Österreich im Viertelfinale!

„Schlusspfiff Und jetzt ist auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus! Deutschland geschlagen, meine Damen und Herren, nach 30 Jahren kann Österreich zum ersten Mal wieder Deutschland besiegen! Ein zweites Cordoba! Na, noch vui schöner! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals; der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch – wir busseln uns ab. 1:0 für Österreich durch ein großartiges Tor unseres Ivanschitz!“ 16.06.2008. Ernst Happel Stadion Wien. Mit tief gesenkten Köpfen verlassen die Spieler der DFB-Elf den Ort den Grauens. Der ganze Einsatz war umsonst. Das Unternehmen Europameisterschaft 2008 endete gegen die vermeintlichen Fußballzwerge aus der Alpenrepubilk. Ganz Wien ist seit dem Abpfiff ein rot-weiß-rotes Fahnenmeer. Fremde küssen sich, alle liegen sich in den Armen und sehen in der Zeitlupe das Freistoßtor von Ivanschitz an. Aus über 35 Metern Entfernung zum Tor überwand er Jens Lehmann. Dieser konnte nur noch reflexartig in eine Ecke hechten. Es war die Falsche. Auch auf der Ehrentribüne ist das Entsetzen groß. Die angereiste Bundeskanzlerin hat es auf einmal ganz eilig nach Berlin zu kommen. Ihrem österreichischem Kollegen Gusenbauer gibt sie noch ein kurzes „Servus Alfred!“ mit auf dem Weg. Der SPÖ-Bundeskanzler hingegen ruft spontan den 16. Juni als neuen Feiertag aus. Weniger zum Feiern zumute ist dem greisen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Dieser musste sich in ärztliche Betreuung begeben. Sein Zustand sei wie der, der deutschen Nationalmannschaft: Kritisch. Jogi Löw greift zum Handy und heuert bei einer großen Unternehmensberatungsfirma als Motivationscoach an. Trainerbeleidigung: Strafbar! Die Kronenzeitung höhnt Richtung Bildzeitung: „Piefkes! Des woars!“ Sogar aus dem fernen Kalifornien kommen Glückwünsche vom Gouvernator Arnold Schwarzenegger. Das österreichische Handynetz ist zusammengebrochen. Man beglückwünscht sich gegenseitig zu dieser historischen Tat. Auf allen vier Fernsehkanälen läuft immer wieder in Zeitlupe der Freistoß. Bald kennt jeder den Gesichtsausdruck von Ivanschitz, in der Sekunde als sein Fuß den Ball berührte und diesen Richtung deutsches Tor los schickte. Für den nächsten Tag sind Beppi Hickersberger und seine Burschen in die Wiener Hofburg einbestellt. Sie erhalten alle das Ehrenzeichen für die Verdienste um die Befreiung Österreichs. Die österreichische Justizministerin, Frau Dr. jur. Maria Berger, stellt es unter Strafe, den ÖFB Trainer öffentlich als „Färöer Beppi“ zu bezeichnen. So hieß Josef Hickersberger nach der 0:1-Niederlage der österreichischen Nationalmannschaft 1990 gegen die Färöer Inseln. Ösis feiern in Regensburg ihren historischen Sieg Die 587 österreichischen Mitbürger in Regensburg trafen sich nach dem Sieg ihrer Elf zum Autokorso auf dem Haidplatz. An den etwa fünf Autos flattert überall rot-weiß-rot. Die Regensburger Polizei hat keine Mühe sie vor den Fans im DFB Trikot zu schützen. Zu geknickt sind noch Anhänger in ihren schwarz-weißen Trikots. Aus den Autos der feiernden Österreicher werden samariterhaft den deutschen Fans Gösser-Bier und Mozartkugeln gereicht. Doch die Stimmung bessert sich bei den geschlagenen Deutschen nicht. Wenig motivierend ist auch die Aussicht, dass sich die Bundeskanzlerin morgen in einer Live-Übertragung an das Volk wenden will. Tenor der Rede: Es war doch nur ein Spiel. In der Zwischenzeit ist ein ganz Waghalsiger österreichische Fan an der Don Juan de Austria Statue hochgeklettert. An den Admiralsstab wird eine Nationalfahne der Alpenrepublik geklebt. Um den Hals bekommt der mittelalterliche Seeheld einen Schal in rot-weiß-rot und zu guter letzt ein Trikot mit der Rückennummer von Ivanschitz, dem Schützen den Siegtreffers, angezogen. Zur Rede gestellt meint der Aktivist in breitestem vorarlbergerisch nur „Desch isch aner vo uns!“ und zeigt auf Don Juan de Austria. Man kann fast meinen der Held in Bronze lächelt von seinem Sockel herab und freut sich mit seinen Landsleuten. In der Innenstadt lädt ein österreichischer Gastronom seine 586 in Regensburg lebenden Landsleute zum Freischnitzel ein. Bei Paradeisern, Burenhäutl und Salzburger Zipfer-Bier wird nochmals das famose Freistoßtor in all seinen Einzelheiten rekapituliert. Der Wirt leistet vor seinen versammelten Landsleuten den heiligen Eid, sie an jedem 16. Juni zukünftig gratis zu verköstigen. Die Fuballfans in den roten Trikots applaudieren. Später wird zum Domplatz weiter gezogen, nach dem das Bruckmandl in den Landesfarben von felix Austria spontan lackiert wurde. An einem der Türme wird nun unter dem Absingen der Hymne „Land der Berge, Land am Strome“ nach dem Text von Preradovic die Bundesfahne gehisst. Der Bischof soll, nach dem er von diesem unglaublichen Eklat erfahren hat, ebenfalls in die Klinik eingeliefert worden sein. A nächsten Tag ist in der Regensburger Innenstadt nicht mehr viel vom Triumphzug der Österreicher zu sehen. Das rot-weiß-rote Bruckmandl wird kurzerhand gegen ein Duplikat aus dem Bauhof ausgetauscht. Don Juan de Austria ist bis auf weiteres eingerüstet. (Arbeiter sagten, er lächelt anders als sonst). Schön wärs gwesen.

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Kommentare (1)

  • Fred Sinowatz

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    Genial! Es hätte so schön sein können! Eine Superidee, super umgesetzt! Hut ab!

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