Expedition und Vortrag zur Stadtforschung

„Unglaublich spannend“

Am Dienstag veranstalteten das Kulturamt und der Architekturkreis Regensburg im Degginger einen Vortrag der Stadtforscher Christian Scheler (Hamburg) und Sebastian Bührig (Berlin) zur tags zuvor durchgeführten sogenannten „Expedition Real-Stadt“. Der Anspruch war dabei Regensburg möglichst abseits gewohnter Pfade zu entdecken und dadurch einen anderen Blick auf die Stadt zu bekommen.

Zwei Stadtforscher beim Vortrag im Degginger. Foto: om

Zwei Stadtforscher beim Vortrag im Degginger. Foto: om

Stadtexpedition an abseitigen Orten

Zu diesem Zweck führten Scheler und Bührig am teilweise verregneten Montagnachmittag eine Gruppe Interessierter durch den Südosten der Stadt, angefangen an der Safferlingstraße, über die Zeiß- und Dieselstraße bis nach Burgweinting.

Das taten sie jedoch nicht einfach so, sondern inszenierten sich als Raum-Zeitreisende aus einer Zukunft in der die Ressourcen nach Beendigung eines kommenden 3. Weltkriegs aufgebraucht sind und die nun gezwungen sind naive Fragen über das urbane Leben zu stellen, um sich im Hier und Jetzt zurechtzufinden. Mit diesem etwas albernen Einfall liefen Scheler und Rührig in silber glitzernden Ganzkörperanzügen an teils staunenden Passanten vorbei ihre zuvor ausgekundschafteten randständigen Orte ab.

In der ressourcenarmen Zukunft sind Techno-Parties offensichtlich ziemlich angesagt. Foto: om

In der ressourcenarmen Zukunft sind Techno-Parties offensichtlich ziemlich angesagt. Foto: om

Auf der Suche nach Zwischenräumen

Beim Vortrag im Degginger sollten die Entdeckungen des Spaziergangs in den Kontext der Stadtforschung gestellt und mit anderen urbanen Räumen verglichen werden. Dabei interessierten die beiden Vortragenden insbesondere „die Ränder der Stadt“ bzw. die „Zwischenräume“, die den Wandel einer Stadt am besten dokumentieren.

Dabei haben sie mit dem Südosten Regensburgs tatsächlich ein geeignetes Gebiet gefunden, in dem Gegebenheiten, Möglichkeiten, Aufbau, Zerfall und damit verbundene Widersprüche der Regensburger Stadtentwicklung am stärksten zutage treten. Wohngebiete, Industrie, Gewerbe, Verkehr, Naherholung, Einkaufsmöglichkeiten. Die sozialräumliche Struktur ist gerade dort ein vielseitiger und spannender Untersuchungsgegenstand.

Learning from Regensburg?!

Das sahen auch die beiden Forscher so, die so ziemlich alles „unglaublich spannend“ fanden und dies x-fach zu wiederholen wussten. Dies sei unglaublich spannend und jenes sei unglaublich spannend. Alles war unglaublich spannend und seien es auch nur ein Haufen Schrott oder Streubehälter am Straßenrand. Spannend. 

Durch die Funktionsmischung insbesondere in der Innenstadt könne man gar von Regensburg lernen. Könne es nicht etwa Qualität durch Chaos geben, fragte Scheler.

Doch hatten die Vortragenden auch reichlich Ideen vorzubringen. So beispielsweise um die effektivere Nutzung, Planung und Strukturierung von Parkplätzen, die in der Regel viel Platz beanspruchen, aber nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden, zu ermöglichen.

Oder um die Zwischen- oder Weiternutzung vorhandener, aber nicht mehr zum ursprünglichen Zweck benötigter Bebauung (z. B. Möbelhäuser, Kasernen oder Industrieanlagen) anzuregen. Von Recycling war hier die Rede, das nicht nur stofflich Materialien einer neuen Verwendung zuführen kann, sondern auch Orte und Räume sinnvoll und ressourcenschonend umdefinierten kann.

Weiternutzung eines Busses als abgespactes Partykabuff. Foto: om

Weiternutzung eines Busses als abgespactes Partykabuff. Foto: om

Wieso werde aus dem leerstehenden „Wohnwelt“ an der Benzstraße nicht etwa eine Behausung? Oder wieso entstünden dort nicht ein Restaurant, Ateliers oder ein Fablab? Ein solches Fablab gibt es lustigerweise direkt daneben in der Grunewaldstraße, aber das nur am Rande.

