Kulturentwicklungsplan

KEP-Wiki: Chance oder Himmelfahrtskommando?

Neuland für die Stadt Regensburg – um die Bürger am Kulturentwicklungsplan zu beteiligen, hat man heute den Startschuss für ein eigenes Wiki gegeben. Nach allerlei Fragwürdigkeiten dürfen die Bürger nun wirklich einmal mitreden.

KEP-Diskussionsrunde: Der anfänglich große Enthusiasmus wurde zwischenzeitlich erheblich gedämpft. Foto: Stadt Regensburg

KEP-Diskussionsrunde: Der anfänglich große Enthusiasmus wurde zwischenzeitlich erheblich gedämpft. Foto: Stadt Regensburg

KEP – das bedeutet Kulturentwicklungsplan. Und man muss es schon dazu sagen, weil man zum einen schon lange nichts mehr vom KEP gehört hat und zum anderen das öffentliche Interesse daran sich zuletzt in recht überschaubaren Grenzen hielt.

Es geht ums Geld

Vor drei Jahren wurde die Arbeit am KEP ins Werk gesetzt. Er soll die kulturellen Prioritäten für die nächsten Jahre festschreiben, festhalten, was in Regensburg – kulturell – gut läuft und was nicht, was stärker gefördert werden soll und was nicht. Es geht also, auch wenn das nicht explizit im KEP steht, vor allem ums Geld. Das ist begrenzt und will verteilt sein. Und der KEP ist eine Argumentationsgrundlage, um Förderung von der Stadt zu fordern. Wenn man sich denn auch darin wiederfindet.

Entsprechend wollten verschiedenste Interessengruppen und auch einzelne Akteure ihre Ziel im KEP vertreten sehen und beteiligten sich am Diskussionsprozess – ein demokratisches Procedere sollte das Ganze werden. Offen und unter gleichberechtigter Beteiligung aller Kunst- und Kultursparten.

Es gibt Lieblinge des Kulturreferenten

Anfänglich gab es mehrere Konferenzen mit über 50 „Kulturschaffenden“. Verschiedene Arbeitsgruppen wurden gegründet, in denen alle Sparten zu ihrem Recht kommen sollten. Das gelang allerdings nicht wirklich.

Eine Sparte, die „Arbeitsgruppe Musik“, ein starker Lobbyverband der arrivierten Musikszene, erfuhr außerordentliche Bevorzugung. Gegründet hat sich dieser Zusammenschluss bereits vor dem offiziellen Beginn des KEP-Prozesses insbesondere auf Initiative von Kulturreferent Klemens Unger. Pop, Punk und Rock kommen dort so gut wie nicht vor, dafür sitzen z.B. sechs Vertreter für Kirchenmusik in der 16köpfigen Gruppe.  oder etwa der – Unger direkt unterstellte – Leiter der städtischen Sing- und Musikschule.

Lieblingskind AG Musik: Kulturreferent Klemens Unger mit einer Entwurfzeichnung für das "Haus der Musik". Foto: Archiv

Lieblingskind AG Musik: Kulturreferent Klemens Unger mit einer Entwurfzeichnung für das „Haus der Musik“. Foto: Archiv

Die AG Musik tagte außerhalb des für alle anderen vorgeschriebenen Procederes, musste sich nicht den gemeinsamen Diskussionen stellen oder auf Kompromisse einlassen. Unger, der qua Amt vorgeblich neutral agieren sollte, war regelmäßig bei den Sitzungen dieser Arbeitsgruppe mit dabei und hat sie mitbestimmt. Um diesen Umstand im Nachhinein zu verschleiern, wurden sogar offizielle Protokolle auf den Internetseiten der Stadt geändert.

Inhaltslose Zwischenberichte und zweifelhafte Umfragen

Zwischenberichte des Kultureferats zu den Diskussionen und Ergebnissen der Arbeitsgruppen an den Stadtrat erwiesen sich als – gelinde gesagt – nicht unbedingt hilfreich. Doch eine längere Diskussion hielten die Vertreter der Mehrheitsfraktionen ohnehin nicht für angebracht.

