RVV schaltet auf stur

Steht das Semesterticket vor dem Aus?

Die Verhandlungspositionen sind festgefahren: Im Streit um das Semsterticket bewegen sich RVV und Hochschulen nicht wirklich aufeinander zu. In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben nun Vertreter von Uni und Hochschule auf den Nutzen des Semestertickets für die gesamte Region hingewiesen. Doch wenn es ums Geld geht scheint dieser Region das Ticket nur wenig wert zu sein.

Die Verhandlungspositionen sind verhärtet: Fährt das Semesterticket an die Wand? Foto: Archiv/ Staudinger

Dass er der „Vater des Semestertickets“ sei, sagt Oberbürgermeister Hans Schaidinger nicht nur selbst, dieses Prädikat verleiht ihm auch Gerlinde Frammelsberger vom Studentenwerk. Jetzt ist das 1998 eingeführte Ticket 14 Jahre alt und urplötzlich in die Pubertät gekommen – es will nicht mehr so, wie Vati es gerne hätte. Und sieht man die Fronten, die sich da gegenüberstehen – auf der einen Seite Uni und Hochschule von der Führung über das Studentenwerk bis hin zu den Studierenden, auf der anderen Seite der RVV und der Oberbürgermeister – kann es durchaus sein, dass das bayerische Vorzeigeprojekt nun vor dem Aus steht.

RVV: „Wir wollten nie einen Einheitspreis.“

Im Wesentlichen stehen sich zwei Positionen gegenüber: Der RVV will für das Ticket mehr Geld und begründet dies in erster Linie mit höheren Abgaben an die Bahngesellschaften, deren Angebote mit dem derzeit 49 Euro teuren Semesterticket genutzt werden können. Mindestens 67 Euro sollen es – inklusive einer nicht näher bekannten allgemeinen Preiserhöhung – schon sein, meint der RVV. Weil laut Wissenschaftsministerium das Ticket nicht mehr als 63 Euro kosten darf, will der RVV nun diesem einheitlichem Preis ein Ende setzen. 49 Euro kostet das Ticket dann nur noch im Stadtgebiet. Für die anderen Tarifzonen soll bei Bedarf zusätzlich gezahlt werden – zwischen 45 und 430 Euro pro Semester. Die Haltung, die RVV-Geschäftsführer Karl Raba bereits seit Juli vertritt, bekräftigt er auch am Telefon: „Wir müssen kaufmännisch rechnen und wollten ja nie einen Einheitspreis. Jetzt muss das Geld irgendwo her kommen. Und die Bereitschaft der beteiligten Kommunen, für Studenten öffentliches Geld in die Hand zu nehmen, ist nicht besonders groß, wenn man bedenkt, dass Lehrlinge mehr zahlen müssen.“ Erst vor wenigen Tagen hat auch Oberbürgermeister Hans Schaidinger via Pressemitteilung diesen Vorschlag als „eine günstige Alternative für Studierende“ gepriesen, „die sich keine eigene Wohnung in Regensburg leisten können oder leisten möchten“.

Schulterschluss: Am Mittwoch demonstrierten die Vertreter von Hochschule, Universität und Studentenwerk Geschlossenheit bei den Verhandlungen um das Semesterticket. Foto: as

Auf der anderen Seite stehen Universität und Hochschulen (offizieller Verhandlungspartner ist das Studentenwerk). Sie haben sich am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz erstmals öffentlich zu Wort gemeldet. Der Vorschlag von dort: 59 Euro pro Semester, eine Steigerung um 20 Prozent für alle insgesamt rund 30.000 Studierenden an Universität und Hochschule.

