„Wenn wir Burnout wollen, reicht der Zuschuss!“

“Wenn man Qualität will, muss man dafür zahlen!”: Festivalleiterin Insa Wiese mit OB Schaidinger und dem Filmemacher Roland Fischer. Foto: Liese
“Ich habe das Gefühl, dass alles viel strenger geworden ist.”
Gerade im Hinblick auf diesen internationalen Anspruch gab es im Vorfeld des diesjährigen Festivals einige Stolpersteine. Zwei Ukrainerinnen sollten kein Visum erhalten. Haben es die beiden zur Kurzfilmwoche geschafft? Ja, beide sind am Tag der Eröffnung wohlbehalten bei uns angekommen, haben sogar schon mit dem Oberbürgermeister geplaudert. Das hat alles wunderbar geklappt, aber bis kurz vor knapp wussten wir nicht, ob sie kommen dürfen oder nicht. Bei der afghanischen Kulturmanagerin Mariam Mana hat das leider überhaupt nicht funktioniert. Sie hat kein Visum bekommen. Mariam Mana sollte ein Programm kuratieren. Wie geht ihr mit der Situation um? Welche Bedeutung hat diese restriktive Haltung der deutschen Botschaft in Kabul für euch? Wir haben mehrere Anträge geschrieben. Selbst das Goethe-Institut hat sich eingeschaltet. Aber es hat alles nichts geholfen. Schon komisch. Wir haben ja auch ein Programm gemacht, in dem Mariam erwähnt war. Wir konnten das alles belegen. Das Goethe-Institut hat vermutet, dass es mit einem Vorfall zusammenhängt, bei dem vor einiger Zeit afghanische Deutschlehrer nach Deutschland gereist und nie zurückgegangen sind. Kennt ihr solche Probleme auch aus der Vergangenheit oder stellen sie sich in diesem Jahr zum ersten Mal? Ich habe das Gefühl, dass alles viel strenger geworden ist. Visa haben wir auf Anfrage eigentlich immer bekommen. Interessant ist auch, dass wir beispielsweise bei Riley Leung, der aus Hongkong kommt, nach meiner Erinnerung keinerlei Antrag stellen mussten. Das hat problemlos geklappt.“Auf lange Sicht lässt sich das Niveau so nicht halten.”
Ein anderes Thema: Bei der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch hast du deinen großen Dank an die Sponsoren und Partner ausgesprochen, ohne die die Kurzfilmwoche nicht möglich wäre. Neben Unternehmen aus der freien Wirtschaft werdet ihr auch durch öffentliche Partner wie die Stadt Regensburg bezuschusst. Reicht der Zuschuss oder bräuchtet ihr mehr Geld? Wenn wir so leidenschaftlich bleiben und es bis zum Burnout bringen wollen, reicht der Zuschuss. Wir kriegen ja seit 19 Jahren immer wieder ein Festival hin. Aber man muss ganz klar sagen: Auf lange Sicht lässt sich das Niveau so nicht halten. Auch ich muss irgendwann meine Rente finanzieren. Jetzt bin ich schwanger und muss eine Familie ernähren – mit meinem Gehalt geht da gar nichts. Und das speist sich letztlich aus den Zuschüssen der Stadt. Aber von diesem studentischen Gehalt kann keiner von uns leben. Deswegen wechselt hier auch regelmäßig das Personal. Diese Arbeit nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass man unmöglich nebenbei jobben kann. Allein deshalb ist eine Erhöhung des Zuschusses notwendig, wenn man langfristig Qualität will – und Stabilität.
Ein Studentengehalt, von dem niemand leben kann: Insa Wiese und Mitorganisator Philipp Weber. Foto: pm