Unterlassung gegen Onlinemagazin

Humorloser Harmonikaspieler: DSDS-Fesl mahnt Satire ab

Hier noch der nette Volksmusikant: Florian Fesl 2013. Foto: Heiko1966/ Wikimedia Commons

Hier noch der nette Volksmusikant: Florian Fesl 2013. Foto: Heiko1966/ Wikimedia Commons

Ein offensichtlich satirischer Text kommt das Onlinemagazin „Da Hog’n“ teuer zu stehen. Der Musikant Florian Fesl („Deutschland sucht den Superstar“) überzieht die Seite mit einer teuren Unterlassungsforderung.

„Wenn Du da stehst, ist das so ähnlich wie eine Penisprothese: Die steht zwar, aber macht keinen Spaß. Da kommt nur Luft.“
Dieter Bohlen über Florian Fesl

„H wie Humor…für mich eine der wichtigsten Charaktereigenschaften. Ich stehe eher auf trockenen Humor.“
Florian Fesl, Musikant

Meinen die das ernst? Passiert das wirklich? Das muss doch Satire sein, oder? Diese und andere Fragen mag sich mancher Zuschauer stellen, der zufällig in das RTL-Format DSDS hinein zappt, jene Sendung also, in der sich irgendwelche jungen Leute vor einem Millionenpublikum zum Affen machen, in der Hoffnung auf einen lukrativen Plattenvertrag. Und just diese Unklarheit darüber, ob das alles Satire oder doch ernst gemeint ist, wurde nun dem Bayerwald-Onlinemagazin „Da Hog’n“ zum Verhängnis. Vergangene Woche erhielt die Hog’n-Redaktion nämlich unerfreuliche Post vom Rechtsanwalt eines gewissen Florian Fesl.

„Durchgestylt auch der ganze Kerl!“

Florian Fesl, das sei an dieser Stelle erwähnt, hat nichts, aber auch gar nichts mit dem allseits beliebten und humorigen Musiker Fredl Fesl zu tun. Nichtsdestotrotz konnte der „kleine“ Fesl, den, wie er in seiner Vita schreibt, „die steirische Harmonika (…) seit seiner Kindheit begleitet“ zunächst als Volksmusikant einige Erfolge („I bin a echter Bayer“) feiern. Seit kurzem präsentiert Fesl sich nun mit neuem Look („Durchgestylt auch der ganze Kerl!“) und versuchte nun, sich in einer „ersten Nagelprobe“ bei DSDS an die Weltspitze zu baiern.

Jedoch: Von Dieter Bohlen als „Penisprothese“ abgewatscht musste Fesl kürzlich den Rückzug aus dem DSDS-Camp in Kingston antreten. Der Passauer Neuen Presse gab er daraufhin ein Interview, in dem er seine Leiden schildert. Das klingt zwar stellenweise wie Satire, scheint aber ernst gemeint zu sein, und als nun der Hog’n diesen wundervollen PNP-Text (Zitat: „Den Vorwurf, er sei selbstverliebt, kontert der Freyunger selbstbewusst: ‚Es muss sich ja keiner schämen, wenn er auf sein Äußeres schaut.’“) satirisch überhöhte, beauftragte der 28jährige seine Rechtsanwälte damit, dem Onlinemagazin eine sündteure Unterlassungsforderung wegen falscher Tatsachenbehauptungen und der angeblichen Verletzung von Persönlichkeitsrechten zukommen zu lassen.

Was Fesl-Fans alles glauben könnten…

Fesl hält es nämlich offenbar für vorstellbar, dass seine Fans den inkriminierten Hog’n-Beitrag mit der Überschrift „Verschleppt, gequält, erniedrigt: Florian Fesl ging durch die DSDS-Hölle“, eingeordnet als gelegentlich vom Hog’n bediente Rubrik „Realsatire“, für bare Münze nehmen könnten.