Hochschulen: „Das Solidarprinzip darf nicht angetastet werden.“

Die vom Oberbürgermeister und dem RVV ins Spiel gebrachte Staffelung lehnt man rundweg ab. „Das Solidarprinzip beim Semesterticket darf nicht angetastet werden“, so Unirektor Professor Thomas Strothotte. Jeder zahle das Gleiche: Ob er nun zu Fuß zur Uni gehe oder aus Neumarkt mit dem Zug komme. Das sei auch von den Studierenden so akzeptiert. Auch sei es schwierig, zu verhandeln, wenn die Berechnungen des RVV – wie in der Vergangenheit – nicht transparent und nachvollziehbar seien. Noch im November 2011 etwa hatte der RVV gegenüber dem Studentenwerk erklärt, dass die 49 Euro ausreichend seien – inklusive der zusätzlichen Buslinien zu Stoßzeiten. Mit 59 Euro komme man dem RVV ohnehin schon sehr weit entgegen so der studentische Sprecher Ssam Mardi. Tenor der Erklärungen von Strothotte, seinem Kanzler Dr. Christian Blomeyer, Hochschul-Präsident Professor Wolfgang Baier, den Studierendenvertretern und Gerlinde Frammelsberger: Das Semesterticket nutze der gesamten Region und dürfe nicht – wie vom RVV und dem Oberbürgermeister getan – auf eine Verhandlung zwischen Studierenden und RVV reduziert werden, mit der sonst niemand etwas zu tun habe. „Bei rund 10.000 Studierenden, die ihren Wohnsitz außerhalb von Regensburg gemeldet haben, reduziert das Semesterticket nicht nur den den Druck auf den Wohnungsmarkt, sondern auch die Verkehrsbelastung in und um Regensburg“, so Mardi.

Mangelnde Verteilungsgerechtigkeit im Verbund?

Kanzler Blomeyer rechnet darüber hinaus vor, dass die Bahnunternehmen bereits seit Jahren einen höheren Anteil des Semestertickets bekommen müssten. Für die Erweiterung auf Amberg etwa habe es eine Preiserhöhung von damals 42 auf 46 Euro gegeben. Die seien allerdings komplett in die Kassen der Regensburger Verkehrsbetriebe und nicht der Bahnunternehmen geflossen. Seit 2008 hätten laut Blomeyer neun statt sieben Euro pro Ticket, seit 2011 11,50 Euro an die Bahngesellschaften weitergereicht werden müssen. „Die ungerechte Verteilung innerhalb des Tarifverbunds kann aber jetzt nicht auf die Studierenden abgewälzt werden“, so Blomeyer. Aussagen des Kanzlers, die einem aus Kreisen der Bahnunternehmen bestätigt werden – offiziell schweigt man dazu allerdings.

RVV: „Wenn unser Angebot nicht angenommen wird, haben wir ein Problem.“

Ungeachtet dessen werden sie von Raba bestritten. So etwas zu behaupten sei „schon ein starkes Stück“, meint der RVV-Geschäftsführer. „Die Zahlen zur Preisstaffelung waren intern und wir wären nie damit an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt Raba. Auch sei die Zahl von 10.000 Betroffenen „viel zu hoch“. Es seien „weit weniger“. Wie viele es allerdings seien, könne man nicht genau sagen, das könne man „nur kalkulieren“. Eine konkrete Zahl nennt der RVV-Geschäftsführer nicht. Ansonsten schaltet er auf stur: „Wir haben Verhandlungspartner, denen wir ein Angebot unterbreiten, dass kaufmännisch durchgerechnet ist. Wenn die das aber nicht annehmen, dann haben wir ein Problem.“

Landräte gegen RVV-Vorschlag

Rückendeckung erhalten die Hochschulen mittlerweile von den Grünen im Stadtrat, der Landtagsabgeordneten Margit Wild (SPD) und vor allem von Politikern aus der Region. Die Landräte von Cham, Neumarkt und Schwandorf wenden sich gegen teure Tickets für Studierende aus den umliegenden Landkreisen. Ebenso der Regensburger Landrat Herbert Mirbeth, der Zustimmung für den 59-Euro-Vorschlag des Studentenwerks signalisiert. „Wenn es für die Studierenden aus Regensburg keine Preiserhöhung gibt, aber fast alle Studenten, die im Landkreis wohnen, teils kräftige Aufschläge hinnehmen müssen, dann ist dies nicht akzeptabel“, so Mirbeth.

Die Führungsspitze im Aufsichtsrat des RVV ist sich uneins: Vorsitzender ist Landrat Herbert Mirbeth, sein Stellvertreter OB Hans Schaidinger. Foto: Archiv

Das dürfte für Zündstoff bei der Aufsichtsratssitzung des RVV am 17. Oktober sorgen. Dort ist Mirbeth derzeit Vorsitzender, Stellvertreter ist Hans Schaidinger. Am 17. Oktober wird das Gremium sich – zum übrigens ersten Mal – mit der Preiserhöhung fürs Semesterticket befassen und auch mit der Frage, was die Aushängeschilder Universität und Hochschule der Stadt und Region Regensburg nun tatsächlich wert sind.

