Stadtentwicklung privatissimo

„Das ist eine super Sache, die der Schmack da macht“, meint SPD-Fraktionschef Norbert Hartl. Am Sonntag stellt Investor Martin Schmack (Foto) auf Einladung der SPD wieder einmal seine Pläne fürs ehemalige Zuckerfabrik-Gelände vor.

Im Juni 2008 hat die Ferdinand Schmack jun. GmbH, wo Martin Schmack Geschäftsführer ist, insgesamt 60 Hektar Fläche im Stadtosten von Regensburg von der Südzucker AG erworben. Seitdem wird Martin Schmack nicht müde, seine Pläne für eine „grüne City“ immer wieder öffentlich vorzustellen und dafür zu werben. Diese City macht gerade mal elf Hektar, 18 Prozent der Gesamtfläche, aus und soll im wesentlichen auf dem ehemaligen Fabrikgelände entstehen.

Vor allem im Stadtteil Hohes Kreuz erhofft man sich durch Schmacks Engagement eine Aufwertung des Viertels. Auch in der (überfüllten) Sportgaststätte des VfR Regensburg hat er die Mehrheit der Zuhörer wieder einmal auf seiner Seite. Er sei „relativ glücklich“ mit dem bisherigen Verlauf, lässt Schmack die Anwesenden wissen. Tatsächlich gilt er in der veröffentlichten Meinung als „Macher“, als Planungspapst, als jemand, der das durchsetzt, was er vor hat. Eine weniger glückliche Figur machen dagegen Teile der Politik, vor allem aber der Stadtverwaltung, die immer mal als „Verhinderer“ oder „Blockierer“ in der Tagespresse auftauchen. In routinierter Rhetorik stellt Schmack die „strategischen Punkte“ zur Entwicklung des zukünftigen „Innenstadtviertels“ vor. Wohnen, Arbeit, Soziales, Freizeit und Dienstleistungen bzw. Handel lauten die Schlagworte.

Im Klartext: Auf den elf Hektar Fabrikgelände sollen in Zukunft 62.000 Quadratmeter dem Gewerbe, 58.000 Quadratmeter dem Wohnen vorbehalten sein. Mit den meisten Interessenten für Gewerbeimmobilien oder -flächen scheint Schmack – das lässt er durchklingen – bereits handelseinig geworden zu sein. Erst vor wenigen Wochen wurde der Sieger des Architektenwettbewerbs für das Areal vorgestellt und der Entwurf des Münchner Büros „Auer + Weber + Assoziierte“ erfuhr allseitiges Lob, aus dem Stadtrat, der Tagespresse und der Regensburger Stadtverwaltung.

Letztere befindet sich ohnehin in der Defensive. In der Auseinandersetzung mit dem Investor um eine künftige Nahversorgung des Viertels scheinen die städtischen Planer den Kürzeren gezogen zu haben. Während das Stadtplanungsamt bezüglich der Einkaufsmöglichkeiten eine Tandem-Lösung bevorzugt, kleinere und fußläufig erreichbare Einheiten aufgeteilt auf Hohes Kreuz und Schlachthof-Gelände, verficht Schmack ein großes, zentrales „Sondergebiet Handel“ am nördlichen Rübenhof. Die dafür vorgesehenen 24.000 Quadratmeter hat er – offenbar siegessicher – bereits vor geraumer Zeit an das Weidener Unternehmen „WIV Immobilien“ verkauft.

Die WIV ist spezialisiert „auf die schlüsselfertige Erstellung von Immobilien im gewerblichen Bereich“. In einer eigenen Präsentation stellt WIV-Chef Michael Fritsch am Sonntag seine Pläne für ein „nachhaltiges Nahversorgungszentrum“ vor. Ein Supermarkt, ein Discounter, ein Drogeriemarkt und ein „Entertainment-Center“ (Bowling, Internet-Cafe, Fast-Food-Restaurant) mit insgesamt knapp 4.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen demnach entstehen. Eine Dimension, die weit über dem liegt, was das Stadtplanungsamt für verträglich erachtet; selbst im Stadtrat war zuletzt von maximal 3.000 Quadratmetern die Rede gewesen.