Eine im vergangenen Jahr durchgeführte Umfrage zu den kulturellen Angeboten in Regensburg schließlich, die ebenfalls in den KEP einfließen soll, ist von eher zweifelhafter Repräsentativität. Entsprechend gedämpft war zuletzt der Enthusiasmus bei einigen, die sich zunächst intensiv an der Diskussion beteiligt hatten.

Neuland, Abenteuer, Himmelfahrtskommando? Ein städtisches Wiki

Doch nun ist er trotz allen Widrig- und Zweifelhaftigkeiten fertig – der Verwaltungsentwurf für einen KEP. Knapp 50 Seiten stark und sechs Wochen lang offen zur Diskussion. Als ein „Abenteuer“ bezeichnen bei deiner Pressekonferenz am Dienstagmorgen Kulturreferent Klemens Unger und seine Mitarbeiterin Kristina Schmidbauer das Beteiligungsverfahren, das sie sich ausgedacht und ins Werk gesetzt haben.

Neben öffentlichen Veranstaltungen, bei denen Unger Rede und Antwort stehen will, Telefonsprechstunden mit dem Kulturreferenten und Bürgerkonferenzen gibt es seit heute auch ein städtisches „MediaWiki“. Ähnlich wie beim „großen Bruder Wikipedia“ (Schmidbauer) könnten sich dort nun alle interessierten Bürgerinnen und Bürger an der Diskussion beteiligen – Ergänzungen, Wünsche und Kritik eintragen oder gleich ganze Passagen des KEP umschreiben.

Sechs Wochen mitreden

Bis zum 15. Januar (inklusive einer einwöchigen Weihnachtspause) läuft dieser Beteiligungsprozess, von dem das Kulturreferat sagt, dass er und sein Stab in keiner Kommune etwas vergleichbares gefunden hätten. Und so ist man stolz auf so viel Innovation, Bürgerbeteiligung und Transparenz. Aber auch ein wenig nervös.

„Beteiligen sich nur drei? Oder ein Dutzend? Oder Dutzende Dutzend?“ Kulturreferent Klemens Unger und Kristina Schmidbauer ahnen noch nicht, was da auf sie zukommt. Wie viel Arbeit werden Moderation und Auswertung der Wiki-Einträge in Anspruch nehmen? „Werden wir vielleicht nur beschimpft?“, fragt Schmidbauer halb lächelnd, halb skeptisch dreinblickend.

Hans Schaidinger ist da viel optimistischer. All zu lang werde die Auswertung der Wiki-Einträge nicht dauern, glaubt er. Man werde dem Stadtrat recht rasch einen Entwurf zur Entscheidung vorlegen können. Inwieweit das Wiki dann darin einfließen wird? Die Stadträte würden eine „ausgewogene Einschätzung der Verwaltung mit allen Informationen“ bekommen. Na dann…

Mehr Infos

Hier geht es zum städtischen Wiki
Der KEP-Entwurf als PDF
Präsentation der Stadt Regensburg zum KEP-Prozess

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Kommentare (7)

  • Weltscherbe

    |

    Ein Abenteuer für komplett Gelangweilte sowie Anspruchslose.
    Bürgerfeststyle eben:
    Wenn langweiliges Programm auf komplett Anspruchslose trifft.
    Regensburg can´t party!

  • Peter Willinger

    |

    Ach Weltscherbe, da kann der Bürger mal mitreden und dann ist’s auch wieder nicht recht! Weil man ja immer was dagegen sagen kann – aber dabei gibt es durchaus Lichtblicke in der Kulturszene! Wenn Du aber Bürgerfest und rein mittelalterliche Feste als Zielobjekt ausgespäht hast, dann leg bitte Deine Scheuklappen ab:
    Es gibt zahlreiche hochwertige Filmreihen in der Stadt: Das Heimspiel war eben und filmisches Philosophieren in der filmgalerie ist auch eine spannende Veranstaltung. dann gibt es mit den Queerstreifen und der Kurzfilmwoche hochwertige Festivals. Okay, Kino ist nicht jedermanns geschmack. Was ist mit der Bühne? Tanz? Die Internationalen Tanztage sind ein wertvoller Beitrag mit überregionaler Bedeutung. Auch das Theater Regensburg hat ein gutes und abwechslungsreiches Programm für beinahe jedermanns Geschmack. Operette, Oper, Schauspiel, Experimentelles, Lesungen, Nachmittags, Abends…
    Für Bands gibt es diverse Bühnen. Vom Art Club, über W1 und Mälze bis hin zum (auch das muss zur Kultur gezählt werden) Kommerzkonzert in der Donauarena.
    Das Jazzweekend und regelmäßig auch der Jazzclub, der auch ein anspruchsvolles Programm organsiert und zugleich dem Nachwuchs eine Bühne bietet…
    Und ich vergesse hier so einiges.

