"Auslagerung verhindern"

Post-Streik: Beim Lohndrücken spielt Geld keine Rolle

Bei der Suche nach Streikbrechern wird die Deutsche Post immer kreativer: Beamte, Leiharbeiter und Werksverträge, aber auch Taxifahrer kommen zum Einsatz. Streikbrechern werden nach Gewerkschaftsangaben hohe Prämien angeboten. In Regensburg sind aktuell Wurfzettel in Umlauf auf denen „Sofort Jobs“ für Studenten angeboten werden.

Etwa 300 Postzusteller aus dem Raum Regensburg (Zustellbezirk 93) kamen am Donnerstag ins Gewerkschaftshaus. Fotos: as

Etwa 300 Postzusteller aus dem Raum Regensburg (Zustellbezirk 93) kamen am Donnerstag ins Gewerkschaftshaus. Fotos: as

„Scheiße!“ Mehrfach rufen die etwa 300 Post-Beschäftigten dieses Wort durch den Saal im Regensburger Gewerkschaftshaus, als Nicole Rufin von den Maßnahmen berichtet, mit denen ihr Arbeitgeber dem Streik begegnet. „Die Deutsche Post AG ist sich für nichts zu blöd“, resümiert die Gewerkschaftssekretärin. Sie zählt auf: Streikbrecher-Prämien, Wurfzettel, auf denen für „Sofort Jobs“ mit lukrativer Vergütung geworben wird, Taxifahrer, die man zur Auslieferung von Paketen bestellt. Für Rufin ist das Beleg: „Es wäre genug Geld für die Beschäftigten da, aber es geht nicht darum, sondern um Gier und Macht.“ Applaus. „Scheiße.“ Einzelne rote ver.di-Fahnen werden zwischen den Menschen in gelber Postuniform geschwenkt. Waren es vergangene Woche noch etwa 150 Streikende, die sich vor dem Briefzentrum in Regensburg eingefunden hatten, um ihren Unmut kund zu tun, sind es am Donnerstag fast doppelt so viele.

Auslagerung in Billig-Gesellschaften

Kern der Tarifauseinandersetzung ist etwas, das die hier Anwesenden gar nicht in erster Linie betrifft: Es geht um die 49 „DHL Delivery GmbHs“, die die deutsche Post Anfang des Jahres gegründet hat. Die dort Beschäftigten – von rund 6.000 ist die Rede – werden nicht mehr nach dem Haustarif der Deutschen Post, sondern den weit darunter liegenden Tarifen der Speditions- und Logistikbranche gezahlt.

Nicole Ruffin: "Es geht um Gier und Macht."

Nicole Rufin: „Es geht um Gier und Macht.“

 

„Azubis werden unter Druck gesetzt.“

Wie Recherchen von Regensburg Digital ergaben, werden auch frisch ausgelernte Briefzusteller in diese Billiglohn-Gesellschaften gedrängt, die eigentlich nur zur Paketzustellung gedacht sind. In der Niederlassung Straubing, zu der auch Regensburg gehört, wurden sie vor die Wahl gestellt, nach dem Ende ihrer Ausbildung entweder einen Vertrag bei der Deutschen Post zu bekommen, der auf ein halbes Jahr befristet ist und – so die naheliegende Vermutung – nicht verlängert werden wird oder sich auf eine unbefristete Stelle bei einer „DHL Delivery GmbH“ mit entsprechend niedrigerer Bezahlung zu bewerben. Nach Veröffentlichung unseres Berichts haben sich zwischenzeitlich auch Betroffene aus anderen Niederlassungen gemeldet, die vor eine Entscheidung gestellt werden, die einer von ihnen als „Wahl zwischen Pest und Cholera“ bezeichnet.

Im Streiklokal Regensburg berichtet der DGB-Vorsitzende Christian Dietl von Fällen, in den Auszubildende unter Druck gesetzt würden, um sie als Streikbrecher einsetzen zu können. „Da schwingt immer die Drohung mit, dass man sonst nicht übernommen wird.“

„Den Streikbruch zur Perfektion gebracht…“

Ohnehin habe der Postkonzern „den Streikbruch zur Perfektion gebracht“, so Dietl. Beamte, Leiharbeiter, Werksverträge – all dies komme zum Einsatz. Und dass so etwas überhaupt möglich sei, sei Ausfluss von Privatisierungs- und Gesetzgebungsmaßnahmen der letzten Jahre. Durch private Zustelldienste wie City Mail gerieten die Standards der Postzusteller unter Druck. Diese würden nach Gutsherrenart zum Mindestlohn betrieben, oft gebe es nicht einmal einen Betriebsrat.

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Tatsächlich begründet das Management der Deutschen Post die Niedriglohngesellschaften mit der billigeren Konkurrenz. Die Forderungen von ver.di würden den Konzern 300 Millionen Euro kosten, ließ die Verhandlungsführerin auf Arbeitgeberseite, Melanie Kreis, zuletzt verlauten. Betrachtet man die Zuwächse der Post AG im Zustellgeschäft, die Erhöhungen von Dividenden für Aktionäre und bei den Managergehältern und nimmt man die Gewinnerwartung für 2015 von 3,2 Milliarden Euro ist allerdings nur schwer verständlich, weswegen der Konzern dies nicht auch an seine Beschäftigten weitergibt.

Konzern droht Niederlassungen in Nürnberg und Regensburg

Gewerkschaftssekretär Franz Zellner, seit 26 Jahren bei der Post, spricht von der „härtesten Tarifauseinandersetzung“, die er je erlebt hat. Die Deutsche Post sei zwischenzeitlich zu einem Unternehmen geworden, „das wahnsinnig viel Geld verdient und seine Beschäftigten immer schlechter bezahlt“.

Franz Zellner: "Nur der Kampf gegen Auslagerungen rettet Eure Zukunft." Foto: as

Franz Zellner: „Nur der Kampf gegen Auslagerungen rettet Eure Zukunft.“ Foto: as

Von einem Hedgefonds wie BlackRock Investments, der 5,5 Prozent der Anteile bei der Post hält, lasse man sich eine solch unsoziale Unternehmenspolitik diktieren, während der mit 21 Prozent größte Anteilseigener, der deutsche Staat, still daneben sitze und sich raushalte.

Jetzt, in der Streikphase lasse das Management außerdem die Maske fallen. Am Donnerstag teilt er den Streikenden im Gewerkschaftshaus mit, dass die Post aktuell angedroht habe, die Niederlassung in Nürnberg auflösen zu wollen, Teilbereiche in Regensburg sollten dauerhaft fremdvergeben werden, so Zellner. „Das hatten die schon die ganze Zeit vor, aber jetzt sagen sie es offen.“

Für Zellner ist das ein Grund, die Streiks umso stärker fortzusetzen. „Dabei ist es mir scheißegal, ob wir 2,3 oder 2,9 Prozent Lohnerhöhung bekommen“, ruft Zellner in den Saal. „Das rettet Eure Zukunft nicht.“ Für diese Zukunft sei es wichtig, die weitere Auslagerung von Geschäftsbereichen in Billiglohn-Gesellschaften zu verhindern.

 

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Kommentare (48)

  • Gondrino

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    Endlich tut eine Gewerkschaft etwas gegen die Auslagerung von Geschäftsfeldern in Billigunternehmen, einzig und allein aus dem Grund höhrere Dividenden zahlen zu können. Wenn der Gesetzgeber den arbeitenden Menschen schon im Stich lässt, haben nur noch die Gewerkschaften die Macht dagegen zu halten. Leider haben sie es in vielen Fällen in der Vergangenheit viel zu selten getan. Also durchhalten uns sich nicht verar… lassen.

