Kirchenbann für Michael Jackson

Endlich! Die Diözese Regensburg greift im Fall eines Pfarrers hart durch. „Es ist (…) nicht gestattet, die Feier der Trauung mit liturgiefremder oder liturgieungeeigneter Musik zu gestalten“, heißt es „aus aktuellem Anlass“ in einer Meldung auf der Bistumsseite, die offenbar als Zurechtweisung für säkularaffine Pfarrer zu verstehen ist. Überschrift: „Kirchliche Trauungen sind kein Wunschkonzert“ Wie der Radiosender Charivari meldet, war offenbar eine Trauung in Pressath der Auslöser. Dort wurde ein Lied von Michael Jackson gesungen. Das geht nun wirklich nicht. „Wer eine Trauung gemäß kirchlicher Liturgie wünscht, muss (…) auch die Regeln der Kirche für die liturgische Gestaltung dieser Feier akzeptieren“, schreibt das Bistum auf seiner Homepage und verweist als Hilfestellung auf Empfehlungen des Klever Dekanatskantors Heinz Kersken (Bistum Münster). Wie dort zu lesen ist, sind Lieder wie „Heilig, heilig, heilig“, „Singet dem Herrn ein neues Lied“ oder „Maria breit Dein Mantel aus“ („nur als Schlusslied“) eher erwünscht als Elton John, Andrea Bocelli oder eben Michael Jackson. Erstaunlich: Selbst das „Ave Maria“ ist nicht gern gesehen. Allenfalls mit Gesang ist es gestattet. „Dabei geht es nicht um eine generelle Abwertung säkularer Musik oder einer möglichen negativen Einordnung der Musik nach künstlerischen oder stilistischen Gesichtspunkten“, heißt es beschwichtigend von Seiten der Diözese. „Liturgiefremde Texte von Liedern haben ebensowenig Platz in der Feier der Liturgie wie eindeutig säkular konnotierte Instrumentalmusik; damit sind Melodien gemeint, die von jedem Zuhörenden eindeutig der Unterhaltungsmusik zuzurechnen sind. Der Ort für diese Musik (Popsongs, Schlager-, Musical-, Film- und Opernmelodien) ist die weltliche Hochzeitsfeier, nicht aber die kirchliche Trauung.“

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Kommentare (16)

  • Matthias

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    Die Kirche macht sich einfach immer lächerlicher… die kriegen’s nur nicht mit… kein Wunder, dass viele nicht mehr kirchlich heiraten wollen…

  • AJA

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    Seh ich aber auch so. Was soll denn der Quatsch immer? Da decken wir lieber gewisse Machenschaften, als jemandem ein Lied bei der Feier seines Lebens zu gewähren, dass auch noch etwas bedeutet und nachdem humaner gehandelt wird, als es dort der Fall zu sein scheint. Durchaus interessant wäre natürlich noch, welches Lied gewünscht war. Schließlich spricht sich der Herr Jackson ja nicht vornehmlich gegen kirchliche Bräuche etc. aus, sondern verfasst in seinen Texten oftmals einen weltlicheren Blick, ohne zu verurteilen. So meine Meinung.

  • Christina

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    Wann fangen die entlich an mal ein bisschen moderner zu werden???
    Ich war schon auf einer Hochzeit da wurde ein Lied von Whitney Houston gesungen,
    dass war wunderschön und es hat allen gefallen,selbst dem Pfarrer.Die Kirche sollte sich
    mal Gedanken machen,warum sich so wenige Trauen lassen.Ein bisschen Pepp würde der Kirche
    nicht schaden und nicht der verstaubte Kram.

  • Christof Ermer

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    Prima.. Nur weiter so. Das, was sich Kirche nennt, ist noch viel lächerlicher als man es denen unterstellen würde. Als Gott würde mir mal was anderes als das Gebrabbel alter Leute und das ewige wiederholte Geleier gefallen. Was ist Liturgisch? Es gab in den 60ern mal Jazz Messen…. Soviel zum Kontakt der jetzigen Renaisanceisten der Kirche mir dem Rest er Welt, und den Wünschen derer, die sich noch mit der Kirche verbunden fühlen. Wenn die Kirche sich Sorgen um Ihre Würde machen würde, hätte z.B. der jetzige Altback-Bischof die von Missbrauch betroffenen nicht als Lügner denunzieren sollen. Das war eben eine Lüge, und echt schäbig und würdelos. Merke, Würde ist kein Konjunktiv. Weiter so,,, Ich hoffe, den Kirchenseppen laufen die Leute in Rudeln davon.

