„Papierlose Ratsarbeit“

Stadträte sollen iPads bekommen

Kilobyteweise Daten statt kiloweise Papier – im Regensburger Stadtrat sollen moderne Zeiten einziehen. Deshalb sollen die Stadträte mit Tablets und Software von Apple ausgestattet werden. Derzeit befindet man sich aber noch in der internen Findungsphase.

Plenum Stadtrat

Norbert Hartl hat schon eins und Joachim Wolbergs sowieso, auch der eine oder andere CSU-Stadtrat daddelt gelegentlich darauf herum und dass Piratin Tina Lorenz – Datenschutzbedenken mal außen vor – damit umgehen können dürfte, versteht sich von selbst: Die Rede ist von einem iPad. Im Regensburger Stadtrat sollen nämlich moderne Zeiten einkehren. „Papierlose Stadtratsarbeit“ lautet das Stichwort. Statt kiloweise Papier sollen künftig nur noch kilobyteweise Daten verschickt werden. Zu diesem Behufe hat die Verwaltung die Anschaffung von Apple-Tablets für die Räte geprüft.

1.000 Euro pro Jahr und Stadtrat?

Für Leasingraten, Verschlüsselungssoftware, Apps, um auch digital in den Unterlagen zu kritzeln, und Wartung rechnet die Stadt – unbestätigten Informationen zufolge – mit etwa 1.000 Euro an jährlichen Kosten – pro Stadtrat. Das klingt nach einer realistischen Schätzung, in der auch Unvorhergesehenes eingeplant ist.

Zum Vergleich: In Nürnberg – dort wird die papierlose Stadtratsarbeit derzeit in einem begrenzten Modellversuch erprobt – rechnet man mit rund 700 Euro pro Jahr und Stadtrat. In der Stadt Burg (bei Magdeburg), wo die Einführung letztes Jahr beschlossen wurde, lagen die Schätzungen pro Nutzer um 200 Euro niedriger.

Frage nach den Kosten bleibt unbeantwortet

Um vernünftig arbeiten zu können, müssten neben den Stadträten aber zumindest auch die wichtigsten Amtsleiter und Referenten – insgesamt gibt es in der Stadt Regensburg rund 40 Ämter und Dienstellen – mit Geräten und Software ausgestattet werden. Nun kommt es ganz darauf an, welche Ämter wie ausgestattet sind und wie dort derzeit gearbeitet wird. Bereits jetzt sind die öffentlichen Stadtratsvorlagen für jedermann online abrufbar. Unter Umständen braucht es auch nur ein paar Ersatzgeräte für die Sitzung.

Ein gutes Kilo Papier: Die Unterlage für den nächsten Verwaltungsausschuss am kommenden Donnerstag.

Ein gutes Kilo Papier: Die Unterlage für den nächsten Verwaltungsausschuss am kommenden Donnerstag.

Leider müssen wir darüber spekulieren. Die Stadt lässt unsere Frage nach den Kosten nämlich unbeantwortet. Die Angelegenheit befinde sich derzeit noch in der Diskussionsphase, heißt es von der Pressestelle. Die Stadträte sollen mitteilen, ob sie „zukünftig die Sitzungsunterlagen elektronisch oder weiterhin über den Postweg zugestellt haben möchten“. Mindestens 25 Stadträte müssten das Angebot annehmen. Anschließend werde „eine endgültige Entscheidung gefällt“.

Zwölf Stadtratssitzungen pro Jahr fällen eine Fichte

Freilich hätte die Umstellung auch Einsparungen zur Folge. Allein die jährlichen Druckkosten für Sitzungsunterlagen werden von der städtischen Pressestelle auf rund 30.000 Euro beziffert. Das Porto fürs Verschicken der Unterlagen, die angesichts ihres Gewichts meist als Päckchen versandt werden, ist da noch nicht mitgerechnet.

Ein anderer Aspekt: Allein die Unterlagen der großen Plenarsitzung die allmonatlich an 50 Stadträte, drei Bürgermeister und zusätzlich noch einmal an jede Fraktion verschickt werden, wiegen selten weniger als ein Kilo – macht fast 800 Kilo Papier pro Jahr. Pro Kilo Papier werden gut zwei Kilo Holz verbraucht – macht rund 1.600 Kilo, das Holzgewicht einer gut gewachsenen Fichte mit über 25 Metern Höhe (Quelle), allein für die zwölf Stadtratssitzungen, die verschiedenen Ausschüsse noch nicht mitgerechnet. Da hat mancher langjährige Stadtrat, selbst wenn man mit Recyclingpapier kalkuliert, schon ein kleines Wäldchen auf dem Gewissen…

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Kommentare (14)

  • Horsti

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    Oje, die arme Fichte. Dann lieber auf die ressourcenschonenden und menschenfreundlichen regionalen Öko-Produkte der Firma Apple setzen.

