Evangelisches Krankenhaus: Stadtrat Stimmt zukünftiger Entwicklung zu

Die von der Stadt Regensburg verwaltete Evangelische Wohltätigkeitsstiftung in Regensburg (EWR) als Träger des Evangelischen Krankenhauses und die Barmherzigen Brüder Regensburg gründen ein gemeinsames „Zentrum für Altersmedizin in Regensburg“. Auf dem Gelände des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder an der Prüfeninger Straße wird die geriatrische Versorgung im stationären und ambulanten Bereich ausgebaut und verbessert. In diesem Zusammenhang wird der Betrieb des Evangelischen Krankenhauses am Emmeramsplatz voraussichtlich im Jahr 2017 eingestellt. Das Gebäude soll weiterhin im Eigentum der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung bleiben. Es wird eine neue Nutzung angestrebt. Zentrum für umfassende Altersmedizin In das geplante Zentrum für Altersmedizin werden das Evangelische Krankenhaus mit zukünftig 80 Betten Innere Medizin/Akutgeriatrie, der Ambulante Dienst der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung und die Bereiche der Altersmedizin der Barmherzigen Brüder einbezogen. Zudem plant die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, als eigenständiger Träger im Zentrum für Altersmedizin tätig zu werden, zum Beispiel mit einer geriatrischen Tagesklinik. Der Stadtrat hat in der Plenumssitzung am Donnerstag, 24. Oktober 2013, nach umfassender und gründlicher Debatte der geplanten zukünftigen Entwicklung des Evangelischen Krankenhauses zugestimmt. Die Abstimmung erfolgte mit großer Mehrheit gegen zwei Stimmen. Einen Tag zuvor hatte der Stiftungsausschuss der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung mit großer Mehrheit gegen eine Stimme eine entsprechende Empfehlung an den Stadtrat abgegeben. Das Zentrum für Altersmedizin soll in unmittelbarer Anbindung an das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gebaut werden. Die direkte Nähe zur umfassenden Infrastruktur des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder gewährleistet neben einem wirtschaftlichen Vorteil vor allem den Zugriff auf die moderne medizinische Ausstattung und die Behandlungsmöglichkeiten sämtlicher Abteilungen des Krankenhauses. Ziel ist es, den komplexen gesundheitlichen Problemen von älteren Menschen mit einer differenzierten Diagnostik unter Einbeziehung von verschiedenen Fachrichtungen zu begegnen. Im ersten Schritt zum „Zentrum für Altersmedizin in Regensburg“ wird die gemeinnützige Gesellschaft „Evangelisches Krankenhaus Regensburg gGmbH“ gegründet. An dieser Gesellschaft werden sich die Barmherzigen Brüder mit 80 Prozent und die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung mit 20 Prozent beteiligen. Die Gesellschaft wird voraussichtlich Anfang November ihre Arbeit aufnehmen. Die Arbeitsverhältnisse der jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses gehen kraft Gesetzes unverändert auf die neue Gesellschaft über. Bis zur Fertigstellung des Zentrums für Altersmedizin übernehmen die Barmherzigen Brüder Anfang November 2013 die Geschäftsführung des Evangelischen Krankenhauses am bisherigen Standort am Emmeramsplatz. Alle Fraktionen des Stadtrates und auch Oberbürgermeister Hans Schaidinger bedauerten in der Sitzung das unausweichliche Ende des Traditions-Krankenhauses im Herzen der Altstadt. Schaidinger verwies darauf, dass ein anhaltendes strukturelles Defizit des Krankenhauses in Höhe von jährlich rund 1,6 Millionen Euro, die Tendenz zu einem weiteren Ansteigen dieser Verluste sowie der in zweistelliger Millionenhöhe liegende Investitionsbedarf die Wohltätigkeitsstiftung in eine wirtschaftlich nur schwer vertretbare Lage bringen würde. Lange Tradition der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung Die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung in Regensburg (EWR) hat eine gut sieben Jahrhunderte währende Tradition: Als ihr Grundstein gilt das im Jahr 1296 gegründete Leprosenhaus zu St. Lazarus. Die EWR ist keine kirchliche Stiftung, sondern wird traditionell von der Stadt verwaltet. Im Lauf der Jahrhunderte kamen unter dem Dach der EWR zehn Hauptstiftungen sowie mehr als 300 Zustiftungen und Legate zusammen. Die Stiftungsverwaltung der EWR wird von Dr. Helmut Reutter geleitet. Die grundsätzlichen Entscheidungen trifft der Stiftungsausschuss der EWR, in dem Oberbürgermeister Hans Schaidinger den Vorsitz führt. Im Ausschuss sind außerdem fünf Mitglieder des Regensburger Stadtrats sowie von Seite der Evangelischen Kirche der Dekan und zwei Gemeindemitglieder vertreten. Als Einrichtungsträger unterhält die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung das Evangelische Krankenhaus, das Alten- und Pflegeheim Johannesstift sowie den Ambulanten Pflege- und Hauswirtschaftsdienst.

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Kommentare (2)

  • Veronika

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    Wenn sich so etwas nicht mehr rechnet/ rechnen soll, muss es eben geschlossen werden, um neuen sich (monopolartig) rechnenden Dingen Platz zu machen!

    Mensch bin ich froh nicht mehr in Bayern zu sein!

  • Martin

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    1,6 Millionen Defizit: da muss es einem wirklich angst und bange werden. Aber die Summe scheint künstlich hochgerechnet: enthalten ist auch eine halbe Million Miete, die sich die Stiftung an sich selbst überweist und Kosten im sechsstelligen Bereich für Berater, die berechnet haben, dass es sich nicht rechnet.

    Das aber ist der Sinn von Stiftungen, dass sie sich eben nicht rechnen, sondern Dinge unterstützen, die einfach wohltätig sein wollen, ohne dass nur betriebswirtschaftlich gedacht wird. In diesem Glauben stifteten in den rückliegenden Jahrhunderten Menschen ein Vermögen: sie dürften sich im Grabe umdrehen. Wenn Stifterwille so mit Füßen getreten wird, kann nur abgeraten werden Gelder in Stiftungen zu stecken.

    Als Bürger stinkt es mir, dass nun wieder ein Bereich bürgerlichen Engagements in den Magen der Römisch-Katholischen Kirche wandert mit einem Arbeitsrecht, das aufgeklärte Menschen mit Füssen tritt (Verlust des Arbeitsplatzes bei Wiederverheiratung, Kirchenaustritt, oder falscher Liebe.) Nur die dümmsten Kälber wählen sich die Metzger selber… Wieviele Menschen müssen in dieser Stadt denn noch der Kirche den Rücken zuwenden, damit unsere Stadtveranwortlichen begreifen, dass sie unser kommunales Vermögen bitte sorgsam verwalten?

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