Schaffung von Möglichkeitsräumen

Die Botschaft der Stadtforscher: Die Schaffung von Möglichkeitsräumen. Allein der Begriff zaubert für gewöhnlich dem Deggingerpublikum ein Leuchten in die Augen. Möglichkeitsraum, hach. Eine inhaltlich beliebige Leerformel der sogenannten Kultur- und Kreativwirtschaft für irgendetwas. Für alles und nichts. Und sei es für Wettbewerbe im Schaumschlagen (Branche: Kaffeekunst).

Doch brauche es eben, so Scheler und Bührig, Orte des Experimentierens, des Ausprobierens. Freiräume, die verschiedene Lebensrealitäten, -gewohnheiten und -umstände auf urbanem Raum miteinander in Beziehung bringen. Zwischenräume, die entgegen klassischer städtischer Segregation integrierend gedacht werden und entsprechend wirken können.

Urban Gardening, Reduktion und Änderung des Individualverkehrs, Stärkung und bessere Einbettung öffentlichen Nahverkehrs wurden dabei als Stichworte, Ideen und Beispiele aus anderen Städten gennant. Hamburg, Berlin, München, Wien, Kopenhagen… Regensburg.

Wie kann und sollte Stadt gestaltet werden?

Wie es dabei mit den sozioökonomischen Bedingungen aussieht, gerät bei all den Möglichkeiten, die in Möglichkeitsräumen möglicherweise möglich werden sollen, in den Hintergrund, sollte allerdings zuvörderst oder zumindest gleichberechtigt diskutiert werden, wenn es um Stadtentwicklung und die Gestaltung und Aneignung städtischer Räume geht.

Wer hat eigentlich überhaupt Handlungsoptionen und warum? Und wer hat sie nicht? Wie können sozioökonomische Verhältnisse durch (infra-)strukturelle Maßnahmen Änderungen erfahren? Welche Interessen werden durch bestimmte Baumaßnahmen und das Unterlassen solcher verfolgt? Wie und wodurch kann stadtplanerisch auf die Bevölkerungszusammensetzung eines Quartiers im Sinne integrativer Effekte Einfluss genommen werden?

In der Diskussion wurden diese Themen durchaus gestreift. Etwa wenn Hans Dietrich Krätschell, Leiter des städtischen Gartenamtes, darauf hinwies, dass aufgrund der dringend benötigten Wohnbebauung durch Nachverdichtung städtischer Flächen auch Entwicklungsmöglichkeiten verbaut würden und sich in der rasenden Baugeschwindigkeit wenig Gedanken über Verdunstungsflächen oder Beschattungen gemacht werden könnten. 

Zukunftsmodell Burgweinting?

Burgweinting als Zukunft?: Foto: Stadt Regensburg, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Burgweinting als Zukunft?: Foto: Stadt Regensburg, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Ob der sich gerade in reger Entwicklung befindende Schlafstadtteil Burgweinting, der weder richtig städtisch noch richtig ländlich, beides aber zugleich sein möchte, etwa die Zukunft sei, wollten Scheler und Bührig wissen. So wirklich anfreunden mochten sich mit dieser Idee wohl die wenigsten Anwesenden und so sollte sich, um ein bisschen gestalterische und entwicklerische Vielfalt zu ermöglichen, vielleicht nicht nur der Biber etwas Chaos einfallen lassen.

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Kommentare (19)

  • Henry

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    Burgweinting als Zukunft? „unglaublich spannend“. Okaay!

  • joey

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    „Wer hat eigentlich überhaupt Handlungsoptionen und warum?“
    Die Grundstückseigentümer und die Stadtplanung haben die Optionen. Man könnte natürlich Stadtplanung einfach abschaffen, dann würde es viel „spannender“ – ja, die Wohnwelt wäre schnell in eine Wohnanlage verwandelt.

    Reduktion des Individualverkehrs ist hingegen gar nicht spannend oder irgendwie neu. Dazu braucht man keine „Forscher“ und keine „Expedition“ oder einen dritten Weltkrieg. Geht’s nicht ein wenig kleiner?

    Man darf auch so aufmerksam spazieren gehen, ohne sich lächerlich zu machen.

  • Eingeborener

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    Nach dem Candis-Artikel wieder so ein nichtssagender Artikel von Herrn Oswaldt, zu dem ich einfach nur bemerken kann: Schuster bleib bei deinem Leisten ! Schreib über Dinge, wo du eine Ahnung hast ! Glossen ! Super !! Politische Berichterstattung ! Okay !! Selbst wo der Autor eigene Fragen aufwirft, nämlich „Wie kann und sollte Stadt gestaltet wrden ?“ bleibt er so im allgemeinen/nebulösen, dass ich mich schon wieder ärgere, für diesen Artikel Zeit verschwendet zu haben.