RVV: „Der Freistaat tut zu wenig für den ÖPNV.“

Gefordert wäre laut Raba allerdings auch der Freistaat. Semestertickets sind in Bayern eine Rarität. Abseits von Regensburg gibt es das nur noch in Würzburg. „Wenn da immer auf Beispiele wie Freiburg verwiesen wird, muss man schon einmal erwähnen, dass der ÖPNV dort im Gegensatz zu Bayern weit stärker gefördert wird“, so Raba. In Regensburg etwa, wo der Freistaat den Ausbau und steigende Studierendenzahlen stets gefordert und gefördert hat, erhalte der RVV nur Ausgleichszahlungen auf Basis der Studierendenzahlen von 1998.

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Kommentare (14)

  • Torsten

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    Was hams denn für ein Problem? 10€ mehr für alle, keine Staffelung und dafür wird die taktung von 5 auf 10 minuten erhöht. das bringt keinen um und die fixkostenlast ist gleichzeitig auch geringer.
    was natürlich vor allem leute wie mich überzeugen würde, wäre mal eine schrittweise auflistung, wie der rvv kalkuliert und auf seinen preis kommt…

  • Gondrino

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    Transparenzbei einem öffentlichen Betrieb? Nicht mit diesen Akteuren. Nicht mal die Stadträte erhalten Einblick.

  • Der Barbier aus Sevilla

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    @Stefan Aigner: Auch in Augsburg gibt es ein Semesterticket! Wir zahlen hier 48,40€ (http://www.uni-augsburg.de/einrichtungen/studentenkanzlei/beitraege/semesterticket/). Und meines endet am Stadtrand.

    @Torsten: Wenn die Taktung zu St0ßzeiten von 5 auf 10 Minuten erhöht wird, dann kommen innerhalb einer Stunde nur noch die Hälfte aller Menschen von zuhause zur Arbeit/Uni! Und zumindest bis vor 2 Jahren waren die Busse zu den Stoßzeiten teilweise schon überlastet.

  • Matthias

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    Ist ja klar… für ne Bushaltestelle vor der Uni sind 2 Millionen Euro überhaupt kein Problem, denn damit kann sich jemand ein schönes Denkmal setzen… Aber 200.000 € (20.000 Studenten * 10 Euro) zusätzlich für das Semesterticket sind jetzt unmöglich machbar…

    Hätten die halt als Bushaltestelle nicht nen Prunkbau hinstellen sollen, dann wäre das Semesterticket noch auf Jahre hinaus finanziert.

    Aber ist ja so: Bei der Eröffnung eines solchen Bauwerks können sich die Politiker schön in Szene setzen beim Durchschneiden des Bändchens, und alle Zeitungen bringen kostenlose PR. Aber die Unterstützung fürs Semesterticket bringt halt nix, ergo uninteressant…

  • Oje...

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    Geniales Foto!!! Passt zum Text wie die Faust aufs Auge. Gratuliere!

  • Captain Chaos

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    Wie der Herr, so´s Gscherr,

    der OB eifert doch nur unserer Landesregierung nach.
    Wenn kann man heranziehen, um Haushaltslöcher (sprich Bayern LB) zu stopfen?
    Kann sich diese Randgruppe wehren, bzw. hat sie eine starke, schwache oder gar keine Lobby?
    Sind dies immer die gleichen Personen oder fluktuiert ihre Menge, aber erhöht sich die Anzahl?
    Ergebnis: Studenten.

    So oder so ähnlich. Ich habe in Rgbg studiert und habe das Semesterticket gut genutzt. Nach dem Studium zog ich in mehrere Städte Bayerns ein und bin letzt endlich für eine kurze Zeit jetzt wieder in Rgbg. Im Gegensatz zu Rgbg haben mich zwei Städte doch sehr überrascht. Weiden und Marktredwitz. Beide Städte reißen sich in Sache ÖPNV den Ar+++ auf. Marktredwitz gab sogar eine Willkommensparty für die Leute mit meinem Beruf. Rgbg hingegen nicht. Diese Stadt, repräsentiert durch ihre Verwaltung und ihres OB zeigen mir damit, dass ich ihnen egal bin. Bitte hier wohnen und nur zahlen. Somit hat der Herr OB wohl zu viele Bürger ins einer Stadt und die scheinen ihm beim seinen Versuchen zu Verwalten un zu glänzen zu stören. Er hat ja alles, was er braucht: Viele Denkmäler (Karmelitenhof, altes Schlachthaus, Uni-Bushaltestelle, ein Denkmal am Bahnhof (RKK)). Einen „Erbschaftsstreit in der CSU“, womit er dann das gute Vorbild aus vergangener Zeit ist, dem die Leute nachtrauern. etc.