  • Leser

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    Man könnte die Zusteller ordentlich bezahlen, wenn die Post für den transportierten Werbemüll angemessene Preise verlangen würde. Also keine Werbung unter 2,50 und ich müsste den Müll nicht von meiner eigenen Post trennen.

  • Tobias

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    Ich bin froh mit meiner Mitgliedschaft in der Gewerkschaft so einen Unsinn aufzuhalten oder zumindest so unbequem wie möglich zu machen. Arbeite zwar im Einzelhandel, aber auch da ist es dasselbe Spiel. Hunderte Millionen Profit (!) und keinen Cent Beteiligung für die, die das erwirtschaften.

    Der Wohlstand in Deutschland beruht auf hohen Löhnen. Wer soll Infrastruktur und Gesundheitssystem auf Top-Weltniveau halten, wenn wir nur noch Peanuts verdienen und entsprechend Abgaben zahlen können? Die Umverteilung des Geldes von unten nach oben muss gestoppt werden. Die Schlipsträger sollen mal sehen, dass die Milliarden Gewinn nicht durch Fingerschnippen kommen.

    Ver.di, ihr seid jeden Cent meines Beitrages wert! Weiter so!

  • hjs

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    Geht’s noch? Teilweise wird für Postboten sogar über 20 Euro bezahlt. Es ist mehr als ok in verschiedenen Gebieten verschiedene Löhne zu zahlen. 17 Euro sind in München zu wenig – in mecklenburgischen aber ein Vermögen. Wo soll da das Problem sein?

  • Tamara

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    Wer hat ihm den Schmarrn von 20Euro erzählt?

  • Franz Mahler

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    @hjs
    18. Juni 2015 um 19:54 | #

    Ein Stundenlohn von 17 Euro macht bei 173,33 Std./Monat nach Abzug von ESt, KiSt und SV-Beiträgen (Steuerklasse I, KV-Zusatzbeitrag 0,9 %) derzeit netto 1.841,61 Euro.

    Wenn man dieses Monatseinkommen bereits als „Vermögen“ bezeichnet, arbeitet man wer weiß wo, aber mit Sicherheit nicht als Vermögensberater bei der Deutschen Bank, sonst hätte man ein wenig Ahnung, wie hoch die „Vermögen“ der Vermögenden in Deutschland tatsächlich sind.

    Ab 10 Millionen Euro (das sind rund 5.430 Netto-Monatsgehälter in Höhe von 1.841,61 Euro), ist der Begriff „Vermögen“ schon zutreffender. Und über die wirklich „Reichen“ mit ihren Milliarden, die gar nicht merken, ob sie eine Million mehr oder weniger auf der hohen Kante haben, wollen wir in diesem „christlichen“ Land erst gar nicht reden.

    MfG
    Franz

  • Franz Mahler

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    Angesichts dieser Bilder streikender Arbeitnehmer bin ich fast schon etwas erstaunt. Sollten einige Arbeitnehmer und Gewerkschaften in diesem Lande tatsächlich aufgewacht sein aus der jahrzehntelangen Gehirnwäsche und dem Dornröschenschlaf, in den sie von neoliberalen und konservativen Süßholz raspelnden Sprücheklopfern geschickt worden sind, weil manche Arbeitnehmer doch merken, wer von der seit Jahren viel gepriesenen „Lohnzurückhaltung“ tatsächlich profitiert.

    „Sozial ist, was Arbeit schafft.“ ist einer dieser beliebten Sprüche. Was Neoliberale und Konservative dabei unter den Tisch fallen lassen, ist die Frage und die Antwort auf die Frage, ob und wie man von dieser Arbeit leben kann.

    „Leistung muss sich wieder lohnen.“ ist ein anderer bekannter neoliberal-konservativer Werbeslogan. Selbstverständlich muss sich „Leistung“ lohnen. Wer würde denn da widersprechen. Aber was ist mit „Leistung“ gemeint und vor allem für wen muss sie sich lohnen? Antwort: Natürlich für die sog. „Leistungsträger“, also vor allem für die oberen Zehntausend in diesem Lande. Und da gehören die Postzusteller mit Sicherheit nicht dazu. Das sind Leistungserbringer, aber keine Leistungsträger.

    MfG
    Franz

  • Postgenervter

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    In welcher Realität leben denn die lieben Postboten. Die Arbeit kann jeder erledigen und der Stundenlohn ist dafür angemessen. Und am Ende treffen die mit Ihrem Streik doch auch am meisten die „kleinen Leute“. Ich kann nicht jeden Brief per Eilbote schicken das kann ich mir nicht leisten. Die „Reichen“ weichen aus auf andere Unternehmen und wir normalen Leute sind die Dummen.

  • Franz Mahler

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    @Postgenervter
    19. Juni 2015 um 21:00 | #

    Neoliberale, Konservative, aber auch viele Sozialdemokraten und Grüne reden doch immer und überall gerne von „Freiheit“ und zur Freiheit gehören auch Streiks. Bei den Kommunisten und bei den Nazis waren Streiks deshalb verboten.

    Streiks sind in einer sozialen Marktwirtschaft ein legitimes und legales Mittel für die Arbeitnehmer, um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne durchzusetzen, denn sonst kommt genau das heraus, was der „Postgenervte“ kritisiert. Die Reichen werden immer reicher und reicher und die „kleinen Leute“ und normalen Bürger können sich keine Eilboten leisten. (Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Neoliberale, Konservative und andere Streiks in diesem Lande einschränken oder verbieten wollen.)

    Auch Postboten gehören nämlich zu den „kleinen“ bzw. „normalen“ Leuten. Vor weniger Minuten war gerade eine rotgelbe Paketzustellerin da und hat mir leider nur eines von zwei Paketen gebracht, auf die ich warte. Also besonders groß war die nicht. Ich schätze mal 1,65 Meter. Größer war die nicht.

    MfG
    Franz

  • gabi

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    Danke lieber franz das du so tolle antworten gibst, es gibt leider immer noch leute die nicht kapieren warum wir postler streiken, aber auch denen geht irgendwann ein licht auf. Und übrigens auch wir zusteller bekommen keine post, das nur mal am rande für die ewigen nörgler.

  • Kerstin Lange

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    Nichts gegen das Streikrecht, aber wenn wirklich wichtige Einschreiben und sogar Expressbriefe, obwohl teuer bezahlt, einfach nicht bearbeitet werden (nachweisbar!), hört mein Verständnis auf. Zum Glück gibt es Alternativen…

  • Peter

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    Genau Kerstin. Wo kämen wir denn da hin, wenn jetzt plötzlich die Menschen auch noch ihre Grundrechte in Anspruch nehmen wollten, wo Sie doch ein teuer Einschreiben verschicken wollen. Ne das geht gar nicht.

    Die anglo-Sprachen haben dafür den schönen Begriff „sense of entitlement“. Da kommt der Begrif „title“ drin vor. Genau. Ich will – also gilt alles andere nicht mehr. Basta.