  • Tommy

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    Wer glaubt, dass die katholische Kirche im 21.Jahrhundert Verständnis für schlechte Popmusik eines Verstorbenen aufbringen kann, die/der ist nicht informiert über die historische Rolle und die Aktualität katholischer Liturgie zum Einen und religiös-staatlicher Repression zum Anderen.
    Wer gerne heiraten will (oder muss), evtl. aus steuermaßigen Gründen, die/der kann das ja tun. Z.b. einfach beim Standesamt. Die Party danach muss ja nicht zwangsläufig in einer katholischen Kirche stattfinden.
    Wer aus familären Gründen dazu gezwungen ist, bigotte kirchliche Trauungen über sich ergehen zu lassen, die/der tut mir Leid.
    Wer sich freiwillig katholisch trauen läßt, die/der soll sich dann doch bitte auch die doppelzüngige Liturgie der Kirchendiktatur zu Gemüte führen und bitte keine anderen Menschen damit belästigen.
    Wer Michael Jackson oder andere nicht deutsch-katholisch-konforme Dinge hören will, der sollte doch bitte nicht sein Haupt unter dem Altar senken.

    Das „jejeje“ von Walter Ulbricht entspringt i.Ü. ähnlicher kleingeistiger Preußenmanier, wie die gesamte katholische Liturgiereaktion. Inhaltlich hatte Walter Ulbricht damit allerdings so ziemlich gar nichts zu tun. Die DDR war der erste säkulare Staat auf sog. „deutschem“ Boden. Das wird die katholische Kirche der DDR nie verzeihen.

    Auf den von Vatikan und deutschen Katholiken organisierten „Rattenlinien“ war die Swingmusik, so hört man, Hauptbestandteil der nachmittaglichen Kaffeestunden.
    Kaum ist die „Liturgie“ vorbei, soll es auch heute noch zu gar unchristlichen Verhaltensweisen der Abgesandten Gottes kommen…

  • Besserwisser

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    Das Regensburger Bistum sollte sich mal aus den Kirchensteuern einen Aufenthalt in den USA gönnen und dort sehen, wie Kirche funktioniert. Nämlich durch Teilhabe und ein Bißchen Modernisierung. Aber hier zeigt sich wider, warum ich nur noch aus Anstand zu Taufen und Beerdigungen bei diesem komischen Verein erscheine.

  • Veronika

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    Oooooohhhhh, jeeeeeee!
    Gut, es ist einzusehen dass sich die Kath. Kirche irgendwie einen bestimmten Ritus und die Liturgie (besser gesagt: das „Liturgierecht“) erhalten muss. Muss es aber auf der Bistumsseite sein? Kann man den Pfarrer (und künftige Gläubige) nicht auch anders darauf hinweisen? Also ich glaube ja, dass manche im BOR (keineswegs wohl die dortigen Juristen) in letzter Zeit zu viele Paragraphen-Schlüssel gesehen haben. Scheint dort jetzt einen neuen Leitspruch zu geben: Rettet, was (nicht mehr?) zu retten ist! Ich würde ja eher den Leitspruch des Regensburger Bischofs nehmen, der da meines Wissens lautet: „Jesus Christus ist der Herr!“ Würde – so glaube ich jedenfalls – vollkommen ausreichen!

  • Tina

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    Wieder einmal hat sich bewiesen, dass die Kirche sich selbst im Weg ist. Kein Wunder, wenn junge Menschen damit nichts mehr zu tun haben wollen. Was ist daran verwerflich, sich am schönsten Tag des Lebens die schönste Musik auszusuchen, egal, von wem sie stammt. Und ob man Michael Jackson mag oder nicht, ist eine ganz persönliche Sache. Abgesehen davon, Michael Jackson hatte mehr Gefühl und spirituelle Gedanken, als die meisten sogenannten Gläubigen. Die Kirchensteuer und die Anzahl der Kirchgänger wird sich weiter verringern, macht nur so weiter.

