
    Wenn niemand hilft, werden die Betroffenen einfach vor unsern Augen in der Stadt sterben.
    Das sind schwerkranke Menschen.
    Und die Zahlen steigen jetzt schon rapide.
    Unabhängig davon ist es natürlich irrsinnig dumm ausprobieren zu wollen, ob man selber auch an Fenthanyl stirbt, wenn man es nimmt.

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  • Daniela

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    @ Daniel
    1. April 2026 um 18:48 | #

    Sie bringen grundlegend ein paar gute Überlegungen zu der Kolumne ein, auch wenn, denke ich, es mehr um das Miteinander und den sorgsame Umgang und Fürsorge für Mitmenschen in bedenklichen Situationen ging.
    ich denke auch, dass Süchte selbstbestimmt in Kauf genommen werden, obwohl dies mit Ausnahmen zu betrachten ist. Gerade dann, wenn Kinder und Jugendliche schon damit konfrontiert werden.
    Sozio- kulturell ist da auch mit unter nicht von der Hand zu weisen. Über Jahrzehnte galt das Feierabendbier zum guten Ton, genau wie der Klimmstengel auch symbolisch für Emanzipation der Frau genommen wurde. Dies betraf alle Bevölkerungsschichten in gleicher Weise. Es wurde als gesellschaftlich normal erachtet. So musste auch nicht wundern, dass es von Kindern und Jugendlichen als normal erachtet wurde und auch manch einer schon im Alter von 14 Jahren, als Lehrling im Bau, Bergbau, …an die Rauschsubstanzen gelangte.
    Abhängigkeit kommt auch nicht von einem Bier, sondern von Gewöhnung an die Substanzen und oft einhergehend auch mit der Steigerung der Substanzen um in das gewünschte Gefühl zu kommen.
    Es gibt in Deutschland sicherlich mehr Medikamentenabhängigkeiten als offiziell bekannt. Dies wird auch oft nicht so wahrgenommen, da es sich um Therapeutika handelt, so bei Schmerzen ect.
    Der Umgang mit dem Thema Drogenkonsum ist für viele auch nicht einfach zu handeln. Sie wissen oft nicht, wie sie darauf reagieren sollen, wenn es im eigenen Lebensumfeld zu Tage tritt. Wie die betroffenen Menschen ansprechen?

    Insofern finde ich die Kolumne bemerkenswert, eben, weil sich Beobachter dieses Vorfalls distanziert aber höchst verantwortlich um die eingetretene Situation kümmerten und Hilfe holten, anstatt weg zu sehen, es zu ignorieren. Eben ein sorgsames Umgehen mit Mitmenschen.

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  • da_Moartl

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    Danke für diese sorgsame Recherche und Schilderung. Es tut gut, wenn ein Journalist seinem eigenen journalistischen Ethos entsprechend auch solche positiven Ereignisse sorgsam beschreibt. Leider ist das in der nur noch durch Sensationsnachrichten, Klicks und Werbenachrichten getriebenen Massen-Journaille kaum mehr anzutreffen. Darum ein Danke an Stefan Aigner

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  • Hibulazultasbellinger

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    Man kann das aber auch anders sehen:
    Was sind das für Arschlöcher, die friedliche Drogenabhängige durch die Polizei aus ihrem Gesichtsfeld eskortieren lassen und sich hinterher richtig gut fühlen und sich in ihrer Awareness spiegeln und sonnen.

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  • Gerhard Hecht

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    dieser artikel freut mich jetzt ganz besonders. frohe ostern!

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  • Ulla Basqué

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    Was für ein schönes Wort zu Ostern, lieber Stefan – Dankeschön – die Geschichte steht für Mitgefühl und Nächstenliebe. Diese Tugenden scheinen der Welt in den letzten Jahrzehnten etwas abhanden gekommen zu sein. Fröhliche Ostern allerseits, „Seid wachsam, bleibt Mensch!”

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  • Lutherer

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    Das ist keine Kritik am Verhalten der Beteiligten. So lobenswert dieses ist zeigt dies doch: Drogensucht und Junkies – vor der eigenen Tür stören sie. Man verlagert das Problem und die einen können nur hilflos flickschustern wenn es um richtige Lösungen geht und die andern verlagern das Problem. Auch wenn keiner ein Arschloch ist, eine würdevolle Lösung für alle Betroffenen – Anwohner und Suchtkranke – ist das auch nicht, sondern nur das handeln mit “unveränderlichen” Gegebenheiten. Man gibt sich also stoisch dem Schicksal hin.

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  • EinHemauer

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    @Hibulazultasbellinger
    Ich gebe Ihnen zu 100 % Recht.

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  • Herbert Grabe

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    Ich wüsste, wem einer der nächsten renommierten Journalistenpreise vergeben werden sollte.

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  • Daniela

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    @Lutherer
    3. April 2026 um 16:55 | #

    Auch wenn Ihre Ansicht nach vollziehbar dargestellt wurde, als Gegenargument kann man aber durchaus dann auch in den Raum stellen,
    dass in Deutschland das Recht auf Selbstbestimmung besteht, damit geht einher, dass halt auch jeder Erwachsene sich Alkohol und Medikamente ( Drogen) einwerfen kann, sofern er diese bekommt.

    Wie anders hätte es in diesem Fall gehen sollen, per Polizei und Notarzt ins Krankenhaus wider Willen per richterlichen Beschluss?

    Ich denke auch nicht, dass gehandelt wurde, weil die betroffenen Menschen störten. Ich denke sie zogen Aufmerksamkeit auf sich ob ihres seltsamen Benehmens. Dies wirkte wohl hilflos auf die Beobachter.

    Es ist nicht immer alles umsetzbar, was vielleicht sinnvoll erscheinen kann, oder ist.

    Sucht stellt immer eine besondere Form als Krankheit dar. Es bestehen besondere Risiken. Ein Alkoholiker bspw kann bei trockenen Entzug, ohne klinische Begleitung in ein Delir kommen. Das auch tödlich enden kann.

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  • Hartmut Kiener

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    Die Reaktion der Anwohner und der Polizei sind erfreulich, vorbildlich – verständlich aber auch die Reaktion auf manche unangenehme Vorkommnisse; wenn z.B. jemand seine Notdurft vor Deiner Haustür erledigt…………Und während der Mai- und Herbstdult gibt es genug Drogenabhängige, die nicht mehr richtig heimfinden und…..s.o.(Bier ist auch eine Droge)

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