SOZIALES SCHAUFENSTER

Tragisches Ende einer Seilschaft

Markus und der schwarze Peter

Es gab Zeiten, da war Peter Kittel ein echter Fan von Markus Söder. Man aß und trank zusammen in illustren Runden, schüttelte sich die Hände und überhäufte einander mit Lob. Doch damit ist es nun vorbei. Anlass: der Disput um die zwangsweise Absage des „Romantischen Weihnachtsmarkts“. Dabei erlaubte sich Söder nun auch ein Scherzchen auf Kittels Kosten.

Im Juni 2018 schien noch alles eitel Freude zu sein. Markus Söder und Peter Kittel (Mitte) mit zwei ehemaligen Medienmogulen vor dem Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Foto: Archiv/Staudinger

„Freunde kommen und gehen, wie Kellner in einem Restaurant.“ Stephen King

Es gab Zeiten, da hat der Veranstalter Peter Kittel sich gerne mit Markus Söder geschmückt. Man könnte sogar sagen: Er war ein richtiger Fan des forschen Franken. „Ich habe ungefähr Ihr Ego, Herr Minister“, ließ der 62-Jährige den damaligen bayerischen Heimatminister wissen, als er ihn 2015 als Ehrengast beim Truhthahn-Essen mit „seinen guten Freunden“ im Auerbräu begrüßen konnte. Man saß zusammen, der Peter, der Markus und der Rieger Franz und ließ es sich bei Bier und Geflügel gut gehen.

2018 ließ sich Markus Söder, da schon Ministerpräsident, dann auch bei der Eröffnung des „Romantischen Weihnachtsmarkt“ nicht lumpen, gab sich auf Schloss Thurn & Taxis ein Stelldichein und posierte für ein Foto mit dem „Mythos Kittel“ (Kittel über Kittel). Durchlaucht Gloria lud damals anschließend einen ausgewählten Kreis an Gästen in den Madonnensaal, wo sie „von den Ansprachen des Veranstalters Peter Kittel und des bayerischen Ministerpräsidenten unterhalten wurden und noch bis in den späten Abend bei vergnüglichen Gesprächen mit Köstlichkeiten von Sternegastronom Anton Schmaus verwöhnt wurden“, wie Kittel höchstpersönlich auf seiner Internetseite zu berichten weiß.

Auch bei diversen Veranstaltungen der Regensburger CSU, damals noch unter Führung seines Intimus Franz Rieger, mit dem Kittel in Regensburg so manches Späßchen trieb, suchte der Veranstalter stets die Tuchfühlung mit dem bayerischen Staatsoberhaupt. Man war einander verbunden – so der Eindruck.

Doch damit ist es seit vergangenen Freitag vorbei. Die Ankündigung Söders, ab Mittwoch sämtliche Weihnachtsmärkte coronabedingt zu untersagen, verbunden mit der Anmerkung „Wir hätten gehofft, dass die Veranstalter das selber machen“, trieb Kittel auf die Barrikaden. Die geplante Eröffnung fand ungeachtet all dessen statt. Das „fürstliche Christkind“ und hohe Geistlichkeit (Pfarrer Roman Gerl) an seiner Seite wetterte CSU-Mitglied Kittel von der Empore vor spärlich erschienenem Publikum ob des Versagens der Politik.

„Ich habe Papstbesuche und Bürgerfeste organisiert, aber so einen Irrsinn habe ich noch nicht erlebt. Wir haben für den Papierkorb gearbeitet, statt das zu tun, was wir tun wollten: Menschen Freude und Hoffnung geben in einer schwierigen Zeit“, lässt er sich von der Mittelbayerischen Zeitung zitieren. So lange ihm keine „rechtskräftige Betriebsunterlassungsverfügung“ zugestellt werde, werde der Markt weiter stattfinden kündigt Kittel an. Er werde „juristisch alle Möglichkeiten“ prüfen, um weitermachen zu können.

Die Reaktion Söders ließ nicht lange auf sich warten – und sie klingt süffisant, fast ein wenig spöttisch. Auf Nachfrage eines Reporters der BILD-Zeitung, zu der Gloria von Thurn & Taxis über ihren Bruder beste Beziehungen pflegt, ließ Söder am heutigen Montag bei einer CSU-Pressekonferenz wissen, dass es – wenn nicht jeder von sich aus seinen Beitrag leiste und Solidarität übe – am Mittwoch so oder so Essig sei – auch mit dem „Romantischen Weihnachtsmarkt“. Selbstverständlich stehe aber jedem der Rechtsweg offen. „Die betreffende Person hat ja auch andere juristischer Erfahrung die letzten Tage gemacht, wie ich gelesen habe“, fügt der Ministerpräsident noch an. Tunlichst bemüht, bloß keine Nähe zwischen ihm und seinem mehrfachen Gastgeber und Parteifreund entstehen zu lassen, dem er in der Vergangenheit gern die Hand schüttelte.

Dabei wirkt Kittels „andere juristische Erfahrung“ (eine Verurteilung zu 50 Tagessätzen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung), die Söder bei der Pressekonferenz glaubt herausstellen zu müssen, ohne dass es einen Zusammenhang zum Streit um den „Romantischen Weihnachtsmarkt“ gäbe, im Vergleich zur Verurteilung von Franz Rieger – 300 Tagessätze, 120.000 Euro – eher wie eine Petitesse.

Zu dieser Affäre, in deren Rahmen Kittel seine „andere juristische Erfahrung“ gemacht hat, dem strafbaren Verschleiern von Bauträger-Zuwendungen an Söders Parteifreund Franz Rieger – erstinstanzlich verurteilt wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Erpressung, hat Söder sich trotz direkter Nachfrage bislang nicht äußern wollen. Es taugt wohl nicht für süffisante Scherzchen.

