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Fragwürdiges Umfeld

Wahlkampf unter rechten Pöbeleien: CSU-Kandidatin lässt Werbebanner bei Regensburger Stadtzeitung entfernen

Nach Kritik an einem polemischen Artikel der Regensburger Stadtzeitung mit rechtsradikalen Anklängen ließ CSU-OB-Kandidatin Astrid Freudenstein eine Wahlkampfwerbung dort entfernen. Doch damit scheint es nicht getan. Auf der Seite des Veranstalters Peter Kittel geht es recht enthemmt zu.

Das Umfeld, in dem sich die Werbung von OB-Kandidatin Astrid Freudenstein bewegt. Jetzt interveniert die CSU-Politikerin. Screenshots: Regensburger Stadtzeitung

„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR), finanziert mit Zwangsgebühren aller potentiellen Nutzer, ist unterwandert von einem krakenartigen, nachgerade mafiösen Netzwerk aus fanatischen, hochbezahlten und als ‘Journalisten’ getarnten Linksaktivisten. So zumindest die Meinung eines immer größer werdenden Teils der Bevölkerung. Und dieser Teil fühlt sich nahezu täglich vom manipulativen Treiben diverser Protagonisten vom Schlage Böhmermann, Hayali, Reschke oder Miosga bestätigt. ‘Umerziehungsjournalismus’ und ‘Meinungsterror’ sind da noch die eher schwachen Vokabeln, mit der Kritiker die jeweiligen Formate der genannten Personen klassifizieren.“

WERBUNG

Selbst scharfe Kritiker von Astrid Freudenstein würden nicht auf die Idee kommen, dass die OB-Kandidatin der CSU eine solche Haltung vertritt – und dass sie einen solchen Text im Internet veröffentlichen oder auch nur unterstützen würde. Wortwahl und Duktus passen eher zum rechtspopulistischen Pöbelmedium Nius oder dem rechtsextremen Compact.

Oder zur Internetseite des Veranstalters Peter Kittel („Regensburger Stadtzeitung“), der dort seit geraumer Zeit zunehmend enthemmt rechtsradikale und andere Pöbeleien von sich gibt (Mehr dazu hier, hier und hier.). So wie zum Beispiel im obigen Text.

Die CSU und Peter Kittel: eine Partnerschaft seit Jahrzehnten

Dass der Eindruck entstand, die CSU und Astrid Freudenstein würden Kittels Tirade unterstützen – bei einem oberflächlichen Blick in der mobilen Version konnte man sogar meinen, der Text stamme von ihr – ist dem Umstand geschuldet, dass die CSU bei der Stadtzeitung Werbung schaltet. Übrigens als bislang einzige Partei im Regensburger Kommunalwahlkampf.

Das kommt nicht von ungefähr. Kittel und die CSU verbindet eine Jahrzehnte lange Partnerschaft, mit der er auch gerne prahlt.

„Kittel gilt wegen seiner ausgezeichneten Kontakte und seiner engen Vernetzung in Politik, Medienwelt und Gesellschaft als sehr einflussreich und wird insbesondere deswegen von vielen linken Gruppierungen immer wieder heftig angegriffen“, heißt es selbstbewusst auf seiner Seite.

Wahlkampfmanager mit unterschiedlichem Erfolg

Der Organisator des Papstbesuchs in Regensburg und Veranstalter des Romantischen Weihnachtsmarkt stand nach dessen Wahl 1996 zunächst treu an der Seite von Oberbürgermeister Hans Schaidinger.

Dann schlug er sich im Zuge eines CSU-internen Streits 2008 auf die Seite des anfänglich als rechtsaußen verschrienen „Rieger-Lagers“. 2014 war er Wahlkampfmanager beim OB-Wahlkampf für den CSU-Kandidaten Christian Schlegl – mit mäßigem Erfolg. Erfolgreicher verlief das Wahlkampfmanagement für den den langjährigen Regensburger CSU-Chef Franz Rieger, der es zwei Mal in den Landtag schaffte.