  • Streibare Katholikin

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    Ich finde auch, daß die Kirche sich hier lächerlich macht. Natürlich muß es eine gewisse liturgische
    Ordunung geben, aber solange ein gewünschtes Lied nicht gegen „Sitte und Ordnung“ verstößt, sollte
    man nicht so kleinlich sein.
    Außerdem wird eh kein Nazi auf die Idee kommen, sich kirchlich trauen zu lassen und dann verlangen,
    daß „die Fahne hoch“ gesungen wird.

  • A hoibe Österreicherin

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    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Ich hab‘ so gelacht. Und der Link zu youtube: Noch besser. Dieses Land hat wirklich genug andere Probleme, die man mit Einsatz und Solidarität lösen sollte, ob mit oder ohne Kirche.

  • musica sacra

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    Das Liedgut des schwarzen Hermann Prey darf nicht bei einer Kulthandlung der „Schwarzen“ vorgetragen werden? Ob das ein Fall klerikal-faschistischer Rassendiskriminierung ist? Muß hinterfragt und geprüft werden; am besten mit einer Mahnwache vor Ort.
    Überhaupt ist es schon eine grundrechteverletzende Frechheit, wenn die „Schwarzen“ versuchen, in ihrem Bereich und ihren Einrichtungen eigene Hausrechtsregeln, insbesondere künstlerischer Art, aufzustellen. Vielleicht liegt’s auch nur daran, daß die nachträglich gemaßregelten Marriage-Event-Members (einschließlich klerikalem Event-Leader) wohl nicht im passenden Moon-Walk zum Jackson’schen Kunstlied in der Marriage-Location gegroovt haben?

  • gifthaferl

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    „Wieder einmal hat sich bewiesen, dass die Kirche sich selbst im Weg ist. Kein Wunder, wenn junge Menschen damit nichts mehr zu tun haben wollen. Was ist daran verwerflich, sich am schönsten Tag des Lebens die schönste Musik auszusuchen, egal, von wem sie stammt.“
    Tina

    Die Kirche ist sich keineswegs selbst im Wege.
    Denn katholisch geht es bei Hochzeit/Ehe nun mal um etwas vollkommen anderes als „schönster Tag im Leben“
    Wie die Musik bei der Hochzeit ist nun mal die Ehe katholischer Lesart alles andere als ein romantisches Wunschkonzert – zuallererst nicht für Frauen.
    Wer nicht mal das weiß, der/die hat allerdings in der Kirche grade zur Hochzeit nichts verloren.

    Wenn es nicht direkt um die Kohle geht – die automatisch überreichlich fließende – kann das Bistum doch wieder brav auf Papstlinie sein – „gesund schrumpfen“ auf die wahrhaft Rechtgläubigen.
    Das ist doch der Auftrag grade auch dieses Bischofs.

    “ Der Rat zur Neuevangelisierung soll im Dienst der Ortskirchen stehen und mit ihnen auch nach Wegen suchen, um den Katechismus der katholischen Kirche bekannter zu machen….
    Es sollten alle Initiativen zur Neuevangelisierung etwa durch Bischöfe, Bischofskonferenzen oder Verbände koordiniert werden, sagte er.“
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,722738,00.html

    So zeigt man den passiven Mitgliedern im Trachtenverein doch immerhin gelegentlich, dass wenn sie hauptsächlich ihre Feste vom Verein ausrichten lassen wollen, sie halt auch die „Tracht“ tragen müssen die alleine der Vorstand festlegt – mit der passenden Musi – das versteht sich doch.

    Es ist nicht Aufgabe der katholischen Kirche sich „modernen“ Zeiten anzupassen.
    Es war immer Aufgabe und Trachten (nicht nur) der katholischen Kirche die Menschen dem Weltbild der Kirche anzupassen/ zu unterwerfen.