  • Luchs

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    Apropos Burgweinting, 3. Weltkrieg, Biber, Chaos: Warum fehlt Maulwurf Friedl in der Diskussion?

  • hutzelwutzel

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    @Henry:

    Nicht so gemein. Oberweinting ist doch super. ;-)

    @Eingeborener: Nicht so gehässig! Könnte es nicht auch sein, dass der Veranstaltung nicht viel mehr zu entnehmen war?
    Es gibt so viele Städtebauplaner*innen welche die vergangenen Jahre auf den Markt geworfen wurden, da muß jetzt eben mal das dran glauben. Vorher waren es Chirurgen, Rechtsanwälte usf..
    Also planen wir jetzt eben mal Städte, und entziehen dabei den älter gewordenen Eigentümer*innen durch neu auferlegte Sanierungskosten auf sehr galante Weise deren Eigentum. Schließlich können die ja in die Heime, welche seit ungefähr 10 Jahren mühselig gebaut wurden. ;-)

  • Eingeborener

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    @Hutzelwutzel: Gehässig geht anders, siehe die sog. Flüchtlingsdebatte.
    Als gebürtiger Regensburger liegt mir die Stadtentwicklung, und als Fan von regensburg digital als einziger unabhängiger Zeitung in der Region liegt mir die Qualität von rd am Herzen.
    Wozu der de facto Verriss dieser beiden Stadtforscher ? Es geht doch wohl nicht darum, Seiten zu füllen, sondern etwas zur Stadtentwicklung beizutragen, also für eine gute Zeitung:
    Gute Stadtentwicklungs-Ideen bekannt zu machen, schlechte/profitorientierte Ideen zu hinterfragen/anzuprangern. Und dazu sollte der Autor wohl auch eine Ahnung haben. Dass er sie hat, kann ich hier nicht entnehmen, und konnte ich schon dem Candis-Artikel nicht entnehmen.
    Bevor ich also Seiten mit einem Verriss fülle, frage ich doch lieber die sog. Stadtforscher mit einem Interview konkret nach, oder ich lasse es sein, wenn selbige wirklich nichts qualfiziertes zu sagen haben.

  • Lothgaßler

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    Der Autor kann für die Veranstaltung nix, er berichtet nur drüber. Immerhin, die Stadtforscher erkannten in der bereisten Gegend „Widersprüche der Regensburger Stadtplanung“. Dazu kann ich nur sagen: Wie wahr, leider erkennt das die Regensburger Stadtplanung nicht! Man könnte auch sagen: Dort gabs keine Planungn sondern Murks. Ja ok, es gab Planung, aber überwiegend von Immoentwicklern und Straßenplanern. Ansonsten ein ziemlicher Brei von allem, nichtssagend, ohne Gesicht und Identität. Bei der Vergabe der Straßennamen wurde dann der Kreativität freien Lauf gelassen.
    Es gäbe schon grundsätzliche Planungen zur Zonierung, zu Grün, zu Frischluftschneißen usw., aber wenns der Entwicklung im Wege steht…
    Was macht die Wirtschaftsförderung der Stadt, wäre es nicht eine Idee die „Wohnwelt“ für viele Gewerbetreibende nutzbar zu machen, statt auf einen Großen zu warten? Ich bräuchte nur einen sicheren Stellplatz, dazu etwas Lager, Werkstatt und Büro. Nix groß, nix mit erhöhten Sicherheitsanforderungen, nix mit Luxus, nix mit Laufkundschaft. Find mal so etwas in Regensburg, zu verantwortbaren Preisen!

  • Tobias

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    „Weiternutzung eines Busses als abgespactes Partykabuff.“
    Made my day – um 0:18 Uhr!