Alles klar auf der Andrea Doria? Wahlplakate von Manager Kittel für CSU-Kreischef Franz Rieger. Foto: as

In der Korruptionsaffäre um Parteispenden und Immobiliengeschäfte wurde Franz Rieger später unter anderem wegen Erpressung verurteilt. Peter Kittel, der zusammen mit Rieger vor Gericht stand, kam im Rahmen eines Deals mit 50 Tagessätzen davon – wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Seit 2025 wieder eitel Sonnenschein zwischen Kittel und CSU

Für ein paar Jahre trübte sich das Verhältnis zur Regensburger CSU etwas ein. Hintergrund: Die Partei hatte Kittels Freund Franz Rieger nach dessen Verurteilung wegen Erpressung im Juni 2022 aufgefordert, sein Mandat im Landtag niederzulegen. Das sei „alternativlos“ und Riegers bisheriges Verhalten eine Belastung. Diese Distanzierung nahm Kittel den Exponenten der CSU übel.

Sieht sich als einflussreiche graue Eminenz in der Regensburger Kommunalpolitik: Veranstalter und CSU-Mitglied Peter Kittel. Foto: Staudinger

Doch diese Zeiten sind mittlerweile vergessen. Letztes Jahr zeigte die CSU sich in Mannschaftsstärke gemeinsam mit Peter Kittel bei den Regensburger Schlossfestspielen unter dem Dach von Gloria von Thurn und Taxis, wo auch AfD-Chefin Alice Weidel eingeladen war. Von einer „Rückkehr der konservativen Gesellschaft“ in Regensburg war in anschließenden MZ-Artikel die Rede.

Das ging Astrid Freudenstein zu weit

Berührungsängste scheint man weder mit den rechtsradikalen Aussagen der Adeligen noch mit denen von Kittels Stadtzeitung zu haben, die Gloria in nichts nachstehen. Das Werbebanner im unmittelbaren Umfeld der Tirade gegen die Öffentlich-Rechtlichen ging OB-Kandidatin Freudenstein, ehemals selbst Journalistin beim BR, aber dann offenbar doch zu weit.

Wie Astrid Freudenstein uns auf Nachfrage mitteilt, hat sie den Verlag nach dem Hinweis eines (potentiellen) Wählers mittlerweile schriftlich aufgefordert, die Anzeige aus diesem Artikel zu entfernen. Auch CSU-Chef Lehner habe interveniert.

Jetzt erscheint dort Werbung des regionalen Fernsehsenders TVA.

Statt Pöbeleien gegen ÖRR – nun gegen Merkel und Söder

Wirklich zufrieden kann Freudenstein aber auch weiter nicht sein mit dem Umfeld, in dem ihre Werbung erscheint. Bislang zum Beispiel bei einem Text, in dem es unter anderem heißt: „Löst im konservativen Bürgertum inzwischen einen kollektiven Würgereiz aus: Altkanzlerin Merkel“.

Es folgt Gepolter über Merkel, Friedrich Merz, „den tragischen Kanzlerdarsteller von SPD-Gnaden“, und Markus „Söders politische Instinktlosigkeit, Angela Merkel den Bayerischen Verdienstorden umzuhängen“.

2018 war noch alles gut: Peter Kittel (2.v.li.) bei der Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte mit Ministerpräsident Markus Söder, dem früheren Wochenblatt-Herausgeber Herbert Zelzer und dem früheren MZ-Verleger Peter Esser. Foto: Staudinger

In der Vergangenheit galt Markus Söder für Peter Kittel als Hoffnungsträger, den er in der Stadtzeitung regelmäßig pries und zu seinem Romantischen Weihnachtsmarkt einlud. Seit Söders Corona-Politik seine Marktgeschäfte beeinträchtigt hat, ist es mit solchen Lobpreisungen vorbei. Doch das nur am Rande.

All das kann Astrid Freudenstein nicht gefallen. Erst letzten Sonntag hatte sie sich bei unserem Gesprächsformat noch als Fan von Angela Merkel geoutet. „Ich finde, man tut ihr Unrecht.“ Nun will sie sich auch darum kümmern, dass ihre Werbung dort ebenfalls entfernt wird. Es dürfte nicht der letzte Text bleiben.