    Zwei Anmerkungen für die Medidation heute Abend, Kerstin:
    1. Streiken ist ein Grundrecht und hat einen höheren Stellenwert als das Recht des Einzelnen (in diesem Fall Sie) auf die Erbringung einer beliebigen Dienstleistung. Das ist in allen Rechtspyramiden so. Da können Sie so laut schreien wie sie wollen. Dies ist ein rechtsstaatliches Prinzip. Und Sie selbst profitieren wahrscheinlich mehrere Male am Tag unbemerkt davon.
    2. Falls Sie mit den Beförderungsrichtlinien der Post nicht einverstanden sind (die Sie natürlich jederzeit vor Inanspruchnahme der Dienstleistung einsehen können (haben Sie das getan?)), steht es Ihnen frei, auf diese Dienstleistung zu verzichten. Sie können natürlich einen beliebigen anderen Briefdienst beauftragen. Aber – jetzt kommts: die Beschäftigten dort werden in aller Regel noch viel weniger verdienen als die Zusteller der Post. Und können mangels Organisation noch nicht mal streiken. Was Sie aber vermutlich eh nicht stört, oder? Sie wollen ja bloß, dass Ihr Brief zugestellt wird. Verstehe.

    Ihr Verständnis hört also da auf, wo das Recht vieler anderer höher gestellt wird als Ihr eigenes. Interessant. Dazu passt dann auch Ihr Spruch „Ich habe ja nichts gegen [$Minderheit], aber …“. Wo habe ich das nur schon mal gehört…? Ich komm noch drauf.

  • Kerstin Lange

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    @ Peter

    Aber ich schreie doch gar nicht. Und ich habe doch dar nichts gegen Streikromantik (alle Räder stehen still etc). Aber ich lass mich ungern als Geisel nehmen! Egal ob von Postboten, Lokomotivführern oder Kindergärtnerinnen!

  • Peter

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    Also gut, Kerstin, nochmals langsam zum Mitschreiben.

    Die Streikenden nehmen Sie nicht als Geiseln, sie nehmen ihr verfassungsmäßiges Recht auf Arbeitskampf wahr. Nun sind verfassungsmäßige Rechte unabhängig von den Befindlichkeiten einzelner evtl. dadurch in ihren Individualrechten eingeschränkter Spießer und Obrigkeitshöriger gültig. Diese Rechte sind so schützenswert, dass sie nicht einfach geändert, eingeschränkt oder aufgehoben werden können. Als Anhaltspunkt mag Ihnen da die Diskussion über die VDS dienen.

    Populär formuliert: Ihr Einschreiben geht dem Grundgesetz am Arsch vorbei, das können Sie skandalös finden, Menschen mit mehr Empathie für die Belange von schlecht bezahlten Berufsgruppen (Postboten, Lokomotivführer oder Kindergärtnerinnen) (man sagt heute übrigens Erzieher, nicht mehr Kindergärtnerin) sind aber in der Lage, die Rechte anderer über die Rechte einzelner zu stellen, auch wenn dies bedeutet, selbst ein klein bisschen zurückzustecken. Man nennt das Demokratie. Nicht sich selbst im Mittelpunkt des Geschehens zu sehen, sondern die berechtigten Forderungen anderer Raum zu geben.

    Das gelingt leider immer weniger Menschen. „Von mir aus können die streiken, so lange sie wollen, wenn es mich nicht betrifft. Aber wenn ich einen Brief verschicken will, dann ist Schluss mit lustig. Dann soll gefälligst wieder gearbeitet werden.“ Ich. Ich. Ich. „Aber ich lass mich ungern als Geisel nehmen!“ Ich. Ich. Ich. „Und ich habe doch dar nichts gegen Streikromantik „. Schon wieder diese komische, verräterische Formulierung „Ich habe ja gar nichts gegen …, aber …“
    Streik ist keine Romantik. Streik ist Arbeitskampf. Berechtigter Arbeitskampf. Es ist das Mittel von in Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmern, ihren Belangen Gehör und Nachdruck zu verschaffen. Dieses Recht war den GG-Verfassern so wichtig, dass sie es in die Verfassung mit aufgenommen haben. Und da soll es auch bleiben.

    Dass die Streikenden mit ihrem Arbeitskampf bei egoistischen Kleingeistern auf unreflektierte Ablehnung stoßen, nehmen die Kollegen in Kauf. Das ist ja auch gut so. Denn nur wenn sich „Und ich habe doch gar nichts gegen …“-Spießer in großer Zahl aufregen, zeigt das doch, dass der Streik auch tatsächlich Wirkung hat.

    Und da wir in einer „freien Marktwirtschaft“ leben, haben Sie sicher schon eine Alternative zur Post gefunden, oder? Eine, bei der man sich nicht als Geisel vorkommt. Eine, bei der aber evtl. die Angestellten mangels Streikmöglichkeiten die Geiseln sind.
    Aber das ist nicht wichtig. Ich will ja nur meinen Brief verschicken. Ich. Ich.Ich.

  • Kerstin Lange

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    @ Peter

    Arroganter Oberlehrer!

  • semmeldieb

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    dann sage ich es mal ganz ohne „…aber“:

    ich habe etwas gegen den aktuellen poststreik, da er bei mir und bei vielen anderen immensen schaden anrichtet.

    ich habe etwas gegen den poststreik, da ich mich als geisel genommen fühle.

    ich danke den streikbrechern, die einen winzigen teil meines persönlichen schadens gestern abwenden konnten.

    jawoll… ich, ich, ich…

    genauso wie die streikenden.

  • Postler

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    @Semmeldieb: Nee bei uns Streikenden heißt es von Anfang an: WIR! WIR! WIR!

  • Kerstin Lange

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    @ Semmeldieb

    Sie sprechen mir aus dem Herzen! Auch ganz ohne aber

  • Der Tom

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    Hmmm… bei diesen ganzen Kommentaren GEGEN den Poststreik oder aber auch gegen das Mittel des (legitimen) Streiks an sich, möchte ich in diesem Zusammenhang mal an alle appellieren: Meistens sind es ohnhin DIEJENIGEN, die hier gegen den Streik oder das Streikrecht wettern, die zu den wilden „Alt-68ern“ gehören. Damals seid Ihr gegen „Gott-weiß-was-für-einen“ Scheiss auf die Strasse gegangen, habt Euch von Polizisten zusammenknüppeln lassen und/oder von Wasserwerfern quer über die Strasse spülen lassen. JETZT meint Ihr, der legale und legitime Arbeitskampf ist was anderes und geht Euch nix mehr an. Ihr seid ja jetzt die armen, armen Bürger, die Ihre Briefchen nicht mehr bekommen, die Ihre Kinder nicht in Kita’s bringen dürft, die morgens mal nicht auf gewohntem Wege mit der übervollen Bahn fahren könnt. Mal ganz ehrlich: Was seid Ihr für ein selbstverliebtes und verlogenes Pack geworden ? Wo ist denn nun Eure damals hoch gepriesene Protesthaltung hingekommen ? Alles durch die soziale Marktwirtschaft weichgespült und die damals propagierten Helden wie Ohnesorg, Dutschke und Langhanns für ein Appel & Ei verraten und verkauft !

  • Sandra

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    An alle die sich über den Streik so sehr aufregen. Würdet ihr euren Job in der gleichen Firma für Viel weniger Geld machen? Bei diesen Streik geht es darum die Arbeiter in den billig Gesellschaften zurück in den Haustarif zu holen. Sie machen die gleiche Arbeit für Viel weniger Geld! Das kann es nicht sein. Und es wird darum gekämpft das die Arbeiter wo noch bei der Post angestellt sind auch dort bleiben und nicht in die billig Gesellschaften geschoben werden.