    Es geht also uns Betroffenen vor allem um eine Überarbeitung des KEPs. Der erste Schritt war die Veröffentlichung. Der zweite ist nun das Wiki. Das sollte man als Chance sehen. Spannend wird es, wenn die Ergebnisse sichtbar werden – oder in der Schublade verstauben.

  • Radlertölpel

    |

    Ich habe einiges im Wiki ergänzt,
    so z.B. unter Punkt

    5.1.8 GEISTIGER RAUM FÜR KULTURELLE ENTWICKLUNG

    Mut zur Innovation:

    „Neuschaffung und Finanzierung eines Innovationstopfes bzw. Auslobung eines Innovationspreises“
    ____________________________________

    „Neuschaffung und Finanzierung eines Innovationstopfes bzw. Auslobung eines Innovationspreises mit offenem Auswahlverfahren durch eine innovative 11-köpfige Jury, die im Sinne ihrer unabhängigen Zusammensetzung, z.B. per Losentscheid aus allen Jury-Bewerbern gezogen wird, die sich im Rahmen eines offenen Wettbewerbs mit einem öffentlichen Bewerbungstext vorstellen und verdeutlichen, was sie zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung unter Innovation verstehen.“

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    auch steht auf dieser Seite etwas weiter unten geschrieben:

    „Es gibt ein Konzept für Kunst und Kultur im öffentlichen Raum

    Eine weitere Zielsetzung ist es, die Auffassung von Kunst im öffentlichen Raum zu erweitern. Dabei steht im Vordergrund, den Zugang zu Kunst für die Bürgerinnen und Bürger zu erleichtern, indem man Kunst dahin bringt, wo sie unmittelbar und leicht wahrnehmbar ist: in den öffentlichen Raum. Ein mögliches Mittel hierzu ist auch der Dialog zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung sowie dem Fachpublikum.

    → Maßnahmen:

    Bestandsaufnahme bestehender Gegenwartskunst im öffentlichen Raum unter Beteiligung von Stadtverwaltung, Kulturakteuren, Fachgremien und der Bürgerinnen und Bürger. Auf dieser Basis ist ein Konzept für Kunst und Kultur im öffentlichen Raum zu erstellen. Durch die Umsetzung des Konzeptes sollen das Stadtbild bereichert, die Kultursparten gefördert und die Präsenz von zeitgenössischer Kunst an gut sichtbaren Stellen in der Stadt erhöht werden.

    Durch temporäre Aktionen von Kunst im öffentlichen Raum soll auch für nachfolgende Aktionen noch „Raum zur Entfaltung bleiben“

    Entwicklung von Workshops, die die Konzeption und Umsetzung begleiten

    Veröffentlichung eines „Kunstführers“, der alle Kunstobjekte im öffentlichen Raum kennzeichnet


    _____________________________________

    Ich habe das fachkundig umformuliert, da ich obenstehendes Konzept in seiner Organisation als kontraproduktiv ansehe und hoffe, dass meine Anregungen ankommen, denn bisher konnte z.B. in Ermangelung eines Konzeptes für Kunst im Öffentlichen Raum die Kommission Kunst und Bauen auch garnichts zum Europabrunnendeckel entscheiden, Zeit wirds also für so ein Konzept obwohl auch dies (m)eine Meinung ist
    „Kunst im öffentlichen Raum braucht unter Umständen ein Konzept, aber es braucht kein Konzept „für“ Kunst im öffentlichen Raum“

    also

    „Nach reichlicher Überlegung

    Hier ein Konzept für für Kunst im öffentlichen Raum:
    [false ] Erweiterung der Auffassung von Kunst im öffentlichen Raum

