Stadt kauft ehemaligen BOSCH-Markt

4,4 Millionen für ein halbes Hektar

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Die Stadt Regensburg hat den ehemaligen BOSCH-Markt im Stadtosten gekauft – zu einem stolzen Preis.

Die Gebäude des früheren BOSCH-Marktes wurden bislang für einen Hallenflohmarkt genutzt. Fotos: as

Die Gebäude des früheren BOSCH-Marktes wurden bislang für einen Hallenflohmarkt genutzt. Fotos: as

Bislang hatte die Stadt Regensburg, wenn man es so ausdrücken will, immer das Nachsehen. Im Osten von Regensburg, dem Gebiet mit dem derzeit größtem Entwicklungspotential für Wohn-, Freizeit- und Gewerbeflächen kamen bei den wichtigsten Flächen durchweg andere zum Zug.

Den Kauf des Areals der ehemaligen Zuckerfabrik versemmelte Oberbürgermeister Hans Schaidinger: alle 60 Hektar, die zum Verkauf standen, gingen an Schmack Immobilien. Das ehemalige LERAG-Gelände sicherte sich eine Entwicklungsgesellschaft (unter Beteiligung des altbekannten Immobilien Zentrum Regensburg), seit 2015 läuft das Bebauungsplanverfahren für die insgesamt 44 Hektar große Fläche. Das Areal des ehemaligen Schlachthofs, immerhin noch sieben Hektar, verscherbelte die Stadt Regensburg lieber zum (offiziell nicht bestätigten) Schnäppchenpreis von 2,6 Millionen an die C.A. Immo anstatt es selbst zu entwickeln oder entwickeln zu lassen.

830 Euro pro Quadratmeter Gewerbefläche

Doch nun scheint ein Sinneswandel bei der Stadt eingetreten zu sein. Bei einer ebenfalls zum Verkauf stehenden Fläche hat man zugeschlagen und sich – mit Zustimmung der Stadträte des Grundstücksausschusses – die Fläche des ehemaligen BOSCH-Marktes an der Guerickestraße 35 gesichert. Anfang Juli wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. Demnach zahlt die Stadt 4,4 Millionen für das rund 5.300 Quadratmeter (0,5 Hektar) große Grundstück, das direkt an den Bahngleisen liegt und laut Flächennutzungsplan derzeit als Gewerbefläche ausgewiesen ist.

Verhandlungen über eine Anmietung der Gebäude durch die Stadt führten zu keinem Ergebnis.

Verhandlungen über eine Anmietung der Gebäude durch die Stadt führten zu keinem Ergebnis.

4,4 Millionen Euro sind ein durchaus stolzer Preis – nicht nur, wenn man bedenkt, für welche Summe die Stadt selbst das ehemalige Schlachthof-Areal veräußert hat. Laut der Bodenrichtwerttabelle vom Dezember 2016 liegt der „durchschnittliche Lagewert“ für Gewerbegrundstücke in diesem Gebiet bei 180 Euro pro Quadratmeter, der Quadratmeter Wohnbauland in dieser Lage wird mit 400 Euro pro Quadratmeter beziffert. Bezahlt hat die Stadt aber rund 830 Euro pro Quadratmeter, inklusive Bauten, die im Zuge einer künftigen Nutzung des Areals wohl noch abgerissen werden müssen.

Nun sind Bodenrichtwerte nicht verbindlich. „Sie bilden jedoch die Grundlage für Zwecke der steuerlichen Einheitsbewertung des Grundbesitzes zum jeweiligen Hauptfeststellungszeitpunkt“, heißt es dazu bei der Stadt Regensburg. Auch ist es nicht ungewöhnlich, dass Kommunen von Grundstückseigentümern mit Verhandlungsgeschick oft stärker zur Kasse gebeten werden (können) als mancher Private, so ein Insider gegenüber unserer Redaktion. „Es kann auch ein, das schon ein interessierter Bauträger bereits ein entsprechend hohes Angebot für die Fläche gemacht hatte, das die Stadt toppen musste, weil sie das Areal unbedingt braucht.“ Ein Kaufpreis, der den Bodenrichtwert aber um mehr als das Viereinhalbfache übersteigt sei aber doch eher außergewöhnlich.