    Mein momentaner Arbeitsplatz befindet sich in Zone 2 der RVV-Welt. Meine Wohnung in Zone 1. Für das monatliche Ticket bezahle ich 50,50 Euro. Für Studenten, also ein Klientel, welches i. d. R. schon eh sehr wenig Geld hat, währe eine Erhöhung der Preise hart. Umgerechnet auf die Dauer des Tickets (1 Semester) aber tragbar. Viel schlimmer wäre eine Streichung der Leistungen. Und ich denke darauf wird es hinaus gehen.

    Eine Einführung einer Staffelung halte ich persönlich für einen Bereicherungsversuch des RVV. Ohne Transparenz nicht zu machen. Aber Transparenz ist Gift für den RVV und den OB. Sonst fordern die Bürger noch an anderer Stelle Transparenz. Zum Beispiel bei der Finanzierung des neuen Jahn-Stadions. Eventuell auch bei den Entschädigungszahlungen an den TSV, welcher sein Gelände hergab. Oder ganz schlimm, der Bürger fragt nach, wie es mit Transparenz und Nebentätigkeiten, wie bei der Bayern LB, aussieht.

    Liebe Regensburger, ihr steht vor dem gleichen Problem, wie jede Frau. Es wird Zeit den OB zu wechseln, aber egal was man als Tampon hernimmt, die halten alle nur einmal. Beim ersten Kontakt mit der Wirklichkeit, kannst du den OB wieder wechseln.

    Captain Chaos

  • Studi

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    Im Aufsichtsrat sitzen auch Vertreter der SPD-Fraktion. Hat die zu dem Thema auch was zu sagen oder ist man zu sehr mit dem Bedrucken von Wolli-Postkarten beschäftigt („Sozialticket? Versprochen, aber doch gebrochen!“)?

  • habemusmamam

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    @Torsten:
    Der Vorschlag mit der anderen Taktung ist wirklich toll, schließlich kommen die Kostensteigerungen auch durch die notwendige Angebotserweiterung. Das Chaos beim letztjährigen Semestestart schon vergessen?
    Seit das Semesterticket besteht, haben sich einige Rahmenbedingungen geändert. Während zu Beginn das Studium noch nicht so verschult war, war ein höherer Anteil der Studierenden erst um die Zeit mit den Bussen untewegs, als der morgendliche Schülerverkehr schon beendet war, nun teilen sich die Studierenden vermehrt die vorhandenen Kapazitäten mit den Schülern. Ich gehe davon aus, dass die Kalkulation zwischen Studentenwerk und RVV durchaus transparent ist, wie kann es sonst zu so Aussagen kommen, wie „„Schon 2008 hätte der RVV neun statt sieben Euro an die Bahnanbieter weiterreichen müssen“, so Blomeyer. 2011 wären der Berechnung zufolge sogar 11,50 Euro fällig gewesen – der RVV zahle aber weiterhin nur sieben Euro. „Die Bahn fordert also zu Recht mehr Geld, aber das ist ein internes Verteilungsproblem“, sagte Blomeyer. „Es kann nicht sein, dass das auf die Studierenden abgewälzt wird.““ – Zitat aus demm örtlichen Tagesprintmedium.
    Vielleicht ein wenig sachlicher darstellen, dass 10 EUR/Monat angesichts der Mieten oder auch sonstigen Lebenshaltungskosten eines Studierenden sicher nicht der Tropfen sind, der das Fass zum Überlaufen bringt, ob man es sich leisten kann, zu studieren, oder nicht – angesichts dr Preise, die Auszubildende für ein Monatsticket berappen müssen..

  • Lothgaßler

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    Eine Erhöhung auf 60 Euro wird zwar keinem Studenten gefallen, aber die Erhöhung tut nicht wirklich weh. Also keinen Aufstand wegen Kleinigkeiten!
    430 Euro Erhöhung für Auswärtige wäre allerdings eine Abschreckung und kein Angebot.
    Grundsätzlich sollte auch Auszubildenden günstige Angebote erschlossen werden. Die Gesellschaft kann und sollte sich diese Förderung der Jugend (egal ob Schüler, Studi oder Azubi) leisten.