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Kommentare (14)

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    Wer ist Anstrid Freudenstein (Zwischenüberschrift)

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  • Stefan

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    Also, wenn eine OB Bewerberin in der Stadtzeitung mit klarer rechtsgerichteter Richtung inseriert, dann braucht man sich nicht zu wundern. Entweder ist Frau Freudenstein kommunalpolitisch nicht informiert oder es war Kalkül. Beides wäre einem OB nicht würdig.

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  • Erich

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    “Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR), finanziert mit Zwangsgebühren aller potentiellen Nutzer, ist unterwandert von einem krakenartigen, nachgerade mafiösen Netzwerk aus fanatischen, hochbezahlten und als ‘Journalisten’ getarnten Linksaktivisten. So zumindest die Meinung eines immer größer werdenden Teils der Bevölkerung. Und dieser Teil fühlt sich nahezu täglich vom manipulativen Treiben diverser Protagonisten vom Schlage Böhmermann, Hayali, Reschke oder Miosga bestätigt. ‘Umerziehungsjournalismus’ und ‘Meinungsterror’ ” Unterschreibe ich sofort

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  • Moral

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    Kittel hat sich seit 1990 mit der Stadtzeitung immer in die Stadtpolitik zugunsten der CSU und auch der Alzheimer eingemischt. Dabei nahm er es nie mit der Wahrheit genau. Solange das Wochenblatt unter der Leitung des Herrn Zellner stand und man sich um die Werbekunden stritt, war die Auseinandersetzung auf dem politischen Parkett dieser beiden interessant zu verfolgen. Der heutige Lokalredakteur der MZ, Dr. Eckl, begleitete Kittl solange kritisch, bis sich sein Chef mit Kittl aussöhnte. Von da an wurde auch nicht mehr kritisch über die Regensburger CSU und ihre Repräsentanten berichtet. Kittels Berichte wurden mit Schenkelklopfen aufgenommen. Es war übrigens Rieger, der in seiner Zeit als Kreisvorsitzender Kittl immer mehr ins Spiel brachte. So übertrug er seinen Landtagswahlkampf und die Stadtratswahl 2014 Kittel. Die erste war erfolgreich, was sie vermutlich auch ohne die Einbindung Kittels gewesen wäre. Die zweite Wahl endete mit einem Debakel für den OB-Bewerber und die CSU. Wenn sich die CSU und die Bewerberin um das OB-Amt von Kittel lösen kann, wäre es nur zu begrüßen.
    Übrigens: Die Kittel ist vermutlich auf Söder sauer, weil er selbst bisher keine Auszeichnung des Freistaats Bayern erhielt, obwohl er sich für einen geborenen Anwärter hält. Dafür gibt es aber in seiner Person liegende Gründe.
    Er hatte auch gute Beziehungen in die Führungsetage der Stadtverwaltung und deren Unterstützung, z.B. eines Referenten, ebenfalls Jäger ist.

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  • Max D.

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    Ach ja, der Kittel. Als Regensburger weiß man ja, dass zwischen regensburg-digital und ihm eine sehr herzliche Zuneigung besteht. Seit dem Verkauf der MZ ist der – und das finde ich eine wunderbare Formulierung – “in Regensburg weltberühmte Veranstalter” mit seiner vollständig zum Hetzblatt verkommenen Postille aber doch eher in die Bedeutungslosigkeit geglitten. Dort ist er gut aufgehoben und dort kann er auch sehr gut bleiben. Dass Frau Freudenstein und ihre CSU bei ihm immer noch Wahlwerbung schalten, könnte ihnen auch zum Nachteil gereichen.