    Ansonsten bin ich ein starker Fan der Stadt geworden, vor einem Jahr habe ich ein Projekt durchgezogen, über 6 Monate, und dabei nahezu ganz Regensburg abgefilmt, damit man in Zukunft (mehr) Bildmaterial hat, wie es in Straße XYZ 2015 ausgesehen hat. Dabei habe ich die Städt sehr häufig (da zu Fuß) kennengelernt. Das war extrem spaßig und auch spannend, wobei ich eher den Verlust der Industrie und des „Schmutzes“ in Regensburg beklage; der Wandel zur Dienstleistungs- und Hochtechnologiestadt ist selbstverständlich löblich, aber direkt unter’m Odessa-Ring, beim Ostbahnhof ist noch ein wenig „dreckiges“ Regensburg mit verrosteten Leitplanken, wucherndem Unkraut, Graffiti und wilden Müllkippen. Die meisten stürzen sich auf die langweilige Altstadt, das ist okay, aber als gebürtiger und einheimischer Rengschburger interessieren mich andere Dinge. Stadterneuerung, Bebauungspläne, Gestaltungsrichtlinien. Der einzige Grund für mich, die MZ zu kaufen, um da auf dem Laufenden zu bleiben..

  • Jupp

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    Lieber ‚Fan von regensburg digital als einziger unabhängiger Zeitung in der Region‘. M.E. sich als Fan von rd zu bezeichnen ist doch etwas sehr einseitig im allgm. u. besonderen (Bildungs-)Angebot der anderen Digital, Funk und Papier Zunft.

  • Bruder Berthold

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    Gewachsene Strukturen werden heute durch die verkoksten Visionen einfallsloser Bauträger ersetzt. Seit Stadtviertel Quartiere geworden sind, dadurch berechenbarer, ist jegliche Stadtentwicklung doch unmöglich gemacht worden.
    Die aktuellen Neubaugebiete, heute allzuoft mit dem romantisierenden Wort „… Höfe“ benannt, sind doch hässlich wie die Nacht, unwohnlich, überteuert und in zwanzig Jahren Bauschutt. Kein Hof, sondern gleich ein Garten ist „An den Holzgärten“. Ein ehemals lauschiger Ort, der gute Architekten zu wahren Wunderwerken des Wohnens hätte animieren können, wurde mit Legoklötzchenarchitektur zugestellt, die an Abstoßungskraft ihresgleichen sucht. Warum wird so etwas genehmigt? Es ist ein Ort, an dem Mensch kein Zuhause mehr finden kann, nur eine Übergangsstelle in ein hoffentlich wieder besseres Leben.
    So sehen die heute umgesetzten „Möglichkeitsräume“ aus. Mich schauderts, ich verliere die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Wohin, wohin? schreit fragend die Seele angesichts der Fabrikhallen des neuen Wohnens.

  • Mr. T

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    Möglichkeitsräume – cooles Buzzword! Aber gar nicht so verkehrt. Sowas bräuchte es schon, aber nicht für die Kultur- und Kreativwirtschaft, sondern für die Subkultur. Daraus entwicklet sich dann Kultur und Kreativität und später auch Wirtschaft. Wenn man in Regensburg auch gerne so ein kleines Berlin mit seiner hippen Kultur und kreativen Startups haben will, dann darf man das Ross nicht von hinten aufzäumen. Dann muss man mal 15 Jahre zurückgehen und schauen, wie das dort begonnen hat und ähnliche Brutstätten gewähren. Dann kann sich daraus die Regensburger Kreativkultur entwickeln. Aber hier meint man immer wieder, man muss den aktuellen Ist-Zustand kopieren und dann tauchen auf einmal die Coolen und Kreativen auf – Regensburger Stadtentwicklung halt…

    Ansonsten mag ich den Beitrag von Bruder Berthold dick unterstreichen!

  • joey

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    @Bruder Berthold
    „warum wird sowas genehmigt?“
    Na, das wurde ja in den vielen Artikeln „Skandale zum einen und anderen OB“ besprochen.

    Nun wäre die Frage, wie man es denn besser machen kann. Regensburg hat zu wenig Wohnungen, also baue man möglichst viele davon auf die jeweiligen Grundstücke? Da Grundstücke einen Wert haben, den die Mangelsituation hoch bepreist, ist die forschermäßige „Spannung“ gering. Regensburg ist praktisch voll bebaut, es geht nur noch um Umwidmung und Verdichtung von Platz.

    Mathematisch kann man den Druck auf Regensburg nur lösen, indem man die Stadt ins Umland vergrößert. Dafür gibt es viele denkbare Möglichkeiten, wie man sie in den Metropolen sehen kann. Eine verstärkte Zusammenarbeit wurde ja angeblich schon begonnen, auch wenn davon noch nicht viel sichtbar ist.

    Deutschland war immer ein Netz, kein Zentrumssystem. Es macht keinen Sinn, wenn Dörfer bei Cham um die Grundschule bangen und zugleich Regensburg erstickt. Arbeitsplätze müssen wieder in die Fläche verteilt werden, auch wenn das den Zersiedelungstheoretikern nicht gefällt.