    Die RVV-Oberen haben es offenkundig nicht so mit fundierten Zahlen bzw. Fakten, lieber wird über mögliche Mehrkosten orakelt. So etwas haben wir ja schon bei der Diskussion um die Alternative zur Westtrasse gesehen.

    Ich gehe fest davon aus, dass ähnlich kaufmännisch/ betriebswirtschaftlich auch beim neuen Fussballstadion gehandelt wird, und entsprechende Preise und Preiserhöhungen für Eintritt und Busverbindungen gegen die Fussballnarrischen durchgesetzt werden.

  • anton

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    Man kann Studenten und Azubis nicht in einen Topf werfen bei dieser Frage.

    Azubis haben ein eigenes einkommen zwischen 350 und 900 Euro, je nach Berufsziel und ausbildungsjahr.

    Studenten haben erst mal ein Einkommen von 0 Euro, d.h. meine Tochter hat das, was ich ihr geben kann. Was das Studieren die Eltern kostet, davon könne alle ein Lied singen deren Kinder an der Uni oder der Hochschule sind.

    Miete, Fachbücher, Studiengebühren, Lebensunterhalt, Auslandssemester usw. usw..

    Schon jetzt fallen für Studiengebühren, Semesterticket und Studentenwerksbeitrag aufs Monat umgerechnet rd. 100 Euro an.
    Fachbücher gibt´s kaum unter 50 Euro pro Stück 100 bis 150 euro sind vielfach üblich, wenn man nicht irgendwo was gebrauchtes ergattern kann.

    Würde jetzt das Modell mit bis zu 430 Euro Zuzahlung kommen kann sich jeder ausrechen welche monatliche Zusatzbelastung bei 2 Semester x 430 Euro im Jahr hinzukommt.

    Wollen wir wieder dahin zurück, dass nur Kinder aus wohlhabendem Hause studieren können?
    Offensichtlich ist die Poltik der CSU (Staatsregierung) und des CSU Oberbürgermeisters darfauf ausgerichtet. Ihn, den Oberbürgermeister trifft´s ja nicht mehr. Er konnte sein Studium in den 70er Jahren ohne Studiengebühren machen und auch seine Kinder haben ihr studiengebührenfreies Studium schon hinter sich.

    Überhaupt fällt auf, dass alle, die sich für das – nennen wir es mal – Anschlussmodell, d.h. für die Lösung mit bis zu 430 Euro Zuzahlung aussprechen gut situierte Herrschaften sind, die es sich leisten könnten ihren Kindern diese Ausgabe aus der Kaffekasse zu finanzieren, so sie überhaupt Kinder haben.

    Die Debatte um das Semsterticket ist ein weiteres Beispiel für das immer weitere schwinden des Solidaritätsgedankens in unserer Gesellschaft.

    Ein Staat, der jedes Wochenende Millionen für die Polizeieinsätze bei Profifussballspielen aufwenden kann, der sollte auch in der Lage sein für die Mobilität von Studenten im Öffentlichen Personen Nahverkehr die erforderlichen Rahmenbedingungen zu setzen.

    Ein Polizeieinsatz von 500 Beamten bei eine Jahnspiel, Einsatzdauer 10 Stunden mit An- und Abreise und einem Kostensatz von 40 Euro pro Beamten macht 200.000 Euro. Das ganze pro Spielzeit mal 17, nur für Heimspiele. Die werden gezahlt, ohne dass darüber gesprochen wird. Aber versuchen Sie mal vom Freistaat nur 10 % dieser Jahressumme als Zuschuss für 25000 Regensburger Studentinnen und Studenten zum Semesterticket zu bekommen.
    Wie würde die Antwort wohl lauten?
    Etwa so: Unbezahlbar, nicht im Haushalt darstellbar, dem Steuerzahler nicht zuzumuten.

    3 bis 5 Millionen im Jahr für Polizeieinsätze bei den Heimspielen von einem einzigen zweitliga Bundesligaverein mit 5000 regelmäßigen Zuschauern sind kein Problem. Für die 25000 Studenten/innen gibt´s nicht mal einen Bruchteil dieses Geldes.