  • Kerstin Lange

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    @Peter: ein wenig klingt das schon nach Kollektivrecht vor den Rechten des Einzelnen! Wo habe ich das nur schon so ähnlich gehört? Ach ja: Du bist nichts, Dein Volk ist alles!
    @ Tom: so alt bin ich nun auch noch nicht!
    @ Sandra: schon mal gehört, wie gerade VERDI mit den eigenen Mitarbeitern umspingt?

  • Schupo01

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    @ Peter

    Danke für Deine ausführliche Beschreibung des Problems. Was mich wundert: Der Text könnte eigentlich in der Buchreihe „Streik und seine Folgen für Dummies“ aufgelegt werden, um Bildungs-Verweigerern zu erklären, was gerade passiert.

    Seit Wochen. Dennoch finden sich immer wieder Menschen, die davon rein Garnichts mitbekommen haben wollen, und ihren Unmut in einer Art und Weise – auch noch öffentlich – kund tun müssen, mit der sie sich letztlich selbst diskreditieren.

    Auch mit solchen Menschen müssen wir leben – aber das Leben ist einfach zu kurz, um sich darüber zu ärgern. Dir und allen Streikenden ein sonniges Wochenende, sowie meine uneingeschränkte Solidarität!

  • semmeldieb

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    alles schön und gut und verzwickt obendrein.

    ich kenne mich in der materie zu wenig aus, aber wurde nicht „früher“ kürzer gestreikt und trotzdem was erreicht?

    das sind so die momente, in denen ich mir die miefige alte post mitsamt all ihren beamten zurückwünsche – am besten auch noch mit dem fernmeldewesen statt dem magentafarbenen servicewüstenquatsch.

    da habe ich damals zu unüberlegt gejubelt, gebe ich zu.

    mal ersthaft:

    solche elementar wichtigen bereiche wie verkehr, wasser, gesundheit, fernmeldewesen/post und teilweise auch energie gehören eigentlich in staatshand. zumindest in einem grundumfang.

  • Bernd

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    Hallo zusammen,

    ich bin seit 23 Jahren Zusteller bei der Post und befinde mich, wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Streik. Mehr noch, ich habe mich von Verdi als Streikhelfer freistellen lassen.
    Ich mache das nicht gerne, viel lieber würde ich wie gewohnt meine Arbeit machen. Aber in der derzeitigen Situation ist der Streik für uns der einzig gangbare Weg.
    Wir streiken nicht für ein paar lausige € mehr oder weniger Arbeitszeit. Wir streiken für die Sicherheit unserer Arbeitsplätze, gegen die Zerschlagung des flächendeckenden Zustellnetzes, für die Kollegen, die aus reiner Profitgier in Tochtergesellschaften ausgelagert wurden und dort die gleiche Arbeit für 20% weniger Lohn machen müssen. Viele dieser Kollegen waren zuvor befristet bei der AG angestellt. Man hat sie vor die Wahl gestellt bei der GmbH zu unterschreiben oder zum Arbeitsamt zu rennen. Hätten sie sich für letztere Möglichkeit entschieden, hätten sie beim Arbeitsamt eine Sperre von 3 Monaten erhalten. Also von freier Entscheidung kann da keine Rede sein.
    Der Vorstand hat seine Bezüge letztes Jahr um 20% erhöht, die Dividenden für die Aktionäre wurden ebenfalls erhöht, ebenso wurden Gewinnsteigerungen in Aussicht gestellt, die unter normalen Umständen nicht realisierbar sind.
    Deswegen möchte das Management jetzt mit allen Mitteln die Gewinne maximieren. Dazu greift man dann den Menschen in die Geldbörse, die das alles erst ermöglichen.

    Diesem Treiben des Vorstandes und der Manager müssen wir Einhalt gebieten. Schaffen wir das nicht wird das Beispiel der deutschen Post Schule machen und mehr und mehr Arbeitnehmer werden in prekären Beschäftigungsverhältnissen enden.
    Wer weiß Kerstin, Semmeldieb und andere Kritiker, die derzeit nur sehen, das sie ihre Post verspätet erhalten, vielleicht ist euer Arbeitgeber dann der Nächste, der seine Gewinne auf derart menschen verachtende Art und Weise maximiert.
    Aber im Gegensatz zu uns habt ihr dann meine volle Solidarität und Unterstützung, wenn ihre für eure Rechte kämpft!

  • Johann

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    @Kerstin Lange – Sie sollten Peter für die Sozialkunde-Nachhilfestunde eigentlich dankbar sein. Er hat sich sehr viel Mühe gegeben Ihnen ein paar staatsbürgerkundliche demokratische Basics nahe zu bringen. Vermutlich sogar kostenfrei. – Also von mir würden Sie für soviel Arbeit ne Rechnung erhalten.
    @Semmeldieb – Sagen Sie mal: Sitzen Sie im Moment tatsächlich in nem dunklen Keller eingesperrt gefangen? Oder was soll das lächerliche „Geisel“-Gelabber? Wenn dem so ist, dann sollten Sie mal erwägen in Zukunft Ihre Semmeln zu bezahlen.

  • Schupo01

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    @ Johann

    Du sprichst mir aus dem Herzen – wenngleich ich das so offen niemals sagen könnte!

    D A N K E!!!

  • Johann

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    @Schupo01
    Oooch…Gern geschehen. Eine meiner leichtesten Übungen!
    Kann ich im Übrigen nur weiter empfehlen!: Maul aufmachen ist gesund, hält den Blutdruck im Zaum, erspart einem Brechreiz und Magengeschwüre !
    Sie sollten es auch mal versuchen.

  • Tobias

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    Ich bin ehrlich gesagt sehr erschrocken über einige Antworten hier. Peter hat es auf den Punkt gebracht, was ich schon so lange versuche, klarzumachen. Wie man schon an meiner Antwort vor einigen Tagen herauslesen kann bin ich sehr positiv eingestellt, was Streiks in Deutschland angeht, wenn es nicht gerade ein lächerlicher Wohlstandsstreik ist – ja, ich gucke zu Euch, Piloten!

    Vor ein paar Jahren hieß es: „Wäre sowas in Frankreich am Abgehen würden dort Autos brennen und Straßenzüge im Chaos untergehen“. Hier haben wir einen gesitteten Streik und die Zahlen der Unternehmen sind eindeutig.

    Als ich meinen Kolleginen auf Arbeit versucht habe, klar zu machen, dass auch der von der (kontrollierten?) Presse am laufenden Band verpönte Bahnstreik gerechtfertigt ist habe ich diese ganzen 08/15-Antworten zu hören bekommen, dass ich gedacht habe, dass sich ein Großteil der Deutschen auf Zeitungsschlagzeilen-Zweizeiler beruft und ohne den Artikel zu lesen übernimmt. Das liegt in unserer schnelllebigen Zeit auch an Dingen wie SMS, WhatsApp und Twitter – lesen und Informationen? Aus einem Text? Ohne Bilder? Nee. Die Antworten gingen in die von Peter beschriebene Richtung: „Ich komme nicht auf Arbeit“, „Ich muss länger fahren“,… Am Schlimmsten: „Warum muss man das an den Fahrgästen auslassen“. Der letzte Satz macht mir auch beim Tippen noch Kopfschmerzen.