  • Der Dunkle

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    Jaja… Apple … Den Hals noch in der Microsoftschlinge was die Verwaltung angeht legt man sich jetzt noch Applefesseln ums alte Gelenk. Open Source Lösungen würde es geben – aber die wären ja billiger und sicherer … Aber gut – so sans – so werdens immer bleiben

  • Veronika

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    Mein bescheidener Vorschlag: Gebt jeder/ jeden ein Schneidtablett aus Eiche, ein schönes Messer und 12 Hendl-Gutscheine. Was werden die sonst mit so neumodischem Zeugs alles anstellen. Welche Folgekosten wird dies zeitigen??? ;-)

  • Hans

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  • Mr. T

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    Tablets können als reine Lesegeräte Papier gut ersetzen; arbeiten an sich kann man nicht damit. Mehr als mal ne E-Mail tippen ist nicht drin. Dann aber bitte kein System auf iOS-Basis. Vor allem aus Sicherheitsgründen wäre hier ein Linux-basiertes System erste Wahl.

  • bernd

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    Die Sitzungsunterlagen einfach per PDF digital zu verteilen wäre langweilig?

    Und wieso brauchen die Ämter auch Ipads? Ist die Rumkritzel-Software bzw. deren Daten etwa proprietär und kann nur vom Ipad und nicht vom normalen Bürorechner aus verwendet werden?

  • Günther Edelmann

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    Hauptsache Geld wird rausgeworfen. 1000 EUR pro Jahr und Stadtrat??? Als Leasingkosten???

    Für den Betrag kann ich jedem Stadtrat 2 Ipads kaufen! Dann bleibt es bei einer einmaligen Zahlung.

    Wieso nicht einfach: Jedem Stadtrat die Möglichkeit geben, die Unterlagen per Mail als pdf-Datei zu erhalten. Kostenpunkt: nichts. Das Format wäre auch für jeden lesbar.

    Wolli will sich doch nur durch großzügige Zuwendungen die Gunst der Stadträte erwerben. Es hat schon seinen Sinn, dass Stadträte – anders als Abgeordnete – keine Büroausstattung erhalten. Diesen Unterschied der ehrenämtler zu den Berufspolitikern macht Wolli dahin. Und das auf Kosten der Bürger und Steuerzahler.

    Mach weiter so Wolli, dann sind wir bald pleite.

    Erschreckend auch, dass sich in der CSU, die den Wolli sonst wegen jeder Ausgabe angreift, kein Widerstand entsteht. Verwunder aber nicht, die bekommen ja auch ein IPad.

  • Thomas

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    „Mach weiter so Wolli, dann sind wir bald pleite.“

    Ja, das IPadgate läutet den finanziellen Ruin Regensburgs ein. Angeführt von Wolli, dem Steuergelderverprasser. Wo ist die CSU, wenn man sie braucht, nicht wahr? Die würden weiterhin Waschtröge voll Papier per Post versenden, so wie früher. Da war eh alles besser.

  • Roswitha Paul

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    Ipad. Wenn auch schon etwas älter, aber immer wieder schön.

  • Tobias

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    Unfassbar. Studenten finden keine Wohnung, aber für „Flüchtlinge“ wird sofort die Kaserne samt Anbau in die Wege geleitet für zig Millionen. Für die Schüler mit wenig Mittel wird das Einkaufen der Materialien schwerer, Bewerbungsmappen nicht mehr voll erstattet. Aber für die Bonzen der Stadt iPads? Das sind, und das wissen wir alle, nicht mehr als teure Lifestyle-Spielzeuge. iOS ist unsicher und von Apple kontrolliert. Es geht bloß um „Coolness“. Wie ich unsere Stadtregierung hasse…

  • Johann

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    Ist die Produktion von iPads ökologisch verträglicher als die Produktion von Papier? Ein IPad ist sicher ein Lifestyle-Produkt. Es kann viel – vor allem Sachen, die Spaß machen. Es ist sicher nicht die erste Wahl als reines Unterlagenlesewerkezug. Wer kommt denn auf so eine Idee?
    Und bevor da plötzlich mit Papier einsparen begonnen wird, könnte die ganze
    Stadt zuerst mal auf papierlosen Büro umstellen – wie es viele Unternehmen und mindestens eine Stadttochter schon getan haben. Haben ja alle Rechner im Zimmer stehen. Klappt auch ganz ohne einem teuren Apple Geschenk. Im Übrigen, wie viele Vorredner schon geschrieben haben: zum elektronisch Lesen brauchst kein IPad. Da reicht ein PDf.

  • Lothgaßler

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    Warum iPad, warum Leasing? Auf dem iPad DIN-A3 Pläne oder hunderte Seiten Akten ansehen, ein Lacher! Ausgerechnet die zumeist älteren Damen und Herren im Stadtrat wollen sich mit kleinen Bildschirmen, kleinen Schriften und wenig Komfort abquälen, warum!? Die Volllizenz für Adobe, zur PDF-Bearbeitung allein und im Team mit Nutzung der Cloud, dürfte die Stadt ohnehin schon haben. Wenns nicht Adobe sein soll, dann findet sich auch etwas aus der OpenSource-Ecke. So gut wie jeder Stadtrat dürfte über Laptop und Lederhose bzw. Dirndl verfügen. Ein ausreichend gutes Laptop (samt Verschlüsselung und sonstiger Sicherheit) kostet weit unter den oben veranschlagten 1.000 Euros.
    Davon abgesehen sollte überlegt werden, ob das Unternehmen Apple ob seiner anwenderunfreundlichen Designentscheidungen (z. B. Akku), seiner zweifelhaftn Ethik (Produktionsverhältnisse in China) und seiner Steuermoral (jedes Schlupfloch nutzend um Steuern zu „sparen“) überhaupt zum Zuge kommen soll.

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