    Klar, als Politiker auf der Tribüne im Stadion wird man ja auch gesehen und wahrgenommen, ein Politiker auf dem Campus der Uni ginge, wenn er sich dort hintrauen würde, in der Masse der Menschen unter.

    Klare Folge es wird die Priorität dort gesetzt, wo man als Politiker selbst den großen Max spielen kann. Sachliche Gesichtspunkte spielen keine Rolle.

    Soll der Freistaat doch die Studiengebühren um 200 Euro senken, dass darf das Semesterticket solidarisch für alle meinetwegen statt der 49 Euro 150 oder 200 Euro kosten.

    Übrigens diese 200 Euro weniger Studiengebühren entsprächen genau dem Betrag von 5 Mio. für die Polizeieinsätz bei den Jahnspielen. ;-)

  • Oje...

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    Was muss ich da lesen? Anton hat sich meiner Meinung zu den horrenden Polizei(etc)kosten von (Zweit)Bundesligaspielen angeschlossen? Oh Wunder – dass wir beide in diesem Leben nochmal gleicher Meinung sind… sensationell. Finde ich gut.

    Bei den Studienkosten übertreiben Sie aber ein wenig, Anton. Ich bin zwar auch gegen Studiengebühren – aber die sind es nicht, die ein Studium gänzlich unmöglich machen. 500 Euro Studiengebühren/Semester sind 50 Euro/Monat, und damit gerade mal 5 oder 10 Prozent der gesamten Studienkosten (den Löwenanteil der Studienkosten dürfte eher die Miete mit 300-400 Euro/Monat plus Essen ausmachen).

    Und „teure Fachbücher“ bringen den Studenten auch nicht um. Die meisten kosten nämlich nicht 50 bis 150 Euro pro Stück, sondern weit weniger (30-50 Euro Neupreis ist reeller; mal bei Springer.de oder Wiley-VCH.de gucken!). Und da der Gebrauchtmarkt in jeder Unistadt blüht, kostet ein (gebrauchtes) Fachbuch in der Realität auch eher nur 10 bis 25 Euro. Abgesehen davon, dass es auch in Rgbg. eine Bücherei gibt; dass man sich Bücher auch von den Kommilitonen leihen kann; und dass es so mancher Akademiker auch ganz ohne (eigene) Fachbücher geschafft hat. Dem Copyshop sei Dank.

  • Vater

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    @ oje

    Beim den Fachbüchern hast du zum Teil recht, aber es gibt auch die 150 Euro Schwarte für naturwissenschaftliche Fächer, die man als Grundwerk am besten immer griffbereit hat.

    Wie du allerdings bei den Studiengebühren auf 50 Euro im Monat kommst ist mir nicht klar, also wir zahlen 2 x fast 600 Euro im Jahr Studi-Gebühren – Semester Ticket – Studentenwerksbeitrag, macht also wirklich fast 100 pro Monat, Selbst wenn du nur die Studigebühren ansetzt fallen die 500 zweimal im Jahr an und 1000 geteilt durch 12 ist nicht 50.
    Das Miete plus Essen (gegessen haben die Studis auch schon als Schüler zu Hause ;-) ) richtig reinhauen ist auch klar, aber wenn man jetzt z.B, als Wochenendpendler nach Neumarkt nochmal 430 x 2 im Jahr drauflegen soll ist das auch kein Pappenstiel. Und sollten durch die Änderungen beim Semesterticket noch mehr Studis auf die Idee kommen nicht mehr jeden Tag von Kelheim, Eggmühl oder Parsberg pendeln zu wollen, dann gute Nacht Mietpreisentwicklung.

    Wenn das so weiter geht kannst du dein Kind nur noch studieren lassen, wenn du Geringverdiener bist, weil dann gibt´s BaföG oder wenn du zu den Begüterten gehörst. Die Kinder der Mittelschicht bleiben bei dem System auf der Strecke. Beim Einzelhandelskaufmann, normalen Streifenpolizist oder angestelltem Handwerker muss schon die Frau gut mitverdienen um den Sprösslingen das Studium zu finanzieren und gnade dir Gott, wenn du zwei Kinder hast die gleichzeitig an die Uni wollen, dann gehen dir die Lichter so wie so aus.

    Aber was interssiert sowas Leute wie einen Oberbürgermeister, einen RVV Geschäftsführer oder einen Privatbahnmanger mit 6-stelligem Jahresgehalt.

