Wärmewende: was kann ich jetzt tun? Informations- und Diskussionsabend in Regensburg am 11. Juni
Gebäudeheizungen tragen wesentlich zu den globalen CO2-Emissionen und damit zur Erderwärmung bei. Heizungssysteme geraten immer stärker in den öffentlichen Fokus. Doch zu dieser Problematik kommen aus der Politik derzeit widersprüchliche Signale. Die Scientists for Future Regensburg veranstalten mit fünf Experten einen Informations- und Diskussionsabend.

Die erste Hitzewelle des Jahres liegt gerade hinter uns und die Scientists for Future wollen über Heizungen reden? Ja, denn beides hängt zusammen. Die Temperatur der Erde steigt gefährlich an, vielleicht sogar um 3 Grad bis 2050. regensburg-digital berichtete im Januar über einen Infoabend der Scientists dazu.
Gefährliches, extremes Wetter ist die Folge und menschengemachte CO2-Emissionen – insbesondere auch durch fossile Heizungen – sind die Ursache.
Gebäude (und Verkehr) als „Sorgenkinder“
Diese durch Heizungen bedingten Emissionen – vor allem von Bestandsgebäuden – wurden bisher bei der überall spürbaren Transformation hin zu erneuerbaren Energien gern übersehen. Wie der Verkehr wird dieser Sektor die Ziele zur Verringerung seiner Emissionen bis 2030 verfehlen. Und die Gebäude sind durchaus relevant: Ihr Anteil an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland betrug 2025 rund 16 Prozent.
Abhängig vom Preis der EU-Zertifikate, die Deutschland bei einer Verfehlung seiner Emissionsziele kaufen müsste, betragen diese „Strafzahlungen“ bis 2030 bis zu 34 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass eine Heizung eine langfristige Investition darstellt, sodass heutige Entscheidungen noch sehr lange nachwirken.
Entwicklung der gesamten Treibhausemissionen in Deutschland nach Quellbereichen: Gebäude (violett) haben derzeit einen Anteil von 16 Prozent und zeigen über die letzten Jahre keine Tendenz zur Reduktion.
Was kommt von der Regierung…
Man muss es so hart sagen: die schwarz-rote Regierung ist mehr damit beschäftigt, die Maßnahmen der Vorgängerregierung abzuschwächen und im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) eine formale „Freiheit im Heizungskeller“ herzustellen, als sich um die offensichtlichen Konsequenzen zu kümmern. Denn Heizen droht damit weniger nachhaltig und langfristig für Mieter:innen und Eigentümer:innen teurer zu werden, auch weil die Abhängigkeit von den Erzeugern fossiler Rohstoffe bestehen bleibt.

Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland.
Und all das, obwohl Deutschland sich per Gesetz verpflichtet hat, bis 2045 klimaneutral zu sein. Selbst der Chef der CDU-nahen Klimaunion hat Bedenken, ob das GModG rechtlich standhält.
Der Expertenrat für Klimafragen und sogar der Normenkontrollrat haben dieses Gesetz zudem als für die Klimafolgen kritisch bzw. handwerklich schwach, kostspielig und praxisfern kritisiert. Umso wichtiger ist es, sich als Stadt oder als einzelne:r Bürger:in nachhaltig aufzustellen.
…und von der Stadt Regensburg
Das Stadtentwicklungsamt und die Energieagentur Regensburg haben die Kommunale Wärmeplanung (KWP) gemäß Wärmeplanungsgesetz erstellt, sie wurde im April vom Stadtrat beschlossen. Das darin enthaltene Zielszenario für das Jahr 2040 zeigt in weiten Bereichen Regensburgs Wärmenetze als Lösung für fossilfreie häusliche Wärmeversorgung.
Aber was bedeutet das nun für den Mieter bzw. die Eigentümerin?
Zunächst: die KWP ist eine konzeptionelle Empfehlung, sie ist also nicht bindend, weder für die Stadt noch für die Bürgerschaft. Und es liegt bei der Stadt, ob, wie und wann sie diese Empfehlungen umsetzt. Entscheidend wird auch sein, ob diese Wärmenetze städtisch, genossenschaftlich oder privat betrieben werden. Für letzteres gibt es mit dem Roither Berg in Wenzenbach und dem Nibelungenareal warnende Beispiele – regensburg-digital berichtete.