    Eine Zielsetzung des KEP ist es, die Auffassung von Gegenwartskunst im öffentlichen Raum zu erweitern. So ist ein prozessorientiertes Bearbeiten von unterschiedlichsten gesellschaftlichen und künstlerischen Fragestellungen möglich. Gerade der öffentliche Raum eignet sich dazu die Produktionsbedingungen und die Vermittlung von Kunst unmittelbar in der Situation zu untersuchen. Deshalb ist es auch von besonderer Bedeutung Kunst, die sich frei im öffentlichen Raum generiert und ausprobiert, besonders ernst zu nehmen und ihr ein „Wiedereintreten“ in den institutionalisierten Rahmen zu ermöglichen, der dadurch um handlungsorientierte und selbstbestimmte Positionen und einen authentischeren Bezug zur Stadt erweitert wird.

    Den Bewohnern und Gästen der Stadt ist der Zugang zu Kunst erleichtert, indem Kunst dort realisiert und rück-gekoppelt wird, wo sie unmittelbar und leicht wahrnehmbar ist: im öffentlichen Raum; entlang dieser Interaktion entwickelt sich die Kunst im öffentlichen Raum weiter. Ein mögliches Mittel zur gegenseitigen Verständigung ist der unmittelbare Dialog zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung sowie dem Fachpublikum, in der Situation vor Ort und in öffentlichen Diskussionsrunden, zu denen die betreffenden Künstlerinnen und Künstler und weitere Referenten geladen sind.

    Um der Kunst im öffentlichen Raum eine Weiterentwicklung zu ermöglichen, werden seitens des Kulturreferats keine zeitlich beschränkende Angaben gemacht, die prozessorientierte Kunstprojekte im öffentlichen Raum auf maximal 2 Wochen begrenzen (wollen). Der gesamte öffentliche Raum kann durch Kunst bespielt werden, sofern diese nicht unauflöslich mit der Straßenverkehrsordnung oder anderen Vorschriften kollidiert. Da Kunst jedoch in den meisten Fällen immer noch die Ausnahme von der Regel ist, sind auch gewagte und ungewöhnliche Vorhaben seitens der zuständigen Ämter wohlwollend zu prüfen. Im Zweifelsfall gilt es immer das Experiment zu wagen und die Ausnahme über die Regel zu stellen.

    Eine spezielle Organisation von zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum seitens der Stadtverwaltung ist nicht zielführend, da sich die Kunst ihren eigenen Kontext schafft, selbst laufend neue ungeahnte Grenzen auf unterschiedlichstem Terrain auslotet und dabei neue Inhalte generiert. Ein Gefühl für Kunst im Öffentlichen Raum entsteht aus fortschreitenden Erfahrungswerten und Lernprozessen bei deren Umsetzung. Es erscheint deshalb äußerst wichtig, der Kunst die nötige Freiheit und Denk- und Aktionsräume hierfür zu gewähren und sie auch im Sinne einer resignativen Toleranz zu fördern.

    Alle Vorstöße, Versuche und Realisierungen von Kunstprojekten im öffentlichen Raum werden samt zugehörigem Schriftverkehr auf dem Kulturportal veröffentlicht, auch Anregungen aus der Bevölkerung werden hier gesammelt. Dieses Material bietet eine gute Grundlage zur öffentlichen Diskussion durch Experten auch unterschiedlicher geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen.