    Die Ironie ist ja, dass viele Leute die Arbeit (und/oder Entlohnung) dieser Dienstleistungen nicht würdigen. Gleichzeitig sagen diese Leute aber auch mehr als deutlich, dass sie ohne diese Dienstleistungen, für die sie ja nicht mehr bezahlen würden bzw. wollen, sich gegeiselt fühlen oder ihr schönes Leben zusammenbricht.
    Das betrifft alle Dienstleister. Auch im Einzelhandel. Oder bei der Post.

    Ich bin übrigens auch betroffen: Hier liegt eine Krankmeldung, die vermutlich erst in ein paar Wochen zur AOK geht. Nunja, in diesem Sinne mache ich mich zu Fuß auf dem Weg in die Bruderwöhrdstraße – ohne Maulen und Murren :-)

  • Rimbaud

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    Die Metapher von der „Geiselhaft“ taucht inzwischen regelmäßig bei jeden Streik auf.Den der hat ja in seiner Konsequenz das immer auch Unbeteiligte betroffen sind wenn er denn wirken soll.Diesen banalen Umstand ..der lediglich die Vernetzung unserer Gesellschaft anzeigt…soll mit diesen Termini Rechnung getragen werden insofern das er faktisch jeden Streik diskreditieren kann.
    Den „Geiselnahme“ ist ja ein schweres kriminelles Delikt und so soll unterschwellig der Arbeitskampf von abhängigen Arbeitskraftverkäufern kriminalisiert werden..bis zu einen Verbot.Damit wird ein Klima geschaffen das einer Diktatur Vorschub leistet.Ironischerweise sind dann die Menschen wirklich in einen System gefangen in dem selbst marginalste Rechte nicht mehr wahrgenommen werden können sondern Herr u. Knecht Verhältnisse herrschen.Im übrigen sind solche Sprüche eine absolute Verhöhnung der Opfer wirklich schwerer Gewaltverbrechen.
    Die Postler haben allen Grund zu streiken,weil hier ein Konzern der satte Gewinne einfährt mit Tarifflucht und Outsourcing versucht seinen Profit weiter zu maximieren und das fundamentale Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit “ massiv verletzt.Im übrigen gibt es bereits jetzt unterschiedliche Löhne bei der Post,weil langjährige Mitarbeiter (ab 15 Jahre circa) „Besitzsstand “ verfügen.Die Differenz beträgt heute schon mehrere hundert Euros.Wenn diese Abwärtsspirale nicht gestoppt wird haben wir es bald mit einen Herr von „Working poors“ zu tun die a)auch keine Kaufkraft mehr haben und b)deren Renten Altersarmut bedeuten.
    Jeder der sich jetzt über nicht ankommende Päckchen oder Briefe ecauffiert sollte mal seine egoistische Brille absetzen und lernen in gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen reflektieren zu können;

  • Rimbaud

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    Kerstin Lange@
    Zitat:(Post vom26.6.2015 um 14.o6)“Aber ich lasse mich ungern als Geisel nehmen.Egal ob von Postboten,Lokomotivführern oder Kindergärtnerinnen“

    Sie wurden also in diesen Fällen jeweils ein Opfer schwerer Gewaltverbrechen..darf ich das so verstehen?….Haben sie sich schon an die Polizei gewandt? Haben sie Anzeige erstattet?Sich schon hilfe bei einer psychologischen Beratungstelle geholt?
    Sich mit anderen prominenten Geiselopfern wie etwa Oetker oder den Insassen diverser Flugzeugenführungen ausgetauscht über ihre leidvollen Erfahrungen?
    Oder können sie es einfach nicht leiden wenn einmal etwas nicht nach ihren Willen funktioniert und die Kulis ihnen nicht zu diensten sind .
    Gerade weil sie diese Beispiele so einfach in den Raum werfen zeigt es geradezu lehrbuchmäßig das ihnen der konkrete Inhalt der Tarifkonflikte am Arsch vorbeigeht.
    Für sie zählt eben nur das ICH ICH ICH

  • Johann

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    @Rimbaud
    Sie haben Recht, lieber Rimbaud, viele Leute begreifen sich heute einfach nicht mehr als soziales Wesen, eingebetet in ein gesamtgesellschaftliches WIR. Sie sind einfach nicht dazu Willens, oder auch gar nicht mehr dazu in der Lage über ihren eigenen Tellerrand zu blicken. Alles was zählt scheint nur noch die eigene Egozentrik zu sein. Wie es Anderen geht scheint völlig egal zu sein, die haben lediglich die Aufgabe mein Ego zu füttern. Zumindest gehen manche mit den Beschäftigten des Dienstleistungsgewerbes mittlerweile so um.
    Das neoliberale Unkraut hat tiefe Wurzeln geschlagen im Lande. Eigentlich sollte es ja als Neokonservativismus bezeichnet werden, da es aus den USA zu uns rübergeholt wurde und dort auch richtigerweise so bezeichnet wird. Und beschert hat uns diesen asozialen Import unser Ex-Kanzler Kohl. Er wußte vermutlich sehr gut was er wollte, als er die „geistig-moralische Wende“ verkündete.
    Und nun haben wir das Problem dass wir von einer sozialen Solidargesellschaft in eine egomanische Ellenbogengesellschaft gedriftet sind. Jeder für sich – Und Gott gegen alle !
    Wir haben uns viel zu lange und viel zu wenig gegen diese Entwicklung gewehrt !
    Kein Wunder, dass der gesellschaftliche Status der Dienstleistungsberufe in den Keller gerutscht ist. Arbeitsbedingungen und Entlohnung dieser Berufe zeigen sehr deutlich welchen Wert diese Gesellschaft ihnen beimißt. Es scheint, Dienstleister sind im Bewußtsein mancher Leute auf den Status eines „Negers“ in Sklaverei herabgewürdigt worden.
    Kein Wunder dass es mittlerweile viel zu viele Leute gibt, die sich in ihrer Verachtung dieser Berufe so weit versteigen, dass sie sich einbilden es wäre eine Selbstverständlichkeit dass ihnen diese Dienstleistungen immer und überall stante pede zur Verfügung stehen. Ist dem mal nicht so, dann erheben sie ein empörtes Geschrei („Geiselnahme“) – ganz so wie das Kleinkind an der Supermarktkasse dem die Mama mal den begehrten Schokoriegel verweigert.
    Vielleicht sollten wir deshalb all die Aktionen und Streiks bei Post und Bahn, in Kindergärten und Krankenhäusern, auch mal als das betrachten, was sie als Quasi-Nebenwirkung einer längst überfälligen Medizin halt auch sind: Als dringend nötige Erziehungsmaßnahmen für eine in Egomanie aus den Rudern gelaufene Gesellschaftsordnung.

  • Peter

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    Es ist zum verzweifeln. Wenn SIe das mit dem Kollektivrecht so sehen wollen, will ich Sie nicht davon abhalten. Mit der Realität hat Ihre Wahrnehmung aber nichts zu tun. Unsere und auch Ihre Grundrechte sind unveräußerlich, d.h. u. a. auch, dass sie auch dann uneingeschränkt gelten, wenn der einzelne sie gerade nicht braucht oder auch mal gerne darauf verzichtet.

    Sie sind nicht „Nichts“, Kerstin, (zumindest nicht im rechtlichen Sinne; dass Sie sich selbst zum Nichts machen, nur weil Ihre Rechte nicht sofort mit aller Entschiedenheit durchgesetzt werden, ist Ihr eigenes Bier, da haben Sie alle Freiheiten) aber es gibt eben auch Rechtsgüter, deren Wichtigkeit Ihr Recht auf Erbringung einer zugesicherten Dienstleistung übersteigt. Deshalb – und nur deshalb – gibt es Passi in AGB, die darauf hinweisen, dass im Falle von vom Dienstleister nicht zu verantwortenden Umständen kein Schadensersatzanspruch entsteht. Ihr Recht hat zurückzustehen, bis diese Umstände ausgeräumt sind. Dann greift Ihres wieder.