Was also tun?
Sollen Hausbesitzer:innen, deren alte Öl- oder Gas-Heizung demnächst erneuert werden muss, auf den Anschluss an ein Wärmenetz warten? Eine Pelletheizung einbauen? Oder sollte es doch die Wärmepumpe sein?
Diese funktioniert prinzipiell wie ein Kühlschrank: sie sammelt Wärme aus der Umgebung ein und pumpt sie mit Hilfe von elektrischem Strom in den Heizkreislauf des Hauses. Die Umgebungswärme kann aus der Luft, Wasser oder dem Erdreich stammen.
Nach neueren Erkenntnissen des Fraunhofer-Instituts ISE kann sie auch im Altbau funktionieren und diese Heizmethode ist schon jetzt um bis zu 40 Prozent günstiger als mit Erdgas, abgesehen von der zu erwartenden Erhöhung der gesetzlichen CO2-Bepreisung für Gas und Öl in der Zukunft.
Aber ist die Wärmepumpe überall das Mittel der Wahl? Welche technischen Voraussetzungen sind nötig, im Haus und für die Stromversorgung? Wie wird sie derzeit staatlich gefördert? Wie ist die rechtliche Situation in Mehrfamilienhäusern und insbesondere zwischen Mieter:innen und Vermieter:innen?
Der Abend
Die Scientists for Future laden am 11. Juni um 19:00 Uhr in die Räume für Engagement (D.-Martin-Luther-Str. 19) ein zu einem Abend mit fünf Experten aus Stadt, Industrie und Verbänden, die sich ganz konkret mit dem Thema Wärme auskennen, s. Abbildung. Nach einem Impulsvortrag und einer Podiumsdiskussion wird es die Möglichkeit für Fragen und Kommentare aus dem Publikum geben. Bürgermeisterin Dr. Helene Sigloch hat die Schirmherrschaft übernommen.
Über Scientists for Future
Die „Scientists for Future“ sind ein überparteilicher und interdisziplinärer Zusammenschluss von Wissenschaftler:innen mit Gruppen an über 70 Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Sie engagieren sich dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse angemessen in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einfließen und bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft Berücksichtigung finden. Webseite:https://de.scientists4future.org/regensburg/

Burkhard Pfaff
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Ich bewohne wie viele Regensburger eine Wohnung in einem historischen Altstadthaus. Die Kosten für die Gasheizung steigen seit Jahren. Aus Dekmalschutzgründen ist eine Isolation der Gebäudehülle wohl nicht durchführbar. Was bedeutet das für mich?? Wird Fernwärme wirklich günstiger sein?
Manfred Martin
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Tatsache ist, das Gas- oder Öl- Heizung sicher nicht mehr zahlbar ist. Auf Dauer werden wir mit Wärmepumpen heizen ob jetzt im Gebäude oder auch als Fernheizung!
MAN in Augsburg baut seit einige Jahren Wärmepumpen für Fernheizungen für Städte der Größe von Regensburg!
Manfred Martin
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https://share.google/lcyl4N9J199j61mtn
Oleg
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@Burkhard Pfaff: Wer weiß, ob du den Tag in der du die Entscheidung treffen kannst überhaupt noch überlebst.
Derzeit ist ja m.W. in der Altstadt überhaupt nichts an Wärme/ Kälte- Netzen geplant. Gerade in der Altstadt ist ein solches Netz jedoch alternativlos, aber das baut sich nicht von heute auf morgen und von alleine.
Manfred van Hove
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@Manfred Martin
Auch Wärmepumpen brauchen Strom, der irgendwie erzeugt werden muss, zum Teil eben mt Gas. Nachhaltig ist deshalb nur die Geothermie, Es gibt bereits Gemeinden, die das erfolgreich prakitzeren. Sie funktioniert auch ohne Wind und Sonne oder Zulieferung aus China
Oleg
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@ Manfred van Hove: Aber leider wohnen wir nicht in Island und somit gibt es Geothermie nur in Verbindung mit Strom (und einer Wärmepumpe).
Energie gibt es eben nur mit Energie.
Konradsiedlungsanwohner
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@mane
wir wollten, aber im Bereich Konradsiedlung nicht erlaubt wegen Erdschichten. Seit 8 Jahren jetzt Luft Luft Wärmepumpe in Verbindung mit PV. Sehr zufrieden.