    Im Folgenden soll ohne konkretes Beispiel beschrieben werden, was im Rahmen eines solchen Dialogs über Kunst, Kunstaktionen und Projekte als Metaebene thematisiert werden könnte;

    (Selbstverständlich wäre es an dieser Stelle durchaus spannender und lehrreicher, gemeinsam über die Bedingungen ganz konkreter Projekte oder Interventionen zu reden, zu diskutieren und zu Lachen):

    Was gute Kunst ist oder sein wird, können wir heute noch gar nicht wissen, gerade deshalb soll der Kunst an dieser Stelle eine Autonomie der eigenen Erfahrungsproduktion zugestanden werden: Die Akzeptanz für experimentelle und provokante Kunst ist erfahrungsgemäß in der Bevölkerung, die ja auch unmittelbar Rückmeldung geben kann, hoch. Eine veränderliche und variable Gestaltung von öffentlichen Räumen regt eine bewusstere Wahrnehmung, Kritik und Kommunikation an: Wo sich der öffentliche Raum als eine „von oben herbeigeführte“ repräsentative Situation oder als unüberwindliche Normalität darstellt, deren Gestaltung oder Veränderung sich außerhalb der eigenen Einflusssphäre bewegt, erübrigt sich normalerweise für die meisten Leute auch eine Auseinandersetzung mit den Produktionsbedingungen, den Funktionsweisen oder den Nutzungsmöglichkeiten solcher Räume. Kunst wirft ein spezielles Licht auf Situationen.

    Künstler bei der Arbeit bekommen viel persönliches Feedback, Lob und Interesse, Anregungen und Verbesserungsvorschläge zu spüren, können aber auch leicht für globales Unbehagen verantwortlich gemacht werden. Prozessorientierte Kunst im öffentlichen Raum ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass kulturelle Teilhabe und Meinungsfreiheit möglich sind, dass der öffentliche Raum, Konventionen und Sichtweisen benutz- und veränderbar sind. Dabei kann die Kunst auch sehr sanft und rücksichtsvoll vorgehen.

    Widersprüchlichkeit und Kontingenz sind Wesensmerkmale von moderner Kunst. Wo sie alltäglich wird, sieht sie sich mit ganz neuen alltäglichen Aufgaben konfrontiert, was keinesfalls mit „Beliebigkeit“ verwechselt werden sollte. Der öffentliche Raum ist oft kunstfern, für Kunst nicht oder noch nicht erschlossen oder auch knapp und scheinbar unauflöslich einer anderen Nutzung vorbehalten. Prozessorientierte Kunst im öffentlichen Raum hat sich auch oft mit der symbolischen Gewalt anderer, stärkerer Zeichenregime und Institutionen auseinanderzusetzen; und sie hat es nicht leicht in der Aufmerksamkeitsökonomie der ohnehin reizüberfluteten Passanten als angenehmer Ruhepol des Denkens und Verweilens und der konstruktiven Ausseinandersetzung mit der Nutzung des Stadtraums erkannt zu werden.

    Kunst im öffentlichen Raum verlässt den schützenden, aber auch hermetisch abgeschlossenen und einengenden Rahmen der institutionalisierten Kunst teilweise oder ganz und betritt dabei das von anderen Regeln definierte Feld der alltäglichen Realität. Prozessorientierte Kunst bedarf aufgrund ihrer mitunter feldforschenden Herangehensweise an gesellschaftliche Realitäten und der Ausweitung des Kunstrahmens in den Alltag einer anderen, interdisziplinär verorteten Betrachtungsweise und konstruktiver Kritik durch verwandte Geisteswissenschaften, wie z.B. Ethnologie, Kultur-, Literaturwissenschaft, Soziologie, Psychologie, und sieht sich mit anderen pragmatischen Disziplinen wie BWL und Marketing konfrontiert.

    Zwischen Kunst im öffentlichen Raum und kommerziellen Werbestrategien der Wirtschaft, die sich in einem unfreien Rahmen künstlerischer Mittel und KünstlerInnen oder der Kunst zu Imagezwecken bedient, sollte unterschieden werden: Kunst unterscheidet sich von Marketing – auch von Stadtmarketing. Kunst ist frei.

    → Maßnahmen:

    Museumsräume werden durchlässiger für Kunst aus dem öffentlichen Raum

    Laufend aktualisierte Bestandsaufnahme und Archivierung bestehender Gegenwartskunst im öffentlichen Raum unter Beteiligung der Stadtverwaltung, den Kunst- und Kulturakteuren, Fachgremien* und der Bürgerinnen und Bürger im Kulturportal. Auf dieser Basis ist ein Konzept für Kunst und Kultur im öffentlichen Raum zu erstellen.