    Hochinteressant übrigens auch Ihre Anspielung auf den Wortschatz der ehemaligen DDR, dessen Billigung oder Gutheißung Sie mir hier unterstellen. Dass es im jetzigen Arbeitsrecht auch das Kollektivrecht gibt, haben Sie sicher auch schon recherchiert, oder? Da es in diesem Zusammenhang aber ausschließlich in Opposition zum arbeitsrechtlichen Individualrecht steht, kann ich Ihre Polemik nur als plumpen Versuch werten, einen rechtlichen Zusammenhang zu konstruieren, der so nicht existiert. Oder meinten Sie das wirklich als Unterstellung, ich würde „Dein Staat ist alles – Du bist nichts“ mit meinen Posts aussagen wollen?

    Wie schwer es ist, anderen Personen die Irrationalität ihrer Gedankenströme (bei denen nicht zwangsläufig auch „Denken“ im logischen Wortsinn herauskommt) klarzumachen, hat unlängst der Bildblog dokumentiert.:

    http://www.bildblog.de/66357/wie-glenn-greenwald-mal-versuchte-mit-julian-reichelt-zu-diskutieren/
    http://www.bildblog.de/66118/julian-reichelt-reist-mit-snowden-auf-dem-holzweg-richtung-russland/

  • Tobias

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    @Johann: Sie haben absolut, *absolut* Recht. Ich weiß, es ist das dritte Mal, dass ich den Einzelhandel erwähne, aber es geht in diesem Kontext um das Dienstleistungsgewerbe im Allgemeinen.

    Ihr Zitat: „Es scheint, Dienstleister sind im Bewußtsein mancher Leute auf den Status eines „Negers“ in Sklaverei herabgewürdigt worden.“

    Genau. Das. Nicht anders. In den USA ist das Personal ganz offiziell zum Abschuss freigegeben. Große Konzerne lassen ihre Angestellten zum Punchingball mutieren und müssen im Umkehrschluss noch einen guten Tag wünschen. Ansonsten wird einfach der Vorgesetzte gerufen. Der Mitarbeiter hat immer, IMMER unrecht. Da er eben ein „Neger“ der Sklavenzeit ist. Er hat sich beschimpfen zu lassen, er hat zurückzustecken und zu funktionieren und bei jeder Kürzung der Löhne oder bei Änderung der Bedingungen (Urlaub, etc.) die Füße still zu halten. Das, was gerne mal als „Servicewüste“ beschrieben wird ist nichts anderes als die wenigen Reste Selbsterhaltungstrieb der Individuen die in diesem Gewerbe unterwegs sind. Und ich bin mit meinen paar Jahren eigentlich nicht gewillt aufgrund diesen Unsinns eine Umschulung vorzunehmen, weil ich in 10 Jahren entweder nicht mehr von meiner guten (!) Arbeit leben kann oder ich so zum Menschenfeind geworden bin, dass nur noch ein Bürojob in Frage kommt.

    Wenn ich Wörter wie „Manager“ höre oder auch nur einen fetten, schwarzen Audi mit Kennzeichen und Kennung gewisser Firmensitze (etwa: FFB – CC xx steht für Coca Cola) vorfahren und mit Anzug und Smartphone wichtig machen während ihr Außendienstmitarbeiter einen alten Ford Fiesta fährt und schwitzend für wenig Geld Cola-Kisten stapelt kocht in mir stets Wut und auch Stolz auf, dass es noch Möglichkeit gibt zu handeln. Es geht nicht dabei darum, Leute, die sich hochgearbeitet haben ihren verdienten, höheren Lohn abzusprechen. Sondern darum, dass der Getränkeschlichter den Lohn für die fetten Bonzen ermöglicht, die schon längst den Bezug zur Realität verloren haben.

    Bitte, lieber Postler und alle Anderen da draußen, „geiselt“ so viele wie möglich. Dann lernen sie „uns“ wieder zu schätzen. Und auch für die Zukunft immer wieder wachhalten: Wir haben es ver.dient.

  • Johann

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    Interessant, lieber Tobias, was Du mir aus dem Einzelhandel zu berichten weißt.
    Was soll ich dazu sagen?: DER KUNDE IST KÖNIG ?!?
    Es ist nur schade dass manche Könige deutlich schlechtere Manieren als ihre Kutscher haben !

  • Resch

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    Die Deutsche Post AG vernichtet oder rationalisiert derart unsere Vollzeitarbeitsplätze hier in Deutschland. Zum Beispiel wurden alleine im gesammten deutschen Fahrdienst der Deutschen Post in den letzten 15 Jahren dort minestens 10.000 Vollzeitarbeitsplätze abgebaut. Es wird nur eine derartige Gewinnmaximierung der Post , bzw. der Aktienbesitzer angestrebt , und jährlich sollen die laufenden , Lohnkosten derart auch gesenkt werden.
    http://www.finanzen.net/aktien/Deutsche_Post-Aktie
    Bis 2017 lobt die Deutsche Post eine Aktiendividende von 4,14 % aus , das sind min. 1,08 Euro. Ja von alleine geht das Geld , gehen die Euros nicht nach Bonn. Wenn man die Leute heute billig auslagert , auch die ganzen AuszuBis in Deutschland am Ende Ihrer Lehrzeit billig auslagern möchte , , mit dieser neuen GMBH Delivery dann so 3oo oder 500 Millionen Euro an Lohnkosten sparen kann , , möchte , dann kommen dann auch diese hohen Aktienrenditen so zustande.
    Bestimmt wurden schon viele Arbeitnehmer bei der Post auch entfristet , aber das sind dann bestimmt nur Teilzeitjob,s mit bis zu 20 Arbeitsstunden pro Arbeitswoche. Mit einem heutigen Teilzeitjob von bis zu 20 STD. kann man sich hier in Deutschland in unseren Sozialstaat hier in keinster Weise ein Leben leisten , ja auch heute keine Familie gründen , und auch nicht sorgenfrei Leben.
    Die Deutsche Post hat zum Beispiel in Ihren Briefzentren ja vielleicht nur noch Teilzeitjobanstellungen, damit sie auch einen jeden Tag so richtig sparen können.
    (( Von den Zeitarbeiterfirmen die mit der Post zusammen arbeiten, möchte ich hier heute nicht schreiben))

  • Ute Mine

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    @Verdi
    Ich unterstütze Streiks in Eurem Sinne! Ich bin schon älter und frage mich schon länger, warum in unserem Land so wenige noch in Gewerkschaften organisiert sind, so wenig gestreikt wird. Was muss denn noch schlimmeres als jetzt passieren, bis wieder in den Köpfen verankert wird, dass nur eine gemeinsame solidarische Handlung zum Erfolg führt. Oder ist man gerne Schlachtvieh? Wer arbeitet, soll genug verdienen und nicht erpresst, sondern gewertschätzt werden. Was haben wir Älteren in der Erziehung unserer Kinder falsch gemacht?