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  • Wolfgang Theine

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    Dass Frau Freudenstein in der rechtslastigen “Regensburger Stadtzeitung” Wahlkampfwerbung betreibt, muss hier nicht zu finsteren Verschwörungstheorien führen, sondern ist schlicht und einfach dem Kalkül geschuldet, im rechten Sumpf vielleicht noch einige Stimmen abzufischen.
    Die Nähe zum Rechtspopulisten Kittel ist CSU Markenkern und daher die Anzeige auch nicht verwunderlich.
    Dass Frau Freudenstein nun zurückrudert ist ja nicht ihrer “Einsicht” geschuldet, sondern der Befürchtung, Kittels Pöbeleien gegen Merkel, Merz, Söder etc. könnten selbst unbedarften LeserInnen der braunen Postille zu weit gehen und ihrer Kandidatur womöglich schaden.
    Mit welchen “Prinzipien” Frau Freudenstein in diesen Wahlkampf geht, wird hier mehr als einmal offensichtlich.

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  • Mt. T.

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    Das ist doch nur wieder ein astreines Beispiel für das komplett fehlende Problembewusstsein der CSU gegenüber dem Rechtsextremismus. Man inseriert vorsätzlich in einem Medium, das von einer stammrechten Person mit großen Sendungsbewusstsein explizit zum Verbreiten von Hass- und Hetzbotschaften genutzt wird. Dann erscheint die Werbung natürlich auch unter einem Artikel, in dem es auch gegen die eigene Partei geht. Anstatt aber seine Werbung komplett von dieser Dreckschleuder abzuziehen, will man sie nur unter diesem einen Artikel ausgeblendet haben. Man inseriert aber noch weiter in diesem Medium und unterstützt die Verbreitung solcher stammrechten Texte in purem AfD-Duktus. PR kann als Grund auch nicht vorgeschoben werden; wer hier interessiert liest, wählt sicher eh keine CSU mehr. Wie lange dauert es eigentlich noch, bis das Inserieren genauso verpönt in Regensburg ist, wie es irgendwann mal das Auslegen der Stadtzeitung war – was dann letztlich auch zur Einstellung der gedruckten Ausgabe geführt hat? Mt Schmuddelkindern spielt man nicht und mit strammrechten Hetzern macht man keine Geschäfte – außer wenn man überhaupt kein Problem mit sowas hat.

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  • Günther Herzig

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    Stefan
    13. Februar 2026 um 22:14 | #
    “eines OB würdig”- der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!

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  • vanessa k.

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    Mr. T: Die gedruckte Ausgabe liegt jeden Monat den verteilten Prospekten bei

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  • Anwohner

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    @Günther Herzig
    Wenn schon, denn schon: “einer OB nicht würdig”

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  • Elchias

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    Wie ich gestern feststellen musste findet man die Wahlkampfwerbung der CSU auch in dem ein oder anderen in Döner Imbiss. Zugegebenermaßen hat mich das im ersten Moment irritiert. Haben ja die einen Parteikollegen vom Problem im Stadtbild gesprochen, die anderen von Obergrenzen für eben solche Dönerbuden fantasiert. Aber hey Wahlkampf ist nur alle 6 Jahre und in Regensburg schafft man es immer noch alleine für Negativ Schlagzeilen zu sorgen!

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  • Wilfried Süß

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    Und weil noch Fasching ist: “einer OBin nicht würdig”

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  • Daniela

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    Na, es gebe noch eine Meinung zur Wahlwerbung der CSU OBin – Kandidatin in Kittel’s Blättchen .Nämlich genau dann, wenn die Wahlwerbung für die CSU bei Kittel’s Stadtzeitung Geld kostet. Dann könnte man auf den (nicht abwegig) Gedanken kommen, die CSU unterstütze Kittel’s rechten Einschlag, auch finanziell über Annoncen in Kittel’s Blättchen.
    Das wiederum wäre für mich als Wähler mit ein Entscheidungskriterium zur Wahl, bzw. auch dagegen.

    Ich denke die CSU sollte schon gelegentlich über die Veröffentlichung Ihrer Wahlwerbung nachdenken.
    Nicht jeder findet Kittel’s Meinung als tragbar innerhalb einer Demokratie und unserer Gesellschaft.

    Oder, wie die BILD jetzt meinen könnte:
    BILD Dir Deine Meinung!

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Kommentare sind deaktiviert

drin