    Jährliche Veröffentlichung eines „Kunstführers“, der alle zeitgenössischen Kunstobjekte und Kunstprojekte im öffentlichen Raum kennzeichnet.

    Die Besetzung der Kommission Kunst und Bauen wird durch die Einbeziehung von Experten aus benachbarten Wissensgebieten qualitativ verbessert: Es ist denkbar, eine(n) wechselnde(n) Schauspieler/in vom Stadttheater, je eine/e wechselnden Professor/in von FH und Uni aus den Bereichen Philosophie, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Architektur, Soziale Arbeit sowie Studentensprecher/innen zur üblichen Besetzung aus Stadträten, Verwaltung, BBK und einer Vertreterin der Galerien hinzuzufügen, um so zu unabhängigeren und unvoreingenommeren Entscheidungen zu gelangen und die Auseinandersetzung von verschiedenen Seiten stärker zu durchdringen und zu begreifen.(vergleiche Konferenz der Kulturschaffenden am 9.April und 7.Mai 2011: Gruppe Bildende Kunst und Museen)

    Durch die Umsetzung von freien Kunstprojekten sollen das Stadtbild und der Alttag bereichert, der Diskurs um künstlerische und gesellschaftliche Themen aufgenommen und verstärkt sowie die Weiterentwicklung der Kunst in der Gesellschaft selbst gefördert werden.

    Zur Erhöhung der Akzeptanz und der Kompetenz im Umgang und der Rezeption von experimenteller Kunst im öffentlichen Raum wird auf Seiten der Stadtverwaltung nach fürsprechenden PhilosophInnen, EthnologInnen, SozialwissenschaftlerInnen etc. gesucht, die sich bemühen, die Kunst nach eigenen Maßstäben konstruktiv zu kritisieren.

    Durch temporäre nachhaltig andauernde Aktionen und Projekte von Kunst im öffentlichen Raum soll auch für nachfolgende Aktionen „Raum zur Entfaltung bleiben entstehen“ und Anknüpfungspunkte geschaffen werden. Der öffentliche Raum ist beschränkt, der Handlungsspielraum, Möglichkeitsraum und Erfahrungsraum auch. Ziel ist es, Räume zu erweitern und für Außenstehende zu öffnen. (Genau die Willkürliche Begrenzung von Kunstprojekten im öffentlichen Raum will eben garniemand!!!)

    Die Künstler/innnen wissen am besten, welche öffentlichen Räume und Kontexte sie interessieren, es ist ihnen nach Möglichkeit Raum zu gewähren, das Kulturreferat macht hierzu keine einschränkenden, sondern nur anregende Vorschläge.

    Der Europabrunnendeckel bietet mit seiner unterirdischen Werkstatt bzw. Stadtforschungsstation und der darüberliegenden, emotional durchlässigen Plattform ideale Voraussetzungen für einen zentralen Standort und Ausgangspunkt für urbane Kunstprojekte und eine wandelbare Architektur, die auf städtebauliche Veränderungen der unmittelbaren Umgebung eingehen kann. Diese kommunikative Situation ist europaweit einmalig und sollte genutzt und gefördert und nicht durch eine banales Wasserspiel am falschen Ort zerstört werden. Zur gemeinschaftlichen Nutzung des Ortes durch wechselnde Akteure gibt es neben Erfahrungswerten auch schon ein detailliert durchdachtes Konzept:http://europabrunnendeckel.de/?p=3387#petition

    Die Stadt entwickelt in Zusammenarbeit mit Regensburger Künstlern ein mobiles Werkstattfahrzeug zum Einsatz im öffentlichen Raum und stellt dieses Equipment (mit dem man sogar in der Wüste überleben könnte), Künstlergruppen von außerhalb von Regensburg, z.B. Akademieklassen zur Verfügung.

    Entwicklung von offenen Workshops in Zusammenarbeit mit interessierten Künstlern, die von regionalen und internationalen Experten aus den Bereichen wie z.B. Philosophie, Kulturwissenschaften, Stadtforschung, Aktionskunst, Marketing usw. geleitet werden und neue Impulse für die Konzeption und Umsetzung von Kunstprojekten und Aktionen im öffentlichen Raum geben.