  • Franz Mahler

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    @Ute Mine, 1. Juli 2015 um 10:51: „Was haben wir Älteren in der Erziehung unserer Kinder falsch gemacht?“

    Dazu passt ein Artikel, der heute auf den Nachdenkseiten steht. Dort wird auf ein Interview und das Buch des Jugendforschers Bernhard Heinzlmaier hingewiesen:

    Bernhard Heinzlmaier: „Performer, Styler, Egoisten. Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben“, Berlin, 2013

    Das Interview ist ausgerechnet in der „Welt online“ erschienen, einer Zeitung, die bekanntlich nicht sehr wirtschaftskritisch ist, denn genau das kritisiert der oben genannte Autor.

    Der Jugendforscher beklagt im Interview/Buch die zunehmende Verdummung der heranwachsenden Generation. Alles, auch die viel gepriesene höhere Allgemeinbildung (bekannt als „Allgemeine Hochschulreife“), wird dem Diktat der Ökonomie unterworfen. Schuld sei ein Bildungssystem, in dem nur nach ökonomischen Aspekten unterrichtet wird.

    Zitat Heinzlmaier: „Nicht für’s Leben, sondern für die Wirtschaft lernen wir … Technisches und arbeitsmarktorientiertes Wissen muss in den Schulen unbedingt vermittelt werden, aber nicht allein. Der Verzicht auf kulturelle Bildung wird unsere demokratische Grundordnung über kurz oder lang gefährden, weil der Nachfolgegeneration die politische Urteilsfähigkeit fehlt.“ (Zitat Ende)

    „Leistung muss sich wieder lohnen“ (vor allem für die Wirtschaft, die Aktionäre, Börsenzocker und Spekulanten) mit diesem Wahlslogan hat der Konservative Helmut Kohl damals in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Wahlen gewonnen. Es kamen die Yuppies, die New Economy und die Neoliberalen mit ihrem homo oeconomicus und den dementsprechenden Reformen. Der „alten“ Ökonomie und dem Sozialstaat bzw. der sozialen Marktwirtschaft wurde in der Politik, den Wirtschaftswissenschaften und den Mainstream-Medien der Krieg erklärt. Aber nicht nur die Konservativen, auch viele sogenannte 68er, haben ihre Kinder zu einer hedonistischen und materialistischen Leistungs- und Ego-Gesellschaft erzogen. MEIN Haus, MEIN Auto, MEIN Pferd, MEINE Ferienvilla, MEINE Yacht, MEIN Rembrandt, MEINE Goldbarren.

    Humanismus, Altruismus, Empathie, der Kategorische Imperativ von Kant, Solidarität, Mitmenschlichkeit, „christliche“ Nächstenliebe, das sind allenfalls Begriffe für das Nebenfach Ethik oder die Christmette am Heiligen Abend. CSNY, Neil Young, Georg Danzer („Morgenrot“), Konstantin Wecker das sind Bands/Liedermacher, die von den Neoliberalen und den Young Urban Professionals nur noch belächelt und in die Kategorie „Sozialromantiker“ eingruppiert werden.

    Wenn manche Senioren in den Altenheimen sich heute über die mangelnde Solidarität in der Gesellschaft beklagen, dann dürften nicht wenige darunter sein, die ihre Kinder zu eben diesem sozialdarwinistischen Verhalten erzogen haben: ICH BIN MIR DER NÄCHSTE.

    MfG
    Franz

  • Schupo01

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    @ Franz

    Leider muss ich Dir hier vollkommen Recht geben. Diese Art der Evolution haben wir vermutlich Alle mehr oder weniger mit zu verschulden, und es dürfte sehr schwer werden, hier noch das Ruder in Richtung humanitärer Gesellschaft umzureißen.

    Gelingt uns das nicht, wird es sehr (Gefühls-)Kalt in Deutschland…

  • Tobias

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    @Johann:
    Das liegt eben an der „Amerikanisierung“. In einem Regensburger Supermarkt zu arbeiten bedeuted, dass man von allen Seiten angegriffen wird: Leute stellen volle Einkauswägen ab, täglich mindestens zwei. Darin: Gekühlte Artikel, Abschriften ohne Ende. Kostet Zeit. Die haben wir nicht. Dann will die Handygeneration, auch Mit-40er Beratung bei Waschmitteln. Der andere UNBEDINGT die Cornflakes reduziert, weil die Pappe (aber nicht die Plastiktüte darin) etwas eingedellt ist. Nein. „Warum? Ich werde mich beschweren. Wie ist Ihr Name?“. Ich gebe diesen schon bereitwillig her, weil ich nach nur 7 Jahren in meinem Beruf schon die Nase voll habe. Jeden Tag irgendwelche angefressenen Eiswaffeln aus den Nudeln zu holen oder sich BurgerKing-Cola über die Füße zu giesen, die irgendwo abgestellt wurde. Kartonagen werden auf den Boden gepfeffert wie Handtücher im Hotel und am Ende wollen Albaner, dass man ihnen einen Fernseher erklärt, aber die weder Englisch noch Deutsch sprechen und mir drohen, wenn ich sie auf dem Parkplatz sehen „könne ich was erleben“. Von den weltfremden Forderung einiger Leute, die nix mit gültigen Recht zu tun haben, nerven.

    Das war jetzt ein bisschen Off-Topic, aber es entspricht ja der Aussage, dass der Dienstleister nicht mehr der nette Mann vom Supermarkt, sondern der Punchingball für missratene Privatleben ist. Dasselbe gilt für Postzusteller, die am besten 24/7 unterwegs sind, weil man ja ganz dringend den nächsten Rotz von Amazon noch am besten gestern vor Bestellung ausgeliefert braucht, gleichzeitig aber über die „ach so hohen Preise“ meckert.

  • Franz Mahler

    |

    @Schupo01, 2. Juli 2015 um 16:14 | #

    Danke für die Zustimmung und hoffentlich bleibt es nur bei der bürgerlichen Gefühlskälte, wenn man sich die immensen Ausgaben für den „Verteidigungsetat“ bzw. die aktuelle militärische Aufrüstung betrachtet, obwohl der sog. kalte Krieg doch beendet ist.
    Die Geschichte zeigt, dass Kriege immer schneller vom Himmel gefallen sind als der Verstand vieler Menschen. Homo homini lupus. Die Frage ist, ob Friedenszeiten durch Kriege unterbrochen werden oder Krieg durch Friedensperioden.

    MfG
    Franz

  • Franz Mahler

    |

    @Tobias, 2. Juli 2015 um 20:55

    Die „Amerikanisierung“ ist doch nicht die Ursache für diese deutschen Zustände, sondern allenfalls die Folge. Die Amerikaner sagen doch nicht, dass wir Deutschen das so machen und die Wirtschaft so organisieren müssen.

    Wir leben allerdings in der vielgepriesenen „freien“ Marktwirtschaft und da zählt allein der Profit der Investoren/Eigentümer des Unternehmens. Natürlich reden Politiker, Unternehmer, die Lobbyisten der Wirtschaft und Journalisten in der Öffentlichkeit selten von Gewinnmaximierung, Profit, Rendite und Dividendenausschüttung. Freiheit, Eigenverantwortung, Leistung, Flexibilität, Wirtschaftswachstum, Standortsicherung, das sind die Schlagwörter, die von den Neoliberalen, Konservativen und Rechten in Deutschland jahrelang gepredigt wurden und immer noch gepredigt werden. Auf die Belange der Arbeitnehmer kommt es da nicht an, solange man genügend (billige) Arbeitskräfte findet. Das wäre allenfalls etwas für die Gewerkschaften. Gibt es die in Deutschland überhaupt noch?

