Das Prinzip Mietshäuser Syndikat

Wie nimmt man ein Haus vom Markt?

92 erfolgreiche Projekte gibt es in Deutschland, eines davon in Regensburg: Mit Unterstützung des Mietshäuser Syndikats hat die DANZ ein Wohnhaus dauerhaft vom Markt genommen und garantiert den Bewohnern eine stabile Miete. Am Donnerstag wird das Prinzip Mietshäuser Syndikat vorgestellt.

Danz

Für manchen mag es sich wenig vertrauenerweckend anhören, dass das „Mietshäuser Syndikat“ 1992 aus der Freiburger Hausbesetzer-Szene hervorging. Das Ziel: Eigentum neutralisieren, Häuser dauerhaft vom Markt zu nehmen und langfristig bezahlbaren Wohnraum zu garantieren. Doch vertrauenerweckend hin, vertrauenerweckend her: In kleinem Maßstab funktioniert es. 92 erfolgreiche Projekte – rund 120 Häuser – gibt es in Deutschland, drei davon in Bayern. Das kleinste ist ein Einfamilienhaus mit sechs Bewohnern, das größte befindet sich in Tübingen, wo die SUSI vier Gebäude der Schlageter-Kaserne gekauft hat. Dort leben rund 250 Menschen. Die DANZ in der Konradsiedlung in Regensburg bietet Wohnraum für zehn Menschen.

Geld spielt keine Rolle?

Vor vier Jahren haben es die damaligen Bewohner geschafft, das Haus mit legendärer WG-Geschichte für 275.000 Euro zu kaufen. Viel Geld? Hört man den derzeitigen Bewohnern zu, kann man theoretisch jede Immobilie dauerhaft vom Spekulationsmarkt nehmen, ohne selbst besonders viel Geld zu haben. Alles, was es dazu braucht, ist eine Gruppe, die gemeinsam dieses Ziel verfolgt, ein passendes Objekt und einen Eigentümer, der sich darauf einlässt. Er bekommt sein Geld nämlich genauso wie bei jedem anderen Verkauf auch.

Das Prinzip: Die (aktuellen oder zukünftigen) Bewohner schaffen sich eine Struktur, um Kapital in Form von Groß- und Kleinstkrediten zu sammeln. Bei der DANZ war es zunächst ein Verein, der zwischenzeitlich als Mehrheitsgesellschafter einer GmbH fungiert, der das Gebäude gehört. Das Mietshäuser Syndikat steht beratend zur Seite, wenn es darum geht die Realisierbarkeit zu prüfen und einen Finanzierungsplan aufzustellen.

Vetorecht bei Verkaufsabsichten

Sofern das Projekt bei der Mitgliederversammlung aller Syndikats-Initiativen Zustimmung findet, beteiligt sich das Syndikat mit 49 Prozent an der GmbH. Die einzelnen Vereine der Bewohner dürfen über alles in ihren jeweiligen Häusern allein entscheiden, mit einer Ausnahme: Bei einem eventuellen Verkauf hat Syndikats-Versammlung ein Vetorecht. Alle Mitgliedsvereine müssten zustimmen. Damit ist der Verkauf praktisch ausgeschlossen. Über ein Netzwerk aus finanzstärkeren oder eben erst gestarteten Projekten gibt es gegenseitige Unterstützung.

15 Kreditgeber, die zwischen 500 und 20.000 Euro zur Verfügung gestellt haben, waren beim Projekt DANZ notwendig. Die Verzinsung wird individuell vereinbart – maximal gibt es zwei Prozent. Der Rest des Geldes kommt von der Bank. Die Bewohner sind Vermieter und Mieter zugleich. Ihrem Verein gehört das Gebäude, aber jeder Einzelne wohnt nur zur Miete. Wer auszieht, scheidet in der Regel aus dem Verein aus, wer einzieht wird Mitglied. Das Ergebnis: Egal wie begehrt eine Immobilie auch sein mag, auf die Mieten hat das keinen Einfluss. Sie wird aus den Kosten für Kreditrückzahlung, Rücklagen für Reparaturen, Nebenkosten und zehn Cent pro Quadratmeter für das Mietshäuser Syndikat errechnet – acht Euro pro Quadratmeter sind es bei der DANZ. 

Die Stadt Dachau hat beim Syndikat angefragt

Am kommenden Donnerstag (19 Uhr, L.E.D.E.R.E.R. e.V., Lederergasse 25) wird das Wohnprojekt DANZ im Speziellen und das Prinzip Mietshäuser Syndikat im Allgemeinen vorgestellt. Ein Modell, mit dem sich in Regensburg weitere Projekte realisieren lassen könnten? Wahrscheinlich nicht bis zu jedem Preis, der derzeit auf dem überhitzten Immobilienmarkt bezahlt wird. 

Nun, zumindest scheint das Vertrauen offizieller Stellen in solche Projekt durchaus vorhanden zu sein. Anfang des Jahres hat sich zum ersten Mal eine Kommune an das Mietshäuser-Syndikat gewandt, um der Gesellschaft eine Immobilie schmackhaft zu machen. Die Stadt Dachau will so ihre denkmalgeschützte Ziegler-Villa retten. „Das haben wir noch nie erlebt, dass ein Kommune sich für uns interessiert“, hieß es dazu in einer ersten Stellungnahme aus Freiburg gegenüber der SZ.

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Kommentare (2)

  • bernd

    |

    „92 erfolgreich Projekt“ Tippfehler

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