  • Abraham

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    Bruder Berthold,

    wie kann man den Mist, der hier städtebaulich läuft, besser beschreiben, als Du es getan hast? Man kann es nicht. Danke für Deine Aussagen.

    Meine Seele schreit mit Deiner!

    Abraham

  • Lothgaßler

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    @joey:
    Die Parkflächen vor diversen Supermärkten, Autohäusern oder anderem Großgewerbe könnten schon aktiviert werden, für anderes Gewerbe. Diese Stellflächen werden im Augenblick regelrecht verschwendet. Natürlich kostet das „Überbauen“ etwas, aber doch deutlich weniger als neue Grundstücke. Die so gewonnen Gewerbeflächen (vereinzelt auch Wohnflächen) könnten dann dazu beitragen in anderen Bereichen dort wenig passendes Gewerbe (es gibt ja auch passendes bzw. nicht störendes Gewerbe) abzuziehen, und daraus einen Mehrwert in mehrfachem Sinne zu generieren.
    Der Egoismus der Zentren ist auch die pure Not Einnahmen generieren zu müssen, denn dieses Wachstum kostet auch jede Menge Geld. Sollten BMW oder Continental in eine ähnliche Lage geraten wie VW, dann sind die goldenen Zeiten für Regensburg auch vorbei. Die Branchen Logistik und Konsum retten die Gesellschaft dann nicht. Die „Kreativwirtschaft“ (was immer das auch ist, hoffentlich sind nicht die überwiegend defizitären Internet-Startups gemeint) kann zumindest derzeit nicht verglichen werden mit Handwerk, Industrie, Gesundheitswirtschaft und daran orientierten Dienstleistungen.

  • joey

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    @Lothgaßler
    die Parkplätze sind baurechtlich vorgeschrieben. Würde man sie überbauen, bräuchte man wieder weitere Stellflächen – für jeden qm Verkaufs- Büro- und Wohnfläche braucht man PKW, Fahrrad, … Kinderwagenflächen. Ja, wirklich.
    Wenn das Gebäude im Bereich von öffentlichem Nahverkehr liegt, kann der Stellplatzbedarf reduziert werden.
    Parkhäuser: deren Einschränkungen und Probleme sind bekannt. Wenn man zuviel oder überhaupt Geld verlangt, daß der Kunde vor dem Geschäft sein Auto hinstellt, geht der Kunde schlicht ins Internet oder nach Straubing.

    Wenn pleite Gebäude leer rumstehen, ist das eher ein Problem der niedrigen Grundsteuern. Würde man die aber erhöhen (daran wird bereits gearbeitet), kriegen viele Menschen ein Existenzproblem, besonders Mieter. Versuche von Sozialisten, in Paris leer stehenden Raum zwangszuvermieten, gingen voll nach hinten los.

  • Bruder Berthold

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    @joey:
    „Nun wäre die Frage, wie man es denn besser machen kann.“
    Wo sind denn die vielen tausend Arbeitsplätze? Bei BMW, Conti, Uni und Klinik, Osram und Infinion. Sollen sie die Kasernen für die Industriesoldaten doch direkt um die Werkhallen bauen. In Harting ist Platz, hinter der Uni auch. Dort stören die modernen Architekturwunder nicht und die Arbeitswege wären kurz und umweltfreundlich. Möglichkeiten gäbe es schon, aber es wollen ja alle, die die Stadt nicht kennen, einen Domblick haben.

  • Lenzerl

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    @ Tobias: Dankeschön, genauso seh ich das auch, obwohl ich auch die Altstadt liebe, weil sie so viele Geschichten erzählt!

    …. aber das können die Ränder auch! Und dem Satz über Burgweinting er sein ein „sich gerade in reger Entwicklung befindende Schlafstadtteil (…), der weder richtig städtisch noch richtig ländlich, beides aber zugleich sein möchte.“ kann ich absolut nicht zustimmen. Wer das sagt, sieht das alte Dorf wirklich nur als Durchgangsstraße!!! Burgweinting ist Stadt und Land zugleich und genau deshalb „unglaublich spannend“.