Der entsprechende Auszug aus der CSU-Pressekonferenz als Video (ab Minute 17:14):

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Kommentare (15)

  • Mr. T.

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    “Mtyhos Pegida-Peter” (Aigner über Kittel) schaffet es in doch wirklich, dass ich sekundenlang Söder sympathisch finde. Respekt!

  • Samson

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    Peter Kittel
    Totensonntag hat er zu
    Montag und Dienstag wird mau und Mittwoch geschlossen.
    Brilliant gemacht muss ich sagen, ein richtiger Geniestreich eines brillanten Gehirns.
    Heute und morgen ist Markt sicher voller Corona Leugner und Wutbürger. Ohhh Mist die kommen ja alle nicht rein.
    2 G.

  • Mr. B.

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    Hallo RD, wieder ein genialer Bericht aus dem richtigen Leben!!
    Besonders das Titelbild ist bezeichnend! Wann werden die Menschen hier endlich wach!

    Und wieder mein Spruch dazu:
    “Mit RD ist man einfach besser informiert!”
    Danke.

  • Pete

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    Wer Prinzipien und Charakter besitzt, besucht diesen Weihnachtsmarkt schon grundsätzlich nicht. Alleine schon wegen der unsäglichen Hausherrin!

  • Christian

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    Wieder ein Artikel aus der Reihe “Was Sie im mittelmässigen T&T Hofblattl nicht lesen werden”. An dieser Sch\%€ß Pandemie ist nicht alles schlecht.

  • Hthik

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    @Pete 22. November 2021 um 16:50

    Richtig! Was sagt eigentlich die Prinzessin? Wie kann man einen solchen Artikel nur veröffentlichen ohne dass der Born der Weisheit dazu Stellung nimmt? Wo bleibt die schnorralistische Sorgfaltspflicht, wenn sich da keiner einladen läßt?

  • Mane Meuer

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    Sehr schöner Weihnachtsmarkt. Haben ihn am letzten WE gerne besucht…

  • meine999cent

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    Auch wenn mir P.K. äußerst unsympathisch ist, aber das Hin und Her des sich aalartig windenden egomanischen Landesfürsten (“Politiker sollten sich als Vorbilder mit AZ imfpen lassen” – “Söder mit Biontech geimpft”) ist derart abstoßend, dass man sich fragt, wie der überhaupt mal nahe an eine Kanzlerkandidatur gelangt ist.

    Am 12.11. noch: 2G bei Veranstaltungen, alles paletti; am 15.11. dann auf einmal (nachdem sich alle vorbereitet hatten und angefangen haben aufzubauen, in München , Nbg, Regensburg) Schotten dicht. Macht ja nix. die EZB druckt sowieso das Geld für die Entschädigung.

    Am 13.07 auf SPON: Söder lehnt Impfpflicht ab
    Am 12.11. : Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen sinnvoll:
    Am 21.11: Imfpflicht für alle!

  • Stefan Aigner

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    @999cent

    Da kann ich kaum widersprechen.

  • Lutherer

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    Eine Metapher: Es kommt mir so vor als ob die Fahne nicht merkt, dass sich der Wind gedreht hat. Da zeigt der Ausleger zwangsläufig in die falsche Richtung.

  • Tom

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    Ein wunderbare Ausgangssituation. Beide Protagonisten sind mir überaus unsympathisch!
    Wenn dann einer den Anderen beim ultimativen Charakterlimbo noch überbietet ist das doch für alle Betrachter eine win-win-Situation. Es sehe P.K. direkt vor mir, wie er mit seiner überschäumenden Hybris den armen Budenbetreibern verkündet hat. Kein Problem, da rufe ich schnell meinen Spezi Maggus an, und dann sperren wir sicher unseren Disney-Christkindlmarkt auf. Doch da hat der oberpfälzer Eventmogul die Rechnung ohne den “King of Opportunism” gemacht. So weit kommt es noch, dass die Ösi-Nachbarn vor den Augen des Maggus mit der großen Totalitarismuskeule rumwedeln und er tatenlos dem Schauspiel nur zusehen kann. Wenn interessieren dabei schon ein paar poplige Budenbetreiber als Kollateralschaden?

  • Marion

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    Der Stil von Hrn. Kittel repräsentiert ein Stück weit die Erwartungshaltung, über dem Gesetz zu stehen. Damit gehört er einer in Regensburg kleinen – aber viel zu großen – Gemeinschaft an.

    Auf dem T&T-Weihnachtsmarkt wird am Eingang kontrolliert: 2G. Ist man erst drin, weisen Schilder darauf hin, die Maske abnehmen zu dürfen. In beengten Bereichen passiert es, dass man Anderen deutlich unter 1,5 Meter Abstand auf die Pelle rückt. Das geht nicht anders. Ansteckungsrisiko besteht damit zweifelsohne.

    Der Weihnachtsmarkt T&T ist schön und die Pandemiefolgen für jeden Standbetreiber dramatisch. Völlig unabhängig davon, wie vogelwild die Äußerungen unser Fürstin oder wie eigennützig die von Hrn. K. auch sein mögen, es sollte die Gesundheit der Regensburger:innen die höchste Priorität haben. Verständnis für die notwendige Entscheidung zu haben, wäre sehr sozial.

  • Altstadtkid

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    Das hätte einen unsäglichen Christkindlmarkt Tourismus gegeben.
    Wenn alle anderen Märkte abgesagt sind….
    Soviel ist klar 2G hin 2G her

Kommentare sind deaktiviert

drin