    Schaffung einer „Gastprofessur“ für Kunst im öffentlichen Raum zur Fortbildung, Einbindung und Vernetzung von freien Künstlern jeden Alters und jeder Sparte. Namhafte Künstler von außerhalb von Regensburg, nehmen gemeinsam mit Regensburger Künstlern der Stadt an.

    Organisation von halbjährlichen Exkursionen für im öffentlichen Raum tätige Künstler und Vertreter der Stadtverwaltung zu interessanten Kunstprojekten im öffentlichen oder soziokulturellen Raum in anderen Städten.

  • Radlertölpel

    |

    Herr Stadtrat Tahedl „Kulturfloh“ hat unmittelbar vor der Schließung Passagen aus dem Wiki gelöscht und damit dreist gegen den Kodex des Mediawikis verstoßen, wenn man so was tut fligt man raus, aber kurz vor Schluß ist es ja eh egal und der eigene Name steht drüber und kommentieren kann den Mist auch niemand mehr…
    Ganz schön dreist dieser Soldat!

    http://www.regensburg.de/kulturentwicklungsplan/index.php/4.3_KULTURREFERAT_ALS_TRANSPARENTER_F%C3%96RDERER_UND_UNTERST%C3%9CTZER_DER_KULTUR

    Er hätte sein Mißfallen auch durch Durchstreichen kenntlich machen können. Da sieht mans mal z.B.:4.3 KULTURREFERAT ALS TRANSPARENTER FÖRDERER UND UNTERSTÜTZER DER KULTUR: Unterschied zwischen den Versionen:
    gelöscht:
    Auf dem Kulturportal werden auch alle Förderanträge dokumentiert.
    gelöscht:
    * Alle bewilligten und abgelehnten Förderanträge werden samt zugehörigem Schriftverkehr im Internet auf der Seite des Kulturreferats bzw auf dem gemeinsamen Kulturportal veröffentlicht.
    gelöscht:
    * Einmal im Halbjahr gibt es eine öffentliche Veranstaltung zu der alle an Jurysitzungen beteiligten Personen geladen sind und kurz aufzählen wofür und wogegen sie gestimmt haben: Es besteht für alle Anwesenden die Gelegenheit sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit überregional bedeutenden Kunstexperten zu positionieren. Bei dieser Veranstalltung besteht die Möglichkeit sich selbst oder andere als künftige Jurymitglieder vorzustellen.

  • Kulturfloh zwickt Maulwurf | Regensburg Digital

    |

    […] bevorzugen Bilder aus der Tierwelt. So hielten es auch Jakob Friedl und CSU-Stadtrat Erich Tahedl. Im offenen Wiki, das die Stadt Regensburg bis zum gestrigen Mittwoch zur Verfügung gestellt hat, damit Interessierte dort den Kulturentwicklungsplan diskutieren und umschreiben konnten, agierten […]

  • Kulturamt

    |

    Zur Klarstellung möchte das Kulturamt bemerken, dass Löschungen, Hinzufügungen oder Veränderungen im Media-Wiki legitim sind und nicht gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. Es gab mehrere Streichungen von Textteilen oder Zeilen durch Nutzer!

  • Radlertölpel aka Maulwurf

    |

    @kulturamt
    Von Nutzern des Wiki geschriebe Beiträge, wurden von Nutzern des Wiki (ausser von Herrn Tahedl) nicht gelöscht, denn darauf, dass man das nicht tun solle, wurde man in den Verhaltensregeln zum Wiki, der „Wikette“ ausdrücklich hingewiesen. Daran haben sich auch alle gehalten – bis zuletzt der „Kulturfloh“ aufgetauscht ist. Natürlich wurden unglücklich formulierte Passagen aus dem zugrundeliegendenVerwaltungsentwurf, den ja auch irgendwer gesschrieben hat, durch sinnfälligere ersetzt…das wurde jedoch von den Autoren auch entsprechend kommentiert.

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