    Wenigstens der Schlegl und der Hartl schnallen offenbar noch manchmal was in deutschen Familien wirklich finanziell abgeht, wenn man die heutige Zeitung gelesen hat..

  • Oje...

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    Autsch, bei den Studiengebühren hab ich mich in der Tat krass verrechnet. 500 durch 6 ist natürlich knapp 84 und nicht 50 (bei 600 dann eben 100 statt 84). Trotzdem: Noch so eine schwachmathische Leistung, und ich geb mein Jodeldiplom wieder ab! Tut mir leid.

    Das natwiss oder medizin. Grundwerk, das 150 Euronen kostet, möchte ich aber sehen (Prometheus AnatomieLernatlas: 75 Eu; Graw Genetik: 50 Eu; Alberts LB der MolZellbio: 73 Eu; Stryer Biochemie: 80 Eu; Kükenthal: 46 Eu; Sobotta Histologie: 50 Eu; etc.). Selbst die natwiss FB-Ikone (Alberts Molbio d Zell kostet „nur“ 129 Eu). Und wie gesagt: All diese Bücher gibt’s für lau auch gebraucht oder für nix in der LB-Bib (da allerdings kann’s schon mal zu Wartezeiten kommen).

    Wenn ich als Student allerdings z.B. in Neumarkt wohne, dann fallen wiederum die monatl. Mietkosten weg, was die auf den ersten Blick horrenden 430 Eu x 2 relativiert. Sprich: entweder ich verzichte aufs Hotel Mama und hab somit auch keine Fahrtkosten zur Uni, oder ich wohne bei Mama, dann hab ich aber keine Mietkosten. Und wer als Student innerhalb Regensburg nicht mit dem Rad fährt, der soll halt auch für den ÖPNV blechen, denke ich (zumindest fürs ermäßigte Semesterticket).

    „Sollten durch die Änderungen beim Semesterticket noch mehr Studis auf die Idee kommen nicht mehr jeden Tag von Kelheim, Eggmühl oder Parsberg pendeln zu wollen, dann gute Nacht Mietpreisentwicklung.“

    Mag sein. Aber es gehört zu den Aufgaben einer Unistadt (und damit zu den Kernaufgaben von Schaidinger, Wolbergs & Co), für ausreichend (!) erschwinglichen Mietraum zu sorgen. Ob sie’s tun, steht auf einem anderen Blatt => demnächst sind Wahlen… da dürfen übrigens auch alle hier gemeldete Studenten wählen, das ist immerhin ein Wählerpotenzial von knapp 20 %.

    „Die Kinder der Mittelschicht bleiben bei dem System auf der Strecke.“ Das befürchte ich auch. Allerdings kann man als Student zumindest in den Semesterferien auch arbeiten – und nicht nur als Billigbedienungskraft in Rgbg., sondern auch dort, wo’s für richtige Arbeit auch entsprechend richtiges Entgelt gibt. Zum Beispiel irgendwo auf dem Bau, da gibt’s richtig Kohle für.

    „… um den Sprösslingen das Studium zu finanzieren“

    Siehe oben: selbst ist der Student! Dann muss die Familie zumindest nicht alles selbst finanzieren.

    „Aber was interssiert sowas Leute wie einen Oberbürgermeister, einen RVV Geschäftsführer oder einen Privatbahnmanger mit 6-stelligem Jahresgehalt.“

    Korrekt. Denen ist das alles wurstegal. Wie’s scheint, aber auch dem Berufspolitiker W. auf dem 3. Bürgermeistersessel und seinen Parteigenossen (denn was tut der Hartl denn außer wohlfeile Parolen von sich zu geben, und sich hinterher zu entschulden, ER könne ja nix dafür…). In welcher Partei ist Hartl nochmal, und wer hat im Stadtrat nochmal das Sagen? Die Ausrede „2008 waren wir noch nicht am Ruder“ gilt seit vier Jahren nicht mehr.

  • Preise steigern, Leistung senken | Regensburg Digital

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    […] harmonisch verlief auch die Debatte zum Semesterticket im RVV-Aufsichtsrat. Bekanntlich hatten die RVV-Geschäftsführung und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Ober… Für das Stadtgebiet sollte das Semesterticket demnach weiter 49 Euro kosten, Studierende aus dem […]

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