  • Paarstrassler

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    @BruderBerthold: Den Ausführungen möchte ich -auch als Betroffener- in Teilen widersprechen ! Natürlich wäre es schöner, wenn der Wohnungsmarkt in Regensburg nicht von ein paar Immobilienmogulen beherrscht werden würde, aber kleinteiligeres, individuelleres Bauen ist in der Regel nicht mehr bezahlbar und es wird auch nicht zwingend ein schönes Viertel daraus, man betrachte mal diverse Neubaugebiete unterschiedlicher Gemeinden…die Ansammlung von widerlichen Toskanahäusern und sonstigen geschmacklosen und hilflosen Versuchen der Individualisierung des Eigenheimes und der Herausstellung des eigenen Wohlstandes lässt mich mehr schaudern, als neu entwickelte Gebiete oder Projekte…Aber über die Begriffe „guter Architekt“ oder „schöne Architektur“wird ja schon seit mehreren Jahrhunderten trefflich gestritten und jeder – wie auch Sie und ich- hat da seine ganz eigene Definition, die er „ganz objektiv“ für die Richtige hält. Und zu „gewachsenen Strukturen“ gehört halt auch, dass größere Flächen meist innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erschlossen und bebaut werden…sie wachsen somit auch und idealerweise integrieren sie sich mit der Zeit auch in das Gesamtbild, ich kenne da durchaus Beispiele. Zur Stadtentwicklung/Stadtplanung in Regensburg kann man aber sicher auch sehr viel kritisches anmerken, da haben Sie schon Recht. Dass zum Beispiel ein ganzes Gebiet wie die von Ihnen angesprochenen „Holzgärten“ von der Stadt neu ausgewiesen werden und es kein zentral vorgegebenes Konzept der ökologischen Wärme-und Energieversorgung gibt, finde ich bedenklich. Auch die Farbgebung ist in Teilen schon grenzwertig und es drängt sich der Gedanke auf, ob der Entwickler dieses Konzeptes eine Farbsehstörung hat oder an „Farblegasthenie“ leidet. Nichtsdestotrotz auf Ihre Bemerkung „Es ist ein Ort, an dem Mensch kein Zuhause mehr finden kann, nur eine Übergangsstelle in ein hoffentlich wieder besseres Leben“ möchte ich nur aus eigener Erfahrung und tiefster Überzeugung anmerken: Täuschen Sie sich nicht ! Es lebt sich hier verdammt gut, wir haben uns selten mehr zu Hause gefühlt und wir wollen hier -nicht nur wegen unserer Immobilie, sondern auch wegen der Nachbarschaft- nicht mehr weg ! Beruhigend für Sie: Sie müssen hier ja nicht hinziehen…

  • Sebastian Bührig

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    Sehr geehrter Herr Oswald,

    ich danke Ihnen für Ihren Artikel.

    Zu Ihren Ausführungen über unseren Vortrag möchte ich zwei Dinge anmerken:

    1. Zweifelsohne haben wir den Begriff des „Möglichkeitsraums“ – wohl durchaus auch mehrmals – ins Spiel gebracht. Doch leider scheint dieser einen anderen Punkt, der mir besonders am Herzen lag, überstrahlt zu haben. Nämlich mein Plädoyer dafür, dass die Stadt Regensburg es sich leisten kann, leisten sollte, mit ihren Flächen bedachter umzugehen; sie konzeptgebunden zu entwickeln und dabei Neues zu wagen. Schade, dass dieser Aspekt in ihrem Beitrag keine Erwähnung fand.

    2. Was ich Ihnen nicht durchgehen lassen möchte: Das Ende unserer Expedition ließen wir in einem Teil Burgweintings enden, der sich grundlegend von jenem unterscheidet, den sie mit dem Bild am Ende ihres Textes zeigen. Dass empfinde ich insofern als problematisch, als dass das von Ihnen dargestellte Quartier eben genau jenes ist, dass meiner Kenntnis nach mitunter gerne als „sozialer Brennpunkt“ benannt wird, da hier ein verhältnismäßig hoher Anteil der Anwohner*innen einen Migrationshintergrund hat. Eben dorthin haben wir die Expeditionsteilnehmer*innen aber gerade nicht geführt. Unsere abschließenden Fragen zur Zukunft der Regensburger Stadtentwicklung stellten wir im Angesicht der neuentstandenen und entstehenden Reihenhaus-Idylle. Meiner Einschätzung nach rückt das von Ihnen ausgewählte Bild ihre Schilderungen unserer Fragestellungen in einen falschen, beziehungsweise missverständlichen Zusammenhang.

    Nun möchte ich Ihnen abschließend mein Lob aussprechen: Ihre Haltung und Ihr Anspruch an „freie“ Berichterstattung gefallen mir sehr – bitte machen Sie weiter so!

    Viele Grüße,

    Sebastian Bührig

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