    Das heißt, Sie haben die „Freiheit“, jederzeit zu kündigen und sich in ganz Deutschland einen neuen Job zu suchen. Wie wäre es mit Kranken- oder Altenpfleger. Da werden doch bekanntlich händeringend Arbeitskräfte gesucht. Kein Albaner, Amerikaner, Grieche, Türke oder Marsianer wird Sie davon abhalten. Bei den Marsianern bin ich mir jetzt allerdings nicht ganz so sicher.

    MfG
    Franz

  • Johann

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    @Tobias
    Ich war nie in den USA und weiß deshalb auch nicht ob diese schlechten Manieren, über die Du in Regensburg klagst, lieber Tobias, in den Staaten tatsächlich üblich sind. Kann es nicht auch sein, dass das ein hausgemachtes Problem ist? – Also, ich für meinen Teil, habe genug ZeitgenossenInnen kennengelernt, die offenbar in dem Glauben leben sie wären tatsächlich jene Prinzessin oder Prinz, als die sie von einer überbesorgten Mama vertüddelt worden sind. Wehe man putzt ihnen nicht gleich den Hintern ab, wenn sie greinen.
    Ich wäre zurückhaltend, hier von einer „Amerikanisierung“ zu sprechen, nenne sowas eher ein „Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom“. Dagegen hilft in der Regel ein deutlich artikuliertes bayrisch-grantiges Feed-Back in subakut angedeuteter Drohhaltung. Oder aber – bei den „feineren Herrschaften“ – eine dezente Empfehlung für einen Verhaltenstherapeuten. Man sollte entsprechende Visitenkärtchen immer bei sich tragen.
    Das kannst Du Dir als Angestellter in einem Supermarkt natürlich nicht leisten. Nur: Was geht es Dich an, wenn Leute was billiger haben wollen? Der Ramsch, der da verhökert wird, gehört doch nicht Dir. Darüber darfst Du doch gar nicht entscheiden.
    Folglich: Alle die nen Supermarkt mit nem türkischen Basar verwechseln, sofort umleiten zum Marktleiter, da können die dann fröhlich feilschen und Du hast Deine Ruhe von dem Schmarren. – Aber ich rede mich da natürlich leicht, gell.

  • Schupo01

    |

    @ Franz

    Marktwirtschaft ist extrem kalt – für alle Jene, die nicht im oberen Teil des Managements sitzen.

    Weil das so ist, hat man sich irgendwann einmal darauf geeinigt, in Deutschland eine soziale Marktwirtschaft zu betreiben, in der die Folgen all zu liberalem Gewinntrachtens abgefedert werden.

    Nach Willy Brandt ging die soziale Marktwirtschaft dann mehr und mehr verloren. Die Folgen können heute Alle spüren, und ich sehe nicht all zu viele Menschen hier im Staat, die in der Lage wären, den Weg zurück zu finden… Leider.

  • Franz Mahler

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    @Schupo01, 4. Juli 2015 um 15:16 | #

    Das sehe ich auch so, leider. Die ökonomischen und in der Folge sozialen Probleme, die der ungezügelte neoliberale Kapitalismus mit sich bringt, sind auch nicht neu. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wußten sogar viele sog. Konservative, dass Adolf Hitler und seine NSDAP nicht vom Himmel gefallen sind, sondern ökonomische Ursachen hatte (Arbeitslosigkeit, Armut, Inflation, Spekulation, Vermögenskonzentration). Hitler wurde aber mehrheitlich nicht von den Arbeitern bzw. Arbeitslosen gewählt, sondern vor allem von der bürgerlichen Schicht, die Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg hatte. Das mit der Bezeichnung NSD“Arbeiter“P war einer der Propagandatricks, mit denen man auch bei den Arbeitern Wahlstimmen holen wollte.

    Die Schere zwischen Arm und Reich ist heute wieder eine der zentralen Ursache für die gesellschaftlichen Probleme. Das Grundgesetz von 1949 garantiert zwar das Eigentum. Das Eigentum soll aber auch dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Vor allem die sogenannte „Sozialstaatsklausel“ ist eine Folge dieser Erkenntnis von 1949.

    Die Wurzeln des Übels wollen die heutigen Neoliberalen, Konservativen und Pseudo-Sozialdemokraten aber nicht anpacken. Ganz im Gegenteil: Man macht weiter so wie in den letzten Jahren. Man redet vom „überbordenden“ Sozialstaat und „spart“ bei den Arbeitslosen, Obdachlosen, Sozialrentnern usw. Gleichzeitig entlastet man Multimillionäre und Multimilliardäre, die sog. „Leistungsträger“ der Gesellschaft (Stichworte: Erbschaftssteuer, Spitzensteuersatz) und behandelt Steuerhinterziehung in Millionenhöhe als Kavaliersdelikt. (Gelegentlich lässt sich auch mal einer erwischen, der dann für ein paar Monate in den Bau wandert.)

    Unser marktwirtschaftliches Monopoly-System funktioniert aber nur solange, wie die oberen Zehntausend tatsächlich immer reicher werden. Wer schon mal Monopoly bis zum „Ende“ gespielt hat, der weiß, dass das nicht ewig so funktioniert.

    Das Mindestlohngesetz ist ein äußerst zaghafer Versuch, den ungezügelten Kapitalismus zu bändigen. Ich habe aber begründete Zweifel daran, das dies reichen wird.

    So und jetzt gibt es Mittagessen.

    MfG
    Franz

  • Richi Eiswuerfel

    |

    Was ich noch sagen wollte.
    Ich habe heute (1 Woche zu spät) meine persönlichen Einladung zur „DIE REWAG NACHT IN BLAU“ erhalten. Meine zwei Freigetränke sind somit flöten gegangen.
    Mein besonderer Dank gilt deshalb allen Poststreikern.

  • bernd blaujacke

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    Oh nein! Poste deine Kontaktdaten und ich starte einen Sammelaktion, damit dir die dramatischen Folgen des bösen Poststreiks ausgeglichen werden können!

  • Franz Mahler

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    @Richi Eiswuerfel, 12. Juli 2015 um 08:19 |

    Da sieht man, welchen Wert das viel gepriesene Grundrecht auf Streik in der real existierenden Demokratie von „Mutti“ Merkel für bestimmte Damen und Herren in Deutschland inzwischen hat. Es ist weniger Wert als „zwei Freigetränke“ bei der „REWAG NACHT IN BLAU“, mit anderen Worten: fast nix, es sei denn, es gab Champagner für 500 Dollar pro Flasche und das möchte ich wirklich ganz stark bezweifeln.

    Wenn man Kunde bei der REWAG ist, dann hat man diese „zwei Freigetränke“ größtenteils auch noch selbst bezahlt, es sei denn, die betreffenden „Freigetränke“ wurden von einer anderen Firma „gesponsert“.

    Sind das die „christlichen“ und „demokratischen“ Werte, von denen gerade Konservative und Rechte in Bayern und Deutschland immer und überall reden?

  • wpo

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    DHL,der Streik ist vorbei, aber es hat sich nicht wesentliche verändert.
    Na gut, für die alten Mitarbeiter wurden die Arbeitsplätze erhalten bis 2018.
    Aber alle Zustellbezirke die damals für die neue Zustellfirma zugeteilt wurden bleiben.
    Betriebsbedingte Kündigungen wurden auch verlängert.
    Bei so einer Firma hat man doch keine Lust mehr zu arbeiten wenn wenn man die Gewerkschaft braucht.

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