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Installation im Degginger

Zeichnende Roboter imitieren den Menschen

Tierpräparate, ein Totenschädel, davor emsig abzeichnende kleine Roboter auf Pulten, daneben an einer Wand die fertigen Zeichnungen. Eine Kunstinstallation von Patrick Tresset versetzt das Publikum im POP-UP-Raum im Degginger in Staunen, und auch vorbeikommende Passanten drücken sich am Schaufenster die Nase platt.

Die Installation “Human Study #2” lässt den Betrachter zeichnenden Robotern über die Schulter blicken. Foto: bvg

Am Dienstag wurde die Installation im Beisein des Künstlers von Bürgermeisterin Astrid Freudenstein und Regina Hellwig-Schmid, künstlerische Leiterin des Vereins donumenta und Kuratorin, eröffnet.

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Freudenstein zeigt sich bei der Eröffnung im Rahmen des Netzwerkdienstags der Kreativen im Degginger begeistert über das Kunstobjekt, das Hellwig-Schmid für Regensburg an Land gezogen habe, der transparente Raum im Degginger sei ideal dafür. Die Mensch-Maschine-Interaktion des Kunstobjekts erinnere an die aktuellen Debatten um Künstliche Intelligenz, die noch ganz am Anfang stünden, die auftretenden Problematiken zu verhandeln.

„Roboter arbeiten fahrig und nervös“

Regina Hellwig-Schmid erinnert daran, dass der Verein donumenta auch aus der Not heraus zu „Reisenden“ geworden sei, weil die Ausstellungsräume in der einstigen Bahnhofsunterführung oft überschwemmt worden seien. An der neuen Ausstellung des „Art Lab on the Move“ im Degginger fasziniert sie die Arbeit an Schnittstellen, die Begegnungen zwischen Materialien und Disziplinen schaffe.

Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (stehend links) zeigte sich begeistert von der Installaton Patrick Tressets (Mitte in Schwarz) und lauschte den Erläuterungen Regina Hellwig-Schmids (rechts). Foto: bvg

„Die Roboter zeichnen Motive, wir beobachten sie dabei. Die Motive erzählen Geschichten“, resümierte Hellwig-Schmid. Die abgezeichneten Exponate mit Tier und Natur stünden für die „Vergänglichkeit und das Leben selbst“. „Wir kennen die ausgestellten Objekte“, bermerkt Hellwig-Schmid, etwa den Totenschädel, der für die Vanitas stehe. Die Roboter seien im Zeichenstil Tressets programmiert, arbeiteten jedoch als autonome Künstler, die eigene Interpretationen schafften. Sie machten auch Fehler, arbeiteten fahrig und nervös.

Ein menschlicher Künstler würde bei Fehlern sofort eingreifen, dies täten die Roboter nicht. Mit den von Roboterhand erstellten Zeichnungen überdauerten die Geschichten auch den Abbau der Installation.

Keine KI im heutigen Sinne

In einer anschließenden kurzen Podiumsdiskussion mit Tresset und Clemens Rudolph, dem Vorsitzenden des Forums Kreativwirtschaft, wird die Installation noch etwas weiter ergründet. Rudolph bemerkt, dass die Roboter ihre Kameralinse nicht nur zu den abzuzeichnenden Motiven, sondern auch zum Blatt auf dem Tisch richteten, was sie nicht müssten, sie aber menschenähnlicher mache. Obwohl die Installation Assoziationen zu heutiger generativer KI wachrufe, komme in ihr KI in heutigem Sinne nicht zum Einsatz.

Clemens Rudolph, Patrick Tresset und Regina Hellwig-Schmidt (v.l.) versuchten zu ergründen, wie die zeichnenden Roboter funktionieren. Foto: bvg

Überdies zeichneten die Roboter nicht fotorealistisch, obwohl dies heute möglich sei. Tresset macht klar, dass die Roboter auf die Realität reagierten, die nicht voraussagbar sei. Sie agierten spontan und ohne Bewusstsein für das, was sie tun, und hätten auch kein Verlangen wie Menschen. Seine Installation sei als „Story“ und „Spektakel“ zu sehen, die Geschichten im Kopf des Betrachters erzeugen könne.

Eine Zeichenschule voller Roboter

Der nerdig wirkende Tresset arbeitet schon seit über 20 Jahren an der Nachahmung menschlicher Fähigkeiten, gipfelnd in den ausgestellten Zeichenmaschinen, die wie in einer Zeichenschule im Degginger-Raum versammelt sind. Der Künstler wurde 1967 in Frankreich geboren, studierte Kunst und Technologie in London und lebt heute in Brüssel. Mit seinen Installationen war er schon in großen Häusern wie dem Centre Pompidou in Paris, der Tate Modern Gallery in London oder im Mori Museum in Tokyo präsent. Die in Regensburg verwendeten Tierpräparate stammen überwiegend aus dem Naturkundemuseum der Stadt.

Die kleine Ausstellung im Degginger mit dem Titel „Animals, Man, Machine: Artificial Studies – Human Study #2“ wird noch bis 30 Juni Montag bis Sonntag zwischen 14 und 19 Uhr zu sehen sein. Die von den Robotern in jeweils zweieinhalb Stunden erstellten Zeichnungen werden im Rahmen einer Matinee mit Podiumsdiskussion am 21. Juli im Naturkundemuseum präsentiert.

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Kommentare (2)

  • weltbesterkoch

    |

    Kunstinstallation?
    Ich würde es maximal als Projekt für an Technik interessierte Schüler durchgehen lassen.

    Auch die Interpretationen finde ich äußerst gewagt.
    Insbesondere auch im Zusammenhang mit KI.

    Hurz, Hape Kerkeling lässt grüßen.

  • SchröckHans

    |

    Was das alles wieder kostet . . .

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