Am Sonntag gibt es dagegen Zuspruch von der Politik. „Anders rechnet sich so etwas doch nicht“, weiß SPD-Fraktionschef Hartl. Fritsch hätte nun gern noch „ein Geschäft im Haushaltsbereich“ und eine Waschstraße im Sondergebiet. „Dazu braucht es mehr Fläche. Da müssen wir mit der Politik reden.“ Auch hier zeigt Hartl sich im Namen der SPD-Fraktion gesprächsbereit. Von der Stadtverwaltung ist kein offizieller Vertreter vor Ort, um deren Standpunkt zu erläutern. „Wozu denn?“, sagt ein hochrangiger SPD-Vertreter bei einer Rauchpause. Und der Einwand eines Zuhörers, dass ein so großes, einzelnes Nahversorgungszentrum für viele nicht zu Fuß erreichbar sei, ist vergleichsweise schnell abgehandelt. „Einen Tante-Emma-Laden baut ihnen heutzutage keiner mehr“, sagt Hartl.

Vergleichsweise zügig werden auch die sozialen Aspekte der Entwicklung im Stadtosten abgehakt. Sozialbürgermeister Joachim Wolbergs stellt den im Juli beschlossenen Bau eines Jugendtreffs im Stadtteil Hohes Kreuz vor, Altoberbürgermeisterin Christa Meier übernimmt es, die Pläne für eine Ganztagsgrundschule im Stadtteil zu erläutern. Das hat zwar allenfalls am Rande mit den Plänen von Investor Schmack zu tun, aber es passt irgendwie hierher und macht sich im Rahmen der SPD-Veranstaltung ganz gut.

Was die soziale Gestaltung der „grünen City“ betrifft, ist am Sonntag außer Schlagworten noch relativ wenig zu erfahren. Eigentumsbildung soll, so Schmack, die Verantwortung des Einzelnen für den öffentlichen und halböffentlichen Raum stärken. Das Projekt einer Baugenossenschaft, das „fast in trockenen Tüchern“ sei, soll der demographischen Entwicklung und zukünftigen „Sonderwohnformen“ Rechnung tragen. Zudem werde die Gestaltung der Flächen in „Bereiche, wo man sich begegnen muss, Bereiche, wo man sich begegnen kann und Bereiche, die privatissimo sind“ das anonyme Nebeneinander zu einem gewissen Grad „verunmöglichen“.

Eines stellt Schmack unter dem Beifall der Anwesenden noch heraus: „Am Hohen Kreuz gibt es eine Haltung zum öffentlichen Raum, die nicht hinnehmbar ist.“ Da würden öffentliche Flächen vermüllt, da werde sich nicht gekümmert. „Wer nicht begreift, dass das nicht geht, ist kein wichtiges Mitglied der Gesellschaft, sondern jemand, der das Viertel runter zieht.“ Schmack sagt dies mit Blick auf die ebenfalls von ihm erworbene, 25.000 Quadratmeter große Schäferwiese. Da sonst nichts helfe, werde diese Fläche Wiese so weit wie möglich privatisiert, kündigt er an. Gemeinsam mit einem Discotheken-Betreiber hat Schmack eine eigene GmbH gegründet, die auf der Schäferwiese einen „Erlebnispark“ plant. Eine „super Sache“, vermutlich.

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Kommentare (9)

  • Franz

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    Entertainment-Center mit Bowling (das ist sooooo 1986), Internet-Café (die gibt es doch, seit es in jedem Café, Schuhgeschäft und Supermarkt ein offenes WiFi-Netz gibt, gar nicht mehr) und Fast-Food-Restaurant (stimmt, der Frank Mosher hat, nachdem er 2011 McDonalds Pentling und McDonalds Regenstauf eröffnet, 2012 wieder Geld zum investieren)? Super. Das ist das Spitzen-Entertainment, das der Regensburger Bürger will und -vor allem- verdient!

  • Veits M.

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    Stichwort: „Nachhaltiges Nahversorgungszentrum“

    Der Zukunft zugewandte Investoren arbeiten an den Paradigmen der Nachhaltigkeit – http://www.nachhaltigkeit.at/ – schon lange, siehe auch diesen LINK – http://aktionboss.de/der-weg-zum-zero-emission-park

    Auch Herr Schmack hat die Regeln der Nachhaltigkeit verinnerlich: Ich wünschte mir, dass deren geplante Umsetzung nachvollziehbar sprich transparent kommuniziert würde – ein weites Feld, für Stadtverwaltung, Investoren und Bürgerschaft. Gewiss. Aber unumgänglich.