In dem Artikel ist unter anderem davon die Rede,

  • dass Fesl statt des angedachten Flaschendrehens im DSDS-Camp „lieber ein Schafkopf-Turnier oder einen Leberkas-Weitwurf durchführen“ wollte,
  • dass Amnesty International „vor dem UN-Sicherheitsrat auf die erniedrigenden und würdelosen Zustände im RTL-Bootcamp international aufmerksam gemacht“ habe,
  • dass „sich der Waidler mit dem Perlweiß-Lächeln und der Gaballier-Tolle (Fesl, Anm. d. Red.) aufgrund seiner Naivität aus heutiger Sicht in den muskulösen A**** beißen“ könnte,
  • dass Fesl „auf Gedeih und Verderb versucht“ habe, „sich aus dieser menschenfeindlichen Umgebung der 5-Sterne-Hotelanlage zu befreien und in die Deutsche Botschaft in Kingston zu flüchten“,
  • dass der Hog’n mit UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon gesprochen habe.

Stinkbeleidigt: Benefizkonzert abgesagt

Diese Reihung ließe sich noch lange fortsetzen, aber leider hat die Hog’n-Redaktion der Unterlassungsforderung nachgegeben und den Text entfernt. Nicht, dass noch jemand denkt, dass das alles stimmt. Stattdessen gibt es nun eine ausführliche Richtigstellung – und nach wie vor zittern die Hog’n-Macher. Offenbar stehen nämlich auch Schmerzensgeldforderungen im Raum.

Wie Fesl der PNP nämlich erklärte, habe der Bericht nämlich „nichts mehr mit Humor zu tun“. Auch ein Benefizkonzert zugunsten der Organisation „Freyung hilft e.V.“ hat Fesl deshalb abgesagt. Irgendwie soll auch daran der „Hog’n“ schuld sein. Eine Nachfrage unserer Redaktion, ob man den als angehender Star neben peinlichen Lobhudeleien der Lokalpresse nicht auch Satire aushalten müsse, ließ der Mann mit Faible für „trockenen Humor“ (Fesl über Fesl) unbeantwortet. Ebenso einige weitere Fragen. In einer Pressemitteilung faselt Fesl: „Meinerseits werden in schriftlicher Form zu diesem Artikel keine weiteren öffentlichen Statements abgegeben!“

Anmerkung: Dieser Text ist keine Satire. Leider.

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Kommentare (7)

  • Thorsten

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    Ich hoffe nur, dass die Unterlassungserklärung nicht einfach blindlings, sondern auf den Rat eines fachkundigen Rechtsanwalts hin abgegeben wurde. So, wie die Sache hier beschrieben wird, hätte man sich eigentlich auch wehren können. Aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail.

  • Toribio

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    Nicht alles was in den Medien von den verantwortlichen Schreibern gesagt wird, kann man eben immer mit Satire abtun und mit Pressefreiheit begründet werden.
    Ihre Aussagen in den letzten beiden Absätzen sind da aus meiner Sicht auch nicht das Gelbe vom Ei.
    „S t i n k b e l e i d i g t: Benefizkonzert abgesagt“ und „In einer Pressemitteilung f a s e l t Fesl“ scheinen da aus meiner Sicht ebenfalls nicht eine integere Sprache zu sein, die von gelegentlich von Pressevertretern in wohl eher gelinde gesagt unfairer Weise gebraucht wird.
    Fesl sollte sich m. E. auch gegen Dieter Bohlen energisch zur Wehr setzen und sich gegen diesen diesen aus meiner Sicht unsympathischen Medienvertreter wehren, damit der endlich mal von seinem hohen Ross heruntergeholt wird.
    Was der für mich selbstherrliche, typische Vertreter unserer Zeit der Ellenbogenmentalität gelegentlich so von sich gibt, kann ich nicht immer als menschlich charakterfestes und korrektes, stilvolles Benehmen erkennen.
    Die Meschen lassen sich, so wie ich das immer sehen, lesen und hören kann von den Medien und ihren verantwortlichen Vertretern sowiso zuviel gefallen.
    Pressefreiheit entschuldigt eben nicht alles.
    Darüber sollten diese Herren öfter mal in Demut und Reue nachdenken?!
    Vielleicht würde dann hier in Deutschland wieder eine bessere Gesprächs-, Diskussions- und Umgangskultur Schule machen.
    „Humorloser Harmonikaspieler: DSDS-Fesl mahnt Satire ab“ scheint mir ebenfalls nicht gerade dazu geeignet zu sein, den Ball flach zu halten, sondern eher dazu, die Fronten zu puschen.
    Hätte ich eigentlichen von dieser für mich stes fairen und ausgleichend operierenden online-Redaktion so nicht erwartet.

