„Nur noch Schablone zum Hass auf Israel“: Linke Kundgebung in Regensburg kritisiert linken Antisemitismus
Rund 30 Menschen haben am Donnerstag der Opfer des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 gedacht. Im Fokus: der Antisemitismus von links.

Wegen einer Terminüberschneidung mit der Jüdischen Gemeinde wurde die Kundgebung kurzfristig auf Donnerstag verschoben. Foto: Baumgärtner
„Die Idee, dass Jüdinnen und Juden auch heute zwischen Mittelmeer und Jordan leben, war weltweit wohl noch nie so verhasst wie heute“, sagt Martin Oswald. Das sei „der große ideologische Erfolg“, den die Hamas mit ihrem Massaker vom 7. Oktober 2023 erreicht habe, so der Vorstandssprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) am Donnerstag vor dem alten Rathaus in Regensburg.
Rund 30 Menschen, vornehmlich aus dem linken Spektrum, gedenken hier der Opfer des Terrorangriffs vom 7. Oktober, darunter Stadträtin Theresa Eberlein (Grüne) und Linken-Fraktionschef Sebastian Wanner, aber auch Rico Irmischer von der IG Metall Regensburg. Die geringe Zahl dürfte an der kurzfristigen Verschiebung von Mittwoch auf Donnerstag liegen – und am Wetter. Es ist kalt, es regnet.
Als vernichtenswert betrachtet – weil sie Jüdinnen und Juden waren
Knapp 1.200 Menschen wurden bei dem lange geplanten Angriff von Hamas-Kämpfern vor drei Jahren ermordet – über 800 von ihnen waren Zivilistinnen, darunter 36 Kinder. 251 Menschen wurden verschleppt. In UN-Berichten sind auch massive sexualisierte Gewalttaten bis hin zu Gruppenvergewaltigungen und Verstümmelungen dokumentiert.
Dies allein, so Oswald, „weil sie jüdisch sind oder waren oder dafür gehalten wurden. Oder – das reichte den Hamas-Mördern – weil sie als Zivilistinnen auf israelischem Boden lebten und von ihnen als vernichtenswert betrachtet wurden“.
Einzelner Gegendemonstrant
„Wer angesichts dessen nicht der Opfer gedenken und seine Solidarität ausdrücken kann, ohne ein ‘Aber’ anzufügen, dem fehlt einfach jeder Anstand“, heißt es am Donnerstag. Gerichtet sind diese Worte an einen einzelnen Aktivisten, der sich am Rand der Gedenkveranstaltung mit einem Transparent postiert hat. „Stop Whitewashing Genocide“ steht darauf, flankiert von Palästina-Flaggen und „Free Palestine“.
Am Ende der Kundgebung patrouilliert er provozierend vor den Teilnehmern auf und ab. Zu Zwischenfällen kommt es nicht. In den sozialen Medien tritt der Mann immer wieder mit Postings in Erscheinung, die den Hamas-Terror glorifizieren, Israel das Existenzrecht absprechen und Parallelen zwischen dem Krieg in Gaza und dem Holocaust ziehen.

Einsamer Gegendemonstrant am Donnerstag. Foto: as
Gegen solchen Antisemitismus von links richtet sich diese linke Kundgebung vor allem.
Aufruf aus linker Chat-Gruppe verbannt
„Wir sind gegen Antisemitismus, wenn es um islamistische Terrorbanden wie die Hamas, um christliche Märchen vom Gottesmord, um antisemitisches Verschwörungsgeraune, um die ewige Schlussstrich-Forderung der AfD, um ‘von Nichts gewusst’-Erzählungen bei Familienfeiern geht“, heißt es im entsprechenden Aufruf. Und:
„Wir sind auch gegen jeden Antisemitismus in Milieus, die uns als Linke viel näher stehen: Wenn er als aggressiver Antizionismus, als widerspruchsfreie Welterklärung von Gut und Böse daherkommt. Wenn real zu kritisierende gesellschaftliche Prozesse – Kapitalismus, Kolonialisierung, Krieg – nur noch als Schablone zum Hass auf Israel taugen.“
Unter anderem diese Formulierung führte dazu, dass der Aufruf für die Kundgebung aus einer sich als links verstehenden Signal-Gruppe zur Bewerbung von Demonstrationen verbannt wurde. Begründung: „Zionistische Propaganda“.
„Fühlt sich gut an, sich selber auf der richtigen Seite zu wissen.“
Es ist eben, so heißt es in einer Rede der Gruppe anita_f am Donnerstag, „bequem, genau zu wissen, wer die scheinbar Guten und die Bösen sind – und dabei auszublenden, dass es vielleicht etwas dazwischen geben könnte“. Es fühle sich eben gut an, „sich selber auf der richtigen Seite zu wissen“.
Bemerkenswert: Wie schon in den letzten Jahren beteiligt sich auch heuer wieder die Anarchistische Gruppe ANA an der Gedenkveranstaltung, ein Zusammenschluss, der Nationalstaaten als Form des menschlichen Zusammenlebens eher ablehnt. Israel aber bilde eine Ausnahme. Die Existenz eines jüdischen Staates als Zufluchtsort sei „eine bittere Notwendigkeit, welche die Empathie und gezogenen Lehren aus der Geschichte gebietet und die wir beschützen müssen“.
Solidarität auch mit den Menschen in Gaza
Auch wenn sich die Kundgebung in erster Linie gegen Antisemitismus richtet und auf die Seite von Jüdinnen und Juden stellt, betont VVN-Sprecher Oswald: „Es ist auch wichtig, das Leid der arabischen Menschen in Palästina, vor allem in Gaza, anzuerkennen.“ Diese litten unter der brutalen Herrschaft der Hamas, aber auch unter der Grausamkeit des Krieges unter Führung des Staates Israel. „Auch sie möchten in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben und haben unsere Solidarität verdient.“
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Mr. T.
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Wichtige und richtige Aktion!
Aber wohl trotzdem nicht genug Sand ins Getriebe derjenigen, die jedesmal eine feuchte Hose kriegen, wenn sich wieder irgendwo eine als Links identifizierbare Person im Antisemitismus oder einer anderen Idiotie verfängt, während ihr Schweigen bei den regelmäßigen Grenzüberschreitungen der Faschisten ohrenbetäubend ist.