    Wer sich nicht damit auseinandersetzt, in welchem Verein er/sie wirklich ist, und ob er/sie das teilt, was dort verkündet wird, der/die muss halt dann halt wenigstens an solchen kleinen Ärgerlichkeiten mal erkennen, dass die katholische Kirche keine Agentur für Eventplanung ist, die sich an Kundenwünschen orientiert.
    Der katholische Mensch hat sich an der r.k. Kirche zu orientieren – basta!

    Den deutschen Bischöfe kann es ja wirklich egal sein, wenn die Kirchen leer sind, solange die, die den Inhalt des Katechismus nicht mal vom Hörensagen kennen, geschweige denn mehr, nur vergessen aus dem Verein auszutreten, immer schön weiterzahlen und mehrheitlich nicht mal wissen wofür – weder wofür konkret, noch für welche Glaubens- Lehrinhalte.

    Würden Leute von den Eltern in Parteien zwangseingetreten, unreflektiert „wegen der Tradition“ oder aus Opportunismus einfach drin bleiben, nie das Parteiprogramm gelesen haben, brav Beiträge zahlen selbstverständlich, sich aber dann über dieses und jenes beschweren, das ihnen nicht passt, ohne zu wissen, dass genau das immer Parteilinie war und ist – jede/r würde sagen: Selber schuld – mündige/r Bürger_in ist was anderes……………….

  • Barbara Junghans

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    Eigentlich müßte das Ordinariat doch größte Sympathie für Michael Jackson hegen, liegt doch seine sexuelle Präferenz dem Vernehmen nach genau auf der Linie mancher Kirchenmänner.

  • musica sacra

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    @ Barbara Junghans
    Aber Barbara, Du loses Ding, Du aber auch! Du mußt doch würdigen, was die „unauslöschlich geprägten“ Weiheträger seit 1965 alles unternommen haben, um sich der christlich-abendländischen Realkultur anzupassen: Soutane ist so was von out, outer geht’s nicht mehr; römisches Kollar ist auch weg; Sünde und Schuld(-vergebung) wurden in die verlassenen Beichtstühle abgestellt; und endlich dürfen sich auch die rosaroten Wattebäuschchen im Klerikerstand zu ihrer gottgewollten (oder war’s göttinnengewollten) sexuellen Ausprägung (und die „ist gut so“) bekennen. Also, nein, Barbara, da mußt Du schon ein wenig das Bemühen der ökumenisch-katholischen Kirchenfunktionäre anerkennen, die sich echt wirklich bemühen in der aktuellen Gegenwart anzukommen. Leider wie immer zu spät. Denn der „kinderfreundliche“ Zug der 68iger ist schon längst ab- und weitergefahren z. B ins Europa-Parlament („Dani, le rouge …!).

  • Veronika

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    So weit hat es jetzt kommen müssen! Ich habe es ja schon mehrmals geschrieben, dass mit Amtsantritt eines Bischof GLM so einige Sachen hätten geklärt werden müssen.
    Es ist nichts geschehen, und dies ist im Vatikan wohl ebensowenig verborgen geblieben, deshalb kein Kurienkardinal aus Regensburg, kein Kurienkardinal in Regensburg.

    http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Lautes-Schweigen-aus-dem-Bischofssitz;art1172,17548

    Jetzt aber auch kein striktes Popmusik-Verbot mehr!

    http://www.regensburg-digital.de/kirchenbann-fur-michael-jackson/11102010/

    Demnächst auch keine Kirchensteuer mehr, und …

  • Veronika

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    Zusatz:

    Was ich gerade unter http://www.bistum-regensburg.de
    http://www.bistum-regensburg.de/default.asp

    gesehen habe, ist schon kein „Zurückrudern“ mehr, das ist jetzt schon der Rückwärtsgang mit höchster Drehzahl! Ob es aber noch hilft? Dazu müsste jetzt noch das kleine Wunder der Klagerücknahme gegen R-Digital und noch so Manches kommen. Dann wäre es glaubhaft! (Wenigstens für die breite Masse!)

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