  • hutzelwutzel

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    Sein Humor ist aber schon arg trocken. Kein feiner Zug. Irgendwie verständlich, dass er nicht in die Analen von „Da Hog’n“ und damit derart in die Geschichte seiner niederbayerischen Heimat Niederbayern eingehen will. Hätte er sich aber auch sparen könen, wen er als Volksmusiker nicht bei Dieter angetreten wäre. Bei dem haben schon andere aufgegeben. Soll sich „Da Hog’n“ doch an Dieter Bohlen wenden. Wie ich den einschätze finanziert er sogar noch einen passablen Rechtsstreit in der Sache. Nur der volksmusikalischen Gaudi wegen, und niemand braucht die nächsten Jahrzehnte mehr erwähnen aus dem Bayerischen Wald zu sein. ;-)

  • bernd

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    Ist das Online-Magazin anwaltlich beraten worden? Der Artikel liest sich, als hätte die Redaktion
    blind eine Unterlassungserklärung abgegeben… Nur weil man „Post vom Anwalt“ bekommt heißt das erstmal garnix…

    „Und just diese Unklarheit darüber, ob das alles Satire oder doch ernst gemeint ist, wurde nun dem Bayerwald-Onlinemagazin „Da Hog’n“ zum Verhängnis. Vergangene Woche erhielt die Hog’n-Redaktion nämlich unerfreuliche Post vom Rechtsanwalt eines gewissen Florian Fesl.“ Macht mich auch stutzig. Seit wann muss Satire deutlich als solches gekennzeichnet sein?

  • Sören

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    Wie unabhängig ist denn dieses Onlinemagazin, wenn es schon bei so einer Kleinigkeit beigibt?
    Und: so trocken ist doch dem Fesl sein Humor gar nicht. Er spielt Harmonika ;-)

  • Grips

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    Mir fehlt hier für beide Seiten die Sympathie: Da will also ein kleiner Mann nach „oben“, sprich gut bezahlter Schnulzen-Sänger werden, und wird vom Obermeister der Kategorie „Brot und Spiele“ Bohlen abgewatscht. Daraufhin wird er in seiner Heimat von denen da „unten“ mit Spott und Häme übergossen. Aber in einer Weise – ich bin dem link zu „Da Hog’n“ gefolgt – die ich als platt und geistlos empfinde. Dass er dann , klein wie er ist, auf die anderen „Kleinen“ losgeht, statt auf Bohlen, naja…Eben sah ich den Spielfilm Rock the kasbah, der in Afghanistan spielt, und in dem Thema der (nach einer tatsächlichen Vorlage) lebensgefährliche Kampf einer jungen Afghanin ist, in der Musiktalente-Sendung „Afghan star“ auftreten zu dürfen. Da weht der Zeitgeist, ihr Kleingeister aller Seiten.

  • Unsere Klick-Top Ten 2016 – Teil I » Regensburg Digital

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    […] Er fordert eine Unterlassungserklärung, droht gar mit weiteren zivilrechtlichen Schritten und sagt … Der Hogn gibt – vielleicht etwas voreilig – die Unterlassungserklärung ab und zahlt die Anwaltskosten. Von Fesl hört man nichts mehr – weder beim Hogn noch musikalisch.  […]

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