Fläche für „Urbanes Wohnen“?

Die Frage ist, was die Stadt Regensburg auf diesen Flächen plant. In der Vergangenheit hatte man mit den bisherigen Eigentümern zunächst über eine Anmietung der Gebäude verhandelt, in denen bislang jeden Samstag ein Hallenflohmarkt stattfand. Selbst ein externer Investor wurde offenbar in diese Gespräche eingebunden, die augenscheinlich scheiterten und nun in den kompletten Kauf des Areals gemündet sind.

Der stolze Preis lässt zumindest schwer vermuten, dass die Stadt hier Wohnbebauung plant. Die vom Bund neu geschaffene Kategorie „Urbane Gebiete“ böte mit ihren Lockerungen bei Bebauungsdichte, Gebäudehöhe und Lärmschutz durchaus Möglichkeiten, auch auf der vergleichsweise kleinen Fläche einige Wohnungen in höheren Gebäuden unterzubringen. Mit entsprechenden Plänen rechnen zumindest Stadträte, die wir dazu befragt haben.

Von der Ausweisung als „Urbanes Gebiet“ könnten zu guter Letzt auch die Investoren auf dem LERAG-Gelände profitieren. Auch dort gibt es einige Flächen entlang der Bahngleise, deren Bebauung in einem solchen Fall lukrativer werden würde.

Wir haben die Stadt zu ihren Plänen mit dem frisch erworbenem Grundstück befragt und werden weiter darüber berichten.

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Kommentare (8)

  • Fritz v. Achtern

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    Da waren offensichtlich wieder Profis am werkeln.

  • Mr. T

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    Wo ist da das Problem? Weiss doch jeder Schacherer, dass Ankaufs- und Verkaufspreis immer unterschiedlich sind. Da wird sich schon ein Bauträger finden, der der Stadt die Last zum viertelten Richtpreis wieder abnimmt.

  • Angelika Oetken

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    Kommentar gelöscht. Bitte bleiben Sie beim Thema.

  • erich

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    ist der Ruf erst ruiniert, kauft es sich ganz ungeniert!

  • hutzelwutzel

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    Kann man als Bayern fremdes Unternehmen nun in Regensburg überhaupt noch investieren, oder muß man sich die Grundstücke erst von „Einheimischen“ zurückkaufen?
    Langsam erinnert dies an das bekannte „Monopoly-Spiel“, und es stellt sich die Frage ob dies mit den geltenden Wettbewerbsgrundsätze vereinbar ist.
    Vielleicht sollte man mal die Kartell- und Wettbewerbsbehörden darauf aufmerksam machen, denn die Bezirksregierung scheint es wirklich nicht zu „schnallen“.
    Wartet mal ab, wenn Regensburg von der EU eine vor den Latz geknallt bekommt. ;-)

  • Lothgaßler

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    Na, da bin ich ja mal gespannt, was daraus werden soll. Die 4,4 Millionen für ein Grundstück samt Abrissimmobilie sind schon mal eine Menge Geld. Eigentlich wäre es ein schöner – derzeit etwas runtergekommener – Gewerbepark für kleinere Betriebe.

  • Jürgen

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    @Lothgaßler:
    … nicht zu vergessen was sich neben dem Abriss noch an Altlasten im Boden befinden könnte. Das kann (noch) teurer werden.

  • joey

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    urbanes Gebiet: die Hoffnung, daß die Wollmilchsau das große Wohnungsproblem löst, in Wirklichkeit nur Kaschierung von Ratlosigkeit.

    Dann kommt bald ein Entwurf für ein Wohnhochhaus? Warum soll man alte Fehler nicht nochmal machen?

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