Landesvater auf Stippvisite

Im bis auf den letzen Platz gefüllten Kolpingsaal verordnete Ministerpräsident Günther Beckstein (zwischen OB Schaidinger und dem Kreisvorsitzenden Rieger) Optimismus. „Weit über 50 Prozent im ersten Wahlgang” wünsche er den Regensburger Parteifreunden.	Fotos: StöckelGünther Beckstein verspricht Geld und beschwört die Geschlossenheit Zwar brauchte Ministerpräsident Günther Beckstein nicht – wie einst Franz-Josef Strauß – die RT-Halle für seinen gestrigen Auftritt, aber immerhin sorgte er dafür, dass der Kolpingsaal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Bei seiner brav-sachlich gehalten Begrüßungsrede spannte der Kreisvorsitzende Dr. Franz Rieger zunächst den Bogen von weit in der Steht es wirklich schon so schlimm um die Regensburger CSU? Der Text der Bayernhymne musste dieses Mal ausgelegt werden.Vergangenheit bis hin zum Regensburg von heute, einem „Juwel der bayerischen Städte”. Einen Seitenhieb – gegen wen auch immer – konnte er sich dennoch nicht verkneifen, als er den Führungsstil des Hauptredners mit „Offenheit und Gesprächsbereitschaft” charakterisierte und sich dies im gleichen Atemzug auch für Regensburg erhoffte, um dann den Platz am Rednerpult für den OB zu räumen. Der Amtsinhaber hielt sich gar nicht erst lange mit Begrüßungsfloskeln auf. Seiner Feststellung, dass die Wahlbeteiligung kontinuierlich nach unten gehe – verbunden mit dem Aufruf ”zur Urne zu gehen” folgte die (vielleicht zu späte?) Erkenntnis: „Der Bürger kann bei der Wahl Vertrauen und Misstrauen zum Ausdruck bringen”. Nach so einigen Lobeshymnen auf die „kommunalfreundliche Staatsregierung” und ein paar Watschn in Richtung der konkurrierenden Parteien kam er – inzwischen rhetorisch zur Höchstform aufgelaufen – zu seinem Lieblingsthema: Das in den letzten zwölf Jahren unter der CSU-Herrschaft aufgeblühte Regensburg. Punkt für Punkt hob er hervor, was im Saal ohnehin jeder wusste. Angefangen von der Kinderbetreuung über den Denkmalschutz bis hin zu den geschaffenen Arbeitsplätzen war alles enthalten, was dieser Partei (und damit Hans Schaidinger) ohnehin niemand abspricht. Günther Beckstein stellte gleich zu Beginn seiner mit großer Erwartung gehaltenen Rede klar, er sei „keiner der so redet, dass er nirgends aneckt”. Nachdem er den Regensburger Spitzenkandidaten – trotz manch schwieriger Diskussionen – „über den Schellen-König” gelobt hatte unterstrich er, dass „die bayerische Regierung ist, die für die Kommunalpolitik etwas tut”. Natürlich kam der Ministerpräsident nicht mit leeren Händen, sondern mit (Wahl?-)Versprechen, sei es die schrittweise Lösung der Verkehrsprobleme, der Infrastruktur von Universität (25 Millionen Euro jährlich) und Zahnklinik (20 Millionen). Alles nach seinen Worten unter der Überschrift ”Regensburg ist der Staatsregierung nicht nur sehr lieb, sondern auch sehr, sehr teuer”. Nach einem Ausflug in die Landes- und Bundespolitik getreu dem?Motto „Es ist zwar alles schon gesagt, aber noch nicht von jedem” widmete sich Beckstein dem Thema, das ihm schon als Innenminister so am Herzen lag: Innere Sicherheit und Immigrationsprobleme, angefangen bei den Sprachbarrieren bis hin zur Abschiebung von Intensivstraftätern. Dabei forderte er bei den Zuhörern die Rückbesinnung auf Grundwerte, wie „Mehr Leistungsbereitschaft und Übernahme von Verantwortung” ein. Gegen Ende seiner Rede sparte Beckstein auch das so „heiße” Thema Klimaschutz nicht aus. Für ihn stehe „Schöpfung bewahren” ganz oben. Trotz erneuerbarer Energie und Wasserkraft tritt er nach wie vor für eine Verlängerung der Restlaufzeit der Kernkraftwerke ein. So ganz kam Beckstein schließlich doch nicht umhin, auf die Querelen der Regensburger CSU einzugehen. Natürlich gäbe es auch andern Orts Reibereien, wie der Landesvater einräumte. Mit der Bemerkung „aber Ihr habt’s Euch schon ausführlich geleistet” hakte er dieses Thema – zumindest für diesen Abend – ab. Der 2. März rückt unaufhaltsam näher und die meisten im Saal werden wohl hoffen, dass Becksteins Abschieds-Wünsche „weit über 50 Prozent im ersten Wahlgang” in Erfüllung gehen. Aber wie es halt mit Wünschen so ist: Einige gehen in Erfüllung, andere wiederum nicht.

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Kommentare (1)

  • Daniela Camin - Heckl

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    Sozial –

    abgeleitet vom latein. socius = gemeinsam, verbunden, verbündet) Damit bezeichnet man wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingung des Zusammenlebens, insbesondere des Menschseins. Es wird in mehreren Bedeutungen verwendet.
    Umgangssprachlich bedeudet „sozial“ den Bezug (mindstens) einer Person auf eine oder mehrere Personen.

    Es beinhaltet die Fähigkeit einer Person (ggf. auch Gruppen), sich für sein direktes und indirektes Umfeld zu interessieren, sich in diese einfühlen zu können und die Sorge für das Wohl Anderer in das eigene Handeln einzubeziehen. Sprich – fürsorglich auch an die Allgemeinheit zu denken, in ihrem Sinne zu wirken.

    Unsozial in diesem Sinne handelt – wem all das abgeht. Asozial wäre demzu Folge jemand, der unverbunden mit der Gesellschaft lebt – im eigentlichen Sinn: Wer die Gesellschaft schädigt, sich gesellschaftsschädigend verhält.

    Im Christentum wird „sozial“ gelegentlich als zu weltlich und deshalb gern durch „christlich“ (ggf. fromm) ersetzt. (Verständnis der „Christlichen Nächstenliebe“)

    Soziale Kompetenz – Im Besonderen sozial kompetentes Verhalten verknüpft die individuellen Handlungsziele von Personen mit den Werten und Einstellungen einer Gruppe.

    Die sozialen Kompetenzen der Bevölkerung sind damit Grundvorraussetzungen für das Funktionieren jeder nicht- autoritären, gesunden Gesellschaft.

    Jetzt die Frage, wer hat das Geld erwirtschaftet, dass jetzt Herr Beckstein (hier in Vertretung der CSU und hinsichtlich der bevorstehenden Wahlen )so großzügig verteilen will? Nur die CSU, oder die Gesamtheit der Bevölkerung?

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