A paar Windradl war no was aber da gibts ja Bedenkenträger all überall (Walhalla/Tegernheim, regental, etc pp)
St. Schrödinger
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Regensburg hat die Donau und damit die besten Voraussetzungen für Wärmepumpe im großen Maßstab.
Wilfried Süß
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@Manfred van Hove
8. Juni 2026 um 17:30 | #
Meines Wissens brauchen geothermische Systeme eine elektrische Pumpe, um das energiereichere Medium aus dem Boden in Umlauf durch den elektrisch betriebenen Verdichter zu bringen und eine weitere, um die Heizkörper oder die Fußbodenheizung zu versorgen. Ohne Strom geht da nichts, wenn auch in geringerem Maße.
Hans
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wenn ich die Kommentare so lese: jedem sein Steckenpferd.
Was ich davon sinnvoll finde: Große Wärmepumpe in die überwärmte Donau.
Doppelter Effekt: Abkühlung des Flusses + Nutzung der Wärme.
Der Regen zB verkrautet und fließt langsamer und wird noch wärmer dadurch (Ursache Überdüngung u.a.). Also auch was für die Städte weiter oben am Regen.
Nur: Fernwärme wäre zwar ideal für schlecht gedämmte Häuser der Altstadt, es braucht enorme Erdarbeiten für die Leitungen. (Außerhalb der Altstadt erst dämmen dämmen dämmen. Und danach erst die aktive Komponente umbauen. Für gut gedämmte Häuser ist dann Fernwärme uneffektiv.
Da wird Regensburg das für und wieder noch sehr lange diskutieren. Wie bei Stadtbahn, Donauquerungen etc.
Entschlossenes Umsetzen wäre toll, aber dann wäre es nicht Regensburg.
Und ja: Natürlich braucht man für jede Lösung Strom für den Transport. Aber halt sehr viel weniger.
Veronica Egger
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Was den Strom angeht, gibt es auch Grund zur Hoffnung: neuerdings kann man Batteriespeicher bauen, die aus Erneuerbaren geladen werden und sogar das Stromnetz stabilisieren können (siehe Blackhillrock in Schottland und Föhren/Schoenergie in Deutschland).
Burgweintinger
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https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.tagesschau.de/wissen/technologie/waermepumpe-meerwasser-100.html&ved=2ahUKEwjKqPmkzvqUAxWISfEDHQKbGp0QFnoECB0QAQ&usg=AOvVaw2cquzG3ZBbhnxXiGNgqn4v
https://erdwaerme-inn.bayern/das-projekt/
Robert Fischer ÖDP
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Bei der letzten Veranstaltung hat es noch geheißen, die Donau sei zu kalt für eine Wärmepumpe.
Hielt ich damals schon für einen Strohmann. Vielleicht kann dieses Mal jemand nochmal nachbohren. Weil ich schaffs zeitlich vermutlich nicht.
KW
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Im städtischen KWP (Kommunaler Wärmeplan, verlinkt im Artikel) kommt keine Flußwärmepumpe vor, lediglich über Abwasserwärmepumpen oder eine Großflächenwärmepumpe über Erdsonden/Grundwasser im Zuge einer möglichen Sanierung des Dultplatzes wird spekuliert.
Überhaupt liest sich der ganze KWP größtenteils, als “sollte”, “könnte”, “evaluieren”, “Studien in Auftrag geben” etc.
Konkrete und kurzfristige Vorhaben sind mir beim querlesen jedenfalls keine aufgefallen. Offensichtlich will man wohl stark auf PV setzen, was grundsätzlich gut, aber etwas einseitig gedacht ist. Auch wird erwähnt, die wenigen vorhanden Nah/Fernwärmenetze irgendwann vielleicht mal miteinander zu verbinden.
Insgesamt wird viel über die Planung von Planungen möglicher Planungen geschrieben, alles sehr schwammig.
Ich persönlich hatte auch mal die traumtänzerische Vorstellung, mittelfristig an ein Wärmenetz angebunden zu werden, darauf zu warten macht aber absolut keinen Sinn.
Ernüchternd aus meiner Sicht, vorangehen wird wohl nur was mit Eigeninitiative sprich, spätestens wenn die Gas/Ölheizung den Geist aufgibt eine Wärmepumpe reinklatschen.