  • Neuromancerro

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    Was ist denn das bitte für ein Sozialfaschismus?
    Klingt nach nem Ghetto a la Schmack.
    Was passiert mit dem rest des Geländes.
    Ach, wen scherts Hauptsache wir haben „Sonderwohnformen“!

  • peter sturm

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    „ist kein wichtiges Mitglied der Gesellschaft“

    kategorisierungen dieser art stehen einem investor nicht zu.

  • RuhigBlut

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    … aber einem Bürger dieser Stadt, dem als Investor genau deswegen i.Ü. ein erheblicher Schaden entsteht!

  • gifthaferl

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    Schon klar, einem Investor entsteht durch Kinder und Jugendliche, die vollkommen unüberwacht spielen – bisher jedenfalls konnten sie das auf eben jener Schäferwiese – und mal eigenständig noch mit ungeschleckter Natur umgehen, ein immenser Schaden – die bezahlen nicht für’s „gelenkte“ Spielen, eine wirkliche Seltenheit heutzutage………….DAS muss sich wirklich ändern!

    Dann hoffen wir mal, dass es zukünftig noch genug gutverdienede Singles und Pensionäre gibt, die dieses „Zukunftsquartier“ zwar bewohnen, von denen aber ansonsten nichts zu hören und zu sehen ist!

    Gesockse, welcher Art auch immer, das etwa vollkommen unsinnig im Viertel rumläuft, und Sozialquatsch, wie etwa die anderen Bewohner kennenlernen, ratschen, dumm gucken, spielen einfach so, ohne zu bezahlen haben möchte, das wird die Struktur dieses „Zukunftsquartiers“ ganz von selber zu verhindern wissen.

    Genau das – nämlich nix – kann man in etlichen Vierteln ja schon lange bewundern.

    Ach, ein Bestattungsinstitut ansiedeln, das sollte der „Investor“, oder besser gesagt der private Stadtabwickler, nun wirklich nicht versäumen – siehe „Sonderwohnformen“!

  • Eduard Buchinger

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    an@all ;-)

    Auch wenn der „Privatissimo und Planungspapst“ Herr Martin Schmack zu dem auch noch beim katholischen Arbeitgeberverand eingetragenes Mitglied ist. Sagt solches noch lange nichts über seine Nachhaltigkeit im Sinne einer transparenten Informationspolitk bezüglich seines hier beschriebenen Projektes auf dem Areal der ehemaligen Zuckerfabrik Regensburg, ….aus!
    Viel mehr würde mich als Bürger dieser Stadt die Bodenbeschaffenheit, dass will heißen: eine hoffentlich nicht vorhandene Kontamienierung mit wo möglichen Altlasten, wie es bei solchen Industriegeländen öfters der Fall ist, nachhaltig interessieren.
    Mich nervt die ständige Lobhudlerei in dieser Angelegenheit von der politischen Rechten bis zur kommunalen Linken, Herr Schmack soll endlich mal diesbezüglich Rede und Antwort stehen!

    Frage: ist der zu bebauende Boden des Areals der Zuckerfabrik Regensburg nebst dem nördlichen Rübenhof mit schädlichen Industriestoffen wie z.b Quecksilber, Calium, Teere, Aspest oder anderen Schwermetalllen belastet?
    Wenn dies bedauerlicher Weise der Fall sein sollte bitte ich um aufrichtige und nachhaltig transparente Auskunft durch den Investor und derzeitigen Eigentümer Herrn Martin Schmack bezüglich der/seiner weiteren Vorgehensweise.

    Mit besten Grüßen :)

  • Zuckerfabrik: Bebaungsplan beschlossen | Regensburg Digital

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    […] In „erstaunlich kurzer Zeit“ habe man dieses Vorhaben nun so weit gebracht, so Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Vor vier Jahren hat die Ferdinand Schmack jr. GmbH den Erwerb des insgesamt rund 60 Hektar große Ar….Werbung […]

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